Abschiebehaft – kontroverse Verwahrung vor der Abschiebung

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 20. Juli 2020

abschiebehaft
Abschiebehaft – kontroverse Verwahrung vor der Abschiebung
Die Abschiebehaft stellt die Abschiebung einer Person sicher.

Die Abschiebehaft stellt die Abschiebung einer Person sicher.

Die Abschiebehaft, oder auch Abschiebungshaft, ist der Freiheitsentzug eines Ausländers in einer gewissen Situation für eine bestimmte Dauer, damit er nicht vor seiner Abschiebung untertauchen kann.

Dabei ordnet ein Richter ein Haftbefehl gegen die betroffene Person an, um die Ausweisung sicherzustellen. Bei entgegenstellen einer Abschiebung droht ein Haft.

Ausländer dürfen sich nur in Deutschland aufhalten, wenn sie über bestimmte Aufenthaltsrechte verfügen. Haben sie kein explizites Recht zum Aufenthalt oder wurde ihr Asylantrag abgelehnt, sind sie verpflichtet, das Land zu verlassen gemäß dem Aufenthaltsgesetz § 50 Abs.3.

Die Behörde hat erst dann Abschiebungen vorzunehmen, wenn die Ausreisepflicht durchsetzbar, eine gesetzte Ausreisepflicht abgelaufen und die freiwillige Erfüllung nicht gesichert ist.

Durchführung

Eine Abschiebehaft wird nach § 62 AufenthG von Auslandsbehörden bei den Amtsgerichten beantragt. Dieser wird einem Richter vorgelegt, der einen Haftbefehl ausspricht. Der Antrag auf Freiheitsentziehung ist dabei zu begründen.

Bei der Abschiebehaft ist zwischen zwei Formen zu unterscheiden.

  1. Vorbereitungshaft: Diese Art von Abschiebehaft wird angewandt, wenn die betroffene Person zur Vorbereitung einer Ausweisung auf richterliche Anordnung in Haft genommen wird. Dies kommt vor, wenn über die Ausweisung nicht sofort entschieden werden kann. Die Dauer des Aufenthalts im Abschiebegefängnis soll sechs Wochen nicht überschreiten.
  2. Sicherungshaft: Das findet Anwendung gemäß § 62 Abs.3 Nr. 1-5 AufenthG wenn,
  • der Ausländer aufgrund einer unerlaubten Einreise ausreisepflichtig ist,
  • der Betroffene eine Abschiebungsanordnung erhalten hat, diese aber nicht unmittelbar vollzogen werden kann,
  • die Ausreisefrist abgelaufen ist und der Ausländer seinen Aufenthaltsort gewechselt hat, ohne der Ausländerbehörde eine Anschrift anzugeben, unter der er erreichbar ist,
  • er zum angekündigten Termin für die Ausreise nicht an dem von der Ausländerbehörde angegebenen Ort angetroffen wurde,
  • er sich in anderweitig der Abschiebung entzogen hat oder
  • der begründete Verdacht besteht, dass er sich der Abschiebung durch Flucht entziehen will (Fluchtgefahr).
Die Ausländerbehörde beantragt also Abschiebehaft für die Menschen, die sich gegen ihre Abschiebung wehren oder bei denen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie sich ihr entziehen möchten. Die Sicherungshaft kann bis zu sechs Monaten angeordnet werden und in den Fällen, in denen der Ausländer seine Abschiebung verhindert, um höchstens zwölf Monate verlängert werden.

Unterbringung

Das Abschiebegefängnis dient als letzte Etappe vor der Ausweisung.

Das Abschiebegefängnis dient als letzte Etappe vor der Ausweisung.

Menschen, die sich in Abschiebungshaft befinden, wurden nicht wegen einer Straftat festgesetzt, sondern nur wegen der Vermutung, dass sie sich gegen eine Abschiebung wehren könnten.

An dieser Stelle ist wichtig zu erwähnen, dass eine Abschiebehaft nicht als Strafe gilt.

Aus diesem Grund müssen nach EU-Rückführungsrichtlinie Abschiebehäftlinge von Strafhäftlingen getrennt untergebracht werden.

Abschiebehäftlinge dürfen somit nicht unter den gleichen Bedingungen wie Strafgefangenen inhaftiert werden, sondern sollen in speziellen Abschiebungshafteinrichtungen inhaftiert werden.

Problematik der Abschiebegefängnisse

Da die Abschiebehaft rechtlich nicht als Strafe gilt, können betroffene Flüchtlinge, bei denen die Durchführung von Abschiebungshaft nachträglich sich als rechtswidrig ergibt, keinen Anspruch auf Haftentschädigung nach dem Gesetz über die Entschädigung für Strafverfolgungsmaßnahmen erheben. Es ist unter Umständen möglich, auf zivilrechtlichem Wege Schadenersatz im Rahmen der Amtshaftung zu erlangen.

Ebenfalls werden die soziale Beratung, die Betreuung sowie die Rechtsberatung in der Abschiebehaft kritisiert, weil sie in den Abschiebungseinrichtungen eine Nebenrolle einnehmen. Um diese Aufgabe gerecht zu werden, benötigen die Mitarbeiter sprachliche Kompetenzen. Aus finanziellen Gründen wird oft auf Dolmetscher verzichtet.

Der Mangel an sozialer Unterstützung und Rechtsberatung führt dazu, dass die Inhaftierten in Abschiebehaft nicht wissen was mit ihnen geschieht und sich hilflos und ausgegliedert fühlen. Flüchtlinge sind oft auf das Engagement von externen Berater angewiesen.
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Abschiebehaft – kontroverse Verwahrung vor der Abschiebung
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Ein Gedanke zu „Abschiebehaft – kontroverse Verwahrung vor der Abschiebung

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    Sehr geehrte Damen und Herren , ein sehr guter Freund aus Afghanistan wurde in Abschiebehaft gebracht . Er hat große psychische Probleme und würde in Afghanistan sterben . Bitte um Hilfe .

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