Begriff Verbrechen: Was ist das?

Verbrechen und Vergehen: Welcher Unterschied besteht zwischen den Begriffen?

Verbrechen und Vergehen: Welcher Unterschied besteht zwischen den Begriffen?

Das deutsche Strafrecht kennt ein breit gefächertes Spektrum verschiedener Straftaten, die sich nicht nur in ihren Tatbeständen und Voraussetzungen, sondern auch hinsichtlich des zu schützenden Rechtsgutes sowie des zu verhängenden Strafmaßes voneinander abgrenzen.

Dabei unterscheiden sich die Begriffe „Verbrechen“ und „Vergehen“ voneinander, obschon sie im alltäglichen Sprachgebrauch häufig miteinander verwechselt oder fälschlicherweise synonym, also gleichbedeutend, verwandt werden. Diesbezüglich stellt sich die Frage, was es mit den Begrifflichkeiten jeweils auf sich hat. Ist beispielsweise eine Körperverletzung ein Vergehen oder ein Verbrechen?

Im folgenden Ratgeber wollen wir Ihnen erläutern, worin der Unterschied zwischen einem Vergehen und einem Verbrechen besteht, welche gesetzlichen Regelungen hier greifen und ab wann eine Straftat als Verbrechen zu qualifizieren ist.

Definition von „Verbrechen“

StGB: § 12 definiert den Begriff des Verbrechens.

StGB: § 12 definiert den Begriff des Verbrechens.

Von einem Verbrechen ist der Definition zufolge dann die Rede, wenn eine Straftat in ihrem Mindestmaß mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder aber höher geahndet wird.

Hierin liegt der Unterschied zwischen einem Verbrechen und einem Vergehen. Letzteres meint indes Straftatbestände, deren Strafmaß unterhalb der zuvor beschriebenen Grenze liegt. Das Mindestmaß sieht hier eine Freiheitsstrafe unter einem Jahr oder eine Geldstrafe vor.

Freilich kann ein Vergehen auch höher bestraft werden, also mit einer Geldstrafe oder Freiheitstrafe unter einem Jahr. Es geht bei der Unterscheidung einzig um das Minimum einer zu verhängenden Strafe.

Gesetzlich verankert sind die Begriffe „Verbrechen und Vergehen“ in § 12 Strafgesetzbuch (kurz: StGB). In Absatz 3 der Norm ist ferner festgelegt, dass die Einteilung von etwaigen gesetzlich vorgesehenen Strafschärfungen oder Milderungen unberührt bleiben.

Beispiel: Raub im Sinne von § 249 Absatz 1 StGB ist im Mindestmaß mit einer Freiheitstrafe von einem Jahr bedroht und somit ein Verbrechen. Gemäß Absatz 2 des Paragraphen wird die Tat in einem minder schweren Fall mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. Liegt ein solcher minder schwerer Fall vor, ändert dies nichts an der Einordnung des Raubes unter den Begriff „Verbrechen“.

Was ist ein Kapitalverbrechen?

Ein Kapitalverbrechen meint umgangssprachlich ein besonders schweres Verbrechen, welches mit dem Tode zu ahnden war. Es handelt sich hierbei um einen historischen Begriff.

Das Wort leitet sich von dem lateinischen Begriff „capitalis“ ab, was so viel bedeutet wie „den Kopf bzw. das Haupt betreffend“. In der heutigen Rechtswissenschaft hat der Begriff des Kapitalverbrechens indes keine Verwendung mehr.

Verbrechen oder Vergehen: wofĂĽr der Unterschied von Relevanz ist

Ein Verbrecher wird laut Definition mindestens mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bestraft.

Ein Verbrecher wird laut Definition mindestens mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bestraft.

Die Abgrenzung eines Vergehens von einem Verbrechen ist in Deutschland vielfacher Hinsicht von Belang. Ob beispielsweise der Tatbestand Diebstahl ein Vergehen oder ein Verbrechen ist, ist nicht bedeutungslos.

Zum einen wirkt sich die Einteilung unter die Begriffe auf die Frage nach der Strafbarkeit eines Tatversuchs aus. Gemäß § 23 Absatz 1 StGB ist der Versuch eines Vergehens nur strafbar, wenn dies gesetzlich ausdrücklich bestimmt wurde. Ein versuchtes Verbrechen ist hingegen immer strafbar.

Beispiel: Ein versuchter Hausfriedensbruch gemäß § 123 StGB ist nicht strafbar, da es sich hierbei um ein Vergehen handelt und der Versuch nicht ausdrücklich mit Strafe bedroht ist.

Des Weiteren ist die Differenzierung von Bedeutung für den Tatbestand der Bedrohung, gesetzlich normiert in § 241 StGB. Darin heißt es ausdrücklich, das nur die Bedrohung mit einem Verbrechen unter den Tatbestand zu fassen ist.

Überdies ist der Begriff des Verbrechens auch im Zusammenhang mit der Amtsfähigkeit, der Wählbarkeit und des Stimmrechts einer Person von Relevanz. Gemäß § 45 Absatz 1 StGB verliert nämlich derjenige die Fähigkeit, öffentliche Ämter zu bekleiden und Rechte aus öffentlichen Wahlen zu erlangen, der eines Verbrechens wegen zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt wurde.

Auch im Bereich des Strafprozessrechts spielt die Kategorisierung in „Verbrechen und Vergehen“ eine Rolle. Zum einen ist hierbei derjenigen, dem ein Verbrechen zur Last gelegt wird, gemäß § 140 Absatz 1 Nummer 2 der Strafprozessordnung (kurz: StPO) stets ein Pflichtverteidiger beizuordnen.
Ist Diebstahl ein Verbrechen oder ein Vergehen?

Ist Diebstahl ein Verbrechen oder ein Vergehen?

Zum anderen ergibt sich auch für die Zuständigkeit der Amts- oder Landgerichte Unterschiedliches in Bezug auf Verbrechen und Vergehen. Gemäß § 74 Absatz 1 des Gerichtsverfassungsgesetzes (kurz: GVG) sind die deutschen Strafkammern der Landgerichte im ersten Rechtszug zuständig für alle Verbrechen, die nicht zur Zuständigkeit des Amtsgerichts oder des Oberlandesgerichts gehören.

Auch die Möglichkeit, gegen eine Person im Wege des Strafbefehlsverfahrens vorzugehen, ist dem Strafprozessrecht zufolge nicht vorgesehen, sofern dieser ein Verbrechen zur Last gelegt wird. Dies ist § 407 Absatz 1 StPO zu entnehmen.

Welche Arten von Verbrechen kennt das StGB?

Das StGB normiert verschiedene Verbrechen, welche folgender Liste entnommen werden können, welche nicht abschließend ist.

Paragraph im StGBTatbestandMindestrafmaĂź
§ 80 StGBHochverrat10 Jahre Freiheitsstrafe
§ 82 StGBHochverrat gegen ein Land1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 83 StGBVorbereitung eines hochverräterischen
Unternehmens gegen den Bund
1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 94 StGBLandesverrat1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 96 StGBLandesverräterische Ausspähung1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 100 StGBFriedensgefährdende Beziehungen1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 105 StGBNötigung von Verfassungsorganen1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 129a StGBBildung terroristischer Vereinigungen1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 146 StGBGeldfälschung1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 154 StGBMeineid1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 176a StGBSchwerer sexueller Missbrauch von Kindern1 Jahr oder 2 Jahre Freiheitsstrafe (je nach Tatvariante)
§ 177 StGBSexuelle Nötigung, Vergewaltigung1, 2, 3 oder 5 Jahre Freiheitsstrafe (je nach Tatvariante)
§ 211 StGBMordlebenslange Freiheitsstrafe
§ 212 StGBTotschlag 5 Jahre Freiheitsstrafe
§ 226 StGBSchwere Körperverletzung1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 234 StGBMenschenraub1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 239a StGBErpresserischer Menschenraub5 Jahre Freiheitsstrafe
§ 244a StGBSchwerer Bandendiebstahl1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 249 StGBRaub1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 250 StGBSchwerer Raub3 oder 5 Jahre Freiheitsstrafe (je nach Tatvariante)
§ 252 StGBRäuberischer Diebstahl1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 306 StGBBrandstiftung1 Jahr Freiheitsstrafe
§ 308 StGBHerbeiführen einer Sprengstoffexplosion1 oder 2 Jahre Freiheitsstrafe (je nach Tatvariante)
§ 316a StGBRäuberischer Angriff auf Kraftfahrer5 Jahre Freiheitsstrafe
§ 316c StGBAngriffe auf den Luft- und Seeverkehr5 Jahre Freiheitsstrafe
§ 339Rechtsbeugung1 Jahr Freiheitsstrafe

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Ein Gedanke zu „Begriff Verbrechen: Was ist das?

  1. Yildirim

    Zu dem Punkt: Verbrechen oder Vergehen: wofür der Unterschied von Relevanz ist, sollten Sie noch die Einstellungsmöglichkeit nach Maßgabe des Opportunitätsprinzips gem. § 153 StPO hinzufügen. Denn auch diese ist eine bedeutende strafprozessuale Bedeutung.

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