Das Berliner Testament – Ein gegenseitiges Testament von Ehegatten

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 11. März 2021

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Das Berliner Testament ‚Äď Ein gegenseitiges Testament von Ehegatten
Verbundenheit auch im Erbrecht: Durch das Berliner Testament wird das Vermögen der Ehegatten erst nach dem Tod beider unter den Kindern verteilt.
Verbundenheit im Erbrecht: Mit dem Berliner Testament erben Kinder erst nach dem Tod beider Eltern deren Nachlass.

Ein Testament nach dem Berliner Modell soll verhindern, dass ein Ehegatte nach dem Tod des anderen gravierende Einschnitte in seiner Lebensf√ľhrung hinnehmen muss. Die Ehepartner setzen sich hierf√ľr gegenseitig als Alleinerben ein und bestimmen einen Schlusserben, der den Nachlass nach dem Tod des zweiten Ehepartners erbt.

In unserem Artikel erl√§utern wir zun√§chst genau, welche Verf√ľgungen im klassischen Berliner Testament festgehalten werden.

Anhand von Beispielen zeigen wir außerdem Vor- und Nachteile dieses Modells auf. Es folgen etablierte Formulierungen, die Probleme bei der Erbfolge im Berliner Testament beheben sollen.

Im Anschluss formulieren wir f√ľr Sie zur Anschauung ein solches Ehegattentestament. Jedoch: Ein Muster zum Berliner Testament aus dem Internet kann Ihnen nur zur Orientierung dienen, denn wie jede private Verf√ľgung von Todes wegen muss auch dieses handschriftlich formuliert werden!

FAQ: Berliner Testament

Was ist ein Berliner Testament?

Das Berliner Testament ist ein gemeinschaftliches Testament von Ehegatten oder Lebenspartnern. Sie setzen sich darin gegenseitig als Alleinerben ein. Außerdem legen sie fest, dass mit dem Tod des zuletzt versterbenden Partners die gemeinsamen Kinder erben sollen oder eben andere Nahestehende.

Wer kann solch ein Berliner Testament verfassen?

Diese Möglichkeit steht nach dem Erbrecht nur Ehegatten offen oder eingetragenen Lebenspartnern.

Muss das Berliner Testament in einer bestimmten Form erstellt werden?

Das Berliner Testament kann entweder eigenhändig verfasst und unterschrieben werden oder es wird von einem Notar erstellt.

Was ist ein Berliner Testament und wozu dient es?

Nach der gesetzlichen Erbfolge erbt ein Ehegatten regelm√§√üig die H√§lfte des Nachlasses seines Ehepartners, beim G√ľterstand der G√ľtertrennung sind es gar nur ein Drittel. Gemeinsame Kinder erben dementsprechend die andere H√§lfte beziehungsweise drei Drittel des Nachlasses. Der √ľberlebende Ehegatte und die Kinder bilden also eine Erbengemeinschaft.

Handelt es sich beim Nachlass des verstorbenen Ehegatten beispielsweise um ein Haus, so m√ľssen sich die Kinder gemeinsam mit dem √ľberlebenden Ehegatten einigen, was mit der Immobilie geschehen soll. Sollte ein gesetzlicher Erbe die Aufl√∂sung und Auszahlung des Erbes verlangen, so kann der √ľberlebende Elternteil dazu gezwungen sein, das Haus zu verkaufen.

Um dies zu verhindern und den geliebten Ehegatten auch nach dem eigenen Tod in finanzieller Absicherung zu wissen, entscheiden sich Eheleute nicht selten f√ľr die Errichtung eines Ehegattentestaments.

Im Berliner Testament wird die Erbfolge dahingehend abgeändert, dass der jeweils andere zunächst das gesamte Vermögen erbt. Erst nach dem Tode des zweiten Ehegatten sollen die gemeinsamen Kinder ihren Anteil erben.

Das Berliner Modell ist ein Testament unter Ehegatten

Eine solche Verf√ľgung von Todes wegen kann nicht in Verdacht geraten, unzul√§ssig zu sein, da das B√ľrgerliche Gesetzbuch (BGB) sie ausdr√ľcklich zul√§sst, wodurch das Berliner Testament also im Erbrecht verankert ist.

Ein gemeinschaftliches Testament kann laut Erbrecht nur von Ehegatten errichtet werden.
Ein gemeinschaftliches Testament kann laut Erbrecht nur von Ehegatten errichtet werden.

Zun√§chst ist in Paragraph 2265 festgelegt, dass ein gemeinschaftliches Testament nur von Ehegatten errichtet werden kann. Das bedeutet also, dass ein unverheiratetes Paar sich nicht in einer einzigen Verf√ľgung gegenseitig als Erbe einsetzen kann. Auch Geschwister oder Freunde k√∂nnen keine solche Verf√ľgung errichten, sie w√ľrde nach dem Tod ignoriert.

Die gegenseitige Einsetzung der Ehepartner ist in Paragraph 2269 BGB genauer geregelt. Dabei wird hier nur gesetzlich festgeschrieben, dass die Einsetzung eines Dritterben im Zweifel zur Folge hat, dass der Nachlass erst nach dem Tod des zun√§chst √ľberlebenden Partners an diesen fallen soll. Dies entspricht der testamentarischen Erbfolge des Berliner Modells.

§ 10 Abs. 4 Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG)

Zwar wird im B√ľrgerlichen Gesetzbuch nur Ehegatten zugestanden, ein gemeinschaftliches Testament aufzusetzen. Doch erg√§nzt Absatz vier des zehnten Paragraphen LPartg:

Lebenspartner k√∂nnen ein gemeinschaftliches Testament errichten. Die ¬ß¬ß 2266 bis 2272 des B√ľrgerlichen Gesetzbuchs gelten entsprechend.

Wie in vielen anderen Belangen des Familienrechts ist die eingetragene Lebenspartnerschaft der Ehe also auch im Erbrecht gleichgestellt. Ein Berliner Testament kann demnach auch von gleichgeschlechtlichen Partnern errichtet werden, insoweit ihre Partnerschaft eingetragen ist. Die gesetzlichen Erben, welche durch das Berliner Modell “hinten angestellt” werden, k√∂nnen in dem Fall etwa Adoptivkinder aber nat√ľrlich auch leibliche Kinder sein.

Wechselseitigkeit der Verf√ľgungen

Wenn Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner ein Testament auf Gegenseitigkeit errichten, sollten sie stets bedenken, dass sp√§ter erfolgreich angefochtene oder widerrufene Verf√ľgungen zur Nichtigkeit weiterer Verf√ľgungen f√ľhren k√∂nnen. Dies gilt immer dann, wenn anzunehmen ist, dass die Testatoren sich gegenseitig bedingende Verf√ľgungen aufstellen wollten,
§ 2270 BGB.

Ein Ehepaar kann beispielsweise bei Errichtung eines letzten Willens nach dem Berliner Modell eine Vorbehaltsklausel einf√ľgen, um sp√§ter auch alleine √Ąnderungen vornehmen oder Verf√ľgungen widerrufen zu k√∂nnen. Dazu ist es laut Paragraph 2298 BGB berechtigt.

Wenn nun ein Ehepartner von seinem R√ľcktrittsrecht Gebrauch macht und sein Ehegatte kein Alleinerbe mehr sein soll, so kann auch er selbst sp√§ter keinen Anspruch auf Alleinerbschaft erheben.

Welchen Inhalt kann ein Berliner Testament haben?

Der Ehegatte kann als Alleinerbe eingesetzt werden. Es ist aber auch möglich, ihn als Vorerbe oder Vermächtnisnehmer einzusetzen. Die Unterschiede wollen wir im Folgenden besprechen.

Einsetzung des Ehegatten als Alleinerbe

√úblicherweise wird der Partner als Alleinerbe eingesetzt. Bei Nichtfestlegung des Schlusserben (nach dem Tod des zun√§chst √ľberlebenden Ehegatten), greift die gesetzliche Erbfolge des zuletzt Verstorbenen.

Sollen also nicht gesetzliche Erben (zum Beispiel die Kinder) vom Nachlass profitieren, so kann beispielsweise auch eine Organisation als Schlusserbe eingesetzt werden.

Der Überlebende hat oftmals nicht das Recht, ein Berliner Testament zu ändern.
Der Überlebende hat oftmals nicht das Recht, ein Berliner Testament zu ändern.

Als Alleinerbe erlangt der l√§ngerlebende Ehegatte zun√§chst die uneingeschr√§nkte Verf√ľgungsfreiheit √ľber das Verm√∂gen des Verstorbenen. Er kann es verbrauchen, verschenken oder verkaufen.

Einsetzung des Ehegatten als Vorerbe

Wollen die Ehegatten sicher gehen, dass das Familienerbe auch in der Familie bleibt, so k√∂nnen sich die Ehegatten auch als Vorerben und die gemeinsamen Kinder als Nacherben einsetzen, ¬ß 2100 BGB. So ist beispielsweise ausgeschlossen, dass der √ľberlebende Ehegatte sein Erbe bei erneuter Heirat zum gro√üen Teil an die neue Familie weitergibt.

Allerdings hat ein Vorerbe nur sehr beschr√§nkten Zugriff auf das Erbe, welches er praktisch nur f√ľr den Nacherben “aufbewahrt”, ¬ß¬ß 2113 BGB. Um sich gegenseitig mehr Freiraum zu gew√§hren, kann die Benutzung der Erbgegenst√§nde und des Erbverm√∂gens erleichtert werden. Wenn das Berliner Testament dergestalt formuliert ist, dass der Partner als “befreiter Vorerbe” eingesetzt wird, sind die meisten Beschr√§nkungen eines gew√∂hnlichen Vorerben aufgehoben, ¬ß 2136 BGB.

Einsetzung des Ehegatten als Vermächtnisnehmer

Schlie√ülich besteht die M√∂glichkeit, den anderen gar nicht als Erbe, sondern als Verm√§chtnisnehmer einzusetzen. Damit f√§llt das Erbe nach dem Tod eines Elternteils zwar g√§nzlich an die Kinder. Doch wird dem √ľberlebenden Elternteil beispielsweise ein Nie√übrauch zugesprochen. Dieser kann dann etwa uneingeschr√§nkt in einer Familienimmobilie wohnen, auch wenn die Kinder dieses verkaufen. Auch Barverm√∂gen und jeder andere Erbgegenstand k√∂nnen auf diese Weise vermacht werden.

Als Vermächtnisnehmer ist der verbleibende Ehepartner zwar gut gegen Verluste abgesichert, doch kann er den Nachlass weder verkaufen noch belasten. Ein Gewinnzuwachs ist also verhindert oder zumindest erschwert.

Der Ehegatte als Testamentsvollstrecker

Der verbliebene Ehepartner kann auch als Testamentsvollstrecker eingesetzt werden. Es ist au√üerdem m√∂glich, ihm durch eine Freistellungsklausel zu erm√∂glichen, das Erbe nach dem Tod des Partners in engen Grenzen noch anderweitig einzusetzen, etwa einen neuen Enkel ausdr√ľcklich zu bedenken. So kann dem √úberlebenden gr√∂√ütm√∂gliche Freiheit gegeben werden. Dabei ist jedoch immer auch das Konfliktpotential unter den anderen Erben zu bedenken.

Schlusserben k√∂nnen eine sp√§tere Verf√ľgung des verbliebenen Gattens anfechten und auf das urspr√ľngliche Testament verweisen.

Was es beim Berliner Testament zu bedenken gilt

Welche Vor- und Nachteile hat ein Testament nach Berliner Modell?
Welche Vor- und Nachteile hat ein Testament nach Berliner Modell?

Es ist nicht zu erwarten, dass ein Berliner Testament nur Vorteile bietet. Zwar sorgt es zun√§chst f√ľr die Absicherung des geliebten Partners, doch k√∂nnen sich an verschiedenen Stellen Fallstricke bilden. In erster Linie sind √úberlegungen zum Steuerrecht vorzunehmen, wenn das Berliner Testament auf Nachteile untersucht werden soll. Im Folgenden betrachten wir neben den erw√ľnschten Effekten eines solchen Ehegattentestaments vor allem die nicht erw√ľnschten Effekte und wie letzteren vorgebeugt werden kann.

Diese Vorteile bietet ein Berliner Testament

Ein Ehegattentestament, welches im Wesentlichen zu dem Grund errichtet wird, dass der l√§nger lebende Ehepartner zun√§chst Alleinerbe werden soll, wird diesen Zweck voll erf√ľllen. Das hei√üt, dass sich die Ehegatten sicher sein k√∂nnen, dass bei Vollstreckung des Testaments der andere im Rahmen der M√∂glichkeiten finanziell abgesichert ist.

Das Berliner Testament bietet also den wesentlichen Vorteil, dass sich am Lebensstandard des Partners keine Einschränkungen bemerkbar machen, wenn der andere stirbt.

Außerdem können sich die Schlusserben, also in aller Regel die Kinder, sicher sein, dass sie letztlich die Erben des Nachlasses sein werden.

Probleme beim Berliner Testament und wie sie behoben werden können

Der Witwer oder die Witwe profitiert zwar vordergr√ľndig von einem Berliner Testament, doch k√∂nnen sich f√ľr ihn oder sie auch gravierende Nachteile ergeben, insbesondere was die Verf√ľgungsfreiheit √ľber das Erbe angeht. Auch k√∂nnen sich Probleme aus den Pflichtteilsanspr√ľchen der gesetzlichen Erben ergeben. Dar√ľber hinaus kann es zu zus√§tzlichen Verlusten durch die Erbschaftssteuer kommen, wenn ein Berliner Testament errichtet wird.

Die Schlusserbfolge ist bindend

Die im Berliner Testament festgelegte Schlusserbfolge ist bindend. Laut einem Urteil des Oberlandesgericht Frankfurt vom 27.06.1994 (Az. 20 W 108/94) k√∂nnen gemeinsam getroffene Verf√ľgungen in einem Ehegattentestament nach dem Tod des ersten Erblassers nicht durch den verbliebenen Partner angepasst werden. Ist also ein Ehegatte verstorben, kann der andere ein Berliner Testament nicht mehr √§ndern.

Berliner Testament: Keine Vorlage kann es Ihnen abnehmen, das Dokument von Hand zu errichten - oder Sie gehen zum Notar.
Berliner Testament: Keine Vorlage kann es Ihnen abnehmen, das Dokument von Hand zu errichten – oder Sie gehen zum Notar.

Sollte der √úberlebende also nach dem Tod des Ehepartners mit den in der wechselseitigen Verf√ľgung eingesetzten Schlusserben in Streit verfallen, kann er diese nicht mehr nachtr√§glich enterben. Doch auch sp√§tere Verf√ľgungen zugunsten einzelner Schlusserben k√∂nnen nicht vorgenommen werden, insofern sie andere Schlusserben beeintr√§chtigen.

Eine solche Freiheit kann durch einen √Ąnderungsvorbehalt f√ľr den L√§ngerlebenden garantiert werden. Dabei soll in der Regel jedoch ausgeschlossen werden, dass der Witwer oder die Witwe Teile des gemeinsamen Verm√∂gens nachtr√§glich einem neuen Ehepartner vermacht.

Um die Bindung im Gegenteil nicht zu lockern, sondern vielmehr fester zu ziehen, kann eine sogenannte Wiederverheiratungsklausel hinzugef√ľgt werden, welche auf verschiedene Weise verhindern soll, dass das Erbe des ersten Erblassers in die neue Familie des Witwers oder der Witwe flie√üt. Sollte der Erblasser nach dem Tod des Partners erneut heiraten, kann er durch eine entsprechende Verf√ľgung im Testament:

  • von einem Vollerben mit Schlusserben zu einem Vorerben mit Nacherben degradiert werden, wodurch er die Verf√ľgungsmacht √ľber das Erbe weitestgehend einb√ľ√üt, oder
  • dazu verpflichtet werden, den gesetzlichen Erbteil der eingesetzten Schlusserben sofort an diese auszuzahlen. Dabei sollen sie den Nettowert des Nachlasses erhalten, als h√§tte es beim Erbfall des verstorbenen Ehegatten kein Berliner Testament gegeben (Herausgabeverm√§chtnis).

Pflichtteilsanspr√ľche k√∂nnen den √ľberlebenden Ehepartner belasten

Sollten die gesetzlichen Erben ihren Pflichtteil beanspruchen, so ist der länger lebende Ehepartner dazu verpflichtet, diesen in Geld auszuzahlen. In einem Berliner Testament kann der Pflichtteil eingesetzter Schlusserben nicht grundlos ausgeschlossen werden.

Der Pflichtteil des Erbes betr√§gt die H√§lfte des gesetzlichen Erbes. Hat ein Vater neben seiner Ehefrau auch einen Sohn hinterlassen und diesen durch ein Berliner Testament lediglich als Schlusserben eingesetzt, so kann der Sohn nach dem Tod des Vaters die Herausgabe des Pflichtteils von seiner Mutter verlangen. Betr√§gt der Nachlass 50.000 Euro, so st√ľnden dem Sohn nach der gesetzlichen Erbfolge regelm√§√üig 25.000 Euro zu. Er kann nun also 12.500 Euro Pflichtteil einfordern.

Eine Pflichtteilsklausel soll dies verhindern. Demnach erh√§lt beispielsweise derjenige Erbe, der nach dem Tod des ersten Partners seinen Pflichtteil verlangt, auch beim Erbfall des zweiten Partners nur den Pflichtteil. Er wird also praktisch enterbt. Denn selbst wenn Eltern Ihre Kinder “enterben” – Ein Pflichtteil steht ihnen immer zu.

Eine drastische Variation der Pflichtteilsklausel stellt die sogenannte Jastrowsche Formel dar. Hier bekommen alle Schlusserben, die ihren Pflichtteil nicht einfordern, beim Tod des ersten Erblassers zun√§chst Verm√§chtnisse √ľber ihren gesetzlichen Erbteil zugesprochen, √ľber die der √úberlebende jedoch weiterhin verf√ľgen kann. Diese k√∂nnen auch h√∂her sein, als der gesetzliche Erbteil und zus√§tzlich verzinst werden. (F√ľr letztere Verf√ľgung sollten eventuell anfallende Einkommensteuern ber√ľcksichtigt werden.)

Berliner Testament: Der Pflichtteil kann einem Kind nur in Ausnahmefällen verwehrt werden - etwa bei Gewalttätigkeit.
Berliner Testament: Der Pflichtteil kann einem Kind nur in Ausnahmefällen verwehrt werden, § 2333 BGB.

Dies hat zur Folge, dass sich der Erbteil des Überlebenden schmälert, sodass der Pflichtteil laut Berliner Testament bei dessen Tod nochmal geringer ausfällt. Der Schlusserbe, der diesen beim ersten Erbfall einfordert, muss also mit großen Einbußen rechnen.

Freibeträge können nicht ausgenutzt werden

Gerade bei gro√üen Verm√∂gen k√∂nnen sich steuerrechtliche Nachteile ergeben. Da das Erbe zun√§chst auf den Ehe- oder Lebenspartner √ľbergeht, tr√§gt dieser auch die gesamte Steuerlast allein. Zwar liegt der Erbschaftssteuerfreibetrag f√ľr Verheiratete bei 500.000 Euro, sodass f√ľr die meisten B√ľrger keine Einschnitte festzustellen sein d√ľrften.

Doch bei gr√∂√üeren Verm√∂gen oder bei Immobilien k√∂nnten durchaus Steuern anfallen. Geht das Erbe dann im zweiten Erbfall auf die Kinder √ľber, m√ľssen diese ihre Freibetr√§ge von jeweils 400.000 Euro auf das gesamte Verm√∂gen ihrer Eltern anwenden, w√§hrend sie im Normalfall pro Elternteil diese Summe geltend machen k√∂nnten.

Beispiel: Die Ehegatten A und B sind gemeinsam im Besitz von einer Million Euro Barvermögen. Sie haben zwei Kinder, K1 und K2. A und B errichten nach langem Überlegen ein Berliner Testament. Nach dem Ableben von A erbt also B 500.000 Euro, die Kinder sind als Schlusserben eingesetzt.

Jedoch folgt B dem geliebten Gatten alsbald und K1 und K2 erben jeweils 500.000 Euro, von denen jeder 100.000 Euro versteuern muss, da der Freibetrag f√ľr Kinder bei 400.000 Euro liegt.

Alternativ k√∂nnten die Ehegatten beispielsweise verf√ľgen, dass K1 und K2 im ersten Erbfall nur einen Teil ihres Erbes antreten, etwa jeweils 100.000 Euro, sodass hier keine Erbschaftssteuer anf√§llt. Verstirbt dann der zweite Ehegatte, kommen den Kindern weitere 400.000 Euro zu, was genau dem Freibetrag entspricht. So k√∂nnen Steuernachteile umgangen werden.

Mit einem Haus kann ähnlich verfahren werden, wobei dem Überlebenden Nießbrauch zugesprochen werden sollte, damit dieser die Immobilie weitestgehend uneingeschränkt nutzen kann.

Wann ein Berliner Testament unwirksam ist

Das Recht, ein Berliner Testament anzufechten, ist durch den Paragraphen 2333 BGB stark begrenzt.
Das Recht, ein Berliner Testament anzufechten, ist durch den Paragraphen 2333 BGB stark begrenzt.

Prinzipiell kann ein Testament nur angefochten werden, wenn anzunehmen ist, dass sich ein Testator zum Zeitpunkt des Testaments √ľber einen bestimmten Umstand im Irrtum befand oder er das Dokument unter dem Eindruck einer Drohung erstellt hat, ¬ß 2078 BGB.

Im Ehegattentestament nach dem Berliner Modell ist au√üerdem Paragraph 2077 BGB zu beachten. Darin wird festgehalten, dass ein Berliner Testament ung√ľltig ist, wenn

  • die Ehe vor dem Erbfall geschieden wurde.
  • die Scheidung vor Eintritt des Erbfalls vorbereitet war und der Erblasser der Scheidung zugestimmt oder diese beantragt hatte.
  • die Aufhebung der Ehe vom Erblasser berechtigterweise beantragt wurde.

Beachten Sie: Ein ung√ľltiges Testament wird von vornherein nicht vollstreckt. Ein anfechtbares Testament muss dagegen nach der Vollstreckung erst angefochten werden, um die Unwirksamkeit bestimmter Klauseln zu erstreiten.

Privat oder öffentlich? Wie sollte ein Berliner Testament errichtet werden?

Der letzte Wille muss nicht zwingend von einem Notar geschrieben oder beglaubigt werden. Auch ein handgeschriebenes Testament kann volle G√ľltigkeit entfalten, wenn es nach bestimmten Ma√üst√§ben verfasst worden ist.

Au√üerdem sollte ein Testator sichergehen, dass das Testament nach seinem Tode auch gefunden wird. Zwar d√ľrfte dieses Problem bei einem Berliner Testament eher nicht aufkommen, da der √úberlebende Ehegatte in der Regel f√ľr die Einreichung des Dokumentes beim Nachlassgericht sorgen wird. Doch k√∂nnen bei einem eigenh√§ndig verfassten Berliner Testament andere Schwierigkeiten entstehen.

Sicher aber mit Kosten verbunden: Das notarielle Testament

Wenn Ehegatten oder Lebenspartner sichergehen wollen, dass sie in einem Berliner Testament die richtige Form einhalten und alle Verf√ľgungen auch Bestand haben werden, sollten sie sich an einen Notar wenden. Dieser wei√ü, wie man ein Berliner Testament verfassen muss, um schwer vorhersehbare Eventualit√§ten mit einzubeziehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn bestimmte Klauseln eingef√ľgt werden sollen.

Ein √∂ffentliches (also notarielles) Testament ist juristisch nur schwer anzufechten und wird au√üerdem durch Eintragung ins Zentrale Testamentsregister garantiert aufgefunden und  durch die Aufbewahrung im Nachlassgericht f√§lschungssicher verstaut.

Allerdings fallen hierbei nat√ľrlich Kosten an, die im Folgenden kurz betrachtet werden sollen.

Was kann ein Berliner Testament kosten?

Wir zeigen auf, was ein Berliner Testament kosten kann.
Wir zeigen auf, was ein Berliner Testament kosten kann.

Die gemeinsamen Testatoren m√ľssen zun√§chst den Notar verg√ľten. Die Notarkosten f√ľr ein Berliner Testament richten sich, nach dem Nachlasswert. Die gesetzlich festgelegten Geb√ľhren k√∂nnen in Tabelle B des Gerichts- und Notarkostengesetzes (GNotKG) eingesehen werden.

Die folgende Tabelle zeigt exemplarisch, welche Kosten die Erstellung eines gemeinsamen Testaments bei festgelegten Verm√∂genswerten anfallen. Es wird deutlich, dass ein Notar f√ľr ein Berliner Testament einen Geb√ľhrensatz von 2,0 ansetzt. Die Testatoren sollen sich die doppelte Geb√ľhr f√ľr ein gemeinschaftliches Testament teilen, sodass jeder den Preis zahlt, den er auch bei einem einfachen Testament entrichten m√ľsste.

Testament im Wert bisNotargeb√ľhren f√ľr ein
einfaches Testament
Notargeb√ľhren f√ľr ein
gemeinschaftliches Testament
5.000 ‚ā¨45 ‚ā¨90 ‚ā¨
10.000 ‚ā¨75 ‚ā¨150 ‚ā¨
16.000 ‚ā¨91 ‚ā¨182 ‚ā¨
30.000 ‚ā¨125 ‚ā¨250 ‚ā¨
50.000 ‚ā¨165 ‚ā¨330 ‚ā¨
110.000 ‚ā¨273 ‚ā¨546 ‚ā¨
200.000 ‚ā¨435 ‚ā¨870 ‚ā¨

Die Notargeb√ľhren werden immer um 19 % Mehrwertsteuer erh√∂ht. Au√üerdem fallen Geb√ľhren f√ľr die Registrierung und Aufbewahrung des Dokumentes an. Hierf√ľr sind Pauschalen von 15 Euro beim Zentralen Testamentsregister und 75 Euro beim Nachlassgericht zu entrichten, ¬ß 1 Abs. 2. Testamentsregister-Geb√ľhrensatzung und Anlage 1 Nummer 12100 Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG).

Beispiel: Mit diesen Kosten kann ein Berliner Testament verbunden sein

F√ľr ein √∂ffentliches Berliner Testament √ľber eine Erbmasse von 50.000 Euro fallen

  • Notargeb√ľhren von 392,70 Euro (330 Euro + 19 % Mehrwehrtsteuer),
  • Verzeichnisgeb√ľhren von 15 Euro,
  • Verwahrungsgeb√ľhren von 75 Euro,
  • also insgesamt 482,70 Euro an.

Kostenlos aber ohne Rechtssicherheit: Das private Testament

Wenn Sie einen einfachen gemeinsamen letzten Willen niederschreiben wollen und sich beim Berliner Testament um die Formulierung deshalb nicht allzu viele Gedanken machen m√ľssen, kann dies auch privat geschehen.

F√ľr weiterf√ľhrende Zusatzklauseln in einem Ehegattentestament ist es prinzipiell ratsam, einen Notar zu konsultieren.

Dabei sollten Sie unbedingt einige Regeln einhalten, um nicht Gefahr zu laufen, dass Ihr privat verfasstes Berliner Testament letztlich nicht g√ľltig ist.

Wie schreibt man ein Berliner Testament?

Ein eigenh√§ndiger letzter Wille muss zwingend immer handschriftlich verfasst sein. Ein maschinell erstelltes Testament ist immer ung√ľltig, ¬ß 2247 Abs. 1 BGB. F√ľr das Ehegattentestament wird dazu im Paragraphen 2267 BGB festgelegt:

Zur Errichtung eines gemeinschaftlichen Testaments […] gen√ľgt es, wenn einer der Ehegatten das Testament […] errichtet und der andere Ehegatte die gemeinschaftliche Erkl√§rung eigenh√§ndig mitunterzeichnet. Der mitunterzeichnende Ehegatte soll hierbei angeben, zu welcher Zeit (Tag, Monat und Jahr) und an welchem Orte er seine Unterschrift beigef√ľgt hat.

Neben der Handschriftlichkeit ist außerdem wichtig, dass

  • die Unterschrift den Vor- und Zunamen der Testatoren enth√§lt,
  • der Ort und die Zeit der Errichtung des Testamentes in diesem festgehalten werden.

Dieses Vorschriften sind nachzulesen in Paragraph 2247 BGB.

Da das Berliner Testament handschriftlich verfasst werden muss, f√ľhrt es zu dessen Ung√ľltigkeit , wenn Sie einen “Vordruck” f√ľr ein Berliner Testament verwenden: Ein Vordruck kann prinzipiell nicht zur Errichtung eines letzten Willens herangezogen werden. Es w√§re jedoch freilich zul√§ssig, passende Passagen des Musters abzuschreiben.

Wie wichtig es ist, dass Sie Ihr Testament klar und verst√§ndlich und au√üerdem nach einigen, zwar wenigen, aber grunds√§tzlichen Regeln aufsetzen, zeigt der Fall eines Mannes, der in seinem privaten Testament w√∂rtlich verf√ľgt hat, dass

die Erbschaft gem√§√ü dem “Berliner Testament” erfolgen

soll.

Da er allerdings offensichtlich nicht wusste, dass ein Berliner Testament nur gemeinschaftlich errichtet werden kann, musste diese Klausel als ung√ľltig verworfen werden. Das zust√§ndige Nachlassgericht konnte nicht ermessen, was der Mann unter einem Berliner Testament genau verstand. So wurde die Klage der Witwe gegen die Kinder des Mannes abgewiesen, die einen Erbschein beantragt und erhalten hatten (OLG Hamm, 15 W 98/14).

Das Berliner Testament: Ein Muster zur Anschauung

Ein Notar kann Ihnen helfen, ein Testament nach dem Berliner Modell zu errichten.
Ein Notar kann Ihnen helfen, ein Testament nach dem Berliner Modell zu errichten.

Das folgende Beispiel f√ľr ein Berliner Testament ist kein Formular, welches Sie nur ausf√ľllen m√ľssten, um ein g√ľltiges Dokument zu erhalten. Es soll lediglich der Anschauung dienen und Ihnen einen Eindruck davon geben, wie ein solcher gemeinsamer letzter Wille formuliert werden k√∂nnte.

Frau und Herr Klunker wollen sich gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Sie haben zwei Kinder, Albrecht und Beatrice, die im Erbfall des zweiten Ehegatten als Schlusserben eingesetzt werden sollen. Die Eltern wollen ihre Kinder durch eine Klausel dazu bewegen, Geduld zu √ľben und auf ihren Pflichtteil zu verzichten.

Unser letzter Wille
Wir, die Eheleute Konrad Klunker, geboren in ….., am ….. und Konni Klunker, geborene ….., geboren in ….., am ….. setzen uns hiermit als gegenseitige Vollerben ein.

 

Der √úberlebende von uns wird unsere gemeinsamen Kinder Albrecht und Beatrice als alleinige Schlusserben einsetzen. Die Kinder sollen dann zu gleichen Teilen erben.

Wenn eines der Kinder im ersten Erbfall seinen Pflichtteil geltend macht, so soll es auch f√ľr den Erbteil des √úberlebenden von uns nur auf sein Pflichtteil Anspruch haben.

[Unterschrift]
Konrad Klunker,[Ort], [Datum]
[Unterschrift]
Konni Klunker, [Ort], [Datum]

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Das Berliner Testament – Ein gegenseitiges Testament von Ehegatten
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7 Gedanken zu „Das Berliner Testament – Ein gegenseitiges Testament von Ehegatten

  1. Gisela

    Danke, sehr √ľbersichtlich und sehr umfangreich und sehr verst√§ndlich!!!!
    Der Hinweis auf Fallstricke sind wichtig und informativ. Wir werden jetzt mit einem guten Gef√ľhl ein Berliner Testament aufsetzen k√∂nnen.

    Antworten
  2. Volker

    Kann ich die Nacherbenfolge auch auf meine Enkelkinder √ľbertragen? Etwa in dem Sinne, da√ü meine Ehefrau Alleinerbin meines Verm√∂gens wird, das dann an meine 3 Kinder als befreite Vorerben gehen soll und bei deren Ableben jeweils an meine 5 Enkel als Schlu√üerben. Vielen Dank f√ľr Ihre Antwort!

    Antworten
    1. Anwalt.org

      Hallo Volker,
      grunds√§tzlich k√∂nnen Sie in Ihrem Testament frei √ľber Ihr Verm√∂gen verf√ľgen und auch die Erben frei bestimmen. Allerdings haben Ihre Kinder einen Anspruch auf ihren Pflichtteil. Wie Sie ein solches Testament gem√§√ü Ihrer Vorstellungen am besten formulieren, sollten Sie ggf. mit einem Anwalt f√ľr Erbrecht oder einen Notar besprechen. Wir d√ľrfen keine kostenlose Rechtsberatung geben.

      Ihr Team von anwalt.org

      Antworten
  3. W.Manfred

    Sehr sachlich abgefast was noch zu er√∂rtern w√§re ein handschriftliches, privatrechtliches Testament, welches eine Willenserkl√§rung beider Ehepartner ist und das die Auslegung hier √ľber den BGB 133 zu erfolgen hat. Nur der ware Wille der Erblasser ist hier auszulegen. Auch hier ist es dann so, dass ein Alleinerbe, wenn der andere Ehepartner verstirbt zwar ein Alleinerbe wird, der aber mit Pflichten ,Auflagen im Testament bedacht ist, diese auch erf√ľllen muss. Eindeutig und klarer die Zuordnung wer Vorerbe und wer Nacherbe werden soll. Ein Pflichtteil Anspruch f√ľr die Nachkommen ist immer gegeben, es sei denn das Erbe ist zum Zeitpunkt des Ablebens gleich Null dann auch das Pflichtteil. Wenn es um ein ERBE geht was auch der Bestimmung √ľbergeben werden soll, dann genaue Zuordnung von Vor- und Nacherbe.

    Antworten
  4. Dietrich

    Ich habe vorher das Berliner Testament und was f√ľr eine Rolle es spielt nie wirklich verstanden. Jetzt aber wei√ü ich, dass es einen Ehegatten zum eigenen Alleinerben macht. In diesem Fall ist es √§u√üerlich wichtig, das ein Ehepaar ihr Testament verfasst hat.

    Antworten
  5. Irene

    Unsere Eltern haben ” 1 BERLINER TESTAMENT ” gemacht. Jeder von den beiden T√∂chtern bekommt 1/2.
    Nach dem Tod unsere unseres Vaters, hat unsere Mutter durch div. SCHENKUNGEN alles meiner Schwester geschenkt.
    Das kann sie bei 1 BERLINER TESTAMENT doch gar nicht ?! Somit w√ľrde mir n i c h t s zustehen.
    Kann ich dagegen gerichtlich vorgehen ?

    Antworten
  6. Kate

    Das ist ein sehr interessanter Artikel zum Thema Testament erstellen. Ich habe mir schon einige Beiträge dazu durchgelesen.

    Antworten

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