Wer trägt bei Hartz-4-Bezug die Beerdigungskosten Angehöriger?

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 24. August 2020

Wer zahlt die Beerdigungskosten von einem Hartz-4-Empfänger?

Wer zahlt die Beerdigungskosten von einem Hartz-4-Empfänger?

Selbst nur wenig pompöse Beerdigungen können Kosten im vierstelligen Bereich verursachen. Aber genauso sicher, wie jeder Mensch eines Tages sterben wird, ist, dass er beerdigt werden muss. In Deutschland gibt es eine Bestattungspflicht. Hat der Verstorbene nicht selbst für diesen Fall vorgesorgt, müssen gemäß Erbrecht die Erben oder Angehörigen für die entstehenden Kosten aufkommen.

Doch was geschieht, wenn Beerdigungskosten aufgrund von Hartz-4-Bezug nicht aufgebracht werden können? Wer tritt für die Bestattungskosten ein, wenn Hartz 4 vom Verstorbenen oder zahlungspflichtigen Angehörigen bezogen wurde/wird?

Erfahren Sie im Folgenden, welchen Einfluss Hartz 4 auf die Beerdigungskosten nehmen kann & wer zahlt, wenn kein Geld für die Bestattung vorhanden ist.

Wer zahlt die Beerdigung bei Hartz-4-Bezug des Verstorbenen?

Empfänger von Leistungen nach dem SGB II sind in der Regel nicht in der Lage, ausreichend für den Todesfall vorzusorgen. Zudem hinterlassen sie nur selten erhebliche Erbmassen, die für die Tilgung der Bestattungskosten herangezogen werden können. Auch bei Bezug von Hartz 4 werden die Bestattungskosten regelmäßig zunächst den Erben auferlegt. Wer Erbe ist, ergibt sich entweder aus einem vorhandenen Testament oder der gesetzlichen Erbfolge.

Sterbeversicherungen und ähnliche Einrichtungen müssen, sofern vorhanden, zuvorderst voll für die Bestattungskosten eintreten. Hat der Verstorbene keine solche Versicherung abgeschlossen, sind die Erben gefragt.

Sind keine oder zumindest keine zahlungfähigen Erben vorhanden, weil etwa alle das Erbe ausgeschlagen haben, um nicht die Schulden des verstorbenen Hartz-4-Empfängers zu übernehmen, geht die Kostentragungspflicht auf die Unterhaltspflichtigen über. Es ist dabei zunächst unerheblich, ob tatsächlich auch Unterhaltszahlungen zu Lebzeiten geleistet wurden.

Beerdigungskosten bei Hartz 4: Wann Angehörige zahlen müssen

Die Beerdigungskosten müssen auch bei Hartz-4-Bezug von Erben oder Angehörigen gezahlt werden.

Die Beerdigungskosten müssen auch bei Hartz-4-Bezug von Erben oder Angehörigen gezahlt werden.

Die Kostentragungspflicht richtet sich an die folgenden unterhaltspflichtigen Personen, die hierarchisch geordnet sind:

  1. Ehepartner/eingetragener Lebenspartner
  2. Kinder
  3. Eltern
  4. Geschwister
  5. Partner (nicht verheiratet)
  6. weitere Sorgeberechtigte
  7. Großeltern
  8. Enkel
  9. entfernter Verwandte

Kann etwa auch der Ehegatte aufgrund des eigenen Hartz-4-Bezugs die Beerdigungskosten nicht tragen, geht die Pflicht auf die Kinder über usf. – bis am Ende entweder ein leistungsfähiger Zahlungspflichtiger gefunden ist, oder nicht. Im Zweifel kann auch die Aufnahme eines Kredites verlangt werden.

Ist am Ende keine zahlungsfähige Person vorhanden, können die kostentragungspflichtigen Angehörigen die staatliche Kostenübernahme beantragen. Die Zahl solcher sogenannten “Sozialbestattungen” nimmt immer weiter zu. Waren es 2006 noch etwa 13.800, stieg die Zahl im Jahr 2013 bereits auf ungefähr 23.500 Sozialbestattungen (Erhebung des Statistischen Bundesamtes).

Bei Hartz-4-Bezug Beerdigung vom Jobcenter tragen lassen?

Sie beziehen Hartz 4 und können die Beerdigungskosten nicht zahlen? Wenden Sie sich ans Jobcenter.

Sie beziehen Hartz 4 und können die Beerdigungskosten nicht zahlen? Wenden Sie sich ans Jobcenter.

Bezieht der Kostentragungspflichtige selbst Hartz 4, sodass die Beerdigungskosten von ihm nicht getragen werden kann, so besteht die Möglichkeit, die Sozialbestattung direkt beim Jobcenter zu beantragen. Als Nachweis über die Zahlungsunfähigkeit kann etwa neben dem Bezug von Leistungen nach dem SGB II auch ein abgelehnter Kreditantrag sein.

Die Kostenübernahme im Todesfall ist bei Hartz 4 also nicht automatisch gewährleistet, sondern bedarf eines gesonderten Antrags vonseiten der belasteten Angehörigen bzw. Erben. Ob wegen des Hartz-4-Bezugs die Beerdigungskosten-Übernahme auf Antrag gewährt wird, prüft das Jobcenter im Anschluss. Es kann dafür auch im Einzelfall weitere Nachweise einfordern.

Beziehen Sie kein Hartz 4, können die Beerdigungskosten jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel ebenfalls nicht tragen? In diesem Fall können Sie sich an das zuständige Sozialamt wenden. Auch dieses ist direkter Ansprechpartner bei der Beantragung von Sozialbestattungen. Sie sollten hier ebenfalls ggf. einen Ablehnungsbescheid bzgl. eines Kreditantrages als Nachweis über die Zahlungsunfähigkeit beifügen.
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Wer trägt bei Hartz-4-Bezug die Beerdigungskosten Angehöriger?
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14 Gedanken zu „Wer trägt bei Hartz-4-Bezug die Beerdigungskosten Angehöriger?

  1. Roland U.

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    meine Mama ist leider vergangenen Sonntag verstorben.
    Sie hat Hartz 4 bezogen und hatte eine Sterbeversicherung über 4.000,-€.
    Ich war gestern beim Beerdigungsinstitut und die Kosten für die Beisetzung belaufen sich für Bestattung und Sarg auf ca. 4500,-€.
    Darüberhinaus ist das Konto bei der Targobank mit ca. 1000,-€ überzogen.
    Als Alleinverdienender Familienvatter mit 2 Kindern werde ich das Erbe wahrscheinlich ausschlagen…
    Kann ich die Mehrkosten beim Amt geltend machen…?
    -Was schlagen Sie vor…?

    Für Ihre Bemühungen im Voraus herzlichen Dank.

    MfG

    Roland U.

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    1. Anwalt.org

      Hallo Roland U.,

      wird das Erbe ausgeschlagen und deckt die Sterbeversicherung die Beerdigungskosten nicht, übernimmt zunächst in der Regel das Amt diese übrigen Kosten. Allerdings kann dieses die Kosten von potentiellen Erbe zurückverlangen, wenn diese dem Verstorbenen gegenüber unterhaltsverpflichtet gewesen wären. Dies sollten Sie dann direkt mit dem zuständigen Amt klären und im Zweifel auch eine rechtliche Beratung bei einem Anwalt in Erwägung ziehen. Eine solche können wir nicht anbieten.

      Ihr Team von anwalt.org

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  2. Andrea W.

    Mein Ex-Ehemann, Hartz4- Bezieher ist verstorben, leider nur mit Lebenspartnerin und nicht mit Ehefrau. Ich als Ex-Frau habe keine Kosten zu erwarten. Unser gemeinsamer Sohn (geb. März 1993) befindet sich noch im Studium und hat kein Einkommen und ein Vermögen von ca.1000 Euro. Ich denke, die Kosten für die Beerdigung sind von Seiten meines Exmannes und seiner Lebenspartnerin nicht gedeckt. Welche Kosten kommen auf unseren gemeinsamen Sohn zu, d. h. Beerdigung etc.?Welche Möglichkeit gibt es, die Kosten auf den Staat zu übertragen? Ein Erbe, das vom Amtsgericht mitgeteilt werden sollte, wird ohne Prüfung sofort ausgeschlagen, da von der Seite Schulden erwartet werden. Wie kommt mein Sohn ohne Kosten aus der Nummer? Welche Anträge muß mein Sohn im Vorfeld erstellen? An die Stadt München wegen Hartz4 seines Vaters. Oder können wir abwarten, bis sich die Behörden melden? Freundliche Grüße.

    Antworten
    1. Andrea W.

      Wäre schön eine Antwort zu erhalten. Es geht hier um die Frage. ob im Vorfeld, d.h. ohne Information der Behörden (in dem Fall Amt München für Hartz 4 Empfänger) etwas zu veranlassen ist. Eine Info über den Tod haben wir nur telefonisch erhalten von der besagten Lebensgefährtin. Ob eine Bestattung erfolgt ist wissen wir nicht. Die Höhe der Kosten auch nicht. Und auch nicht, wer diese beauftragt hätte. Es geht um die Kosten der Bestattung, wie geschrieben ist der Sohn Student und hat kein eigenes Einkommen. Nach Infos im Internet könnte einen Sozialbestattung erfolgt sein. Wie soll mein Sohn verfahren? Freundliche Grüße

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      1. Anwalt.org

        Hallo Andrea W.,

        Kosten können auf Ihren Sohn dann zukommen, wenn er das Erbe nicht ausgeschlagen hat. Die Kosten der Beerdigung werden dann in der Regel von den Erben beglichen. Wurde das Erbe ausgeschlagen, kann das Amt Kosten einer Sozialbestattung zurückverlangen, wenn eine Unterhaltspflicht der Erben bestand oder bestanden hätte. Dies müssen Sie dann mit dem Amt klären, falls eine solche Forderung an Ihren Sohn gerichtet wird. Wir können nicht beurteilen, was hier geschehen ist, daher sollten Sie bzw. Ihr Sohn sich bei den Quellen, die Ihnen bekannt sind Lebensgefährtin oder Amt) direkt erkundigen.

        Ihr Team von anwalt.org

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  3. Dorle

    GUTEN TAG! BIN VERZWEIFELT UND VERSTEHE DAS RECHTSSIZTEM NICHT MEHR!
    MEIN EHEMANN IST VOR 1 JAHR VERSTORBEN . ICH BEKOMME SOZIALGELD DA ICH ARBEITSUNFÄHIG KRANK BIN. DIE KOSTENÜBERNAHME DER BEERDIGUNGSKOSTEN WURDEN FRÜHZEITIG VOM SoVD FÜR MICH BEANTRAGT! DA ES EINE UNEHELICHE TOCHTER GIBT UND DIESE GEGENÜBER IHREM VERSTORBENEN VATER UNTERHATSPFLICHTIG IST UND SIE UND IHR EHEMANN VIEL GELD VERDIENEN; HAT DER LANDKREIS VON MIR VERLANGT; DASS SIE IHRE EINKOMMENSVERHÄLTNISSE PREIS GIBT!
    SIE VERWEIGERT ABER AUSKUNFT ZU GEBEN , OBWOHL SIE LAUT GESETZ DAZU VERPFLICHTET IST. NUN WILL DER LANDKREIS ZUM ZWEITEN MAL MEINEN ANTRAG ABLEHNEN, DA DIE MITWIRKUNGSPFLICHT DER TOCHTER FEHLT. BESSER GESAGT, DER LANDKREIS BETITELT ES SO, DAS ICH MEINER MITTEILUNGSPFLICHT NICHT NACHGEKOMMEN BIN.SOGAR DER LANDESABGEORDNETE VON NIEDERSACHSEN HAT SICH FÜR MICH EINGESETZT. ABER DER LANDKREIS STELLT AUF STUR! HÄTTE DER LANDKREIS, ODER BESSER GESAGT, MUSS DER LANDKREIS , IN DIESEM FALL NICHT UMGEHEND AUF AMTSWEGEN, GEGENÜBER DER TOCHTER TÄTIG WERDEN?
    ICH FÜHLE MICH EINFACH NUR UNGERECHT BEHANDELT!
    UM EINE UNVERBINDLICHE ANTWORT WIRD UMGEHEND VON MEINER SEITE AUS GEBETEN!
    LIEBE GRÜSSE!

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  4. anonymous

    Ich darf jedem HartzIV Empfänger im Todesfall des letzten selbst von Grundsicherung lebenden Elternteils raten, von vornherein abzulehnen, einen Bestatter zu beauftragen, auch wenn diese Beauftragung immer und immer wieder nahelegt wird.
    Beauftragt man einen Bestatter, bekommt man schon relativ schnell eine Rechnung, die man begleichen muss, andernfalls ein gerichtliches Mahnverfahren droht. Lehnt man die Beauftragung eines Bestatters ab, wird der Verstorbene von Amtes wegen (Seuchengesetz) abgeholt und eingelagert. Das Amt wird dann auch eine Sozialbestattung organisieren, die ein lokaler Bestatter übernimmt, der für das laufende Jahr den Zuschlag für Sozialbestattungen bekommen hat.
    Danach wird das Amt an einen herantreten, um sich das Geld wiederzuholen. Mit der entsprechenden Aufforderung kann man sich dann an das Jobcenter wenden. Der eindeutige Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, nicht mehr dem eigenen Geld hinterherlaufen zu müssen. Außerdem erspart man sich die negative Schufa-Auskunft für den Fall, dass man Schulden beim Bestatter hat.

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  5. Maurice

    Hallo,
    ich mache mir Sorgen, das aufgrund der hiesigen Gesetzgebung (Stichwort: Hartz IV) die Bestattung nicht wunschgemäß ausgeführt wird. Ich, für meinen Teil, wünsche mir eine Erd/oder Seebestattung. Eine Feuerbestattung kommt für mich nicht in Frage.
    Ich bin gerade erst ein Mittvierziger; somit habe ich noch diverse Möglichkeiten offen. Aber was wäre wenn ich plötzlich (als momentan ALG-II-Empfänger) versterben sollte? Welche Möglichkeiten habe ich, mich gegen die “billigste” Form der “Leichenentsorgung” in Krematorien zu wehren?

    Antworten
    1. Anwalt.org

      Hallo Maurice,
      wenden Sie sich mit diesem Anliegen an das zuständige Jobcenter oder Anwalt.

      Ihr Team von anwalt.org

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  6. L

    Hallo,
    mein Vater (nicht Verheiratet) ist im März gestorben, ich hatte nie Kontakt zu ihm und habe mich nicht um die Beerdigung gekümmert. Er hat eine Sozial Beerdigung bekommen. Nun haben wir, mein Bruder und ich, dafür die Rechnung vom Amt bekommen. Da mein Bruder Hartz 4 bekommt möchte ich gerne wissen ob ich alleine für die Kosten aufkommen muß, oder ob diese geteilt werden. Also ob bei meinem Bruder die Hälfte das Amt bezahlt und die andere Hälfte ich.
    Mfg A.M.

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    1. Stefan Maurer

      Wenns noch nicht zu spät ist, das Erbe beim Notar ablehnen lassen, dann abwarten, bei geringen einkommen, unter der pfändungsgrenze, sollten keine Ansprüche geltend gemacht werden können.

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  7. Heide R

    Muss ich als 0pa Rentner für meinen Verstorbenen Enkel die Bestattungskosten tragen wenn mein Sohn Harz 4 Empfänger ist

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  8. Klug

    Hallo,
    kann man eigenltich, wenn man Hartz-IV-Empfänger ist und verstirbt, auch Verwandte, die nichts erben sollen enterben? Oder hat der Landkreis dann einen Anspruch gegenüber den Hintebliebenen? Ich möchte nicht, dass eine Schwester von mir etwas erbt bzw. ihre Kinder und kann ich sie zu Lebzeiten überhaupt enterben?

    Vielen Dank für eine Antwort.

    S. Klug

    Antworten
  9. Peggy

    Sehr geehrte Damen und Herren
    Meine Mutter ist vor mehr als 2 Jahren verstorben. Das Erbe habe ich damals beim zuständigen Amtsgericht abgelehnt.
    Jetzt meine Frage, die Rechnung vom Bestattungsinstitut kam erst nach 2 Jahren. Muss ich diese Rechnung jetzt bezahlen obwohl ich sie nicht im Auftrag gegeben habe? Zudem habe ich auch seit Jahren überhaupt kein Kontakt mehr zu ihr gehabt.
    Ich würde mich über eine kurze Rückmeldung freuen. Vielen Dank P.

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