Berufsbild Notar: Welche Aufgaben nimmt er wahr?

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 10. Mai 2019

Notar: Was ist das Aufgabenfeld dieses Berufs?
Notar: Was ist das Aufgabenfeld dieses Berufs?

Die Bandbreite juristischer Berufe ist vielfältig und facettenreich. Die einen streben nach dem Abschluss des zweiten Staatsexamens eine Karriere als Anwalt an, während es andere zur Staatsanwaltschaft oder zu Gericht verschlägt. Im folgenden Ratgeber wollen wir uns dem Beruf des Notars widmen und dabei einige interessante Fragen für Sie klären:

Was ist ein Notar? Welcher Aufgabenbereich obliegt ihm? Wer bestellt den Notar und wann muss er überhaupt hinzugezogen werden? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um Notar zu werden? Gibt es eine Altersgrenze? Muss ein Notar spezielle Prüfungen ablegen? Gibt es zwischen den Berufen Notar und Anwalt einen bestimmten Unterschied und was ist unter einem Anwaltsnotariat zu verstehen? Hier bekommen Sie die Antworten auf diese und weitere Fragen rund um das Thema.

Notar: Definition des Begriffs

Laut Definition ist ein Notar (von lateinisch notārius, deutsch “Geschwindschreiber”) eine Person, welche Beglaubigungen und Beurkundungen von Rechtsgeschäften vornimmt, ferner die Hinterlegung von Geld oder sonstigen Wertgegenständen. Er ist Träger eines öffentlichen Amtes.

Ein Notar ist ferner eine Person, die in Deutschland das juristische Studium nebst Referendariat absolviert hat. Ferner bedarf es des Abschlusses vom zweiten juristischen Staatsexamen. Es handelt sich bei Notaren also um sogenannte Volljuristen.

Es gibt hauptberufliche Notare (sogenannte Nur-Notare) und Anwaltsnotare. Letztere sind zugleich als Rechtsanwalt zugelassen.

Was macht ein Notar in Deutschland?

Was bedeutet „Notar“?
Was bedeutet „Notar“?

In diesem Abschnitt soll die Frage geklärt werden: „Was machen Notare eigentlich?“ Es gibt verschiedene Aufgabenbereiche, die in das Tätigkeitsfeld eines Notars fallen. Zu seinen Hauptaufgaben zählt die Beurkundung von Rechtsgeschäften. In erster Linie bezieht sich diese auf die Rechtsgebiete des Grundstücks-, Gesellschafts-, Familien- und Erbrechts.

Wer beispielsweise in Deutschland ein Grundstück kaufen möchte, muss einen Notar hinzuziehen. Anders als der Kaufvertrag über bewegliche Gegenstände ist der Grundstückskauf also nicht formfrei. Die Norm, aus der sich dies ergibt, ist § 311b des Bürgerlichen Gesetzbuches (kurz: BGB).

Auch die Eigentumsübertragung kann nicht ohne einen Notar erfolgen. Gemäß § 925 Absatz 1 BGB muss die darauf bezogene Einigung zwischen Veräußerer und Erwerber, die sogenannte Auflassung, ebenfalls vor einem Notar erklärt werden. Vonnöten ist dabei die Gleichzeitigkeit der Erklärungen. Zeitlich versetzt können diese folglich nicht abgegeben werden.

Ein weiteres Beispiel für die Aufgaben eines Notars ist die Errichtung eines Testaments. Wer ein solches rechtswirksam erstellen möchte, muss dies zur Niederschrift eines Notars machen (öffentliches Testament) oder alternativ ein eigenhändiges Testament im Sinne von § 2247 BGB errichten. Das Erfordernis dessen ergibt sich aus § 2231 BGB. Dabei ist es eine notarielle Pflicht, unabhängig und unparteiisch zu sein.

Hierin liegt ein bedeutsamer Unterschied zwischen einem Notar und einem Rechtsanwalt. Beim Anwaltsberuf kommt es gerade darauf an, die Interessen des jeweiligen Mandanten zu vertreten und parteiisch zu sein.

Amtspflichten des Notars sind Aufklärung und Belehrung. Erfolgen diese nicht, so haftet er mit seinem gesamten Vermögen. Der Notar ist demgemäß auch dazu verpflichtet, eine entsprechende Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen, welche mindestens 500.000 Euro je Versicherungsfall betragen muss. Dies ergibt sich aus § 19a der Bundesnotarordnung (kurz: BNotO).

Vor dem Notar muss eine Erklärung zwecks Grundstückskauf abgegeben werden.
Vor dem Notar muss eine Erklärung zwecks Grundstückskauf abgegeben werden.

Neben Beurkundungen kann bei einem Notar auch eine Beratung vorgenommen werden, beispielsweise im Vorfeld von einem Grundstückskauf oder einer Testamentserstellung. Eine Notarkanzlei kann also auch zu diesen Zwecken aufgesucht werden.

Unter einer Notarkanzlei bzw. einem Notariat sind laut Definition die Büroräume oder der Betrieb eines oder mehrerer Notare zu verstehen.

Welcher Notar ist örtlich zuständig?

Wer sich an einen Notar wendet, kann diesen grundsätzlich frei wählen. Allerdings darf ein Notar nur Beurkundungen vornehmen, wenn diese in seinem Amtsbezirk erfolgen. Nicht maßgeblich ist hingegen, ob das jeweilige Rechtsgeschäft außerhalb des Amtsbezirkes seine Gültigkeit entfaltet.

Irrelevant ist dabei also, ob beispielsweise ein Grundstück, dessen Übereignung in Rede steht, außerhalb des Amtsbezirkes liegt oder nicht.

Wie werde ich Notar? Voraussetzungen zur Berufsausübung

Eine bereits oben erwähnte Voraussetzung, um öffentlicher Notar zu werden, ist die Befähigung zum Richteramt. Diese besitzen Volljuristen, die das erste und zweite Staatsexamen sowie den juristischen Vorbereitungsdienst (Referendariat) absolviert haben. Dies ergibt sich aus § 5 BNotO.

Ferner gibt es für einen Notar eine festgelegte Altersgrenze. Gemäß § 6 Absatz 1 Satz 2 BNotO gilt:

Bewerber können nicht erstmals zu Notaren bestellt werden, wenn sie bei Ablauf der Bewerbungsfrist das sechzigste Lebensjahr vollendet haben.

Des Weiteren muss zur Ausübung vom Notaramt nachgewiesen werden, dass der Bewerber vorab mindestens seit fünf Jahren als Anwalt in nicht unerheblichem Umfang tätig war, davon mindestens drei Jahre ohne Unterbrechung.

Der Nachweis von Praxiserfahrung in einem Notariat ist von Bedeutung im Einstellungsverfahren.
Der Nachweis von Praxiserfahrung in einem Notariat ist von Bedeutung im Einstellungsverfahren.

Überdies bedarf es der Ablegung einer notariellen Fachprüfung, welche in § 7a BNotG näher festgelegt ist. Sie besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Die schriftliche Prüfung setzt sich dabei aus vier Aufsichtsarbeiten zusammen, welche jeweils fünf Stunden dauern. Die mündliche Prüfung wiederum umfasst einen Vortrag sowie ein Gruppengespräch zu unterschiedlichen Prüfungsgebieten.

Zudem muss nach dem Ablegen der Prüfung jährlich für mindestens 15 Stunden an notarspezifischen Fortbildungen teilgenommen werden und das vor der jeweils zuständigen Notarkammer in Deutschland.

Bevor eine Person Notar wird, muss sie ferner nachweisen, die notarielle Berufspraxis hinreichend zu kennen. Üblich ist hierbei die Absolvierung von 160 Stunden Praxisausbildung in einem Notarbüro.
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5 Gedanken zu „Berufsbild Notar: Welche Aufgaben nimmt er wahr?

  1. Sabine

    Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Ein Verwandter arbeitet in einer Notariatskanzlei. Wir hatten wenig Kontakt und treffen uns zu einem runden Geburtstag. Da habe ich jetzt etwas Stoff für den Smalltalk.

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  2. Hildegard

    Vielen Dank für die umfangreichen Erklärungen zu den Aufgaben eines Notars. Meine Nichte (6) hat die Hälfte eines veräußerten Grundstückes geerbt. Wenn ich das richtig verstanden habe, müsste sie bzw. ihre Mutter jetzt beim Notar einen Erbschein beantragen, um das Geld zu bekommen?

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  3. Luise

    Mein Sohn hat sich als Anwalt auf Medizinprodukterecht spezialisiert. Ursprünglich hatte er auch vor, als Notar zu arbeiten. Gut zu wissen, dass er sich noch bis zum 60. Lebensjahr umentscheiden kann.

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  4. Tom V

    Hallo, bei einigen Dingen brauch man wirklich einen Notar. Ich hatte schon mehrere Fälle in denen ich einen gebraucht habe, zum einen Bei einem Grundstückskauf und bei einer Unternehmens Gründung. Bei wichtigen Kaufverträgen wo es später durchaus Komplikationen geben könnte ist es durchaus verständlich jemanden zu haben der die Eigentumsübertragung besiegelt.

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  5. T.

    Ein sehr umfangreicher Beitrag zum Thema “Berufsbild Notar”. Mein Bruder möchte mal Notar werden. Ich werde diesen Link an ihn weiterleiten, damit er sich über seinen Traumberuf informiert. Schließlich sollte er wissen, welche Aufgabenbereiche in das Tätigkeitsfeld eines Notars fallen.

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