Wer zahlt die Miete nach dem Todesfall des Mieters?

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 12. Oktober 2020

Wer ist verpflichtet, die Miete nach dem Tod des Mieters zu zahlen?
Wer ist verpflichtet, die Miete nach dem Tod des Mieters zu zahlen?

FAQ: Miete nach einem Todesfall

Was passiert mit dem Mietvertrag, wenn der Mieter plötzlich stirbt?

Der Mietvertrag bleibt bestehen, er erlischt nicht mit dem Tode des Mieters. Anstelle des Verstorbenen tritt ein Erbe in das Mietverhältnis ein. Wer das ist, richtet sich danach, ob der Verstorbene allein oder mit anderen in der Wohnung lebte. Näheres erfahren Sie hier.

Können die Erben den Mietvertrag nicht mit sofortiger Wirkung kündigen?

Der überlebende Mieter kann zwar den Mietvertrag innerhalb von einem Monat ab Kenntnis des Todes kündigen. Er muss dabei aber die gesetzliche Frist von drei Monaten einhalten. Während dieser Zeit hat er auch für die Miete aufzukommen.

Was ist, wenn es keinen Erben gibt oder diese das Erbe ausschlagen?

Für Vermieter ist es besonders schwierig, wenn keine Erben existieren oder diese das Erbe ausschlagen. Sie wollen die Wohnung verständlicherweise schnell weitervermieten, dürfen aber die Räumung nicht eigenmächtig betreten oder gar leerräumen. Vermieter sollten sich deshalb zuerst an das Nachlassgericht wenden, um zu erfahren, ob es nicht doch Erben gibt.

Was passiert mit der Miete nach dem Tod des Mieters?

Was ist mit der Miete nach einem Todesfall? Muss sie weiter bezahlt werden?
Was ist mit der Miete nach einem Todesfall? Muss sie weiter bezahlt werden?

Für Angehörige ist es immer eine schwierige Situation, wenn ein Familienmitglied stirbt. Neben den emotionalen Auswirkungen müssen sich die Erben zudem mit vielen organisatorischen Angelegenheiten rumplagen. Verträge sind zu kündigen, das Erbe muss verteilt und die Wohnung aufgelöst werden. Dabei stehen die Hinterbliebenen nicht selten vor schwierigen rechtlichen Fragen.

Wie verhält es sich beispielsweise mit der Mietfortzahlung im Todesfall? Endet das Mietverhältnis mit dem Vermieter automatisch, oder muss dieses extra gekündigt werden? Was ist, wenn die Wohnung der verstorbenen Person allein bzw. gemeinsam bewohnt wurde? Auf all diese Fragen gehen wir im Folgenden ein.

Ist die Mietzahlung im Todesfall an den Vermieter weiter zu leisten?

Wie mit einer Wohnung zu verfahren ist, wenn ein Mieter stirbt ist in den §§ 563 bis 564 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) festgeschrieben.

Grundsätzlich gilt, dass das Mietverhältnis mit dem Vermieter nicht einfach automatisch endet. Stattdessen läuft der Mietvertrag fort, die Mietzahlung ist entsprechend nach dem Todesfall weiter zu leisten.

Miete: Bei einem Todesfall gilt eine Kündigungsfrist von drei Monaten.
Miete: Bei einem Todesfall gilt eine Kündigungsfrist von drei Monaten.

Wohnte die verstorbene Person beispielsweise mit ihrem Ehe- bzw. Lebenspartner zusammen, tritt dieser in das Mietverhältnis ein. Gleiches gilt für die volljährigen Kinder oder sonstigen Anverwandten im gemeinsamen Haushalt, sollte der Lebenspartner nicht eintreten.

Lebte der verstorbene Mieter mit einer Person zusammen, mit der er einen auf Dauer angelegten Haushalt führte, besteht auch hier die Chance gemäß Mietrecht den Mietvertrag zu übernehmen. Es folgt also nicht zwingend die Kündigung vom Vermieter mit dem Tod. Gleiches gilt in z. B. Wohngemeinschaften. Gemäß § 563a BGB wird das Mietverhältnis mit den überlebenden Mietern fortgesetzt.

Bewohnte der verstorbene Mieter die Wohnung allein bzw. treten die überlebenden Mieter nicht in das Mietverhältnis ein, müssen die Erben es gemäß § 564 BGB mit dem Vermieter fortsetzen. Die Mietzahlung darf bei einem Todesfall also nicht einfach eingestellt werden, weil der Mietvertrag durch die Erben oder die überlebenden anderen Mieter fortgeführt wird. Sämtliche Verpflichtungen gehen entsprechend über.

Sonderkündigungsrecht: Miete bei Todesfall

Doch wie sieht es aus, wenn der Mietvertrag nicht von den Erben oder überlebenden Mietern fortgeführt werden soll? Wie lange ist die Miete nach dem Todesfall noch zu begleichen? Ist niemand dazu bereit, in das Mietverhältnis einzutreten, kann es außerordentlich mit gesetzlicher Kündigungsfrist beendet werden.

Voraussetzung ist, dass die Kündigung vom Mietvertrag innerhalb eines Monats nach Kenntnisgewinn vom Tod des Mieters erfolgt. Entsprechend sind für die Wohnung also noch mindestens drei Monate Miete nach dem Todesfall an den Vermieter zu bezahlen. Aber nicht nur die Erben besitzen ein Sonderkündigungsrecht in Bezug auf die Miete nach einem Todesfall.

Wollen die Hinterbliebenen die Miete nach dem Tod nicht weiterzahlen, kann auch mit dem Vermieter vereinbart werden, dass ein Nachmieter gestellt wird. Allerdings muss der Wohnungsgeber nicht auf die Bitte eingehen. Er kann auf die Einhaltung der Kündigungsfrist bestehen.

Miete: Nach dem Tod müssen sich die Angehörigen darum kümmern.
Miete: Nach dem Tod müssen sich die Angehörigen darum kümmern.

Auch der Vermieter kann nach außerordentlich kündigen. Dies wäre gegeben, wenn es einen wichtigen Grund gegenüber der eingetretenen Person gibt. Erlangt der Vermieter Kenntnis darüber, dass niemand bereit ist, in das Mietverhältnis einzutreten bzw. es fortzusetzen, hat er ebenso wie die nicht im Haushalt lebenden Erben, das Recht unter Beachtung der gesetzlichen Kündigungsfristen den Mietvertrag zu kündigen.

Zu erwähnen ist, dass alle Erben bzw. eintritts­berechtigten Personen die Kündigung der Wohnung unterschreiben müssen. Die Miete nach dem Todesfall kann grundsätzlich aus dem Nachlass beglichen werden. Die Erben müssen im Übrigen nicht mit ihrem privaten Vermögen haften, wenn diese die Haftung auf den Nachlass beschränken.

Keine Erben = keine Mietzahlung nach Todesfall?

Gibt es keine Erben, bedeutet dies für den Vermieter nicht, dass er keine Miete nach dem Todesfall erhält. Er kann sich mit seinen Forderungen an den gesetzlich bestellten Nachlasspfleger richten. Ist der Nachlass allerdings überschuldet, kann er nach dem Tod des Mieters auf seinen Kosten sitzen bleiben.

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10 Gedanken zu „Wer zahlt die Miete nach dem Todesfall des Mieters?

  1. Sasa

    Hallo,

    eine Frage: was wenn die Kinder von einem verstorbenem mieter im Ausland wohnen, dort gemeldet sind (aus Deutschland ausgeschrieben sind), und nicht mehr die deutsche staatsbürgerschaft haben?

    Mfg

    Antworten
  2. Birte M

    Es stimmt, dass es für Angehörige immer eine schwierige Situation ist, wenn ein Familienmitglied stirbt. Deshalb haben wir uns an eine Anwaltskanzlei für Familienrecht gewandt, die auch auf Erbrecht spezialisiert ist. Gerade in so einem Fall möchte ich einen einfühlsamen Anwalt an meiner Seite wissen.

    Antworten
  3. Nico

    Gut zu wissen, dass die Erben das Mietverhältnis gemäß § 564 BGB mit dem Vermieter fortsetzen müssen, wenn der Verstorbene allein in einer Mietwohnung gelebt hat. Demnach muss ich mich nicht nur um Grabsteine, sondern auch bestehende Mietverhältnisse kümmern. Außerdem muss die Trauerfeier organisiert werden.

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  4. Ronja

    Gut zu wissen, dass das Mietverhältnis mit dem Vermieter nicht einfach automatisch endet. Und das auch nicht, wenn der Mieter verstirbt. Neben der Beratung zur Beerdigung, werde ich mal schauen, ob mich jemand wegen der Mietsache beraten kann.

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  5. Nina

    Wie sieht es denn aus, wenn das Kind eines verstorbenen Mieters (der alleine gelebt hat), die Wohnung des Elternteils mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten kündigt und der Vermieter nach dieser Frist weiterhin Miete verlangt, da er die Kündigung ohne einen Erbschein von dem Kind nicht akzeptiert. Darf er weiterhin Miete verlangen bis der Erbschein vorliegt (was ziemlich lange dauern kann) oder reicht für die Kündigung durch das Kind die Totenbescheinigung? Gibt es hierzu einen Paragraphen? Vielen Dank im Voraus.

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  6. Kirsten

    Kurze Frage: Unsere Mieterin ist gestorben und wurde erst 6 Wochen später in der Wohnung gefunden. Es gibt keine Erben und es ist auch keine Erbmasse vom Nachlasspfleger ermittelt worden. Die Rentenversicherung möchte nur die Miete für 2 Monate zurück, obwohl die Kündigung durch den Nachlasspfleger offiziell erst mit der Kündigungsfrist von 3 Monaten ausgesprochen wurde. Wie verhält es sich. Müssen wir als Vermieter die Miete an die Rentenversicherung zurückzahlen? Bitte um eine schnelle Rückmeldung. Dankeschön.

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  7. SIMONE

    Das heißt mein Bruder ist verstorben und ich soll seine Miete weiter bezahlen. Ich kann mir das nicht leisten,auch noch das zu bezahlen.
    Außerdem möchte ich nichts von ihm erben.
    Weiterhin lange Wartezeiten bis man einen Erbschein bekommt. Mein Bruder ist im September verstorben und im Dezember bekomme ich erst einen Termin für einen Erbschein.

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  8. Lisbeth

    Gut zu wissen, dass der Mietvertrag nicht mit dem Tode des Mieters erlischt, sondern bestehen bleibt. Das Bestattungsinstitut hat mir empfohlen mich zeitnah an den Vermieter des Toten zu wenden. Das werde ich direkt morgen machen.

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  9. Nicole

    Hier steht, das der hinterbliebene Ehepartner meine (Stiefmutter)das Mietverhältnis weiter bestehen lassen kann. Richtig. Sie hat den Mietvertrag mit unterschrieben. Aber wie kann es sein das die Miterben (Kinder des Verstorbenen) anteilmäßig Kaltmiete mit zahlen müssen, bis zum Kündigungstermin. Es handelt sich dabei um ein halbes Jahr. Leider hat mein Vater kein Testament gemacht. Hätte man doch vorher alles gewusst. LG Nicole

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