Notar werden: Welche Voraussetzungen gelten?

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 25. Mai 2020

Wer Notar werden möchte, braucht meist einen langen Atem.

Wer Notar werden möchte, braucht meist einen langen Atem.

Wer ein öffentliches Testament, einen Ehevertrag oder einen Kaufvertrag für eine Immobilie aufsetzen lassen möchte, kommt um den Gang zum Notar nicht herum. Denn der Gesetzgeber sieht für diese Verträge und Willenserklärungen eine notarielle Beurkundung vor. Fehlt also das Siegel des Notars, ist das jeweilige Schriftstück nicht rechtskräftig.

Insgesamt 7.179 Notare sind in Deutschland im Jahr 2018 tätig. Abhängig vom Gerichtsbezirk arbeiten diese entweder hauptberuflich als Notar oder als Anwaltsnotar. Dabei handelt es sich um besonders qualifizierte Juristen, welche die Stellung einer unparteiischen öffentlichen Institution bekleiden.

Doch wer kann in Deutschland überhaupt Notar werden? Welches Studium ist für den Beruf vorausgesetzt? Und existieren weitere Hürden für die Bestellung von einem Notar? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

Hauptberuflicher Notar werden: Wo geht dies?

In Deutschland ist es nicht möglich, ohne Studium Notar zu werden.

In Deutschland ist es nicht möglich, ohne Studium Notar zu werden.

Hauptberufliche Notare oder Nurnotare üben ihre Tätigkeit in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Rheinland-Pfalz, im Saarland, Bayern und in den rheinischen Teilen Nordrhein-Westfalens sowie in Teilen Baden-Württembergs aus. Dort bekleiden sie – wie die Bezeichnung bereits vermuten lässt – ausschließlich das Amt des Notars.

Wer in diesen Gebieten Notar werden möchte, muss mindestens das 2. Staatsexamen vorweisen können. Anschließend ist eine dreijährige Ausbildung zum Notar, der sogenannte Anwärterdienst, vorgeschrieben. Währenddessen sammeln die Anwärter auf das Amt des Notars – auch als Notarassessoren bezeichnet – praktische Erfahrung, übernehmen unter anderem die Urlaubsvertretung von Notaren und absolvieren zahlreiche Fortbildungen.

Nach der Ableistung des Anwärterdienstes ist ein Notarassessor allerdings nicht automatisch auch ein Notar. Stattdessen werden die freien Stellen ausgeschrieben, auf die es sich zu bewerben gilt. Erst nach einer erfolgreichen Bewerbung und mit der Vereidigung sowie der Aushändigung der Bestellungsurkunde erfolgt die Ernennung zum Notar. Die Bestellung erfolgt dabei auf Lebenszeit. Allerdings scheidet ein Notar spätestens mit Ablauf des Monats, in dem er das 70. Lebensjahr vollendet, automatisch aus dem Amt aus.

Der Arbeitsmarkt für Notare ist recht begrenzt, denn die Landesjustizbehörden schreiben Stellen nur nach Bedarf aus. Dies sorgt vor allem dafür, dass die Anzahl der Notare in Deutschland seit vielen Jahren stabil bleibt.

Wie sieht der Ausbildungsweg für Anwaltsnotare aus?

Welche Voraussetzung ein Notar erfüllen muss, ist in der Bundesnotarordnung definiert.

Welche Voraussetzung ein Notar erfüllen muss, ist in der Bundesnotarordnung definiert.

Wer in Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachen, Teilen von Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein Notar werden möchte, muss zuvor ein Jurastudium absolvieren. Darüber hinaus gelten Bewerber für das Amt nur dann als geeignet, wenn sie gemäß § 6 Bundesnotarordnung (BNotO) folgende Voraussetzung erfüllen:

  • Tätigkeit von mindestens fünf Jahren als Rechtsanwalt,
  • ununterbrochene Ausübung dieser Tätigkeit für mindestens drei Jahre,
  • Bestehen der notariellen Fachprüfung,
  • Absolvierung einer Praxisausbildung von in der Regel 160 Stunden.

Als Nachweis seiner Fachkenntnis muss der Notar seine Ausbildung durch eine notarielle Fachprüfung abschließen. Diese wird vom Prüfungsamt der Bundesnotarkammer abgenommen und besteht aus einem schriftlichen Teil (vier Klausuren) und einer mündlichen Prüfung.

Wird ein Bewerber nach dem Bestehen der Fachprüfung nicht zum Notar ernannt, muss er seiner erworbenen Kenntnisse durch Fortbildungen von jeweils 15 Stunden im Kalenderjahr festigen und auf den aktuellen Stand bringen. Kommt der Bewerber dieser Fortbildungsverpflichtung nicht nach, verfällt die notarielle Fachprüfung und er kann nicht mehr Notar werden.

Wichtig! Ein Anwaltsnotar darf in der gleichen Angelegenheit nicht als Rechtsanwalt und Notar tätig sein. Denn bei Notaren soll es sich grundsätzlich um unabhängige und unparteiische Betreuer handeln. Daher definiert der Gesetzgeber umfassende Mitwirkungsverbote.
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Notar werden: Welche Voraussetzungen gelten?
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6 Gedanken zu „Notar werden: Welche Voraussetzungen gelten?

    1. Anwalt.org

      Hallo Gerling,

      in der Regel ist die Ländernotarkasse bzw. in einigen Ländern auch die Notarvertretung Ansprechpartner bei Problemen.

      Ihr Team von anwalt.org

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  1. Ester D.

    Vielen Dank für diese Übersicht zum Karrierepfad als Notar. Da ich nicht vorhabe Volljurist zu werden oder Jura zu studieren, ist die Karriere als Nurnotar sehr interessant. Was ich sehr gut finde ist, dass es den Anwärterdienst gibt, in dem vor einer ersten richtigen Anstellung bereits de Berufsalltag geprobt werden kann. Die Idee dahinter erinnert mich ans Referendariat bei Lehrämtlern und ist auch dort ein wichtiger Teil der Ausbildung.

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  2. N

    Ich wusste noch gar nicht, dass ein Notar mit 70 Jahren automatisch aus dem Amt ausscheidet. Ich studiere derzeit Rechtswissenschaften und überlege mir gerade, in welche Richtung ich gehen will. Der Beruf des Notars interessiert mich sehr, aber ich bin mir nicht sicher, ob meine Noten dafür gut genug sind.

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  3. Michel D

    Danke für die hilfreichen Informationen zum Berufsweg Notar. Da ich das immer als altehrwürdiges Amt angesehen habe, war mir nicht bewusst, dass dies ein Ausbildungsberuf wie alle anderen ist. Weniger überrascht mich da, dass es anschließend einen Anwärter*innendienst gibt, das ähnelt nämlich sehr dem Referendariat bei Lehreranwärter*innen.

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  4. Florian

    Gut zu wissen, dass der Arbeitsmarkt für Notare begrenzt ist. Ich wusste nicht, dass die Stellen nur nach Bedarf ausgeschrieben sind. Mein Sohn wird bald fertig mit der Schule sein und soll sich nun Gedanken mit der Arbeit machen. Er war an den Beruf als Notar interessiert. Ich werde ihm diesen Beitrag schicken, danke!

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