Strafanzeige erstatten – Wo und wie es richtig geht

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 10. Mai 2019

Strafanzeige: Wegen Betrug, Verleumdung oder sonstigen Straftaten sollten Opfer oder Zeugen stets Anzeige erstatten.

Strafanzeige: Wegen Betrug, Verleumdung oder sonstigen Straftaten sollten Opfer oder Zeugen stets Anzeige erstatten.

Opfer von Straftaten erleiden in der Regel nicht unerhebliche Beeinträchtigungen unterschiedlichster Natur. Denkbar sind mitunter Vermögensschäden, Sachschäden oder gar körperliche und/oder psychische Schäden.

Vielen Betroffenen ist es daher ein immens starkes Bedürfnis, dass der Täter wegen einer durch ihn verübten Tat auch eine angemessene Strafe erfährt bzw. zumindest von Seiten der Behörden gegen ihn ermittelt wird.

Wer sich nicht darauf verlassen möchte, dass die Strafverfolgungsbehörden, wie Polizei und Staatsanwaltschaften, auf anderem Wege von einer Tat Kenntnis erlangen, sollte deshalb Strafanzeige erstatten.

Doch was ist eine Strafanzeige eigentlich? Welchen Zweck erfüllt sie und wo können Betroffene eine Strafanzeige erstatten? Entstehen Kosten und kann man eine Strafanzeige im Zweifel zurückziehen? Und worin besteht im Strafrecht der Unterschied zwischen einem Strafantrag und einer Strafanzeige?

Im folgenden Ratgeber sind wir diesen und weiteren Fragen rund um das Thema Strafanzeige fĂĽr Sie auf den Grund gegangen und haben einige wichtige Informationen fĂĽr Sie zusammengestellt.

Was ist eine Strafanzeige?

Vorab soll die Frage geklärt werden, was eine Strafanzeige überhaupt ist und wo eine solche zu stellen ist.

Unter einer Strafanzeige ist zunächst die Mitteilung eines Vorfalls bzw. eines Sachverhalts zu verstehen, der zumindest aus der Sicht des jeweiligen Anzeigenerstatters, den Tatbestand eines gesetzlich normierten Deliktes erfüllen könnte.

Zu stellen ist eine Strafanzeige bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder beim Amtsgericht.

Zu stellen ist eine Strafanzeige bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder beim Amtsgericht.

Im Rahmen einer Strafanzeige schildert der Mitteilende der Behörde sodann, was nach seiner Erinnerung und nach seinem Verständnis vorgefallen ist und wer an dem Vorfall beteiligt war.

Nicht nur Opfer von Straftaten können Strafanzeige erstatten. Das gleiche Recht steht auch jedem anderen zu, der der Ansicht ist, Kenntnis über eine Tat erlangt zu haben.

Nicht selten wird eine Anzeige bei der Polizei durch einen Zeugen erstattet. Sofern dem Anzeigenerstatter der Täter namentlich nicht bekannt ist, kann auch eine Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet werden.

Auch in diesem Fall ist von Behördenseite ein Verfahren in Gang zu setzen. Erst wenn ein Täter nach erfolglosen Ermittlungen nicht ausfindig zu machen ist, kommt es zu einer Einstellung des Verfahrens.

Einer bestimmten Form bedarf es bei der Anzeigenerstattung nicht. Sie kann sowohl mĂĽndlich als auch schriftlich bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder aber bei den Amtsgerichten gestellt werden.

Es ist mithin nicht vonnöten, die Strafanzeige nach striktem Formular zu erstatten und sich an feste Wortlaute zu halten. Laien wissen oftmals überhaupt nicht, welcher Straftatbestand erfüllt ist. Eine genaue Bezeichnung dessen ist auch nicht erforderlich.

Wird eine Anzeige in mündlicher Form gestellt, nimmt die jeweilige Behörde den Sachverhalt zu Protokoll („zur Niederschrift“).

Im Gegensatz zum Strafantrag liegt einer Strafanzeige keine Frist zugrunde. Das zur Anzeige gebrachte Delikt kann allerdings nach dem Ablauf einer bestimmten Zeitspanne verjährt sein, was dann wiederum ein Verfahrenshindernis darstellt.

Welchen Zweck erfĂĽllt eine Anzeige?

Durch eine Strafanzeige erhält die Polizei Kenntnis von einer möglichen Straftat.

Durch eine Strafanzeige erhält die Polizei Kenntnis von einer möglichen Straftat.

Zweck einer Strafanzeige ist es, die Strafverfolgungsbehörden über einen bestimmten Sachverhalt in Kenntnis zu setzen, der möglicherweise den Tatbestand einer gesetzlich verankerten Straftat erfüllen könnte. Dadurch kann diese Ermittlungen gegen den jeweiligen Täter in Gang setzen.

In der Regel werden Anzeigen von den Opfern, deren Angehörigen oder aber von Zeugen einer Straftat erstattet.

In den wohl meisten Fällen wäre es den ermittelnden Behörden kaum oder nur schwer möglich, überhaupt Kenntnis von einer vermeintlichen Straftat zu erlangen, denn viele Straftaten finden nicht in der Öffentlichkeit statt.

Strafanzeige: Verfahren

Bei der Erstattung von Strafanzeigen sind die jeweiligen Behörden dazu verpflichtet, dem sogenannten Anfangsverdacht auch nachzugehen, den Sachverhalt so gut wie möglich aufzuklären und in alle Richtungen zu ermitteln. Das bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft nicht nur nach belastenden, sondern auch nach entlastenden Umständen zu überprüfen hat.

Gut zu wissen: Die Staatsanwaltschaft wird deshalb in der Umgangssprache auch als „die objektivste Behörde der Welt“ bezeichnet.

Sofern die Anzeigenerstattung bei der Polizei eingeht, übermittelt diese den geschilderten Sachverhalt an die jeweils zuständige Staatsanwaltschaft, welche daraufhin zu entscheiden hat, ob Anklage zu erheben oder das Verfahren einzustellen ist.

Erfolgt eine Verfahrenseinstellung, wird dem Anzeigenerstatter ein schriftlicher Bescheid ĂĽbersandt, in dem er darĂĽber diesbezĂĽglich informiert wird.

Eine Strafanzeige ist nicht zu verwechseln mit einem Strafantrag.

Eine Strafanzeige ist nicht zu verwechseln mit einem Strafantrag.

Eine Strafanzeige, beispielsweise wegen Betruges, wegen Körperverletzung oder wegen eines sonstigen Verstoßes gegen die geltenden Gesetze, ist für den Mitteilenden mit keinerlei Kosten verbunden. Dies gilt ausnahmslos für alle Delikte. Dadurch ist gewährleistet, dass sich niemand aus finanziellen Aspekten zurückhalten muss, einen Straftatbestand behördlich zu melden.

Nicht möglich ist es, entgegen dem Irrglauben vieler, eine Strafanzeige zurückzuziehen. Ein einmal zur Anzeige gebrachter Sachverhalt muss zwingend von Seiten der Behörden ermittelt werden.

Strafanzeige: Online-Verfahren

Mittlerweile ist es in einigen Bundesländern in Deutschland möglich, Strafanzeige im Internet zu erstatten. Insgesamt bieten diesen Service elf Bundesländer an.

In den folgenden Landespolizeibehörden sind Strafanzeigen auch online möglich:

  • Polizei Baden-WĂĽrttemberg
  • Polizei Berlin
  • Polizei Brandenburg
  • Polizei Hamburg
  • Polizei Hessen
  • Polizei Mecklenburg-Vorpommern
  • Polizei Niedersachsen
  • Polizei Nordrhein-Westfalen
  • Polizei Sachsen
  • Polizei Sachsen-Anhalt
  • Polizei Schleswig-Holstein

Unterscheidung zwischen Strafanzeige und Strafantrag

Die Strafanzeige ist nicht zu verwechseln mit dem Strafantrag. Bei der Anzeige handelt es sich lediglich um die Mittelung des Sachverhaltes. Sie ist nicht fristgebunden und kann von jedermann erstattet werden.

Der Strafantrag hingegen ist lediglich bei sogenannten Antragsdelikten (wie beispielsweise dem Hausfriedensbruch nach § 123 Strafgesetzbuch) vonnöten, damit die Behörden überhaupt ermitteln können. Wird er nicht gestellt, stellt dies ein sogenanntes Verfahrenshindernis dar. Zu einem gerichtlichen Vefahren kann es in einem solchen Fall dann also nicht kommen.

Der Strafantrag ist gesetzlich in § 77 bis 77e des Strafgesetzbuches (kurz: StGB) sowie in § 158 der Strafprozessordnung (kurz: StPO) verankert.

Antragsberechtigt ist – anders als bei einer Strafanzeige – in der Regel nur derjenige, der aus einer Tat als Geschädigter hervorgeht. Die Frist zur Antragstellung beträgt drei Monate.

Strafanzeige stellen: Muster

Wer Strafanzeige erstatten will, der muss zwar kein striktes Muster oder einen bestimmten Wortlaut verwenden. Eine Strafanzeige ist formlos und kann auch in mündlicher und völlig freier Form erstattet werden.

Ein Fachanwalt fĂĽr Strafrecht kann Ihnen dabei ebenfalls helfen.

Sofern Sie dennoch schriftlich Anzeige erstatten wollen, kann Ihnen die folgende Beispiel-Strafanzeige wegen Betruges als Muster dienen:

Adresse des Anzeigenerstatters
Adresse der Staatsanwaltschaft
[Datum]Betreff: Strafanzeige wegen Betruges

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit erstatte ich Strafanzeige gegen [Name und Anschrift des Angeschuldigten] wegen des
Verdachts auf Betruges und stelle Strafantrag wegen aller in Betracht kommenden Delikte.
Dem liegt der folgende Sachverhalt zugrunde:

Am [Datum] habe ich festgestellt, dass [Name des Angeschuldigten] folgendes getan hat:
[Schilderung des Verhaltens ]

Ich bitte Sie daher, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten und mich ĂĽber das Ergebnis des
Ermittlungsverfahrens zu informieren.

Mit freundlichen GrĂĽĂźen,
[Name und Unterschrift des Anzeigenerstatters]

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Strafanzeige erstatten – Wo und wie es richtig geht
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109 Gedanken zu „Strafanzeige erstatten – Wo und wie es richtig geht

  1. Torsten

    Ich habe stressbedingt und aus gesundheitlichen GrĂĽnden es noch nicht geschaft eine Anzeige gegen einen Polizisten zu stellen.
    Nun soll seine Aussage gegen mich verwendet werden.
    Kann ich jetzt noch eine Dienstaufsichtsbeschwerde und eine Anzeige gegen diesen Polizisten stellen?
    Der Vorfall ist ungefair 9 Monate her.

    Vielen Dank.

    Antworten
    1. gerd

      NatĂĽrlich können Sie jederzeit eine formlose (sinn-/zwecklose) Dienstaufsichtsbeschwerde starten – nur werden Sie kaum in Erfahrung bringen können, ob aufgrund der vorgetragenen Behauptung zu fehlerhaften Verhalten des OrdnungshĂĽters Sanktionen irgendwelcher Art zu verzeichnen sind.
      Bei einer Strafanzeige mĂĽssen Sie allerdings in der Lage sein, sehr konkrete Angaben zum Vorfallsdelikt zu machen. Noch prekärer wird ein Vorgang dann erscheinen, wenn Sie Strafantrag gegen einen Hilfsbeamten der zuständigen Staatsanwaltschaft stellen, denn der ĂĽber einem “Polizeipräsidenten” stehende Staatsanwalt hat faktisch kein Interesse daran, Fehlverhalten von Ermittlungsbeamten nachhaltig zu verfolgen, geschweige denn einen Prozessbeginn rechtshängig nach der StPO zu initiieren, weil dies fĂĽr die Exekutive einen Imageschadenvorgang verursachen kann.
      Zum Beispiel haben im Jahr 2019 im rechtsextremen Bundesland Hessen drei Polizisten mit ihren Dienstwaffen gleichzeitig auf einen “Angreifer” mit mehrfachen “finalen RettungsschĂĽssen erfolgreich” reagiert. Die Polizeikräfte sind nach Ermittlungseinstellung der zuständigen Staatsanwaltschaft weiterhin im Polizeidienst aktiv….

      Antworten
  2. Katherine

    Danke fĂĽr den Artikel ĂĽber Strafanzeigen. Ich habe mich nie wirklich mit dem Thema auseinander gesetzt, aber mein Freund hat letztens davon gesprochen. Deswegen ist es echt gut, dass ich diesen Beitrag gefunden habe. Gut zu wissen, dass man einen Fachanwalt beauftragen soll, um eine Strafanzeige zu erstatten. Sehr hilfreich!

    Antworten
  3. Olesa

    Wie verhalte ich mich am besten, wenn ein Verwandter ohne meine Einwilligung Fotos aus meiner Kindheit mit Familie, meinen vollständigen Namen und vollständiges Geburtsdatum auf der Webseite MyHeritage reingestellt hat? Das hat er schon vor vier Jahren gemacht. Ich habe ich der gleichen Seite einen Stammbaum erstellt, bis auf meine lebenden Eltern sind nur Verstorbene drin. Eltern waren auch einverstanden, habe auch keine Fotos von denen und nur Geburtsjahr rein gestellt. Danach kam ein Match mit seiner Familienseite, wo er von jedem (!) aus der Verwandtschaft Fotos, Namen und vollständige Geburtsdaten eingestellt hat. Er weigert sich meine Daten und Fotos zu entfernen, meine Mutter hat ihn mehrfach gebeten.

    Antworten
    1. Anwalt.org

      Hallo Olesa,

      wenden Sie sich an den Anbieter und bitten Sie zunächst dort um die Entfernung der Daten. Darüber hinaus sollten Sie sich rechtlich von einem Anwalt beraten lassen. Wir können hier nicht beurteilen, inwieweit eine Anzeige erfolgreich sein wird. Diesbezüglich sollte ein Anwalt Auskunft geben können. Eventuell können Sie sich auch auf einer Polizeidienststelle erkundigen, ob Sie Anzeige stellen können.

      Ihr Team von anwalt.org

      Antworten

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