Handy am Steuer: Welche Strafe jetzt droht

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 28. Juli 2020

Lohnt sich für Sie ein Einspruch gegen den Bußgeldbescheid?
Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft!
Prüfen Sie jetzt kostenlos Ihre Möglichkeiten.
Hier klicken →
Mit Handy am Steuer drohen Punkte und Bußgelder.
Mit Handy am Steuer drohen Punkte und Bußgelder.

Obwohl allgemein bekannt ist, dass das Telefonieren beim Autofahren verboten ist, gehört der Verstoß zu einem der häufigsten im deutschen Straßenverkehr.

Viele Autofahrer versuchen sich mit Ausreden wie „Ich habe aber nur schnell den Anruf weggedrückt“ oder „Ich wollte bloß auf die Uhr auf dem Handy schauen“ vor Strafen zu retten.

Doch die Gesetzeslage legt eindeutig fest: es gilt ein absolutes Handyverbot beim Autofahren.

FAQ: Handy am Steuer

Was droht, wenn Sie mit dem Handy am Steuer erwischt werden?

Welche Sanktionen der Bußgeldkatalog für die Handynutzung am Steuer vorsieht, verrät Ihnen diese Tabelle.

Was passiert bei einem Handyverstoß in der Prob‌ezeit?

Werden Sie als Fahranfänger mit dem Handy am Steuer erwischt, leisten Sie sich einen A-Verstoß. Ein solcher zieht eine Verlängerung der Probezeit auf insgesamt vier Jahre sowie die Anordnung von einem Aufbauseminar nach sich.

Wann ist das Handy am Steuer erlaubt?

In welchen Situationen Sie das Telefon am Steuer nutzen dürfen, erfahren Sie hier.

Wie sieht die Gesetzeslage zum Telefonieren am Steuer aus?

In § 23 der Straßenverkehrsordnung (StVO) heißt es:

(1a) Wer ein Fahrzeug führt, darf ein elektronisches Gerät, das der Kommunikation, Information oder Organisation dient oder zu dienen bestimmt ist, nur benutzen, wenn

  1. hierfür das Gerät weder aufgenommen noch gehalten wird und
  2. entweder

a) nur eine Sprachsteuerung und Vorlesefunktion genutzt wird oder

b) zur Bedienung und Nutzung des Gerätes nur eine kurze, den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen angepasste Blickzuwendung zum Gerät bei gleichzeitig entsprechender Blickabwendung vom Verkehrsgeschehen erfolgt oder erforderlich ist.

Ob Sie also tatsächlich ein Handy am Steuer benutzt haben oder aber ein Tablet, einen iPod oder sonstige technische Geräte, ist per Gesetz egal.
Fürs Telefonieren am Steuer droht eine Strafe.
Fürs Telefonieren am Steuer droht eine Strafe.

Entscheidend ist hier zunächst Folgendes: Im Gesetz ist nicht vom Handy am Steuer, sondern explizit von elektronischen Geräten die Rede. Mit der zunehmenden Digitalisierung unserer Zeit kommen diverse Gadgets, die in den Alltag integriert sind, und somit in die Gesetze aufgenommen werden.

Die Formulierung legt zudem nahe, dass auch Geräte wie Smart-Watches oder Navigationsgeräte, die nicht ins Auto eingebaut sind, in die Kategorie verbotener Gegenstände fallen.

Im Speziellen gilt laut StVO § 23:

Geräte im Sinne des Satzes 1 sind auch Geräte der Unterhaltungselektronik oder Geräte zur Ortsbestimmung, insbesondere Mobiltelefone oder Autotelefone, Berührungsbildschirme, tragbare Flachrechner, Navigationsgeräte, Fernseher oder Abspielgeräte mit Videofunktion oder Audiorekorder.

Lohnt sich für Sie ein Einspruch gegen den Bußgeldbescheid?
Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft!
Prüfen Sie jetzt kostenlos Ihre Möglichkeiten.
Hier klicken →

Bußgeldtabelle fürs Telefonieren am Steuer:

VerstoßBußgeldPunkteFahrverbot
Handy am Steuer
(ohne Gefährdung / Sachbeschädigung)
100 €1-
Handy am Steuer
(mit Gefährdung)
150 €21 Monat
Handy am Steuer
(mit Sachbeschädigung)
200 € 21 Monat

Bußgeldrechner fürs Telefonieren am Steuer:

Wann ist die Nutzung elektronischer Geräte beim Fahren erlaubt?

Wer nicht auf das Telefon am Steuer verzichten kann, muss die entsprechenden Richtlinien beachten. Die wichtigsten Infos dazu haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.

Die beste Möglichkeit: Freisprechanlagen

Benutzen Sie Ihr Handy am Steuer, kann ein Bußgeld die Folge sein.
Benutzen Sie Ihr Handy am Steuer, kann ein Bußgeld die Folge sein.

Entscheidend für den Tatbestand
das Festhalten des Handys oder anderer technischer Geräte. Wer eine „Sprachsteuerung und Vorlesefunktion“ benutzt, ist rechtlich abgesichert. Auch im Auto fest montierte Einrichtungen für Handys, Navigationsgeräte usw. sind erlaubt, da diese keine unzumutbare Ablenkung vom Straßenverkehr darstellen.

Natürlich sollten Sie trotz installierter Halterung für Ihr Gerät die Blickzuwendung möglichst gering halten. Wer während der Fahrt dauerhaft auf dem Handy tippt, um Nachrichten zu schreiben oder E-Mails zu lesen, wird sich auch durch die bloße Existenz einer Freisprechanlage nicht vor einem Bußgeld retten können.

Im Fokus des Gesetzes steht die Verkehrssicherheit. Abgelenkte Autofahrer gefährden sich selbst und Andere. Davor soll die Regelung schützen.

Ansonsten: Anhalten und Motor aus

Sollten Sie keine Freisprechanlage besitzen, bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, die Fahrt zum Telefonieren zu unterbrechen. Wichtig ist hier, dass es nicht genügt, kurz an den Straßenrand zu fahren. Auch das ist verboten. Die Fahrt gilt erst dann als unterbrochen, wenn das Fahrzeug steht und „der Motor vollständig ausgeschaltet ist“.

Lohnt sich für Sie ein Einspruch gegen den Bußgeldbescheid?
Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft!
Prüfen Sie jetzt kostenlos Ihre Möglichkeiten.
Hier klicken →

Welche Strafen drohen fürs Telefonieren am Steuer?

Haben Sie jedoch keine dieser Möglichkeiten genutzt und wurden stattdessen beim Telefonieren am Steuer erwischt, droht eine Strafe. Seit dem 19.10.2017 gilt ein neuer Bußgeldkatalog, der für Vergehen dieser Art höhere Bußgelder vorsieht, als bis dato der Fall war.

Übrigens: In der StVO ist das Verbot des Telefonierens beim Fahren nicht auf das Führen eines Autos – oder LKWs – beschränkt. Auch Fahrradfahrer, die beim Fahren am Handy sind, müssen mit Strafen rechnen. Der Bußgeldkatalog für Radfahrer sieht ein Bußgeld in Höhe von 55 € vor. Punkte oder Fahrverbote werden in diesem Fall jedoch nicht verhängt.
Geblitzt mit Handy in der Hand? Das Telefonieren am Steuer kann Punkte bedeuten.
Geblitzt mit Handy in der Hand? Das Telefonieren am Steuer kann Punkte bedeuten.

In der Bußgeldtabelle für Verkehrsrecht wird vor allem zwischen den Feinheiten der Ordnungswidrigkeit unterschieden. Wer „nur“ mit dem Handy am Steuer erwischt wurde, ohne dabei eine akute Gefährdung für den Straßenverkehr dargestellt zu haben, muss mit einem Bußgeldbescheid in Höhe von 100 € und einem Punkt in Flensburg rechnen.

Ging der Verkehrsverstoß „Handy am Steuer“ mit einer Gefährdung einher, drohen 150 € Strafe zusammen mit zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot. Der Bußgeldkatalog sieht für Handy-Sünder, die durch ihr Verhalten eine Sachbeschädigung verschuldet haben –  zusätzlich zu zwei Punkten in Flensburg und einem Monat Fahrverbot – ein Bußgeld in Höhe von 200 € (zzgl. der Strafe für die Sachbeschädigung) vor.

Auch wenn für das Telefonieren am Steuer in der Regel kein Fahrverbot verhängt wird, kann es bei Wiederholungstätern zu einer Strafe von bis zu drei Monaten Fahrverbot kommen. In diesem Fall wird das Vergehen dem § 25 des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) entsprechend als beharrliche Pflichtverletzung eingestuft und bestraft.

Geblitzt mit dem Handy am Ohr

Telefonieren am Steuer: Der Bußgeldkatalog schlägt zu.
Telefonieren am Steuer: Der Bußgeldkatalog schlägt zu.

Sie wurden geblitzt? Und das mit dem Handy in der Hand? Welches Bußgeld kommt jetzt auf Sie zu? Und drohen Punkte oder ein Fahrverbot?

Wird die Ordnungswidrigkeit einer Geschwindigkeitsüberschreitung in Tateinheit mit dem widerrechtlichen Telefonieren am Steuer begangen, werden Punkte, Bußgelder und weitere potenzielle Strafen für die Vergehen kombiniert. Konkret besagt die Gesetzgebung, dass in diesem Fall das höhere Bußgeld komplett gezahlt werden muss, während das niedrige Bußgeld entfällt. Häufig wird jedoch das Begleichen der Hälfte des niedrigeren Bußgeldes verlangt.

Die sogenannten Nebenfolgen – also Punkte und Fahrverbote – werden in Fällen einer Tateinheit zusammengerechnet und in Gänze verhängt.

In der Probezeit mit dem Handy geblitzt

Erwischt man Sie mit dem Handy am Steuer, sind Bußgeld, Punkte und eventuell auch Fahrverbote die anzunehmenden rechtlichen Konsequenzen. Wer jedoch noch in der Probezeit mit dem Handy am Steuer geblitzt wird, muss von erhöhten Sanktionen ausgehen.

Mit Handy am Steuer geblitzt? Als Strafe kann es Punkte geben.
Mit Handy am Steuer geblitzt? Als Strafe kann es Punkte geben.

Sowohl das Telefonieren am Steuer als auch Geschwindigkeitsüberschreitungen sind Ordnungswidrigkeiten, die als A-Verstoß gewertet werden. Ein A-Verstoß kann eine Verlängerung der Probezeit um weitere zwei Jahre bedeuten. Bei einer Tateinheit beider Vergehen ist daher in der Regel von entsprechenden Probezeitmaßnahmen auszugehen.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (35 Bewertungen, Durchschnitt: 4,37 von 5)
Handy am Steuer: Welche Strafe jetzt droht
Loading...
Lohnt sich für Sie ein Einspruch gegen den Bußgeldbescheid?
Viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft!
Prüfen Sie jetzt kostenlos Ihre Möglichkeiten.
Hier klicken →

Ein Gedanke zu „Handy am Steuer: Welche Strafe jetzt droht

  1. Ronja O

    Ich dachte nicht, dass das Telefonieren beim Autofahren der häufigste Verstoß im deutschen Straßenverkehr ist. Interessant, dass es per Gesetz egal ist, ob ich am Steuer ein Handy, Tablet oder ein anderes technisches Gerät verwende. Ich werde mir trotzdem einen Rechtsanwalt suchen, der meinen Fall vertritt.

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.