Bio-Siegel – Öko-Produkte durch Kennzeichnung schnell erkennen

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 1. Oktober 2020

Ein Bio-Siegel gibt Auskunft über die Qualität und Herstellung eines Produktes
Ein Bio-Siegel gibt Auskunft über die Qualität und Herstellung eines Produktes
Produkte mit Biosiegel stammen aus landwirtschaftlicher Erzeugung, die sich dem Umweltschutz besonders verschrieben hat.

Produkte mit Biosiegel stammen aus landwirtschaftlicher Erzeugung, die sich dem Umweltschutz besonders verschrieben hat.

Lebensmittel, zu denen sowohl tierische als auch pflanzliche Erzeugnisse gehören, können auf ganz unterschiedliche Weise produziert werden. Entscheidend sind im Agrarrecht folgende Fragen: Welche Pflanzenschutzmittel werden in welchen Mengen eingesetzt? Wie viel Platz steht den Tieren zur Verfügung? Was für Futter bekommen Sie? Sind gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe erlaubt?

Ob konventionell oder Bio-Landwirtschaft: Welche Art und Weise der Nahrungsmittelherstellung bevorzugt wird, ist meistens Präferenzsache. Erzeuger und Konsumenten von ökologisch erzeugten Produkten schwören auf die umweltschonende und nachhaltige Herstellung, die dafür meist auch etwas teurer ist.

Bio-Label – welche Logos gibt es und welche Kriterien legen sie an?

Bio-Siegel gibt es auf dem deutschen und europäischen Markt eine ganze Menge. Aufmerksame Verbraucher begegnen ihnen auf dem Streifzug durch den Supermarkt, wenn sie die Produkte genau unter die Lupe nehmen. Dort sind die Bio-Zeichen auf die Verpackung gedruckt und geben Auskunft, welche Organisation das Logo vergeben hat und was bei der Herstellung des Produkts beachtet wurde.

Am Lebensmittel an sich (Geschmack, Aussehen etc.), können Konsumenten die Einhaltung der jeweiligen Standards nicht nachprüfen und müssen daher darauf vertrauen, dass die Informationen, die sie erhalten, richtig sind.

Die Vielzahl an Kriterien, die bei der Herstellung anlegt werden, können natürlich nicht auf jede Verpackung gedruckt werden, da der Platz hier doch stark begrenzt ist. Die Bio-Logos werden daher als Signale eingesetzt. Worin sie sich genau unterscheiden, wird im Folgenden ausgeführt.

Das EU-Bio-Siegel

Bio-Siegel im Vergleich: Jedes Gütesiegel stellt andere Anforderungen an Tier- und Umweltschutz.

Bio-Siegel im Vergleich: Jedes Gütesiegel stellt andere Anforderungen an Tier- und Umweltschutz.

Das wohl bekannteste Bio-Gütesiegel hierzulande ist das grünumrandete Sechseck, in dessen Mitte groß „Bio nach EG-Öko-Verordnung“ prankt (deutsches staatliches Bio-Siegel).

Mittlerweile wird das deutsche Bio-Siegel vom Bio-Siegel der EU – ein hellgrünes Rechteck auf dem Sterne ein Blatt formen – ergänzt.

Es weist Lebensmittel als konform mit den hier vorgegebenen Mindeststandards für die ökologische Herstellung aus.

Produkte, die ebenjene Kennzeichnung tragen, erfüllen folgende Vorgaben:

  • Die enthaltenen Inhaltsstoffe sind zu 95 Prozent nach den Vorgaben zum ökologischen Landbau produziert (d. h. maximal fünf Prozent dürfen auch konventionell hergestellt worden sein).
  • Bei der Herstellung dürfen keine mineralischen Stickstoffdünger und chemisch-synthetische Pestizide zum Einsatz kommen.
  • Das EU-Öko-Siegel genehmigt nur in sehr engen Grenzen, den Einsatz von gentechnisch veränderten Stoffen. Maximal 0,9 Prozent der enthaltenen Substanzen dürfen in dieser Art und Weise modifiziert worden sein.
  • Das Bio-Siegel gibt für die artgerechte Tierhaltung Folgendes vor: Die Tiere müssen über ein bestimmtes Maß an Stall- und Freifläche mindestens verfügen, was ihnen eine ausreichende Bewegung ermöglicht.
  • Das Futtermittel darf nicht mit Antibiotika angereichert werden.

Mit dem EU-Bio-Label können übrigens versehen werden:

  • pflanzliche Erzeugnisse aus der Landwirtschaft (Obst, Gemüse etc.)
  • landwirtschaftlich erzeugte tierische Lebensmittel (Fleisch von Huhn, Rind Schwein, Fische)
  • Saatgut

Anderen Produkten bleibt das Bio-EU-Siegel hingegen versagt. Dazu gehören:

  • Arzneimittel
  • Kosmetika
  • wildgefischte Tiere
Die missbräuchliche Verwendung vom EU-Bio-Siegel gilt als Ordnungswidrigkeit und wird geahndet.

Die missbräuchliche Verwendung vom EU-Bio-Siegel gilt als Ordnungswidrigkeit und wird geahndet.

Übrigens: Wie groß das Bio-Siegel auf der Verpackung sein darf, ist genau definiert. Es muss in der Regel mindestens neun Millimeter hoch und 13,5 Millimeter breit sein.

Hersteller, die das EU-Biosiegel missbrauchen, müssen mit empfindlichen Ahndungen rechnen. Das Öko-Kennzeichengesetz (ÖkoKennzG) sieht vor, dass schlimmstenfalls eine Geldbuße von bis zu 30 000 Euro oder eine Freiheitsstrafe drohen kann, wird die Bio-Kennzeichnung unerlaubterweise verwendet.

Das EG-Bio-Siegel in der Kritik

Das europäische Bio-Siegel will neben dem Tierschutz auch zum Naturschutz beitragen. Kritiker monieren jedoch, dass die Anforderungen nicht weit genug gehen und daher gar nicht so ökologisch hergestellt werden, wie von den meisten Verbrauchern angenommen. Deutlich wird dies unter anderem an den nicht vorhandenen Vorgaben zum Wasserverbrauch.

So kann es vorkommen, dass Sie im Laden zu Kartoffeln greifen, die zwar bio-zertifiziert sind, jedoch aus Ägypten stammen, wo relativ viel des raren Wassers verbraucht werden muss, um die Früchte herzustellen. Dazu kommt noch der lange Weg nach Deutschland, der das Klima über Gebühr beeinträchtigt. Das Siegel Bio sagt also auch nichts darüber aus, ob regional oder saisonal produziert wurde.

Darüber hinaus sind Lebensmittel mit Bio-Zertifizierung auch gar nicht gesünder, schließlich kann genauso viel Zucker oder Fett enthalten sein, die der Gesundheit in großen Mengen nicht unbedingt förderlich sind. Konsumenten sind daher dazu angehalten, ganz genau hinzuschauen, welche Produkte Sie kaufen und in welchen Mengen sie diese verzehren.

Auch die immer wieder in den Medien auftauchenden Bio-Skandale fördern das Vertrauen in die Bio-Zertifikate nicht. Selbst wenn nur ein Hersteller oder Biogütesiegel betroffen ist, wirken sich die negativen Nachrichten auf die gesamte Biobranche aus.

Das Demeter-Bio-Siegel

Die Demeter-Richtlinien gehören zu den strengsten auf dem ganzen Lebensmittelmarkt. Im Mittelpunkt steht hier der biologisch-dynamische Anbau, der sich unter anderem auf die Erkenntnisse der Anthroposophie stützt.

Deutsche Bauern, die ein solches Bio-Zertifikat führen wollen, müssen neben der Bio-Zertifizierung auch die Demeter-Kriterien erfüllen, um das Siegel tragen zu dürfen. Ob diese eingehalten werden, wird jährlich kontrolliert.

Diese werden unterschieden in a) Richtlinien für die Erzeugung und b) Richtlinien für die Verarbeitung. Hinsichtlich der Tierhaltung gibt das Bio-Siegel folgende Voraussetzungen vor:

Bio-zertifiziert wird Fleisch nur, wenn bei der Herstellung kaum bis keine gentechnisch veränderten Organismen verwendet werden.

Bio-zertifiziert wird Fleisch nur, wenn bei der Herstellung kaum bis keine gentechnisch veränderten Organismen verwendet werden.

  • Es dürfen maximal zehn Mastschweine pro Hektar und Jahr gehalten werden. Für Legehennen gilt eine Grenze von 140 Tieren, bei Milchkühen sind es zwei.
  • Die Verwendung von gentechnisch verändertem Futter ist absolut verboten.
  • Steht die Schlachtung an, darf nach denen vom Verband vorgegebenen Richtlinien, der Ort der Schlachtung maximal 200 km entfernt liegen, um dem Tier übermäßigen Stress zu ersparen. Der Einsatz von Stromstößen und bestimmten Beruhigungsmitteln ist verboten.

Das Demeter-Siegel finden Sie nicht nur auf Lebensmitteln, sondern auch auf Kosmetikprodukten und Textilien.

Sie wollen noch mehr zu den Standards bei Demeter wissen? Dann können Sie auf der Webseite des Verbandes genau nachlesen, welche Kriterien einzuhalten sind, um das Bio-Siegel zu erhalten. Zum Download stehen hier konkrete Listen und Formulare bereit.

Übrigens: Wollen Sie in Erfahrung bringen, welche Unternehmen in Deutschland nach ökologischem Landbau zertifiziert sind, können Sie das im Internet herausfinden. Bio-Zertifikate sind nämlich auch online abrufbar. Alles was Sie hierfür in der Regel benötigen, ist die Postleitzahl und die Unternehmensbezeichnung.

Das Naturland-Bio-Siegel

Zu den Verbandssiegeln gehört auch das von Naturland. Die Organisation setzt sich seit 1982 für eine ökologische und faire Herstellung von Lebensmitteln ein, weshalb das Bio-Siegel auf Fisch, Gemüse, Obst und Fleisch zu finden ist.

Bio-Labels auf Rindfleisch versprechen in der Regel auch, dass keine Kuhtrainer in der Erzeugung zum Einsatz kommen.

Bio-Labels auf Rindfleisch versprechen in der Regel auch, dass keine Kuhtrainer in der Erzeugung zum Einsatz kommen.

Der Anspruch von Naturland ist, die Lücken vom Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung zu schließen, in dem sie ihr Bio-Siegel auch für Kosmetika, die Herstellung von Bekleidung sowie eine ökologische Waldnutzung vergeben.

Was es bedeutet, ein Bio-Siegel von Naturland zu tragen, können Sie an diesen auszugsweise aufgeführten Anforderungen nachvollziehen:

  • Es dürfen keine elektrischen Hilfsmittel zur Erziehung von Kühen eingesetzt werden (Kuhtrainer).
  • Mindestens die Hälfte des Futters für die gehaltenen Tiere muss aus eigener Produktion stammen.
  • Der Einsatz von Antibiotika ist in der Garnelenhaltung verboten. Von ihnen dürfen maximal 160 g pro Quadratmeter gehalten werden (Europäisches Bio-Siegel erlaubt im Vergleich dazu 240 g).
  • Der Einsatz von gentechnisch veränderten Stoffen und Organismen ist gänzlich untersagt.

Insbesondere in der nachhaltigen Fischerei engagiert sich der Naturland e. V. sehr gegen die Überfischung. Dabei berücksichtigen sie nicht nur ökologische, sondern auch soziale Aspekte, also dass die Fischer auch von ihrer Arbeit leben können und keine Kinder beschäftigt werden.

Naturland ist nicht nur in Deutschland aktiv, sondern überall auf der Welt und setzt sich dort ebenfalls für den Erhalt der natürlichen Ressourcen Wasser, Boden und Luft sowie die Verbraucherinteressen ein.

Das Bioland-Siegel

Auch Bioland setzt sich für die organisch-biologische Landwirtschaft ein. Im Mittelpunkt stehen die Ziele:

  • geschlossene Kreisläufe herzustellen
  • die Bodenfruchtbarkeit zu maximieren
  • energiesparend zu wirtschaften
  • das Tierwohl durch artgerechte Haltung zu gewährleisten

Auch der Bioland-Verband stellt in der Regel strengere Anforderungen an die Herstellung und Verarbeitung von Produkten als das EU-Bio-Siegel. Dazu zählen unter anderem:

  • In der Milchviehhaltung ist die Verwendung von Einstreu auf Liegeflächen verpflichtend. Das bedeutet auch, dass ausgelassene Bodenflächen nicht vorkommen dürfen.
  • Landwirte müssen Schweinen Auslauf gewähren und dürfen Sauen grundsätzlich nicht angebunden halten.
  • Jede Legehenne nennt mindestens 18 cm Sitzstange ihr Eigen.

Möchten Sie noch mehr zu den Kriterien vom Bioland-Siegel wissen, haben Sie die Möglichkeit, sich auf der Bioland-Webseite zu belesen.

Fazit

Bio-Zertifikate stehen für eine artgerechte Tierhaltung.

Bio-Zertifikate stehen für eine artgerechte Tierhaltung.

In Deutschland gibt es zahlreiche Bio-Siegel, die von unterschiedlichen Anbietern herausgegeben werden und ganz unterschiedliche Anforderungen an die Produkte stellen. Bio-Labels dürfen nur getragen werden, wenn die entsprechenden Kriterien eingehalten werden, das wird vom Anbauverband oder einer Öko-Kontrollstelle überprüft.

Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit ihrer Ernährung und welche Auswirkungen der Anbau auf Umwelt und Klima haben. Dabei legen viele Wert auf eine regionale und saisonale Ernährung, das heißt, es werden nur die Lebensmittel gegessen, die derzeit auch Saison haben und aus heimischen Gefilden stammen. Gütesiegel für Bio-Produkte weisen hierauf allerdings nicht hin.

Die Bio-Siegel fokussieren eher die Tierhaltung, zum Beispiel wie viel Platz Kuh, Schwein und Huhn gewährt wird, was sie zu fressen bekommen und wie die artgerechte Tierhaltung sonst noch gewährleistet werden kann. Massentierhaltung wird hierdurch ein Riegel vorgeschoben.

Bildnachweis Header: AlexIrina – © Depositphotos

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Bio-Siegel – Öko-Produkte durch Kennzeichnung schnell erkennen
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Ein Gedanke zu „Bio-Siegel – Öko-Produkte durch Kennzeichnung schnell erkennen

  1. Jim W

    Da muss ich leider zugeben, dass ich so einer dieser der die BIO – Lebensmittel nicht permanent aber wirklich häufig in seinen Einkaufswagen legt. Die ständigen Gewissensbisse bei der Einkaufsentscheidung bringen mich immer mehr dazu und ich hoffe ich sende damit die richtigen Signale aus.

    Antworten

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