Wer zahlt, wenn Sie das Erbe ausschlagen, die Beerdigungskosten?

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 14. September 2021

Wer trägt, wenn Sie das Erbe ausschlagen, eigentlich die Beerdigungskosten?
Wer trägt, wenn Sie das Erbe ausschlagen, eigentlich die Beerdigungskosten?

Nach Paragraph 1968 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) gilt für Erben die Kostentragungspflicht bezüglich der Bestattungskosten des verstorbenen Erblassers. Das ergibt sich grundlegend daraus, dass die Nachlassempfänger neben dem Vermögen des Erblassers auch dessen Nachlassverbindlichkeiten im Rahmen der Erbschaft übernehmen und dafür haften – die Kosten also tragen müssen.

Die Beerdigungskosten fallen als zusätzliche Schuldenbelastung in die Erbschaft hinein und müssen dementsprechend von den Erben getragen werden. Die Tilgung kann zunächst aus dem Nachlass erfolgen. Genügt dieser nicht, ermöglicht die Erbenhaftung auch die Heranziehung von Eigenvermögen der Erben.

Doch was geschieht eigentlich, wenn keine Erben vorhanden sind, weil alle Erbberechtigten das Erbe ausschlagen? Wer zahlt für die Beerdigung, wenn das Erbe ausgeschlagen wird?

Literatur zum Thema Erbrecht

Wer zahlt die Beerdigung bei Erbausschlagung?

In Fällen der Ausschlagung muss zunächst zwischen zwei Optionen unterschieden werden:

Wer muss, wenn die Erben das Erbe ausschlagen, die Beerdigung bezahlen? Nicht automatisch der Staat!
Wer muss, wenn Sie das Erbe ausschlagen, die Beerdigung bezahlen? Nicht immer der Staat!
  1. Nur ein Erbberechtigter will das Erbe ausschlagen: Die Beerdigungskosten tragen in diesem Falle die anderen Erben, die die Erbschaft angenommen haben – bei mehreren die Erbengemeinschaft. Die Kosten können auch zunächst mit der Erbmasse getilgt werden.
  2. Alle Erbberechtigten wollen das Erbe ausschlagen oder es sind aus anderen Gründen keine Erben vorhanden: In diesem Fall geht in letzter Konsequenz die Erbschaft auf den Staat über (= Fiskalerbschaft). Der Fiskus kann als einziger in der gesetzlichen Erbfolge nicht die Erbausschlagung bestimmen. Die Bestattungskosten muss er aber nicht automatisch tragen.

Wer zahlt die Bestattungskosten bei Erbausschlagung und finaler Fiskalerbschaft?

Haben alle Berechtigten das Erbe ausgeschlagen, sind die Beerdigungskosten nicht in jedem Fall auch vom Staat zu tragen. Zunächst gilt hier laut Erbrecht eine Nachlassbeschränkung, d.h. der Fiskus haftet gegenüber den Gläubigern des Erblassers nur mit der hinterlassenen Erbschaft, nicht für darüber hinausgehende Kosten.

Die Gemeinde kann die Beerdigung zunächst zwar beauftragen und die Kosten aus der Erbschaft entnehmen. Es besteht aber die Möglichkeit, das Geld von den potentiell Erbberechtigten zurückzuholen – auch wenn diese das Erbe ausgeschlagen haben. Die Beerdigungskosten sind nämlich auch im Rahmen der Unterhaltspflicht zu betrachten:

Wenn Sie das Erbe ausschlagen, sind die Beerdigungskosten demnach auch dann von Ihnen zu tragen, wenn Sie gegenüber dem Erblasser zum Unterhalt verpflichtet waren oder gewesen wären. Dies ergibt sich aus der Bestattungspflicht.

Bestattungspflicht: Wer zahlt die Beerdigungskosten, wenn das Erbe ausgeschlagen wird?

Erbe ausschlagen? Die Bestattungskosten müssen Sie mitunter dennoch tragen.
Erbe ausschlagen? Die Bestattungskosten müssen Sie mitunter dennoch tragen.

Die Bundesländer regeln in eigenen Bestattungsgesetzen, welche Personen zur Bestattung der Verstorbenen verpflichtet sind.

Auch wenn hier von Bundesland zu Bundesland einzelne Unterschiede gegeben sind, orientiert sich die Reihenfolge, nach der sich die Bestattungspflicht richtet, regelmäßig an der abgestuften Unterhaltspflicht.

Sind keine (zahlungsfähigen) Erben vorhanden, geht die Kostentragungspflicht auf folgende Personen über (in absteigender Reihenfolge):

  1. Ehepartner/eingetragener Lebenspartner
  2. Kinder
  3. Eltern
  4. Geschwister
  5. nicht angeheirateter Partner
  6. andere Sorgeberechtigte
  7. Großeltern
  8. Enkelkinder
  9. entferntere Verwandte (bis 3. Grades)

Wenn zum Beispiel all diese Personen das Erbe ausschlagen, sind die Beerdigungskosten zunächst von dem Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner zu zahlen, der auch vorrangig zum Unterhalt gegenüber dem Erblasser verpflichtet war.

Verfügt dieser nicht über ausreichende finanzielle Mittel, gehen bei Erbausschlagung die Beerdigungskosten auf die Kinder des Verstorbenen über. Können auch diese die Summen nicht aufbringen, geht die Schuld auf die Eltern, hiernach auf die Geschwister des Erblassers über usf.

Erbe abschließend ausgeschlagen: Wer zahlt für die Beerdigung?

Bestattungskosten: Wurde das Erbe ausgeschlagen, übernimmt erst in letzter Konsequenz der Staat!
Bestattungskosten: Wurde das Erbe ausgeschlagen, übernimmt erst in letzter Konsequenz der Staat!

Wenn alle Erbberechtigten das Erbe ausschlagen und die Beerdigungskosten aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht entrichten können, tritt in letzter Konsequenz der Fiskus für die Kosten ein. Dann geht nicht nur die Erbschaft an das Land bzw. die Gemeinde über, sondern auch die Beerdigungskosten.

Reicht der Nachlass für die Begleichung der Rechnung nicht aus, kann die Behörde eine sogenannte Sozialbestattung in Auftrag geben. Die Kosten für diese Bestattungsform sind sehr gering, die Beisetzung ist einfach gehalten.

Fazit: Wer zahlt die Beerdigung, wenn man das Erbe ausschlägt?

Wenn Personen das Erbe ausschlagen, sind die Beerdigungskosten also nicht automatisch auch davon berührt. Die Pflicht, die Kosten zu tragen, geht auf folgende Personen über:

  1. Sind andere Erben vorhanden, müssen diese die Beerdigungskosten tragen.
  2. Sind keine anderen Erben vorhanden bzw. sind diese nicht zahlungsfähig, müssen die Angehörigen des Verstorbenen eintreten – entsprechend der Unterhaltsrangfolge.
  3. Sind weder (zahlungsfähige) Erben noch (zahlungsfähige) Angehörige vorhanden, trägt in letzter Konsequenz die Gemeinde die Beerdigungskosten – entweder aus dem Nachlass beglichen oder darüber hinausgehend (Sozialbestattung).

Weiterführende Literatur zum Thema

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157 Gedanken zu „Wer zahlt, wenn Sie das Erbe ausschlagen, die Beerdigungskosten?

  1. Andrea M

    Mein Lebensgefährte ist 2017 verstorben. Aus dieser Beziehung gibt es 2 Kinder (damals 6 und 4 Jahre alt). Er war zwar als leibliche Vater eingetragen, hatte aber nie Sorgerecht. Da die Kinder als Erste in der Erbreihenfolge bestattungsofluchtig waren, hatte ich einen Antrag als Sorgeberechtigte beim Sozialamt gestellt. Dieser wurde bewilligt. Bestatterkosten wurden auch direkt überwiesen. Habe dann für die Kinder das Erbe ausgeschlagen. Jetzt bekam ich Bescheid, dass die Kosten für die Grabstätte nicht bezahlt worden sind und mir droht eine Lohnpfändung. Angeblich hat das Sozialamt damals nicht trotz Übernahmebestätigung bezahlt, da die Rechnung nicht dort eingegangen wäre. Ich hatte diese aber dorthingeschickt. Jetzt will man diese Kosten nicht mehr übernehmen. Es kann doch nicht sein, dass ich auf einmal Schulden habe, obwohl meine Kinder keine Erben sind. Erbe ist die Mutter meines Lebensgefährten. Desweiteren bin ich jetzt verheiratet und mein Ehemann adoptiert die Kinder, so dass diese rein garnicht mehr mit ihrem leiblichen Vater zu tun haben. Was kann ich jetzt machen, um diese Belastung loszuwerden?

  2. Melanie

    Hallo,
    vor kurzem ist meine Oma verstorben die seit fast 20 Jahren bei meiner Cousine wohnte die auch allein Erbin ist. Meine Oma hatte ihre komplette Beerdigung bereits bezahlt. Allerdings hat dann vor cirka 10 Jahren das Institut Insolvenz angemeldet und geschlossen. Nun ist das Geld für die Beerdigung weg was meine Cousine auch wusste. Leider hat die sich nicht um ein neues Beerdigungsintitut gekümmert und das gesamte Geld meiner Oma ausgegeben und sie selbst lebt von Hartz IV. Da meine Oma erst beerdigt wird wenn das Geld bezahlt wird, wurde sie jetzt erstmal in die Kühlkammer geschoben. Die Kinder meiner Oma sind Zahlungsunfähig und meine Mutter ( die Tochter meiner Oma) ist bereits gestorben und ich hatte das Erbe abgelehnt. Kann ich jetzt als Enkeltochter zur Kasse gebeten werden die Beerdigung zu bezahlen?
    Brauche dringend Rat.

  3. Carola

    Hallo, mein Bruder ist verstorben . Meine Schwester gibt mir keine Auskunft über das Bankkonto.
    Soll aber Erbrecht antreten oder ausschlagen weil sie sonst nicht an das Kontokommt. Wenn ich nun ausschlage bekommt dann meine Schwester alles abzüglich aller Kosten ? Darf ich mir auch eine Auskunft einholen?

    Carola

  4. Uwe

    Hallo
    Wir haben heute erfahren das der Bruder meiner Frau Ostern gestorben ist
    wann Läuft die Frist ab um das Erbe ab aus zu schlagen
    wir hatte Jahre kein Kontakt zu ihm
    er Wohnte in Deutschland wie in den Niederlanden
    Die Info kam von seiner Vermieterin die unser Telefonnummer in seinen Sachen gefunden hatte
    würd mich über einen Antwort freuen
    Liebe Grüße Uwe

  5. Andreas

    Der Bruder ist im Krankenhaus verstorben.
    Das Erbe wird von allen ausgeschlagen und er wird vom Sozialamt bestattet.
    Bekommt man eine Auskunft oder Bescheid
    wie, wann und wo er bestattet wird?
    Man hat uns gesagt man bekommt kein Bescheid.
    Er wird einfach auch ohne Trauerfeier, Pfarrer anonym auf irgendeinen Friedhof beerdigt,
    in dem Ort in dem er verstorben sei.
    Wenn es so ist, gibt es eine Möglichkeit dieses in Erfahrung zu bringen?

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