Nacherbe – Der Letzte macht das Licht aus?

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 9. August 2020

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Nacherbe ÔÇô Der Letzte macht das Licht aus?
Nacherbe: Im Berliner Testament k├Ânnen Ehegatten z. B. ihre Kinder als Schlusserben einsetzen.

Nacherbe: Im Berliner Testament k├Ânnen Ehegatten z. B. ihre Kinder als Schlusserben einsetzen.

Im Erbrecht tauchen zahlreiche Begriffe auf, die die Stellung der einzelnen Erben beschreiben sollen: Vorerbe, Nacherbe, Ersatzerbe, Schlusserbe. Nicht immer jedoch ist eindeutig klar, welche Rechte und Pflichten der eine oder andere hat, wie sich die einzelnen Erbstatus unterscheiden und wie laut Erbrecht ├╝berhaupt derartige Verf├╝gungen m├Âglich sind.

Im Folgenden wollen wir uns intensiv mit der Nacherbfolge besch├Ąftigen und kl├Ąren, was ein Nacherbe eigentlich ist, wie er eingesetzt wird und wann er tats├Ąchlich Nachlassgegenst├Ąnde beanspruchen kann. Die entsprechenden Grundlagen hierzu finden sich in den ┬ž┬ž 2100 bis 2146 B├╝rgerliches Gesetzbuch (BGB).

Vorerbe und Nacherbe einsetzen gem├Ą├č BGB

Wenn Sie das Nacherbe ausschlagen, geht der Anspruch nicht auf Ihre Abk├Âmmlinge ├╝ber.

Wenn Sie das Nacherbe ausschlagen, geht der Anspruch nicht auf Ihre Abk├Âmmlinge ├╝ber.

Vergleichsweise h├Ąufig kommt die Vor- und Nacherbschaft zum Einsatz, wenn Ehegatten ein gemeinsames Testament aufsetzen. Im Ehegatten- oder Berliner Testament setzen sich die Partner dabei zun├Ąchst gegenseitig als Vollerben ein. Dadurch soll im Falle des Todes eines Ehegatten der gewohnte Lebensstil des anderen aufrechterhalten bleiben k├Ânnen – ohne langwierige Erbauseinandersetzungen.

Haben beide Ehegatten gemeinsame Kinder, werden diese oftmals als Nacherben eingesetzt. Das bedeutet f├╝r sie: Zun├Ąchst geht der Nachlass des verstorbenen Elternteils in das Eigentum des ├ťberlebenden ├╝ber. Erst nach dessen Versterben oder zu einem anderen vom Erblasser festgelegten Zeitpunkt geht das Erbe von Vor- auf den Nacherben ├╝ber. Jedes Kind wird in diesem Fall als Nacherbe zugleich Schlusserbe beider Eltern sein.

Bei der Nacherbeneinsetzung kann der Erblasser frei bestimmen, wann der Nacherbe die Erbschaft erhalten kann. Handelt es sich etwa um ein noch minderj├Ąhriges Kind, kann der Erblasser etwa den 18. Geburtstag w├Ąhlen, bis der Abk├Âmmling die Erbschaft ├╝bernimmt. Bis dahin bleibt sie bei einem Vorerben, in der Regel dem anderen Elternteil.

Wichtige Unterscheidung zwischen Ersatzerbe und Nacherbe: Der Ersatzerbe kann vom Erblasser f├╝r den Fall eingesetzt werden, dass einer der rechtm├Ą├čigen Erben wegf├Ąllt. Verstirbt einer der im Testament bedachten etwa vorab, kann der Ersatzerbe dessen Stellung einnehmen. Der Nacherbe hingegen ist in jedem Fall Vollerbe des Erblassers. Die Erbschaftsannahme verz├Âgert sich hier lediglich ├╝ber den Umweg per Vorerbschaftsregelung. Im Zweifel kann jedoch auch ein Ersatznacherbe eingesetzt werden, sollte der zun├Ąchst bestimmte Nacherbe das Erbe nicht annehmen k├Ânnen.

Vorerbe und Nacherbe: Rechte und Pflichten

Weder Vorerbe noch Nacherbe k├Ânnen ein Haus verkaufen, das zur Erbmasse geh├Ârt.

Weder Vorerbe noch Nacherbe k├Ânnen ein Haus verkaufen, das zur Erbmasse geh├Ârt.

Nacherben k├Ânnen gegen├╝ber den Vorerben bestimmte Anspr├╝che stellen. Zun├Ąchst ist der Vorerbe dazu verpflichtet, die ├╝bernommene Erbschaft zu pflegen und in einem angemessenen Zustand zu erhalten. Die Ver├Ąu├čerung von Grundst├╝cken, Immobilien u.┬áa. ist ohne die Zustimmung des Nacherben nicht zul├Ąssig.

├ťber einen entsprechenden Nacherbenvermerk im Grundbuch kann der Nacherbe gesch├╝tzt werden. Verf├╝gungen des Vorerben werden dadurch unterbunden und die eingeschr├Ąnkte Handlungsf├Ąhigkeit des Vorerben entsprechend nach au├čen projiziert. Erst mit Eintritt des Nacherbfalls kann der Eintrag gel├Âscht werden.

F├╝r etwaige Wertminderungen an Nachlassgegenst├Ąnden oder widerrechtlich erfolgte Verf├╝gungen kann der Nacherbe andernfalls gegen├╝ber dem Vorerben einen Ausgleichsanspruch erheben. Ausgeschlossen sind dabei jedoch normale Abnutzungs- und Gebrauchsspuren an Nachlassgegenst├Ąnden.

Der Nacherbe hat zwar ein gewisses Mitspracherecht bez├╝glich der vom Vorerben getroffenen Entscheidungen ├╝ber den angenommenen Nachlass. Dennoch ist rechtm├Ą├čiger Eigent├╝mer bis zum im Testament zur Nacherbenregelung festgelegten Zeitpunkt allein der Vorerbe. Der Nacherbe darf selbst also auch noch nicht ├╝ber die Erbschaft verf├╝gen, bis der Nacherbfall eintritt. Aus diesem Grund kann vorher noch kein Erbschein f├╝r das Nacherbe ausgestellt werden.

Wenn der Erblasser im ├ťbrigen keinen festen Zeitpunkt bestimmt, zu dem die Nacherben den Nachlass ├╝bernehmen sollen, gilt in diesem Fall der Tod des Vorerben als Ma├čgabe. Mit dessen Versterben tritt der Nacherbfall dann ein.

Im Berliner Testament Vorerbe und Nacherbe bestimmen – Ein Muster

Sowohl Vorerbe als auch Nacherbe m├╝ssen Erbschaftssteuer auf den Nachlass entrichten.

Sowohl Vorerbe als auch Nacherbe m├╝ssen Erbschaftssteuer auf den Nachlass entrichten.

Da die Bestimmung von Vor- und Nacherbe an eine Verf├╝gung von Todes wegen gebunden ist (Testament oder Erbvertrag), wollen wir Ihnen im Folgenden ein Muster f├╝r ein Berliner Testament zur Verf├╝gung stellen, in dem die Ehegatten sich gegenseitig als Vorerben, das gemeinsame Kind als Nacherbe bzw. Schlusserbe einsetzen.

Beachten Sie jedoch, dass es sich hierbei nur um eine Vorlage handelt, die der Veranschaulichung des Vorgangs dienen soll. Wenden Sie sich f├╝r die Erstellung an Anwalt und Notar, um ganz sicherzugehen, dass Sie eine rechtswirksame Verf├╝gung von Todes wegen aufsetzen.

Vorerbe und Nacherbe: Anspruch auf Pflichtteil?

Den Pflichtteil k├Ânnen Sie nur bei Ausschlagung der Nacherbschaft einfordern.

Den Pflichtteil k├Ânnen Sie nur bei Ausschlagung der Nacherbschaft einfordern.

Wie verh├Ąlt es sich nun aber mit dem Pflichtteilsanspruch bei Vor- und Nacherbschaft? Grunds├Ątzlich haben alle Erben, das Recht, ein Erbe anzunehmen oder aber auszuschlagen. Dies gilt auch f├╝r Vor- und Nacherbe. W├Ąhrend bei anderen Erben jedoch durch die Erbausschlagung auch der Anspruch auf den Pflichtteil verwirkt ist, gilt dies bei Vor- und Nacherbe nicht.

Vorerben und Nacherben k├Ânnen nur dann ihren Pflichtteil geltend machen, wenn sie die Vor- oder Nacherbschaft ausschlagen (┬ž 2306 BGB). Will der Nacherbe also nicht erst so lange warten, bis er auf die Erbschaft zugreifen kann, so steht es ihm frei, die Erbschaft auszuschlagen und den Pflichtteil vom Vorerben zu verlangen. Voraussetzung ist jedoch in jedem Fall, dass die Betroffenen grunds├Ątzlich pflichtteilsberechtigt sind (nach gesetzlicher Erbfolge).

Handelt es sich bei dem Nacherben um das gemeinsame Kind des Erblassers und des Vorerben, so kann der Nacherbe den Pflichtteil einfordern, sowie der Verzicht auf die Nacherbschaft erkl├Ąrt wurde – und auch noch den Vorerben beerben; zumindest wiederum den Pflichtteil.

Dass ein Pflichtteil von einer der Parteien verlangt wird, kann mitunter dadurch verhindert werden, dass der Erblasser noch zu Lebzeiten entsprechende Pflichtteilsverzichtsvertr├Ąge mit den Nacherben schlie├čt.

Nacherbe stirbt vor Vorerbe? Der Vorerbe wird in diesem Fall nicht automatisch Schlusserbe. Stattdessen kann das Recht auf die Nacherbschaft ebenfalls vererbt werden, sofern der Erblasser diese Vererbbarkeit der Anspr├╝che nicht ausgeschlossen hat (┬ž 2108 Absatz 2 BGB).
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Nacherbe – Der Letzte macht das Licht aus?
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Ein Gedanke zu „Nacherbe – Der Letzte macht das Licht aus?

  1. N.

    Den Fall verstehe ich noch nicht richtig. Es gibt ein Berliner Testament. Sie hat einen Sohn, er hat einen Sohn. Beim Tode der Mutter lebt nur noch ihr Sohn. Der Ehegatte und sein Sohn sind verstorben. Sein Sohn hinterl├Ąsst uneheliche Kinder. Vermutlich haben die Kinder bei ihrem Vater das Erbe ausgeschlagen. Sind sie nun in diesem Erbfall (Opa und Stiefoma) erbberechtigt?

    Antworten

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