Überholverbot: Wie wird falsches Überholen sanktioniert?

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 21. März 2021

Welche Vorschriften müssen beim Überholen Beachtung finden?
Welche Vorschriften müssen beim Überholen Beachtung finden?

Bußgeldkatalog: Fehler beim Überholen

VerstoßBuß­geldPunkteFahr­verbot
Überholen im Überhol­verbot70 €1
… mit Gefähr­dung250 €21 Monat
… mit Unfall­folge300 €21 Monat
Nach dem Überholen den Überhol­ten beim Ein­scheren behindert20 €
Geschwindig­keit beim Überholt­werden erhöht30 €
Seiten­abstand beim Überholen nicht eingehalten30 €
Zum Überholen aus­geschert und dadurch den Verkehr gefährdet80 €1
… mit Unfall­folge100 €1
Rechts über­holen inner­orts30 €
… mit Unfall­folge35 €
Rechts über­holen außer­orts100 €1
… mit Gefähr­dung120 €1
… mit Unfall­folge145 €1
Über­holen mit nicht wesentlich höherer Geschwin­digkeit als die des Überhol­ten80 €1
… mit Unfall­folge120 €1
Überholen bei unklarer Verkehrs­lage100 €1
… mit Gefähr­dung120 €1
… mit Unfall­folge145 €1

Bußgeldrechner: Was kosten Überholverstöße?

FAQ: Überholen

Welche Punkte sollten Kraftfahrer bei jedem Überholmanöver beachten?

Welches Verhalten laut Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) beim Überholen vorgeschrieben ist, haben wir Ihnen an dieser Stelle zusammengefasst.

Wo gilt generell ein Überholverbot?

Wo Sie grundsätzlich im Straßenverkehr mit einem Überholverbot rechnen müssen, können Sie hier in Erfahrung bringen.

Welche Sanktionen können Fehler beim Überholen nach sich ziehen?

Das Überholen im Überholverbot wird beispielsweise mit einem Bußgeld von 70 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet. Sobald es dabei jedoch zu einer Gefährdung oder sogar einem Unfall kam, kann der zu zahlende Betrag auf 250 oder 300 Euro ansteigen. Zusätzlich werden jeweils zwei Punkte sowie ein Fahrverbot von einem Monat fällig. Welche Sanktionen außerdem für falsches Überholen drohen können, verrät Ihnen diese Tabelle.

Ein Überholvorgang sollte stets gut durchdacht sein

Auch für Lkw kann ein Überholverbot gelten.
Auch für Lkw kann ein Überholverbot gelten.

Fehler beim Überholen können schnell gravierende Folgen haben. Schätzen Sie beispielsweise Abstände oder Geschwindig­keiten falsch ein und setzen dennoch zum Überholmanöver an, endet das Ganze nicht selten in einem schweren Verkehrsunfall. Daher gilt grundsätzlich: Haben Sie auch nur den geringsten Zweifel, sollten Sie besser nicht überholen. Auf diese Weise schützen Sie nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Regeln die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) beim Überholen vorschreibt und in welchen Situationen generell ein Überholverbot herrscht. Darüber hinaus informieren wir Sie über die möglichen Sanktionen aus dem Bußgeldkatalog, die fällig werden können, wenn Sie sich Fehler beim Überholen leisten oder Überholverbote ignorieren.

Welche Vorschriften sind beim Überholen einzuhalten?

Die Regeln rund ums Überholen im Straßenverkehr befinden sich in § 5 der StVO. Zusammengefasst müssen Sie als Autofahrer dabei folgende Punkte beachten:

  • Sie dürfen in der Regel nur links überholen.
  • Ihre Geschwindigkeit muss wesentlich höher sein als die des Kraftfahrzeugs, welches Sie überholen möchten. Dabei sollten Sie jedoch stets das Tempolimit im Blick behalten, um nicht aufgrund eines Geschwindigkeitsverstoßes beim Überholen geblitzt zu werden.
  • Weder der nachfolgende noch der Gegenverkehr darf durch den Überholvorgang behindert oder gefährdet werden.
  • Setzen Sie den Blinker sowohl beim Aus- als auch beim Einscheren.
  • Scheren Sie nach dem Überholen so schnell wie möglich wieder rechts ein und achten Sie darauf, dabei niemanden zu behindern.
  • Werden Sie überholt, dürfen Sie nicht aus heiterem Himmel schneller fahren, den Überholenden behindern oder anderweitig versuchen, das Überholmanöver zu stoppen.
  • Steuern Sie ein sehr langsames Kfz, wie z. B. einen Traktor, empfiehlt es sich, notfalls rechts ranzufahren, damit die Fahrzeuge hinter Ihnen überholen können.
  • Achten Sie auf einen ausreichend großen Abstand zur Seite, wenn Sie andere Verkehrsteilnehmer überholen. Bei höheren Geschwindigkeiten sollten Sie den Seitenabstand entsprechend vergrößern.  
  • Blenden Sie Fahrzeuge im Gegenverkehr nicht mit dem Fernlicht.

Wann herrscht grundsätzlich ein Überholverbot?

Allgemein wird ein Überholverbot durch dieses Schild angekündigt.
Allgemein wird ein Überholverbot durch dieses Schild angekündigt.

Im Folgenden haben wir Ihnen aufgelistet, in welchen Situationen Sie von einem vorherrschenden Überholverbot ausgehen müssen. Dies ist immer dann der Fall, wenn

  • die Verkehrslage unklar ist,
  • die Sicht durch Regen, Nebel oder Schnee eingeschränkt ist,
  • Sie nicht ausschließen können, dass der Gegenverkehr während des gesamten Überholmanövers nicht behindert wird,
  • ein Überholverbot durch ein Schild angekündigt wurde,
  • Sie nicht die gesamte Strecke einsehen können, auf der Sie überholen
  • Sie sich an einem Fußgängerüberweg befinden,
  • Sie nicht wesentlich schneller fahren können als das Fahrzeug, welches Sie überholen möchten,
  • ein Bus oder eine Straßenbahn mit eingeschaltetem Warnblinklicht an eine Haltestelle fährt,
  • sich eine durchgezogene Linie auf der Fahrbahn befindet.

Auf dem Verkehrszeichen, welches ein Überholverbot vorschreibt, ist ein rot umrandeter Kreis mit zwei Autos in der Mitte zu sehen. Der linke Pkw ist in rot und der rechte in schwarz abgebildet. Handelt es sich um ein Überholverbot für Lkw, befindet sich anstatt dem roten Auto links ein roter Lkw auf dem Schild.

Wann dürfen Kraftfahrer ausnahmsweise rechts überholen?

Im Regelfall drohen Sanktionen aus dem Bußgeldkatalog, wenn Sie rechts überholen. Es gibt jedoch Situationen, in denen dies ausnahmsweise zulässig ist. Wann dies innerhalb sowie außerhalb geschlossener Ortschaften der Fall sein kann, zeigt Ihnen die folgende Tabelle:

Wann dürfen Sie inner­orts rechts über­holen?Wann dürfen Sie außer­orts rechts über­holen?
✔ Wenn sich ein Fahrer nach dem Blinken auf der linken Abbiege­spur eingeordnet hat und nur noch abwartet, bis er ab­biegen kann.
✔ Wenn mehrere Fahr­streifen Markie­rungen für eine Rich­tung aufweisen und Ihr Fahr­zeug nicht schwerer ist als 3,5 Tonnen, dürfen Sie rechts schneller fahren als links.
✔ Wenn der Verkehr durch Ampeln geregelt wird.
✔ Wenn es sich um Schienen­fahrzeuge handelt.
✔ Wenn sich auf mehreren Fahr­streifen für eine Richtung aufgrund der Verkehrs­dichte ein Stau gebildet hat, dürfen Sie rechts schneller fahren als links. Dabei ist jedoch nur eine gering­fügig höhere Geschwin­dig­keit gestattet.
✔ Auf Be­schleuni­gungs­streifen einer Auto­bahn, wenn die davon ab­gehenden Fahr­streifen durch eine breite Linie von­einander ge­trennt sind. Diese gelten dann als eigen­ständige Fahr­bahnen.
Wie hoch ist das Bußgeld, wenn Sie unerlaubt rechts überholen?
Wie hoch ist das Bußgeld, wenn Sie unerlaubt rechts überholen?

Wichtig: Lag keine der gerade beschriebenen Situationen vor, müssen Sie mit Sanktionen aus dem Bußgeldkatalog rechnen. Wenn Sie beispielsweise innerorts rechts überholen, obwohl dies nicht gestattet war, kommen 30 Euro auf Sie zu. Außerorts droht ein weitaus höheres Bußgeld, wenn Sie rechts über­ho­len: 100 Euro sowie ein Punkt in Flensburg werden in diesem Fall fällig. Kam es sogar zu einer Gefährdung oder einem Unfall, steigt der Betrag auf 120 bzw. 145 Euro an. Der Punkt bleibt in beiden Fällen bestehen.

Falsches Überholen: Welche Konsequenzen sind möglich?

Die Sanktionen aus dem Bußgeldkatalog für falsches Überholen erstrecken sich von einem Verwarnungsgeld von 20 Euro für eine Behinderung des Überholten beim Wiedereinscheren bis zu einem Bußgeld von 300 Euro, zwei Punkten in Flensburg sowie einem einmonatigen Fahrverbot für das Überholen im Überholverbot mit Unfallfolge. Die Spanne ist demzufolge relativ groß.

Überholen Sie bei unklarer Verkehrslage, erwartet Sie nicht nur ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro, sondern ebenfalls ein Punkt in Flensburg. Werden Sie beim Überholen mit einer nicht wesentlich höheren Geschwindigkeit als die des Überholten erwischt, müssen Sie sich auf 80 Euro und einen Punkt einstellen. Kam es dadurch zu einem Verkehrsunfall, steigt der Betrag auf 120 Euro. Der Punkt bleibt bestehen.

Quellen und weiterführende Links

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