Sportrecht in Deutschland: Ein Mix aus verschiedenen Rechtsgebieten

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 28. Mai 2020

Ein eigens für den Sport erlassenes Gesetz gibt es nicht.

Ein eigens für den Sport erlassenes Gesetz gibt es nicht.

Der Sport nimmt gesellschaftlich einen hohen Stellenwert ein. Gerade in Zeiten von Fußballwelt- oder europameisterschaften fiebern dutzende Fans mit der eigenen Mannschaft mit und hoffen auf den Titel.

Doch auch beim Sport müssen die rechtlichen Aspekte bedacht werden. Ein umfassendes Sportrecht als solches gibt es allerdings nicht, denn hierbei fallen unterschiedliche Rechtsgebiete zusammen. Wer als Rechtsanwalt im Sportrecht tätig sein möchte, muss breite juristische Kenntnisse mitbringen.

Doch gibt es den Beruf als Sportanwalt eigentlich? Welche Rechtsgebiete haben beim Sportrecht Relevanz? Wann muss ein Sportler vors Sportgericht? All jenen Fragen widmet sich der nachfolgende Ratgeber und informiert Sie umfassend zu den rechtlichen Aspekten des Sports.

Weiterführende Ratgeber zum Thema Sportrecht finden Sie hier:

Sport und Recht: Wie lässt sich das vereinbaren?

Ein übergeordnetes Sportrecht existiert in Deutschland nicht. Geht es um Sportler und Profiklubs, kommt meist eine Vielzahl an Rechtsgebieten zusammen. Daher müssen Anwälte, die in diesem Bereich spezialisiert sind, über ein breites Repertoire an Fachwissen verfügen. Für das Sportrecht wichtige Rechtsgebiete sind zum Beispiel:

Es zeigt sich also, dass das Sportrecht viele Rechtsbereiche umfassen kann. Soll beispielsweise ein neues Fußballstadion gebaut werden, gilt das juristische Interesse in erster Linie dem Baurecht. Geht es um Doping, ist das Anti-Doping-Gesetz direkt betroffen.

Sportrechte umfassen stets andere Rechtsgebiete, die mit dem Sport in Verbindung stehen. Ein Sportvertrag kann beispielsweise dem Vertrags- und Arbeitsrecht unterliegen.

Angewandtes Sportrecht in der Praxis

Das Sportrecht umfasst viele juristische Bereiche.

Das Sportrecht umfasst viele juristische Bereiche.

Sportrecht kann in der Praxis auf ganz unterschiedlichen Ebenen zum Einsatz kommen. Geht es beispielsweise um einen Spielertransfer, rückt in aller Regel das Vertragsrecht in den Fokus. Dasselbe gilt auch bei Verträgen zwischen Spieler und Verein.

Auch das Arbeitsrecht ist beim Sportrecht wichtig. Den Fall eines Sportlers, der arbeitsrechtlich gegen seinen Verein vorging, wollen wir nun genauer betrachten:

Heinz Müller, Ex-Torhüter vom Bundesligisten FSV Mainz 05, klagte auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei seinem Verein. Die Klage ging bis vor das Bundesarbeitsgericht in Erfurt, welches ein grundlegendes Urteil fällte: Zeitverträge bei einem Fußballverein seien aufgrund der Eigenart dieser Arbeitsleistung gerechtfertigt.

Damit ist also grundsätzlich geklärt, dass Spitzensportler sich mit befristeten Arbeitsverträgen begnügen müssen und kein Anspruch auf eine Unbefristung besteht. Dieses Urteil schafft wichtige Fakten für die Anwendung vom Sportrecht in der Praxis. Der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder äußerte sich dazu wie folgt:

Das Urteil besitzt für Mainz 05 und den gesamten Fußball grundlegende Bedeutung. Um dem Prinzip des Leistungssports zu folgen, müssen wir unseren Profikader immer wieder mit neuen Kräften verstärken[.]

Quelle: bild.de

Zwar unterliegen Spielerverträge stets dem Arbeitsrecht, allerdings nimmt der Profisport in diesem Bereich eine besondere Stellung ein, was beispielsweise auch durch die teils sehr hohen Spielergehälter deutlich wird.

Das Sportgericht zur Festlegung von Sanktionen

Ein wichtiger Bestandteil vom Sportrecht sind auch Sportgerichte in Deutschland. Diese werden von Verbänden oder Vereinen eingesetzt und können bei Fehlverhalten Sanktionen gegenüber Vereinen oder Spielern erlassen.

Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine Rechtspflege im öffentlichen Sinne, weswegen der Richter nicht unbedingt ein Jura-Studium vorweisen muss, um beim Sportgericht in dieser Funktion zu agieren. In der Praxis werden für diese Ämter allerdings häufig Juristen eingesetzt.

Ein Sportgericht kann Sperren für Sportler aussprechen.

Ein Sportgericht kann Sperren für Sportler aussprechen.

Anhand vom DFB-Sportgericht wollen wir Ihnen beispielhaft zeigen, wann diese Organisation zum Einsatz kommt. Dafür nun drei Praxisbeispiele, in denen das Sportgericht ein Urteil gegen einen Verein bzw. Spieler gefällt hat.

  • Drei Punkte Abzug für Waldhof Mannheim: Wegen des schuldhaften Herbeiführens eines Spielabbruchs in Tateinheit mit nicht ausreichendem Ordnungsdienst, in weiterer Tateinheit mit einem fortgesetzten unsportlichen Verhalten seiner Anhänger sowie wegen eines weiteren Falles eines unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger wurde der Verein zu einem Abzug von drei Punkten in der kommenden Spielzeit verurteilt.
  • 23.000 Euro Strafe gegen den FC St. Pauli: Der Verein muss eine Geldstrafe für das Fehlverhalten der eigenen Fans zahlen. Konkret ging es laut Angaben des DFB um folgende zwei Fälle: „Vor und während des Zweitligaspiels gegen Holstein Kiel am 25. Februar 2018 wurde im Bereich der Heimzuschauer wiederholt Pyrotechnik gezündet. Zudem brannten Anhänger des FC St. Pauli vor der Zweitligabegegnung beim FC Erzgebirge Aue am 7. April 2018 mehrere pyrotechnische Mittel ab.“
  • Rot-Sperre gegen Nabil Bentaleb: Der Mittelfeldspieler vom FC Schalke 04 wurde im Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach am 28. April 2018 nach einer Tätlichkeit vom Schiedsrichter des Feldes verwiesen. Das Sportgericht verurteilte den Schalker zu einer Sperre von zwei Meisterschaftsspielen.
Ein Urteil vom DFB-Sportgericht wird rechtskräftig sobald der betroffene Spieler bzw. Verein diesem zustimmt. Allerdings besteht stets die Möglichkeit, Einspruch gegen die Sanktionen einzulegen. Dadurch sind beispielsweise schon Spielersperren reduziert worden.

Internationales Sportrecht für weltweite Wettbewerbe

Neben dem Sportrecht in Deutschland gibt es auch internationale Richtlinien, an welche sich die einzelnen Vereine halten müssen. Ein Beispiel dafür ist das Financial Fair Play, welches von der Uefa ausgegeben wird und für alle Vereine verbindlich ist, die an internationalen Wettbewerben wie der Champions oder Europa League teilnehmen.

Zudem gibt es gerichtliche Entscheidungen, welche dem internationalen Sportrecht zuzuordnen sind und somit auch in Deutschland Bedeutung haben. Ein prominentes Beispiel dafür ist die sogenannte „Bosman-Entscheidung“.

Im Jahr 1995 fällt der Europäische Gerichtshof ein wegweisendes Urteil für die Zukunft von Spielertransfers im Profi-Fußball. Auslöser für das Urteil war eine Schadensersatzklage des belgischen Fußballers Jean-Marc Bosman. Dieser wollte den Verein wechseln, sah sich aber durch die hohe Ablöse, welche für ihn ausgerufen wurde, in seiner Arbeitnehmerfreizügigkeit eingeschränkt.

Nachdem das Verfahren mehrere Instanzen durchlaufen hatte, wechselte Bosman ablösefrei den Verein. Allerdings wurde die Rufe nach einer einheitlichen Regelung zur freien Wahl des Arbeitsplatzes innerhalb der EU laut.

Also beschäftigte sich der Europäische Gerichtshof mit diesem Thema und fällte am 15.12.1995 die Entscheidung, dass für Spieler, deren Verträge ausgelaufen sind, keine Ablösesumme mehr verlangt werden darf. In diesem Zuge wurde auch die Regel aufgehoben, dass in einem Team nur eine bestimmte Anzahl ausländischer Spieler im Kader stehen durften.

Gibt es einen Anwalt für Sportrecht?

Ein Sportanwalt sollte sich in vielen Bereichen auskennen.

Ein Sportanwalt sollte sich in vielen Bereichen auskennen.

Ein Fachanwalt für Sportrecht, dessen Kanzlei sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt, ist in Deutschland aktuell nicht zu finden. Diesen Fachanwaltstitel gibt es bis dato nämlich schlicht und einfach (noch) nicht.

Allerdings wird die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) auf ihrer nächsten Satzungsversammlung Ende November 2018 überprüfen und entscheiden, ob dieser 24. Fachanwaltstitel in Deutschland eingeführt wird.

Wer im Sportrecht als Anwalt mit entsprechendem Titel arbeiten möchte, muss „besondere Kenntnisse im Sportrecht vorweisen, wie aus einem Entwurf zur Änderung der Fachanwaltsordnung (FAO), auf den sich die „Legal Tribune Online“ beruft, hervorgeht.

Diese Kenntnisse müssten dann auf Grundlage von 80 bearbeiteten Fällen aus mindestens drei verschiedenen Bereichen, die mit dem Sportrecht in Verbindung stehen, nachgewiesen werden. Ob der Fachanwaltstitel tatsächlich eingeführt wird, bleibt abzuwarten. Die Kammer lehnte im April dieses Jahres die Einführung von einem Fachanwalt für Opferrecht ab.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (60 Bewertungen, Durchschnitt: 4,48 von 5)
Sportrecht in Deutschland: Ein Mix aus verschiedenen Rechtsgebieten
Loading...

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.