Die Massentierhaltung – Tiererzeugnisse hergestellt in Großbetrieben

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 24. August 2020

Der Tierschutz in der Massentierhaltung: Tierschützer bemängeln zu lasche Vorgaben.

Der Tierschutz in der Massentierhaltung: Tierschützer bemängeln zu lasche Vorgaben.

Der Hunger nach Fleisch ist in Deutschland groß. Im Jahr 2015 verzehrten die Verbraucher hierzulande 59,2 Kilogramm pro Kopf. Doch es werden noch deutlich mehr Tiere gehalten als gegessen werden, ist die deutsche Landwirtschaft und anhängige Verarbeitungsindustrie sehr aktiv im Export von Fleisch- und Fleischerzeugnissen. Zur Verdeutlichung: Im Jahr 2015 wurden 8,22 Millionen Tonnen Fleisch hergestellt. Insbesondere die Chinesen nehmen viel Schweinefleisch ab.

Diese Mengen können beileibe nicht ausschließlich in bäuerlicher Idylle mit einigen wenigen Kühen, Schweinen und Hühnern produziert werden. Um die Nachfrage zu befriedigen, haben sich daher Großbetriebe herausgebildet, welche die Tierhaltung nach vorwiegend ökonomischen Gesichtspunkten ausrichten. Die Tiere stehen hier dicht an dicht, werden gemästet und bei Erreichen des Mastgewichts zügig geschlachtet, um schnell verkauft zu werden.

Wie die Massentierhaltung in Deutschland aussieht und welche Argumente gegen die Massentierhaltung sprechen (auch aus dem Bereich Tierrecht), wird in diesem Artikel erläutert.

Was ist Massentierhaltung?

Als industrielle Massentierhaltung, auch bekannt unter Begrifflichkeiten wie „Intensivhaltung“ und „industrielle Tierhaltung“, wird die Nutztierhaltung in großen Stückzahlen auf relativ wenig Raum bezeichnet. Im Mittelpunkt steht hier die möglichst effiziente Versorgung des Viehs, weshalb bestimmte Abläufe wie die Fütterung oder das Melken weitgehend automatisiert wurden.

Mit der Vorstellung vom Leben auf dem Bauernhof haben solche Megaställe fast gar nichts mehr zu tun, werden hier doch mehrere Hundert bis Tausende Tiere relativ beengt gehalten, um hohe Absatzmengen mit wenig Aufwand und damit geringen Kosten zu produzieren.

Massentierhaltung der Rinder

Intensiv gehalten werden Wiederkäuer nicht nur wegen ihres Fleisches, sondern auch zur Milchproduktion. In der Zucht haben sich daher drei verschiedene Linien herausgebildet:

  • sogenannte Zweinutzungsrassen, die sowohl relativ viel Fleisch ansetzen als auch eine Menge Milch geben
  • reine Milchnutzungsrassen
  • reine Fleischrassen
Die Intensivermast der Rinder in der Massentierhaltung dauert in der Regel nicht länger als 400 Tage, wenn sie wegen ihres Fleisches gezüchtet werden. Sie werden mitunter teilweise nicht älter als 18 Monate. Im Vergleich dazu: Natürlicherweise würden sie ein Alter von 15 Jahren erreichen. Durch spezielle, energiereiche Ernährung nehmen sie jeden Tag ungefähr ein oder anderthalb Kilogramm Körpergewicht zu. In Massentierhaltung werden Kühe bei ca. 700 kg zum Schlachter verfrachtet.

Mutter und Kalb werden spätestens 24 Stunden nach der Geburt voneinander getrennt. Viele leben später dann in Kleingruppen mit anderen Kälbern zusammen, wo ihnen häufig nur knapp zwei Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Massentierhaltung der Schweine

Zur Massentierhaltung finden Sie Fakten in diesem Ratgeber.

Zur Massentierhaltung finden Sie Fakten in diesem Ratgeber.

Die Intensivhaltung findet sich auch in der Schweineindustrie. Hier erfolgt kurz nach der Geburt die Entfernung des Schwanzes, besteht doch die Gefahr, dass andere Tiere diese aufgrund des geringen Platzes und der geringen geistigen und körperlichen Auslastung abbeißen. Aufnahmen von Tierschützern beweisen immer wieder, dass die Schweine in Massentierhaltung dabei nicht betäubt werden.

Ihr Leben verbringen die Tiere in der Regel nicht in Freilandhaltung, sondern in großen Ställen, deren Boden mit Spalten versehen sind, damit der Kot und andere Ausscheidungen hindurchfallen können.

Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung schreibt vor, dass Mastschweine mit einem Gewicht von 50 bis 110 kg einen Platz von 0,75 Quadratmetern zur Verfügung stellen. Ab 110 kg muss es mindestens ein Quadratmeter sein. Frei bewegen können sie sich also kaum.

Massentierhaltung der Hühner

Was wäre ein Sonntagsfrühstück ohne das dazugehörige Ei? Ob die Hühner in Massentierhaltung gehalten wurden, können Sie ganz einfach am aufgedruckten Ei-Stempel erkennen. Entscheidend ist die erste Zahl.

Welcher Haltung Ihr Ei entstammt, können Sie an der Ei-Kennzeichnung nachvollziehen. Schauen Sie dazu auf die erste Ziffer:

  • 0 steht für ökologische Erzeugung
  • 1 steht für Freilandhaltung
  • 2 steht für Bodenhaltung
  • 3 steht für Käfighaltung

Die zwei nach dem Bindestrich folgenden Buchstaben, stellen die Länderkennung dar, also aus welchem Land das Ei stammt. Darauf folgt die Betriebs- und Stallnummer, mit Hilfe der Sie genau nachvollziehen können, wo das Huhn gelebt hat.

Nicht nur die Massentierhaltung bei Hühnern sehen viele Menschen kritisch.

Nicht nur die Massentierhaltung bei Hühnern sehen viele Menschen kritisch.

Doch nicht nur die Eier der Tiere begehren Konsumenten überall auf der Welt. Auch ihr Fleisch ist sehr beliebt, weshalb Erzeuger häufig in die Massentierhaltung von Geflügel investieren.

Übrigens: Am Anfang des Jahres 2010 wurde die Käfighaltung in Deutschland verboten. Das bedeutet nicht, dass sie deshalb komplett aus der Massentierhaltung von Hühnern verschwunden wären.

Die Europäische Union (EU) erlaubt die Haltung von Legehennen in Kleingruppenkäfigen. Ihnen steht hier ein Raum von ca. 800 Quadratzentimetern – vergleichbar mit der Größe von anderthalb A4-Blättern – pro Tier zur Verfügung. In einer solchen Massentierhaltung lebt ein Huhn mit noch 59 anderen Artgenossen in einem 45 Zentimeter hohen Käfig, der verschiedene Ebenen vorweist.

Doch nicht nur Huhn, Schwein und Rind werden in großen Mengen auf kleinem Raum aufgezogen, auch Kaninchen leben in Massentierhaltung. Abgesehen hat es der Mensch auf sein Fleisch und auch sein kuscheliges Fell. Häufig sind sie in viel zu kleinen Käfigen untergebracht, die kaum Bewegung zulassen, weshalb sie schnell Gewicht ansetzen und bereits nach knapp drei Monaten geschlachtet werden können. Die Massentierhaltung ermöglicht Kaninchen damit nicht, ihr Sozialverhalten auszuleben.

Massentierhaltung: Pro und Contra

Menschen bewerten die intensive Haltung von Tieren sehr unterschiedlich, stehen doch verschiedene Interessen im Mittelpunkt der Betrachtungen.

Massentierhaltung: Welche Vorteile gibt es?
Große Befürworter sind in der Regel die Bauernverbände, die sich für die Lebensmittelmittelerzeuger einsetzen. Sie verweisen immer wieder darauf, dass die Nachfrage nach Fleisch nicht ausschließlich mit ökologischer Tierhaltung zu bewältigen ist. Wer bezahlbare Tierprodukte haben will, kann ihrer Ansicht nach, nicht auf Massentierhaltung verzichten.

Ebenfalls verweisen sie darauf, dass die Gesundheit der gehaltenen Tiere sehr wohl im Interesse der Bauern steht, stellen sie doch ihr Kapital dar. Zudem existieren gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der Tiere, die in der überwiegenden Zahl der Fälle eingehalten werden. Ihrer Ansicht nach, ist das Tierwohl damit gewährleistet, Massentierhaltung also keine Tierquälerei, sondern eine moderne und hygienische Form der Tierhaltung.

Massentierhaltung: Die negativen Folgen der Massentierhaltung

Hauptkritikpunkt an der Massentierhaltung ist der Einsatz von Antibiotika. Resistenzen sind möglich.

Hauptkritikpunkt an der Massentierhaltung ist der Einsatz von Antibiotika. Resistenzen sind möglich.

Dieser Einschätzung stehen die Tier- und Umweltschützer sowie Food-Aktivisten kritisch gegenüber.

Sie monieren vor allem die negativen Auswirkungen auf die Umwelt, entstehen bei der Massentierhaltung doch klimaschädliche Treibhausgase, die langfristig die Durchschnittstemperaturen steigen lassen.

Darüber hinaus sprechen sich Tierschützer gegen die Massentierhaltung aus, da sie ökonomische Beweggründe vor die Bedürfnisse der Tiere stellt und nicht artgerecht ist. Eng zusammen gepfercht, erkranken Huhn, Schwein und Rind viel schneller, da sich Erreger in Megaställen leichter ausbreiten. Hiergegen werden Antibiotika eingesetzt, die auch beim Menschen schnell zu Resistenzen führen können, verzehren sie doch ihr Fleisch. Erkranken sie dann doch einmal, kann es sein, dass vorhandene Medikamente nicht mehr helfen, sind die aufgenommenen Keime resistent.

Viele Verbraucher entscheiden sich deshalb dafür, weniger Fleisch bzw. tierische Produkte zu essen und dafür auf etwas teurere Produkte mit Bio-Siegel umzusteigen.
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Die Massentierhaltung – Tiererzeugnisse hergestellt in Großbetrieben
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3 Gedanken zu „Die Massentierhaltung – Tiererzeugnisse hergestellt in Großbetrieben

  1. Meyer R.

    Hallo,

    bin selbst Landwirt und Milchviehhalter. Habe Ihre Seite zufällig gelesen. Leider haben sich in Ihren Ausführungen zum Thema Massentierhaltung Rind(grauer Kasten) einige Fehler eingeschlichen.
    Grundsätzlich gibt es in der Rinderhaltung folgende Betriebszweige:
    – Rindermast, meist mit Mastbullen vereinzelt auch aus dem Mutterkuhbereich mit weiblichen Tieren(Färsenmast, zur “Erzeugung von Fleisch”); Milchviehhaltung, zur Erzeugung von Milch; mit6 geringer Bedeutung Ausmast von Kälbern
    – kein Rind(in der Regel Mastbulle) wird nach ca. 400 Lebenstagen geschlachtet, da viel zu geringes Gewicht
    – Sie schreiben selbst, dass die täglichen Zunahmen ca. 1.000 g betragen(tats. ca. 1.200 – 1.400 g)
    – Mathematik Grundschule: 400 Tage x 1.000 g = 450 kg Lebendgewicht(bei ca. 40 – 50 kg Geburtsgewicht), sie schreiben selbst von ca. 700 kg
    – tats. werden Mastbullen nach ca. 18 – 21 Monaten geschlachtet
    – wbl. Masttiere (Mutterkuh, Färsenmast) deutlich nach 24 Monaten
    – Milchkühe werden nur dann geschlachtet, wenn sie schwer bzw. erkranken, sich verletzten oder nicht mehr trächtig werden, d.h. nach ca. 4 -6 Jahren im Schnitt
    – keine Milchkuh “wird zum Schlachter verfrachtet” wenn sie ein bestimmtes Gewicht erreicht hat
    – übrigens verspreche ich Ihnen, dass Sie kein Fleisch von Rindern essen wollen, die 15 oder mehr Jahre alt wurden

    Vielleicht ist es Ihnen möglich Ihre Ausführungen entsprechend zu korrigieren.

    Mit freundlichen Grüßen, R. Meyer

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    1. Anwalt.org

      Hallo Meyer R.,

      vielen Dank für die Hinweise. Wir haben nachrecherchiert und den Infokasten entsprechend angepasst.

      Ihr Team von anwalt.org

      Antworten
  2. Franz

    Schade, dass noch immer deutlich mehr Tiere gehalten als gegessen werden. Ich frage mich, ob ein Rechtsanwalt nicht etwas gegen diese Zustände unternehmen könnte. Heftig, dass Rinder, die nur wegen ihres Fleisches gezüchtet werden, oft nur 400 Tage leben.

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