Fachanwalt – ein Experte auf seinem Gebiet

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 15. Mai 2020

Welche Fachanwaltstitel gibt es in Deutschland?
Welche Fachanwaltstitel gibt es in Deutschland?
Wann darf sich ein Anwalt als „Fachanwalt“ bezeichnen?
Wann darf sich ein Anwalt als „Fachanwalt“ bezeichnen?

Bei den meisten rechtlichen Problemen kommt irgendwann der Punkt, an dem juristische Laien nicht mehr weiterkommen und die Unterstützung eines Experten in Anspruch nehmen müssen. Spätestens bei der Suche nach einem geeigneten Rechtsbeistand fällt auf, dass sich einige Juristen „nur“ als Rechtsanwalt bezeichnen, wohingegen andere von der Bezeichnung „Fachanwalt“ Gebrauch machen.

Doch was zeichnet einen Fachanwalt aus? Welche Voraussetzungen müssen für den Titel erfüllt werden? Gibt es eine Fachanwaltsausbildung? Für welche Rechtsgebiete lässt sich eine solche Bezeichnung erwerben? Und macht es einen Unterschied, ob ein Rechtsanwalt oder Fachanwalt Sie berät? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

Rechtsanwälte im Rechtsanwaltsverzeichnis auf Anwalt.org

Welche Fachanwaltstitel gibt es in Deutschland?

Hier finden Sie eine Übersicht über die Fachanwaltstitel in Deutschland:

Der Fachanwalt – eine Definition

Wer kann einen Fachanwaltstitel erhalten?
Wer kann einen Fachanwaltstitel erhalten?

Bei dem Titel „Fachanwalt“ handelt es sich um eine geschützte Bezeichnung, die in Deutschland nur Rechtsanwälte führen dürfen, die die notwendigen Voraus­setzungen erfüllen und die Berechtigung dazu von der zuständigen Rechtsanwalts­kammer erhalten haben. In § 43c Abs. 1 Satz 1 Bundesrechtanwaltsordnung (BRAO) heißt es dazu:

Dem Rechtsanwalt, der besondere Kenntnisse und Erfahrungen in einem Rechtsgebiet erworben hat, kann die Befugnis verliehen werden, eine Fachanwaltsbezeichnung zu führen. 

Ein Fachanwalt hebt sich also aufgrund seiner umfassenden Qualifikationen von den restlichen Rechtsanwälten ab. Allerdings ist es gar nicht so schwer, einen Fachanwalt zu finden, denn in Deutschland waren zum 01. Januar 2019 laut einer Auswertung der Bundesrechtsanwaltskammer insgesamt 56.305 Fachanwälte tätig.

Übrigens! Verfügt ein Jurist über die notwendigen Qualifikationen, kann er den Titel „Fachanwalt“ für mehrere Gebiete erwerben. Allerdings ist die Anzahl der Fachanwaltstitel in Deutschland auf maximal drei begrenzt.

Der Weg zum Fachanwaltstitel: Welche Voraussetzungen muss ein Fachanwalt erfüllen?

Ein Fachanwalt muss in Deutschland verschiedene Bedingungen erfüllen. Dazu gehört unter anderem die Arbeit als Rechtsanwalt. Aus diesem Grund kann auch niemand Fachanwalt werden, ohne ein Jurastudium sowie ein Referendariat zu absolvieren.

An welche Voraussetzungen die Fachanwaltsbezeichnung gebunden ist, bestimmt die Fachanwaltsordnung (FAO). Diese führt für jedes Fachgebiet individuelle Vorgaben auf. Dabei gilt es auf dem Weg zum Fachanwalt grundsätzlich folgende Anforderungen zu erfüllen:

Ausbildung zum Fachanwalt: Für die Richtungen bzw. Fachgebiete gelten individuelle Vorgaben zur Anzahl der bearbeiteten Fälle.
Ausbildung zum Fachanwalt: Für die Richtungen bzw. Fachgebiete gelten individuelle Vorgaben zur Anzahl der bearbeiteten Fälle.
  • mindestens dreijährige Zulassung und Tätigkeit als Anwalt
  • Teilnahme an einem entsprechenden Fachanwaltslehrgang
  • Bestehen von mindestens drei schriftlichen Leistungskontrollen
  • Bearbeitung einer vorgegebenen Anzahl von Fällen im Fachgebiet

Der Fachanwaltskurs umfasst dabei mindestens 120 Stunden. Abhängig vom Fachgebiet kann sich die Stundenanzahl aber auch erhöhen. Dies ist zum Beispiel beim Fachanwalt für die Bereiche Steuerrecht und Insolvenzrecht der Fall. Beim Steuerrecht sind 40 Stunden zum Thema „Buchhaltung und Bilanzwesen“ zu ergänzen, wohingegen beim Insolvenzrecht in 60 Stunden betriebswirtschaftliche Grundlagen vermittelt werden.

Erfüllt ein Bewerber alle notwendigen Qualifikationen und kann sowohl besondere Kenntnisse als auch Erfahrungen in einem Rechtsgebiet vorweisen, verleiht die zuständige Rechtsanwaltskammer den Fachanwaltstitel. Um auch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten nach der Ausbildung sicherzustellen, dass der Fachanwalt über fundiertes Wissen verfügt, schreibt die FAO eine Fortbildungspflicht vor.

So müssen jedes Jahr mindestens 15 Stunden für die Weiterbildung aufgebracht werden. Möglich ist dies unter anderem durch den Besuch entsprechender Kurse. Darüber hinaus können bis zu fünf Stunden im Selbststudium mit abschließender Lernerfolgskontrolle absolviert werden. Um sicherzustellen, dass der Verpflichtung nachgekommen wird, muss der Fachanwalt den Nachweis seiner Fortbildung bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer vorlegen.

Lohnt sich der Fachanwaltstitel finanziell?

Für den Fachanwaltslehrgang müssen nicht selten rund 2.000 Euro eingeplant werden.
Für den Fachanwaltslehrgang müssen nicht selten rund 2.000 Euro eingeplant werden.

So manch ein Jurastudent stellt sich vor der Entscheidung für ein Spezialgebiet die Frage: „Welcher Fachanwalt verdient am meisten?“ Eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht, denn in der Regel werden die Anwaltskosten anhand des Streitwerts und den Vorgaben des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes (RVG) berechnet.

Sieht das RVG allerdings keine Gebührentatbestände vor, erfolgt die Bezahlung auf Basis einer Stundenhonorarvereinbarung. Dies ist zum Beispiel bei einer Beratungstätigkeit möglich. In einem solchen Fall kann sich der Erwerb des Fachanwaltstitels durchaus auszahlen. So erhält ein Fachanwalt meist mehr Gehalt bzw. Honorar als seine nicht entsprechend weiterqualifizierten Kollegen.

Zu diesem Schluss kommt zumindest eine Erhebung des Soldan Instituts für Anwaltmanagement e. V. aus dem Jahr 2005, bei der 1.000 Anwälte zu den Gewohnheiten beim Abschluss von Vergütungsvereinbarungen befragt wurden. Denn demnach erhalten Fachanwälte durchschnittlich 14 Euro mehr, wenn ein fester Stundensatz vereinbart wird.

Allerdings fallen für die Ausbildung zum Fachanwalt auch Kosten an. So können sich die Ausgaben für den Lehrgang und die notwendigen Klausuren unter Umständen auf 2.000 Euro belaufen. Zudem kann die Doppelbelastung aus Beruf und Weiterbildung eine große Herausforderung darstellen.

Fachanwaltschaften und weitere Rechtsgebiete auf Anwalt.org

FAQ zum Fachanwalt

Was ist ein Fachanwalt?

Ein Fachanwalt muss auf einem bestimmten Fachgebiet über besondere theoretische Kenntnisse zu den geltenden Gesetzen sowie praktische Erfahrungen verfügen. Bevor die regionale Rechtsanwaltskammer einen solchen Titel verleiht, muss der Rechtsanwalt einen Fachanwaltskurs absolvieren und sein Wissen in Klausuren unter Beweis stellen. Zudem verpflichtet der Fachanwaltstitel zu regelmäßigen Fortbildungen.

Welche Fachanwälte gibt es in Deutschland?

Für zahlreiche Rechtsgebiete ist eine Spezialisierung zum Fachanwalt möglich. Eine Liste dazu haben wir hier zusammengestellt.

Welcher Fachanwalt lohnt sich für Ratsuchende?

Für welche Rechtsgebiete es sinnvoll ist, einen speziellen Fachanwalt zu suchen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn hierbei kommt es immer auf den individuellen Fall bzw. das jeweilige Problem an. Grundsätzlich ist eine fachkundige Rechtsberatung aber nicht von einem Fachanwaltstitel abhängig.

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Fachanwalt – ein Experte auf seinem Gebiet
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Ein Gedanke zu „Fachanwalt – ein Experte auf seinem Gebiet

  1. raquel

    guten Tag. Ich brauche eine Vaterschaftsanerkennung .
    können Sie mir helfen?
    Vielen Dank.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Antworten

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