Das Erbe annehmen – Wie werden Sie zum Nachlassempfänger?

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 24. August 2020

Wann gilt ein Erbe als angenommen?

Wann gilt ein Erbe als angenommen?

Im Rahmen einer letztwilligen Verfügung von Todes wegen kann ein Erblasser selbst bestimmen, wer seinen Nachlass erhalten soll. Geschieht dies nicht, so kommt die gesetzliche Erbfolge zum Tragen, wie sie das Bürgerliche Gesetzbuch bestimmt.

Nach dieser können nur Verwandte oder Ehegatten bzw. eingetragene Lebenspartner als Erben in Frage kommen. Allein diese Bestimmungen jedoch genügen nicht, um am Ende auch laut Erbrecht tatsächlich Erbe zu sein.

Zunächst müssen die potentiell erbberechtigten das Ihnen angediente Erbe annehmen. Erst hiernach ist der Erbanfall eingetreten und Sie können das Erbe antreten. Doch wie können Sie die Erbschaftsannahme erklären? Und müssen Sie dies überhaupt?

Annahme der Erbschaft nach BGB

Erbe annehmen: Ist die Frist für die Ausschlagung abgelaufen, gilt der Nachlass als angenommen.

Erbe annehmen: Ist die Frist für die Ausschlagung abgelaufen, gilt der Nachlass als angenommen.

Grundsätzlich wird allen Erben mit dem Anfall des Erbes das Recht eingeräumt, die Erbannahme oder aber -ausschlagung zu erklären. Der Anfall des Erbes tritt ab Kenntnisnahme der Erbberechtigung ein. Das meint nicht automatisch den Zeitpunkt des Versterbens des Erblassers.

Ist etwa ein Testament vorhanden, so erfahren viele Erbberechtigte erst mit dessen Eröffnung und Verlesung, dass der Verstorbene sie als Erben einsetzte. Hat der Verstorbene kein Testament hinterlassen, so ist der Todeszeitpunkt maßgeblich für den Anfall der Erbschaft.

Wie können Sie das Erbe annehmen?

Sie müssen, wollen Sie das Erbe annehmen, dies nicht schriftlich tun.

Sie müssen, wollen Sie das Erbe annehmen, dies nicht schriftlich tun.

Wollen Sie das Erbe nicht ausschlagen, sondern annehmen, bedarf es hierzu in aller Regel keiner gesonderten schriftlichen Annahmeerklärungen bezüglich der Erbschaft. Sie müssen das Gericht damit also nicht darüber in Kenntnis setzen, sondern können einfach die für die Erbausschlagung gesetzte Frist verstreichen lassen. Dementsprechend benötigen Sie, wollen Sie das Erbe annehmen, auch kein Formular, das Sie ausfüllen und einreichen müssen.

Nach § 1944 BGB ist hierfür ein Zeitraum von sechs Wochen ab Kenntnisnahme des Erbanfalls vorgesehen. Sie müssen innerhalb dieser Frist jedoch das Erbe nicht aktiv antreten – etwa durch eine entsprechende Erklärung.

Wollen Sie die Erbschaft annehmen, können Sie diese Ausschlagungsfrist einfach verstreichen lassen, ohne aktiv zu werden. Nach Ablauf der Frist ohne erfolgte Erbausschlagung gilt das Erbe als angenommen.

Grundsätzlich muss man ein Erbe nicht annehmen. Die Erbberechtigten können gegenüber dem Nachlassgericht auch die Ausschlagung erklären. Diese ist jedoch fristgebunden. Versäumen Sie die Abgabe der Erklärung innerhalb dieser Frist, gilt das Erbe automatisch als angenommen (§ 1943 BGB).

Können Sie das Erbe annehmen unter Vorbehalt?

Erbschaft annehmen: Ein Muster oder Formular benötigen Sie nicht.

Erbschaft annehmen: Ein Muster oder Formular benötigen Sie nicht.

Der häufigste Grund dafür, dass Personen das ihnen rein rechtlich zustehende Erbe ausschlagen, ist die mögliche Überschuldung des Nachlasses. Nach § 1964 Absatz 1 BGB können die Erben nach der Annahme für Nachlassverbindlichkeiten auch mit dem eigenen Vermögen in Haftung genommen werden, wenn die Erbschaft für die Tilgung nicht ausreicht.

Nicht immer lässt sich dies jedoch schon innerhalb der sechswöchigen Ausschlagungsfrist absehen. Daher fragen sich viele, ob Sie zunächst das Erbe auch bedingt annehmen können. Stellte sich im Nachgang heraus, dass die Erbschaft überschuldet ist, könnte die Erbausschlagung noch erklärt werden. Dies ist jedoch nicht möglich.

Sie können ein Erbe nicht unter Vorbehalt zunächst annehmen und später dann doch ausschlagen. Hier gilt: Entweder ganz oder gar nicht. Ist die Erbannahme erst einmal fix, besteht zudem auch nicht mehr die Möglichkeit, es nachträglich doch noch auszuschlagen (§ 1943 BGB).

Erbschaft angenommen – Wie gehts weiter?

Erbe angenommen: Was folgt dann?

Erbe angenommen: Was folgt dann?

Nach Ablauf der Ausschlagungsfrist stehen die Erben meist fest. Sind mehrere vorhanden, bilden diese eine sogenannte Erben­gemeinschaft. Im Rahmen der anschließenden Erbauseinandersetzung einigen sich die einzelnen Miterben bezüglich der genauen Aufteilung des Nachlasses. Zuvor müssen sie etwaige Nachlassverbindlichkeiten auslösen.

Stellt sich nach der Annahme einer Erbschaft heraus, dass der Nachlass überschuldet ist, können die Erben laut Erbrecht ein Nachlassinsolvenzverfahren beim zuständigen Nachlassgericht beantragen. Die Schuldenhaftung beschränkt sich dann nur noch auf den Nachlass, nicht mehr auf das Vermögen der Erbberechtigten.

Wann erhalten Sie, wenn Sie das Erbe annehmen wollen, einen Erbschein? Erst nach der Annahme kann ein Erbe den Erbschein beantragen. Eine automatische Ausstellung ist nicht angedacht, da der Erbschein nicht immer benötigt wird. Liegt etwa ein Testament vor, genügt dieses meist schon als Auskunft über die Erbberechtigung. Ist jedoch Teil des Nachlasses auch ein Grundstück oder eine Immobilie, so benötigen Sie für die Eigentumsübertragung in jedem Fall einen gesonderten Erbschein.
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Das Erbe annehmen – Wie werden Sie zum Nachlassempfänger?
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3 Gedanken zu „Das Erbe annehmen – Wie werden Sie zum Nachlassempfänger?

  1. Thomas

    Guten Tag! Wie ich sehe, gibt es Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich, was das Antreten eines Erbes betrifft. In Deutschland bedarf es keiner gesonderten schriftlichen Annahmeerklärung. In Österreich hingegen muss oft eine Vertretung in Verlassenschaft durch einen Anwalt vorgenommen werden, da man nach dem Tod des Erblassers erst den Antrag auf das Erbe stellen muss.

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  2. Ferdinand

    Ich kann es verstehen, wenn ein Erbe ausgeschlagen wird. In manchen Fällen ist es zu problembehaftet. Jedoch würde ich mich erstmal mit einem Anwalt für Erbrecht zusammensetzen. Es kann immer sein, dass es alternative Optionen gibt.

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  3. Luise H.

    Meine Cousine hatte nie Kontakt zu ihrem leiblichen Vater und soll nun erben. Sie ist sich aber nicht sicher, ob hier eher Schulden vererbt werden und auch, ob sie das eventuelle Erbe überhaupt antreten möchte. Schade, dass sie das Erbe nicht unter Vorbehalt annehmen kann.

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