Privatinsolvenz: Mit diesen Folgen müssen Sie rechnen

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 27. Mai 2020

Eine Privatinsolvenz zieht weitreichende Folgen nach sich.

Eine Privatinsolvenz zieht weitreichende Folgen nach sich.

Im Rahmen der privaten Insolvenz geben Schuldner die Verwaltung ihres Vermögens und Einkommens an einen Treuhänder ab. Dieser prüft genau, wie viel der Betroffene abgeben muss.

Doch auch darüber hinaus kann eine Privatinsolvenz unangenehme Folgen nach sich ziehen.

Möchten Schuldner sich von ihren Schulden befreien, müssen sie nämlich mindestens drei Jahre lang kürzer treten und so viel wie möglich für die Schuldentilgung tun. Meist dauert das Verfahren jedoch ganze sechs Jahre lang. Wie viel Geld bleibt Ihnen genau bei einer Privatinsolvenz? Welche Folgen zieht das Verfahren nach sich?

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Folgen bei einer Privatinsolvenz zu erwarten sind und wie Sie sich möglichst gut darauf vorbereiten.

Folgen einer Privatinsolvenz: Sechs Jahre auf Sparflamme leben

Bei Beginn einer Privatinsolvenz sind die Folgen für Betroffene meist besonders deutlich spürbar: Ein großer Teil ihrer Wertgegenstände wird der Insolvenzmasse zugerechnet. Das bedeutet: Auto, Lebens- oder Rentenversicherung sowie anderweitige Kapitalanlagen werden vom Insolvenzverwalter verkauft oder aufgelöst. Den Erlös erhalten die Gläubiger.

Ausgenommen sind in der Regel:

  • Persönlicher Schmuck
  • Klamotten
  • Möbel – sofern sich keine ausnehmend wertvolle Stücke darunter befinden
  • Hausratsgegenstände
Ausweg Privatinsolvenz: Eine der Folgen ist die Verwaltung des Vermögens durch einen Treuhänder.

Ausweg Privatinsolvenz: Eine der Folgen ist die Verwaltung des Vermögens durch einen Treuhänder.

Die Grenze wird hierbei bei dem Wert der Stücke gezogen. Teure Elektronik, Designerklamotten und antike Möbel werden dann zur Insolvenzmasse gerechnet, wenn sie im Wiederverkauf hohe Summen einbringen.

Benötigen Sie einen Gegenstand – etwa Ihr Auto – zu Ausübung Ihres Berufes, sollten Sie dies genau nachweisen, um ihn behalten zu können.

Da Ihre Arbeit garantiert, dass zumindest ein Teil der Schulden getilgt wird, sollte sie nicht in Gefahr gebracht werden.

Lediglich das Vermögen des Schuldners darf einbezogen werden. Gehören wertvolle Gegenstände beispielsweise Ihrem Ehepartner, kann der Treuhänder diese nicht antasten.

Wie viel Geld bleibt bei einer Privatinsolvenz?

Nachdem Ihr Vermögen zur Tilgung der Schulden eingesetzt wurde, wendet sich der Treuhänder Ihrem Einkommen zu. Das Gehalt, welches über der Pfändungsschutzgrenze liegt, wird zum Teil einbezogen und zur Schuldenrückzahlung genutzt – in der Regel erhält jeder Gläubiger einen gewissen Anteil.

Wie viel gepfändet wird, entscheidet sich anhand einer Pfändungstabelle – diese passt sich alle zwei Jahre an. Vom 01.07.2015 bis 01.07.2017 gilt auszugsweise für nicht unterhaltspflichtige Schuldner:

Einkommen (von – bis) Pfändbarer Betrag
- bis 1.079.99 Euro0 Euro
1.080 – 1.089,99 Euro4,28 Euro
1.180 – 1.189,99 Euro74,28 Euro
1.280 – 1.289,99 Euro144,28 Euro
1.380 – 1.389,99 Euro214,28 Euro
Sie sind dazu verpflichtet, sofern möglich eine Arbeit auszuüben, welche Ihren Qualifikationen entspricht und dementsprechend vergütet wird. Unterqualifizierte Jobs akzeptiert der Insolvenzverwalter nur dann, wenn Sie keine andere Option haben.

Mitteilungspflicht des Schuldners bei der privaten Insolvenz

"Privatinsolvenz: Was bleibt mir?" Die Pfändungsgrenzen ändern sich alle zwei Jahre.

“Privatinsolvenz: Was bleibt mir?” Die Pfändungsgrenzen ändern sich alle zwei Jahre.

Gehen Sie in die private Insolvenz, folgen gewisse Anforderungen: Sie müssen Ihren Fallbearbeiter über folgende Veränderungen unverzüglich informieren:

  • Änderung des Arbeitsverhältnisses
  • Erhalt einer Geldsumme – etwa durch Erbschaft, Auszahlung einer Versicherung oder durch Rückerstattungen
  • Wohnungswechsel

Zudem erwartet der Treuhänder jeden Monat eine Zusendung Ihres Einkommensnachweises.

Keine Nachweise darf er darüber verlangen, wie Sie das Ihnen zustehende Einkommen ausgeben – sofern Sie dadurch keine neuen Schulden generieren, zum Beispiel durch Wettspiele.

Die Risiken der Privatinsolvenz: indirekte Folgen

Neben der stringenten Kontrolle Ihres Vermögens und Einkommens zieht eine Privatinsolvenz weitere Folgen nach sich. Die meisten Risiken bergen:

  • Negative SCHUFA
  • Gehaltspfändung
Die indirekten Folgen einer Privatinsolvenz sind mitunter schwerwiegend.

Die indirekten Folgen einer Privatinsolvenz sind mitunter schwerwiegend.

Erstere verhindert zum einen, dass Sie in naher Zukunft Kredite oder Darlehen aufnehmen können.

Auch Handyverträge, neue Mietverträge oder die Einrichtung eines Dispos können durch den negativen SCHUFA-Eintrag torpediert werden.

Die Gehaltspfändung ist ihrerseits gemäß der meisten Arbeitsverträge ein Kündigungsgrund.

Verlieren Schuldner ihren Job, müssen sie unter Umständen die Wohnung wechseln – dies wird durch die negative SCHUFA erheblich erschwert.

Doch eine Arbeit ist keine Voraussetzung zur privaten Insolvenz: Auch Hartz-4-Empfänger können das Insolvenzverfahren durchlaufen.
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Privatinsolvenz: Mit diesen Folgen müssen Sie rechnen
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7 Gedanken zu „Privatinsolvenz: Mit diesen Folgen müssen Sie rechnen

  1. irsad t.

    hallo ivh muss leider privatinsolvenz anmelden. natürlich möchte ich alle meine schulden tilgen. ich habe soeben eine neue sehr gut bezahlte stelle angenommen. meine frage ist erfährt mein arbeitgeber von der pfändung und der insolvenz? das möchte ich gerne vermeiden.
    gruß t.

    Antworten
    1. Anwalt.org

      Hallo

      die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wird in den amtlichen Verzeichnissen veröffentlicht, die theoretisch auch Arbeitgeber einsehen können. Ob Ihr Arbeitgeber dies tut, können wir nicht beurteilen. Diesen darüber informieren, müssen Sie üblicherweise nicht. Der zuständige Insolvenzverwalter kann jedoch Informationen zur Ihrem verpfändbaren Einkommen einholen, was den Arbeitgeber verpflichtet dieses Einkommen an den Verwalter abzuführen. Wenden Sie sich am besten an eine Schuldnerberatung und klären Sie dort, wie sie am besten vorgehen.

      Ihr Team von anwalt.org

      Antworten
    2. Ralf

      In der Privatinsolvenz muss du dein Einkommen nachweisen und wenn es eine gut bezahlte Stelle ist wird der Treuhändler sich schon in Verbindung mit deinen Arbeitgeber setzen.Mein Rat ist,sei ehrlich und sag es dein Arbeitgeber sonst bekommst du Probleme bis hin das die Insolvenz platzt.Danach darfst du 10 Jahre warten bis du die nächste machen kannst

      Antworten
  2. Erdmann

    Hallo, meine Bruder ist amerikanischer Staatsbürger und hatte eine Bürgschaft Finanzierung für unsere Eltern Ende der 90er aufgenommen. Unsere Eltern haben 2007 das Insolvenzverfahren eröffnet und 2013 abgeschlossen. Das Haus wurde 2009 zwangsversteigert. Mein Bruder lebt seit 1996 in den USA und hatte dort 2009 ein Insolvenzverfahren mit Abschluß in Texas. Nun fordert die deutsche Bank das Geld wo er für gebürgt hat. Muss er das noch zahlen? Welche Möglichkeit hat er? MfG

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  3. vanessa l.

    Hallo

    war wegen meinem privaten Schuldnerbereinigungsverfahren erstmalig 2006 bei meinem Anwalt. Bis heute ist er mich am vertrösten :-( was soll ich machen mein Anwalt erzählt mir immer das Ihn die Hände gebunden sind weil idas über die prozesskostenbeihilfe läuft ?? Komme nicht weiter. Neuen Anwalt suchen ??

    Antworten
  4. Berger

    Hallo,

    ich bin Jurastudentin (vor dem 1. Stastsexamen) auf Grund einer Erkrankung hat sich mein Studium verzögert.
    Die KfW-Bank fordert jetzt ihren Studienkredit zu sehr hohen Raten zurück und lässt sich nicht auf kleinere Raten ein.
    Ich verdiene aber, neben der Examensvorbereitung nur 600 Euro netto.
    Was soll ich jetzt tun?
    SCHADET es meiner beruflichen Zukunft die private Insolvenz anzumelden?
    Ich würde 50 Euro im Monat zahlen, aber sie lassen sich nicht darauf ein.

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  5. Loren L

    Hallo,

    wir hatten vor einem Jahr ein Haus mit 100% Finanzierung gekauft. Dazu haben wir noch einen weiteren Kredit für die Renovierung aufgenommen.
    Nach einem Jahr geht leider unsere Ehe in die Brüche. Die Schulden werden nun geteilt, d.h. nach Abzug aller mtl. Schuldenbegleichung (Raten) bleibt mir nur noch 300 EUR zum Leben übrig. Das reicht natürlich nicht für die Miete, Lebensunterhalt, etc.

    Natürlich will ich aus eigener Kraft alle restlichen Schulden begleichen, aber sowie es aussieht, werde ich das wohl nicht schaffen. Ich bin schon 52 J. und mir bleiben nicht mehr viele Arbeitsjahre übrig. Wenn ich so weiter mache bis in die Rente, dann schaffe ich nur 30% vom Restschulden zu begleichen, von daher möchte ich “Privatinsolvenz” anmelden.

    Darf ich nun “Privatinsolvenz” anmelden? Hängt das von meinem Einkommen ab? (nettomäßig verdiene ich ca. 2.200€ – 2.500€)

    Vielen Dank im Voraus.

    MfG,
    Loren L.

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