Das Berliner Testament – Ein gegenseitiges Testament von Ehegatten

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 7. Mai 2020

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Das Berliner Testament ÔÇô Ein gegenseitiges Testament von Ehegatten
Verbundenheit auch im Erbrecht: Durch das Berliner Testament wird das Verm├Âgen der Ehegatten erst nach dem Tod beider unter den Kindern verteilt.

Verbundenheit im Erbrecht: Mit dem Berliner Testament erben Kinder erst nach dem Tod beider Eltern deren Nachlass.

Ein Testament nach dem Berliner Modell soll verhindern, dass ein Ehegatte nach dem Tod des anderen gravierende Einschnitte in seiner Lebensf├╝hrung hinnehmen muss. Die Ehepartner setzen sich hierf├╝r gegenseitig als Alleinerben ein und bestimmen einen Schlusserben, der den Nachlass nach dem Tod des zweiten Ehepartners erbt.

In unserem Artikel erl├Ąutern wir zun├Ąchst genau, welche Verf├╝gungen im klassischen Berliner Testament festgehalten werden.

Anhand von Beispielen zeigen wir au├čerdem Vor- und Nachteile dieses Modells auf. Es folgen etablierte Formulierungen, die Probleme bei der Erbfolge im Berliner Testament beheben sollen.

Im Anschluss formulieren wir für Sie zur Anschauung ein solches Ehegattentestament. Jedoch: Ein Muster zum Berliner Testament aus dem Internet kann Ihnen nur zur Orientierung dienen, denn wie jede private Verfügung von Todes wegen muss auch dieses handschriftlich formuliert werden!

Was ist ein Berliner Testament und wozu dient es?

Nach der gesetzlichen Erbfolge erbt ein Ehegatten regelm├Ą├čig die H├Ąlfte des Nachlasses seines Ehepartners, beim G├╝terstand der G├╝tertrennung sind es gar nur ein Drittel. Gemeinsame Kinder erben dementsprechend die andere H├Ąlfte beziehungsweise drei Drittel des Nachlasses. Der ├╝berlebende Ehegatte und die Kinder bilden also eine Erbengemeinschaft.

Handelt es sich beim Nachlass des verstorbenen Ehegatten beispielsweise um ein Haus, so m├╝ssen sich die Kinder gemeinsam mit dem ├╝berlebenden Ehegatten einigen, was mit der Immobilie geschehen soll. Sollte ein gesetzlicher Erbe die Aufl├Âsung und Auszahlung des Erbes verlangen, so kann der ├╝berlebende Elternteil dazu gezwungen sein, das Haus zu verkaufen.

Um dies zu verhindern und den geliebten Ehegatten auch nach dem eigenen Tod in finanzieller Absicherung zu wissen, entscheiden sich Eheleute nicht selten f├╝r die Errichtung eines Ehegattentestaments.

Im Berliner Testament wird die Erbfolge dahingehend abge├Ąndert, dass der jeweils andere zun├Ąchst das gesamte Verm├Âgen erbt. Erst nach dem Tode des zweiten Ehegatten sollen die gemeinsamen Kinder ihren Anteil erben.

Das Berliner Modell ist ein Testament unter Ehegatten

Eine solche Verf├╝gung von Todes wegen kann nicht in Verdacht geraten, unzul├Ąssig zu sein, da das B├╝rgerliche Gesetzbuch (BGB) sie ausdr├╝cklich zul├Ąsst, wodurch das Berliner Testament also im Erbrecht verankert ist.

Ein gemeinschaftliches Testament kann laut Erbrecht nur von Ehegatten errichtet werden.

Ein gemeinschaftliches Testament kann laut Erbrecht nur von Ehegatten errichtet werden.

Zun├Ąchst ist in Paragraph 2265 festgelegt, dass ein gemeinschaftliches Testament nur von Ehegatten errichtet werden kann. Das bedeutet also, dass ein unverheiratetes Paar sich nicht in einer einzigen Verf├╝gung gegenseitig als Erbe einsetzen kann. Auch Geschwister oder Freunde k├Ânnen keine solche Verf├╝gung errichten, sie w├╝rde nach dem Tod ignoriert.

Die gegenseitige Einsetzung der Ehepartner ist in Paragraph 2269 BGB genauer geregelt. Dabei wird hier nur gesetzlich festgeschrieben, dass die Einsetzung eines Dritterben im Zweifel zur Folge hat, dass der Nachlass erst nach dem Tod des zun├Ąchst ├╝berlebenden Partners an diesen fallen soll. Dies entspricht der testamentarischen Erbfolge des Berliner Modells.

┬ž 10 Abs. 4 Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG)

Zwar wird im B├╝rgerlichen Gesetzbuch nur Ehegatten zugestanden, ein gemeinschaftliches Testament aufzusetzen. Doch erg├Ąnzt Absatz vier des zehnten Paragraphen LPartg:

Lebenspartner k├Ânnen ein gemeinschaftliches Testament errichten. Die ┬ž┬ž 2266 bis 2272 des B├╝rgerlichen Gesetzbuchs gelten entsprechend.

Wie in vielen anderen Belangen des Familienrechts ist die eingetragene Lebenspartnerschaft der Ehe also auch im Erbrecht gleichgestellt. Ein Berliner Testament kann demnach auch von gleichgeschlechtlichen Partnern errichtet werden, insoweit ihre Partnerschaft eingetragen ist. Die gesetzlichen Erben, welche durch das Berliner Modell “hinten angestellt” werden, k├Ânnen in dem Fall etwa Adoptivkinder aber nat├╝rlich auch leibliche Kinder sein.

Wechselseitigkeit der Verf├╝gungen

Wenn Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner ein Testament auf Gegenseitigkeit errichten, sollten sie stets bedenken, dass sp├Ąter erfolgreich angefochtene oder widerrufene Verf├╝gungen zur Nichtigkeit weiterer Verf├╝gungen f├╝hren k├Ânnen. Dies gilt immer dann, wenn anzunehmen ist, dass die Testatoren sich gegenseitig bedingende Verf├╝gungen aufstellen wollten,
┬ž 2270 BGB.

Ein Ehepaar kann beispielsweise bei Errichtung eines letzten Willens nach dem Berliner Modell eine Vorbehaltsklausel einf├╝gen, um sp├Ąter auch alleine ├änderungen vornehmen oder Verf├╝gungen widerrufen zu k├Ânnen. Dazu ist es laut Paragraph 2298 BGB berechtigt.

Wenn nun ein Ehepartner von seinem R├╝cktrittsrecht Gebrauch macht und sein Ehegatte kein Alleinerbe mehr sein soll, so kann auch er selbst sp├Ąter keinen Anspruch auf Alleinerbschaft erheben.

Welchen Inhalt kann ein Berliner Testament haben?

Der Ehegatte kann als Alleinerbe eingesetzt werden. Es ist aber auch m├Âglich, ihn als Vorerbe oder Verm├Ąchtnisnehmer einzusetzen. Die Unterschiede wollen wir im Folgenden besprechen.

Einsetzung des Ehegatten als Alleinerbe

├ťblicherweise wird der Partner als Alleinerbe eingesetzt. Bei Nichtfestlegung des Schlusserben (nach dem Tod des zun├Ąchst ├╝berlebenden Ehegatten), greift die gesetzliche Erbfolge des zuletzt Verstorbenen.

Sollen also nicht gesetzliche Erben (zum Beispiel die Kinder) vom Nachlass profitieren, so kann beispielsweise auch eine Organisation als Schlusserbe eingesetzt werden.

Der ├ťberlebende hat oftmals nicht das Recht, ein Berliner Testament zu ├Ąndern.

Der ├ťberlebende hat oftmals nicht das Recht, ein Berliner Testament zu ├Ąndern.

Als Alleinerbe erlangt der l├Ąngerlebende Ehegatte zun├Ąchst die uneingeschr├Ąnkte Verf├╝gungsfreiheit ├╝ber das Verm├Âgen des Verstorbenen. Er kann es verbrauchen, verschenken oder verkaufen.

Einsetzung des Ehegatten als Vorerbe

Wollen die Ehegatten sicher gehen, dass das Familienerbe auch in der Familie bleibt, so k├Ânnen sich die Ehegatten auch als Vorerben und die gemeinsamen Kinder als Nacherben einsetzen, ┬ž 2100 BGB. So ist beispielsweise ausgeschlossen, dass der ├╝berlebende Ehegatte sein Erbe bei erneuter Heirat zum gro├čen Teil an die neue Familie weitergibt.

Allerdings hat ein Vorerbe nur sehr beschr├Ąnkten Zugriff auf das Erbe, welches er praktisch nur f├╝r den Nacherben “aufbewahrt”, ┬ž┬ž 2113 BGB. Um sich gegenseitig mehr Freiraum zu gew├Ąhren, kann die Benutzung der Erbgegenst├Ąnde und des Erbverm├Âgens erleichtert werden. Wenn das Berliner Testament dergestalt formuliert ist, dass der Partner als “befreiter Vorerbe” eingesetzt wird, sind die meisten Beschr├Ąnkungen eines gew├Âhnlichen Vorerben aufgehoben, ┬ž 2136 BGB.

Einsetzung des Ehegatten als Verm├Ąchtnisnehmer

Schlie├člich besteht die M├Âglichkeit, den anderen gar nicht als Erbe, sondern als Verm├Ąchtnisnehmer einzusetzen. Damit f├Ąllt das Erbe nach dem Tod eines Elternteils zwar g├Ąnzlich an die Kinder. Doch wird dem ├╝berlebenden Elternteil beispielsweise ein Nie├čbrauch zugesprochen. Dieser kann dann etwa uneingeschr├Ąnkt in einer Familienimmobilie wohnen, auch wenn die Kinder dieses verkaufen. Auch Barverm├Âgen und jeder andere Erbgegenstand k├Ânnen auf diese Weise vermacht werden.

Als Verm├Ąchtnisnehmer ist der verbleibende Ehepartner zwar gut gegen Verluste abgesichert, doch kann er den Nachlass weder verkaufen noch belasten. Ein Gewinnzuwachs ist also verhindert oder zumindest erschwert.

Der Ehegatte als Testamentsvollstrecker

Der verbliebene Ehepartner kann auch als Testamentsvollstrecker eingesetzt werden. Es ist au├čerdem m├Âglich, ihm durch eine Freistellungsklausel zu erm├Âglichen, das Erbe nach dem Tod des Partners in engen Grenzen noch anderweitig einzusetzen, etwa einen neuen Enkel ausdr├╝cklich zu bedenken. So kann dem ├ťberlebenden gr├Â├čtm├Âgliche Freiheit gegeben werden. Dabei ist jedoch immer auch das Konfliktpotential unter den anderen Erben zu bedenken.

Schlusserben k├Ânnen eine sp├Ątere Verf├╝gung des verbliebenen Gattens anfechten und auf das urspr├╝ngliche Testament verweisen.

Was es beim Berliner Testament zu bedenken gilt

Welche Vor- und Nachteile hat ein Testament nach Berliner Modell?

Welche Vor- und Nachteile hat ein Testament nach Berliner Modell?

Es ist nicht zu erwarten, dass ein Berliner Testament nur Vorteile bietet. Zwar sorgt es zun├Ąchst f├╝r die Absicherung des geliebten Partners, doch k├Ânnen sich an verschiedenen Stellen Fallstricke bilden. In erster Linie sind ├ťberlegungen zum Steuerrecht vorzunehmen, wenn das Berliner Testament auf Nachteile untersucht werden soll. Im Folgenden betrachten wir neben den erw├╝nschten Effekten eines solchen Ehegattentestaments vor allem die nicht erw├╝nschten Effekte und wie letzteren vorgebeugt werden kann.

Diese Vorteile bietet ein Berliner Testament

Ein Ehegattentestament, welches im Wesentlichen zu dem Grund errichtet wird, dass der l├Ąnger lebende Ehepartner zun├Ąchst Alleinerbe werden soll, wird diesen Zweck voll erf├╝llen. Das hei├čt, dass sich die Ehegatten sicher sein k├Ânnen, dass bei Vollstreckung des Testaments der andere im Rahmen der M├Âglichkeiten finanziell abgesichert ist.

Das Berliner Testament bietet also den wesentlichen Vorteil, dass sich am Lebensstandard des Partners keine Einschr├Ąnkungen bemerkbar machen, wenn der andere stirbt.

Au├čerdem k├Ânnen sich die Schlusserben, also in aller Regel die Kinder, sicher sein, dass sie letztlich die Erben des Nachlasses sein werden.

Probleme beim Berliner Testament und wie sie behoben werden k├Ânnen

Der Witwer oder die Witwe profitiert zwar vordergr├╝ndig von einem Berliner Testament, doch k├Ânnen sich f├╝r ihn oder sie auch gravierende Nachteile ergeben, insbesondere was die Verf├╝gungsfreiheit ├╝ber das Erbe angeht. Auch k├Ânnen sich Probleme aus den Pflichtteilsanspr├╝chen der gesetzlichen Erben ergeben. Dar├╝ber hinaus kann es zu zus├Ątzlichen Verlusten durch die Erbschaftssteuer kommen, wenn ein Berliner Testament errichtet wird.

Die Schlusserbfolge ist bindend

Die im Berliner Testament festgelegte Schlusserbfolge ist bindend. Laut einem Urteil des Oberlandesgericht Frankfurt vom 27.06.1994 (Az. 20 W 108/94) k├Ânnen gemeinsam getroffene Verf├╝gungen in einem Ehegattentestament nach dem Tod des ersten Erblassers nicht durch den verbliebenen Partner angepasst werden. Ist also ein Ehegatte verstorben, kann der andere ein Berliner Testament nicht mehr ├Ąndern.

Berliner Testament: Keine Vorlage kann es Ihnen abnehmen, das Dokument von Hand zu errichten - oder Sie gehen zum Notar.

Berliner Testament: Keine Vorlage kann es Ihnen abnehmen, das Dokument von Hand zu errichten – oder Sie gehen zum Notar.

Sollte der ├ťberlebende also nach dem Tod des Ehepartners mit den in der wechselseitigen Verf├╝gung eingesetzten Schlusserben in Streit verfallen, kann er diese nicht mehr nachtr├Ąglich enterben. Doch auch sp├Ątere Verf├╝gungen zugunsten einzelner Schlusserben k├Ânnen nicht vorgenommen werden, insofern sie andere Schlusserben beeintr├Ąchtigen.

Eine solche Freiheit kann durch einen ├änderungsvorbehalt f├╝r den L├Ąngerlebenden garantiert werden. Dabei soll in der Regel jedoch ausgeschlossen werden, dass der Witwer oder die Witwe Teile des gemeinsamen Verm├Âgens nachtr├Ąglich einem neuen Ehepartner vermacht.

Um die Bindung im Gegenteil nicht zu lockern, sondern vielmehr fester zu ziehen, kann eine sogenannte Wiederverheiratungsklausel hinzugef├╝gt werden, welche auf verschiedene Weise verhindern soll, dass das Erbe des ersten Erblassers in die neue Familie des Witwers oder der Witwe flie├čt. Sollte der Erblasser nach dem Tod des Partners erneut heiraten, kann er durch eine entsprechende Verf├╝gung im Testament:

  • von einem Vollerben mit Schlusserben zu einem Vorerben mit Nacherben degradiert werden, wodurch er die Verf├╝gungsmacht ├╝ber das Erbe weitestgehend einb├╝├čt, oder
  • dazu verpflichtet werden, den gesetzlichen Erbteil der eingesetzten Schlusserben sofort an diese auszuzahlen. Dabei sollen sie den Nettowert des Nachlasses erhalten, als h├Ątte es beim Erbfall des verstorbenen Ehegatten kein Berliner Testament gegeben (Herausgabeverm├Ąchtnis).

Pflichtteilsanspr├╝che k├Ânnen den ├╝berlebenden Ehepartner belasten

Sollten die gesetzlichen Erben ihren Pflichtteil beanspruchen, so ist der l├Ąnger lebende Ehepartner dazu verpflichtet, diesen in Geld auszuzahlen. In einem Berliner Testament kann der Pflichtteil eingesetzter Schlusserben nicht grundlos ausgeschlossen werden.

Der Pflichtteil des Erbes betr├Ągt die H├Ąlfte des gesetzlichen Erbes. Hat ein Vater neben seiner Ehefrau auch einen Sohn hinterlassen und diesen durch ein Berliner Testament lediglich als Schlusserben eingesetzt, so kann der Sohn nach dem Tod des Vaters die Herausgabe des Pflichtteils von seiner Mutter verlangen. Betr├Ągt der Nachlass 50.000 Euro, so st├╝nden dem Sohn nach der gesetzlichen Erbfolge regelm├Ą├čig 25.000 Euro zu. Er kann nun also 12.500 Euro Pflichtteil einfordern.

Eine Pflichtteilsklausel soll dies verhindern. Demnach erh├Ąlt beispielsweise derjenige Erbe, der nach dem Tod des ersten Partners seinen Pflichtteil verlangt, auch beim Erbfall des zweiten Partners nur den Pflichtteil. Er wird also praktisch enterbt. Denn selbst wenn Eltern Ihre Kinder “enterben” – Ein Pflichtteil steht ihnen immer zu.

Eine drastische Variation der Pflichtteilsklausel stellt die sogenannte Jastrowsche Formel dar. Hier bekommen alle Schlusserben, die ihren Pflichtteil nicht einfordern, beim Tod des ersten Erblassers zun├Ąchst Verm├Ąchtnisse ├╝ber ihren gesetzlichen Erbteil zugesprochen, ├╝ber die der ├ťberlebende jedoch weiterhin verf├╝gen kann. Diese k├Ânnen auch h├Âher sein, als der gesetzliche Erbteil und zus├Ątzlich verzinst werden. (F├╝r letztere Verf├╝gung sollten eventuell anfallende Einkommensteuern ber├╝cksichtigt werden.)

Berliner Testament: Der Pflichtteil kann einem Kind nur in Ausnahmef├Ąllen verwehrt werden - etwa bei Gewaltt├Ątigkeit.

Berliner Testament: Der Pflichtteil kann einem Kind nur in Ausnahmef├Ąllen verwehrt werden, ┬ž 2333 BGB.

Dies hat zur Folge, dass sich der Erbteil des ├ťberlebenden schm├Ąlert, sodass der Pflichtteil laut Berliner Testament bei dessen Tod nochmal geringer ausf├Ąllt. Der Schlusserbe, der diesen beim ersten Erbfall einfordert, muss also mit gro├čen Einbu├čen rechnen.

Freibetr├Ąge k├Ânnen nicht ausgenutzt werden

Gerade bei gro├čen Verm├Âgen k├Ânnen sich steuerrechtliche Nachteile ergeben. Da das Erbe zun├Ąchst auf den Ehe- oder Lebenspartner ├╝bergeht, tr├Ągt dieser auch die gesamte Steuerlast allein. Zwar liegt der Erbschaftssteuerfreibetrag f├╝r Verheiratete bei 500.000 Euro, sodass f├╝r die meisten B├╝rger keine Einschnitte festzustellen sein d├╝rften.

Doch bei gr├Â├čeren Verm├Âgen oder bei Immobilien k├Ânnten durchaus Steuern anfallen. Geht das Erbe dann im zweiten Erbfall auf die Kinder ├╝ber, m├╝ssen diese ihre Freibetr├Ąge von jeweils 400.000 Euro auf das gesamte Verm├Âgen ihrer Eltern anwenden, w├Ąhrend sie im Normalfall pro Elternteil diese Summe geltend machen k├Ânnten.

Beispiel: Die Ehegatten A und B sind gemeinsam im Besitz von einer Million Euro Barverm├Âgen. Sie haben zwei Kinder, K1 und K2. A und B errichten nach langem ├ťberlegen ein Berliner Testament. Nach dem Ableben von A erbt also B 500.000 Euro, die Kinder sind als Schlusserben eingesetzt.

Jedoch folgt B dem geliebten Gatten alsbald und K1 und K2 erben jeweils 500.000 Euro, von denen jeder 100.000 Euro versteuern muss, da der Freibetrag f├╝r Kinder bei 400.000 Euro liegt.

Alternativ k├Ânnten die Ehegatten beispielsweise verf├╝gen, dass K1 und K2 im ersten Erbfall nur einen Teil ihres Erbes antreten, etwa jeweils 100.000 Euro, sodass hier keine Erbschaftssteuer anf├Ąllt. Verstirbt dann der zweite Ehegatte, kommen den Kindern weitere 400.000 Euro zu, was genau dem Freibetrag entspricht. So k├Ânnen Steuernachteile umgangen werden.

Mit einem Haus kann ├Ąhnlich verfahren werden, wobei dem ├ťberlebenden Nie├čbrauch zugesprochen werden sollte, damit dieser die Immobilie weitestgehend uneingeschr├Ąnkt nutzen kann.

Wann ein Berliner Testament unwirksam ist

Das Recht, ein Berliner Testament anzufechten, ist durch den Paragraphen 2333 BGB stark begrenzt.

Das Recht, ein Berliner Testament anzufechten, ist durch den Paragraphen 2333 BGB stark begrenzt.

Prinzipiell kann ein Testament nur angefochten werden, wenn anzunehmen ist, dass sich ein Testator zum Zeitpunkt des Testaments ├╝ber einen bestimmten Umstand im Irrtum befand oder er das Dokument unter dem Eindruck einer Drohung erstellt hat, ┬ž 2078 BGB.

Im Ehegattentestament nach dem Berliner Modell ist au├čerdem Paragraph 2077 BGB zu beachten. Darin wird festgehalten, dass ein Berliner Testament ung├╝ltig ist, wenn

  • die Ehe vor dem Erbfall geschieden wurde.
  • die Scheidung vor Eintritt des Erbfalls vorbereitet war und der Erblasser der Scheidung zugestimmt oder diese beantragt hatte.
  • die Aufhebung der Ehe vom Erblasser berechtigterweise beantragt wurde.

Beachten Sie: Ein ung├╝ltiges Testament wird von vornherein nicht vollstreckt. Ein anfechtbares Testament muss dagegen nach der Vollstreckung erst angefochten werden, um die Unwirksamkeit bestimmter Klauseln zu erstreiten.

Privat oder ├Âffentlich? Wie sollte ein Berliner Testament errichtet werden?

Der letzte Wille muss nicht zwingend von einem Notar geschrieben oder beglaubigt werden. Auch ein handgeschriebenes Testament kann volle G├╝ltigkeit entfalten, wenn es nach bestimmten Ma├čst├Ąben verfasst worden ist.

Au├čerdem sollte ein Testator sichergehen, dass das Testament nach seinem Tode auch gefunden wird. Zwar d├╝rfte dieses Problem bei einem Berliner Testament eher nicht aufkommen, da der ├ťberlebende Ehegatte in der Regel f├╝r die Einreichung des Dokumentes beim Nachlassgericht sorgen wird. Doch k├Ânnen bei einem eigenh├Ąndig verfassten Berliner Testament andere Schwierigkeiten entstehen.

Sicher aber mit Kosten verbunden: Das notarielle Testament

Wenn Ehegatten oder Lebenspartner sichergehen wollen, dass sie in einem Berliner Testament die richtige Form einhalten und alle Verf├╝gungen auch Bestand haben werden, sollten sie sich an einen Notar wenden. Dieser wei├č, wie man ein Berliner Testament verfassen muss, um schwer vorhersehbare Eventualit├Ąten mit einzubeziehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn bestimmte Klauseln eingef├╝gt werden sollen.

Ein ├Âffentliches (also notarielles) Testament ist juristisch nur schwer anzufechten und wird au├čerdem durch Eintragung ins Zentrale Testamentsregister┬ágarantiert aufgefunden und ┬ádurch die┬áAufbewahrung im Nachlassgericht f├Ąlschungssicher verstaut.

Allerdings fallen hierbei nat├╝rlich Kosten an, die im Folgenden kurz betrachtet werden sollen.

Was kann ein Berliner Testament kosten?

Wir zeigen auf, was ein Berliner Testament kosten kann.

Wir zeigen auf, was ein Berliner Testament kosten kann.

Die gemeinsamen Testatoren m├╝ssen zun├Ąchst den Notar verg├╝ten. Die Notarkosten f├╝r ein Berliner Testament richten sich, nach dem Nachlasswert. Die gesetzlich festgelegten Geb├╝hren k├Ânnen in Tabelle B des Gerichts- und Notarkostengesetzes (GNotKG) eingesehen werden.

Die folgende Tabelle zeigt exemplarisch, welche Kosten die Erstellung eines gemeinsamen Testaments bei festgelegten Verm├Âgenswerten anfallen. Es wird deutlich, dass ein Notar f├╝r ein Berliner Testament einen Geb├╝hrensatz von 2,0 ansetzt. Die Testatoren sollen sich die doppelte Geb├╝hr f├╝r ein gemeinschaftliches Testament teilen, sodass jeder den Preis zahlt, den er auch bei einem einfachen Testament entrichten m├╝sste.

Testament im Wert bisNotargeb├╝hren f├╝r ein
einfaches Testament
Notargeb├╝hren f├╝r ein
gemeinschaftliches Testament
5.000 ÔéČ45 ÔéČ90 ÔéČ
10.000 ÔéČ75 ÔéČ150 ÔéČ
16.000 ÔéČ91 ÔéČ182 ÔéČ
30.000 ÔéČ125 ÔéČ250 ÔéČ
50.000 ÔéČ165 ÔéČ330 ÔéČ
110.000 ÔéČ273 ÔéČ546 ÔéČ
200.000 ÔéČ435 ÔéČ870 ÔéČ

Die Notargeb├╝hren werden immer um 19 % Mehrwertsteuer erh├Âht. Au├čerdem┬áfallen Geb├╝hren f├╝r die Registrierung und Aufbewahrung des Dokumentes an. Hierf├╝r sind Pauschalen von 15 Euro beim Zentralen Testamentsregister und 75 Euro beim Nachlassgericht zu entrichten, ┬ž 1 Abs. 2. Testamentsregister-Geb├╝hrensatzung und Anlage 1 Nummer 12100 Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG).

Beispiel: Mit diesen Kosten kann ein Berliner Testament verbunden sein

F├╝r ein ├Âffentliches Berliner Testament ├╝ber eine Erbmasse von 50.000 Euro fallen

  • Notargeb├╝hren von 392,70 Euro (330 Euro + 19 % Mehrwehrtsteuer),
  • Verzeichnisgeb├╝hren von 15 Euro,
  • Verwahrungsgeb├╝hren von 75 Euro,
  • also insgesamt 482,70 Euro an.

Kostenlos aber ohne Rechtssicherheit: Das private Testament

Wenn Sie einen einfachen gemeinsamen letzten Willen niederschreiben wollen und sich beim Berliner Testament um die Formulierung deshalb nicht allzu viele Gedanken machen m├╝ssen, kann dies auch privat geschehen.

F├╝r weiterf├╝hrende Zusatzklauseln in einem Ehegattentestament ist es prinzipiell ratsam, einen Notar zu konsultieren.

Dabei sollten Sie unbedingt einige Regeln einhalten, um nicht Gefahr zu laufen, dass Ihr privat verfasstes Berliner Testament letztlich nicht g├╝ltig ist.

Wie schreibt man ein Berliner Testament?

Ein eigenh├Ąndiger letzter Wille muss zwingend immer handschriftlich verfasst sein. Ein maschinell erstelltes Testament ist immer ung├╝ltig, ┬ž 2247 Abs. 1 BGB. F├╝r das Ehegattentestament wird dazu im Paragraphen 2267 BGB festgelegt:

Zur Errichtung eines gemeinschaftlichen Testaments […] gen├╝gt es, wenn einer der Ehegatten das Testament […] errichtet und der andere Ehegatte die gemeinschaftliche Erkl├Ąrung eigenh├Ąndig mitunterzeichnet. Der mitunterzeichnende Ehegatte soll hierbei angeben, zu welcher Zeit (Tag, Monat und Jahr) und an welchem Orte er seine Unterschrift beigef├╝gt hat.

Neben der Handschriftlichkeit ist au├čerdem wichtig, dass

  • die Unterschrift den Vor- und Zunamen der Testatoren enth├Ąlt,
  • der Ort und die Zeit der Errichtung des Testamentes in diesem festgehalten werden.

Dieses Vorschriften sind nachzulesen in Paragraph 2247 BGB.

Da das Berliner Testament handschriftlich verfasst werden muss, f├╝hrt es zu dessen Ung├╝ltigkeit , wenn Sie einen “Vordruck” f├╝r ein Berliner Testament verwenden: Ein Vordruck kann prinzipiell nicht zur Errichtung eines letzten Willens herangezogen werden. Es w├Ąre jedoch freilich zul├Ąssig, passende Passagen des Musters abzuschreiben.

Wie wichtig es ist, dass Sie Ihr Testament klar und verst├Ąndlich und au├čerdem nach einigen, zwar wenigen, aber grunds├Ątzlichen Regeln aufsetzen, zeigt der Fall eines Mannes, der in seinem privaten Testament w├Ârtlich verf├╝gt hat, dass

die Erbschaft gem├Ą├č dem “Berliner Testament” erfolgen

soll.

Da er allerdings offensichtlich nicht wusste, dass ein Berliner Testament nur gemeinschaftlich errichtet werden kann, musste diese Klausel als ung├╝ltig verworfen werden. Das zust├Ąndige Nachlassgericht konnte nicht ermessen, was der Mann unter einem Berliner Testament genau verstand. So wurde die Klage der Witwe gegen die Kinder des Mannes abgewiesen, die einen Erbschein beantragt und erhalten hatten (OLG Hamm, 15 W 98/14).

Das Berliner Testament: Ein Muster zur Anschauung

Ein Notar kann Ihnen helfen, ein Testament nach dem Berliner Modell zu errichten.

Ein Notar kann Ihnen helfen, ein Testament nach dem Berliner Modell zu errichten.

Das folgende Beispiel f├╝r ein Berliner Testament ist kein Formular, welches Sie nur ausf├╝llen m├╝ssten, um ein g├╝ltiges Dokument zu erhalten. Es soll lediglich der Anschauung dienen und Ihnen einen Eindruck davon geben, wie ein solcher gemeinsamer letzter Wille formuliert werden k├Ânnte.

Frau und Herr Klunker wollen sich gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Sie haben zwei Kinder, Albrecht und Beatrice, die im Erbfall des zweiten Ehegatten als Schlusserben eingesetzt werden sollen. Die Eltern wollen ihre Kinder durch eine Klausel dazu bewegen, Geduld zu ├╝ben und auf ihren Pflichtteil zu verzichten.

Unser letzter Wille
Wir, die Eheleute Konrad Klunker, geboren in ….., am ….. und Konni Klunker, geborene ….., geboren in ….., am ….. setzen uns hiermit als gegenseitige Vollerben ein.

 

Der ├ťberlebende von uns wird unsere gemeinsamen Kinder Albrecht und Beatrice als alleinige Schlusserben einsetzen. Die Kinder sollen dann zu gleichen Teilen erben.

Wenn eines der Kinder im ersten Erbfall seinen Pflichtteil geltend macht, so soll es auch f├╝r den Erbteil des ├ťberlebenden von uns nur auf sein Pflichtteil Anspruch haben.

[Unterschrift]
Konrad Klunker,[Ort], [Datum]
[Unterschrift]
Konni Klunker, [Ort], [Datum]

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Das Berliner Testament – Ein gegenseitiges Testament von Ehegatten
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6 Gedanken zu „Das Berliner Testament – Ein gegenseitiges Testament von Ehegatten

  1. Gisela

    Danke, sehr ├╝bersichtlich und sehr umfangreich und sehr verst├Ąndlich!!!!
    Der Hinweis auf Fallstricke sind wichtig und informativ. Wir werden jetzt mit einem guten Gef├╝hl ein Berliner Testament aufsetzen k├Ânnen.

    Antworten
  2. Volker

    Kann ich die Nacherbenfolge auch auf meine Enkelkinder ├╝bertragen? Etwa in dem Sinne, da├č meine Ehefrau Alleinerbin meines Verm├Âgens wird, das dann an meine 3 Kinder als befreite Vorerben gehen soll und bei deren Ableben jeweils an meine 5 Enkel als Schlu├čerben. Vielen Dank f├╝r Ihre Antwort!

    Antworten
    1. Anwalt.org

      Hallo Volker,
      grunds├Ątzlich k├Ânnen Sie in Ihrem Testament frei ├╝ber Ihr Verm├Âgen verf├╝gen und auch die Erben frei bestimmen. Allerdings haben Ihre Kinder einen Anspruch auf ihren Pflichtteil. Wie Sie ein solches Testament gem├Ą├č Ihrer Vorstellungen am besten formulieren, sollten Sie ggf. mit einem Anwalt f├╝r Erbrecht oder einen Notar besprechen. Wir d├╝rfen keine kostenlose Rechtsberatung geben.

      Ihr Team von anwalt.org

      Antworten
  3. W.Manfred

    Sehr sachlich abgefast was noch zu er├Ârtern w├Ąre ein handschriftliches, privatrechtliches Testament, welches eine Willenserkl├Ąrung beider Ehepartner ist und das die Auslegung hier ├╝ber den BGB 133 zu erfolgen hat. Nur der ware Wille der Erblasser ist hier auszulegen. Auch hier ist es dann so, dass ein Alleinerbe, wenn der andere Ehepartner verstirbt zwar ein Alleinerbe wird, der aber mit Pflichten ,Auflagen im Testament bedacht ist, diese auch erf├╝llen muss. Eindeutig und klarer die Zuordnung wer Vorerbe und wer Nacherbe werden soll. Ein Pflichtteil Anspruch f├╝r die Nachkommen ist immer gegeben, es sei denn das Erbe ist zum Zeitpunkt des Ablebens gleich Null dann auch das Pflichtteil. Wenn es um ein ERBE geht was auch der Bestimmung ├╝bergeben werden soll, dann genaue Zuordnung von Vor- und Nacherbe.

    Antworten
  4. Dietrich

    Ich habe vorher das Berliner Testament und was f├╝r eine Rolle es spielt nie wirklich verstanden. Jetzt aber wei├č ich, dass es einen Ehegatten zum eigenen Alleinerben macht. In diesem Fall ist es ├Ąu├čerlich wichtig, das ein Ehepaar ihr Testament verfasst hat.

    Antworten
  5. Irene

    Unsere Eltern haben ” 1 BERLINER TESTAMENT ” gemacht. Jeder von den beiden T├Âchtern bekommt 1/2.
    Nach dem Tod unsere unseres Vaters, hat unsere Mutter durch div. SCHENKUNGEN alles meiner Schwester geschenkt.
    Das kann sie bei 1 BERLINER TESTAMENT doch gar nicht ?! Somit w├╝rde mir n i c h t s zustehen.
    Kann ich dagegen gerichtlich vorgehen ?

    Antworten

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