Drohnen-Verordnung: Überblick für Drohnen-Piloten

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 14. September 2020

Die Drohnen-Verordnung für Deutschland regelt den Betrieb von unbemannten Fluggeräten.
Die Drohnen-Verordnung für Deutschland regelt den Betrieb von unbemannten Fluggeräten.

Sie fliegen im Kampf gegen den Terror, erstellen Luftbildaufnahmen und überwachen Großveranstaltungen. Drohnen, unbemannte Flugobjekte, sind vielseitig einsetzbar und erfreuen sich auch bei Hobby-Piloten immer größerer Beliebtheit.

Wer Flugmodelle und unbemannte Luftfahrtsysteme steigen lassen möchte, muss jedoch Regeln einhalten.

Denn im April 2017 ist die “Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten” in Kraft getreten – besser bekannt als Drohnen-Verordnung. Danach müssen Drohnen-Piloten strenge Bedingungen erfüllen und in bestimmten Gebieten Flugverbote beachten. Im folgenden Ratgeber erklären wir die wichtigsten Regeln für Drohnen-Piloten.

FAQ: Drohnen-Verordnung?

Was ist eine Drohne?

“Drohne” ist der umgangssprachliche Begriff für unbemannte Fluggeräte. Im Luftrecht werden Flugmodelle und Luftfahrtsysteme unterschieden.

Was regelt die Drohnen-Verordnung?

Eine wichtige Regelung ist die Kennzeichnungspflicht für Drohnen, die wir hier näher erläutern. Unsere Infografik veranschaulicht die wesentlichen Vorschriften der Verordnung.

Wer haftet, wenn Drohnen einen Unfall verursachen?

Ähnlich wie im Straßenverkehr existiert auch hier eine Halterhaftung. Diese erklären wie in diesem Abschnitt näher.

Die Drohnen-Verordnung im Überblick

Die Drohnen-Verordnung gilt nur außerhalb von Modellflugplätzen, mit Ausnahme der Kennzeichnungspflicht.
Die Drohnen-Verordnung gilt nur außerhalb von Modellflugplätzen, mit Ausnahme der Kennzeichnungspflicht.

Drohnen als zivile Fluggeräte sind schon vor einiger Zeit zum Verkaufsschlager geworden. Die Bundesregierung nahm dies 2017 zum Anlass, um die Regeln für die Benutzung der Drohnen zu verschärfen.

Sie möchte mit der Verordnung dafür sorgen, dass die Drohnen nicht abstürzen, dass der Flugverkehr nicht beeinträchtigt wird und dass die Privatsphäre der Bürger vor Eingriffen geschützt bleibt.

Die Drohnen-Verordnung ist im Bundesgesetzblatt Jahrgang 2017 Teil I Nr. 17 verkündet worden, und zwar am 6.4.2017. Einen Tag später ist sie in Kraft getreten. Die Regelungen über die Kennzeichnungspflichten und die Pflicht zur Vorlage des Kenntnisnachweises gelten seit dem 1.10.2017. Sie können die Drohnen-Verordnung als Gesetzestext über die Webseite des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur abrufen.

Als Drohnen werden ferngesteuerte Luftfahrzeuge bezeichnet. Hierbei kann es sich entweder um ein Flugmodell oder ein unbemanntes Luftfahrtsystem handeln. Diese Unterscheidung ist deswegen wichtig, weil hieran unterschiedliche Regeln geknüpft sein können.

Um ein Flugmodell handelt es sich immer dann, wenn das Gerät ausschließlich zur privaten Freizeitgestaltung oder im Sport eingesetzt wird. Bei anderen Verwendungen, insbesondere aus gewerblichen Zwecken, gilt das Gerät als “unbemanntes Flugobjekt”.

Anfänger, die mit dem Gedanken spielen, sich eine Drohne zu kaufen, sollten sich im Vorfeld außerdem genau über diese Fluggeräte informieren. Denn es gibt die unterschiedlichsten Modelle mit den verschiedensten Eigenarten und Preisen. Sie sollten sich vor allem darüber klar werden, was sie von ihrem Modell erwarten, ob sie eine Drohne mit Kamera wünschen oder ob ein einfaches Gerät zum Fliegen reicht. Entsprechende Informationen finden Sie auf der Seite drohne.net.

Wesentliche Regelungen der Drohnen-Verordnung

Infografik zur Drohnen-Verordnung. (Für größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.)
Infografik zur Drohnen-Verordnung. (Für größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.)

Die Benutzung von Drohnen birgt ein hohes Unfallrisiko. Piloten, die ein solches Gerät aufsteigen lassen, haften bei einem Unfall selbst dann, wenn sie diesen nicht verschuldet haben. Deswegen müssen sie bereits vor dem ersten Start eine entsprechende Haftpflichtversicherung abschließen.

Diese greift immer dann, wenn andere Personen oder fremde Güter durch die Drohne zu Schaden kommen. Sie schützt jedoch nicht vor den finanziellen Einbußen, die der Pilot selbst erleidet, weil seine Drohne kaputtgeht.

Des Weiteren müssen sich Drohnen-Liebhaber auch mit den folgenden Vorschriften der Drohnen-Verordnung auseinandersetzen:

Kennzeichnungspflicht

Flugmodelle und unbemannte Luftfahrzeuge, die mehr als 250 Gramm wiegen, müssen mit einer Plakette versehen werden, auf der Name und Anschrift des Besitzers angegeben sind. Kommt es zu einem Schaden, kann so der Besitzer schnell ermittelt werden. Registrieren lassen müssen Drohnen-Piloten ihr Gerät hingegen nicht.

Wer gegen die Kennzeichnungspflicht verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss unter Umständen mit einem Bußgeld rechnen.

Das Schild muss dauerhaft angebracht, feuerfest und sichtbar sein. Kennzeichen, die diese Voraussetzungen erfüllen, können Sie beim Deutschen Modellflieger-Verband bestellen.

Kenntnisnachweis für Geräte ab 2 kg – “Drohnen-Führerschein”

Wer Drohnen fliegen lassen möchte, die 2 kg und mehr wiegen, muss gemäß der Drohnen-Verordnung einen entsprechenden Kenntnisnachweis erbringen. Diesen Drohnen-Führerschein können Sie auf zweierlei Weise erwerben:

Drohnen-Verordnung: Wer Drohnen gewerblich einsetzt, die 2 kg und mehr wiegen, benötigt einen Kenntnisnachweis.
Drohnen-Verordnung: Wer Drohnen gewerblich einsetzt, die 2 kg und mehr wiegen, benötigt einen Kenntnisnachweis.
  • Gewerbetreibende, die mit ihrer Drohne bzw. Bildaufnahmen per Drohne Geld verdienen, müssen bei einer vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannten Stelle eine theoretische Prüfung ablegen. der Führerschein gilt für 5 Jahre und muss anschließend erneuert werden. Prüfungsteilnehmer müssen mindestens 16 Jahre alt sein.
  • Für Piloten, die mindestens 14 Jahre alt sind und ihre Drohne nur aus reinem Privatvergnügen fliegen lassen, genügt die Einweisung durch einen Luftsportverein. Das ist z. B. online möglich, indem sich der Prüfling durch verschiedene Fragen klickt. Hat er diese erfolgreich beantwortet, kann er anschließend seinen Drohnen-Führerschein ausdrucken. Diese Möglichkeit bietet beispielsweise der Deutsche Modellflieger Verband an. Auch dieser Nachweis gilt für 5 Jahre.
Wenn Sie Ihre Drohne auf einem Modellfluggelände betreiben, benötigen Sie keinen Kenntnisnachweis.

Erlaubnisfreiheit oder Erlaubnispflicht – Was sagt die Drohnen-Verordnung?

Für Flugmodelle und unbemannte Luftfahrtsysteme, die weniger als 5 kg wiegen, benötigen die Piloten in der Regel keine besondere Erlaubnis.

In drei Fällen brauchen Sie allerdings eine behördliche Erlaubnis:

  • Die Drohne hat ein Gesamtgewicht von mehr als 5 kg.
  • Sie wollen die Drohne nachts, das heißt zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang, fliegen lassen.
  • Das Fluggerät soll in einem Gebiet mit Flugbeschränkung (ED-R) geflogen werden.
In diesen Fällen sind die Behörden für Luftfahrt des jeweiligen Bundeslandes der richtige Ansprechpartner. Insbesondere gewerbliche Drohnen-Nutzer können sich zu diesen und anderen Fragen zur Drohnen-Verordnung auch von einem Rechtsanwalt beraten lassen.

Wo dürfen Drohnen fliegen und wo nicht? Betriebsverbote

Laut Drohnen-Verordnung dürfen unbemannte Fluggeräte nur auf Sichtweite geflogen werden.
Laut Drohnen-Verordnung dürfen unbemannte Fluggeräte nur auf Sichtweite geflogen werden.

Das Drohnen-Gesetz regelt nicht nur, welche Anforderungen Piloten von unbemannten Fluggeräten erfüllen müssen. Sie schreibt auch genau vor, wo bzw. wie diese Geräte nicht zum Einsatz kommen dürfen.

Drohnen-Nutzer sollten sich auch diese Regelungen genau ansehen. Denn wer seine Drohne z. B. zur falschen Zeit oder am falschen Ort betreibt, riskiert eine Menge Ärger. Die Drohnen-Verordnung sieht hohe Strafen bzw. Bußgelder bis zu 50.000 Euro vor.

Wie hoch dürfen Drohnen maximal fliegen?

Hobby-Piloten dürfen ihr Fluggerät bis zu maximal 100 Meter hochsteigen lassen. Flughöhen, die darüber hinausgehen, sind verboten. Die Drohnen-Verordnung sieht zwei Ausnahmen hiervon vor:

  • Der Pilot lässt seine Drohne auf einem Modellflugplatz fliegen.
  • Besitzt der (gewerbliche) Drohnen-Betreiber eine gültige Erlaubnis als Luftfahrzeugführer (Pilotenschein) oder einen Kenntnisnachweis (Drohnen-Führerschein), so darf er die Drohne auch höher steigen lassen, wenn es sich nicht um einen Multicopter, also ein Fluggerät mit mehreren Propellern, handelt.
Flugmodelle und Drohnen dürfen grundsätzlich nur in Sichtweite geflogen werden, das heißt, soweit wie Sie mit dem bloßen Auge sehen können. Ist Ihre Sicht z. B. durch eine tief hängende Wolkendecke beeinträchtigt, so dürfen Sie die 100-Meter-Grenze nicht ausreizen, wenn Sie nicht in der Lage sind, Ihre Drohne auf diese Entfernung zu sehen. Es muss also ständiger Sichtkontakt gegeben sein.

Flugverbots- und -beschränkungszonen

Neben der Drohnen-Verordnung müssen Nutzer z. B. auch die Luftverkehrsordnung beachten.
Neben der Drohnen-Verordnung müssen Nutzer z. B. auch die Luftverkehrsordnung beachten.

Neben der Drohnen-Verordnung müssen Nutzer auch andere Vorschriften zum Luftrecht im Blick behalten. Piloten dürfen ihr Gerät nicht an jedem x-beliebigen Ort aufsteigen lassen.

Welche Bereiche als Flugverbotszone absolut tabu sind, regelt § 21b Luftverkehrsordnung (LuftVO). Diese gilt bundesweit und ist damit in ganz Deutschland zu beachten:

  • Verboten sind demnach Flüge über Gefängnissen, Militäranlagen, Botschaften, Parlamentsgebäuden, Industrieanlagen, Autobahnen, Bundesstraßen, Bahnanlagen und Krankenhäusern. Außerdem ist ein Seitenabstand von 100 Metern zu diesen Orten einzuhalten.
  • Menschenansammlungen sind ebenfalls tabu – und zwar sowohl in der Höhe als auch im seitlichen Abstand von 100 Metern. Dies gilt auch für Orte, an denen Polizei und Rettungskräfte im Einsatz sind (Unglücksorte und Katastrophengebiete).
  • Wohngrundstücke gehören ebenfalls zu den Flugverbotszonen. Drohnen, die mehr als 250 Gramm wiegen, sowie Multicopter, die Film- und Tonaufnahmen machen können, dürfen hier nicht fliegen, es sei denn, der Pilot hat die Zustimmung aller Bewohner eingeholt.
  • Auf Ihrem eigenen Grundstück hingegen dürfen Sie frei fliegen, aber immer in Sichtweite und nicht höher als 100 m. Und Sie müssen die Persönlichkeitsrechte als Jedermannsrechte Ihrer Nachbarn wahren. Gezielte Bildaufnahmen ohne vorherige Erlaubnis sind also verboten.
  • Naturschutzgebiete und Nationalparks gelten in der Regel ebenfalls als flugfreie Zone. Hier regeln die Bundesländer, in welchen Ausnahmefällen Drohnen in solchen Gebieten fliegen dürfen und welche Bereiche absolut tabu sind.

In bestimmten regionalen Gebieten dürfen Drohnen nicht fliegen. So gelten in Berlin neben der Drohnen-Verordnung gewisse Sonderregeln bzw. Flugbeschränkungsgebiete, die für Drohnen verboten sind. Lediglich gewerbliche Betreiber können einen Ausnahmenantrag beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung stellen. Hierzu gehören folgende Bereiche:

  • Reichstagsgebäude einschließlich eines kreisförmigen Gebiets mit einem Radius von 5,6 km
  • Wannsee mit einem Flugbegrenzungsraum von 3,7 km

Sonderregeln in der Nähe von Flugplätzen

Die Drohnen-Verordnung lässt die Versicherung und Haftung des Drohnenhalters unberührt.
Die Drohnen-Verordnung lässt die Versicherung und Haftung des Drohnenhalters unberührt.

Drohnen-Piloten müssen auch zu zivilen und militärischen Flughäfen einen gewissen Mindestabstand wahren. Sie dürfen dem Zaun nicht näher als 1,5 km kommen. Manchmal erstreckt sich die An- und Abflugschneise bzw. der kontrollierte Luftraum über diese 1,5 km hinaus, sodass der Drohnenflug auch dort grundsätzlich verboten ist.

Nur mit einer Erlaubnis der Luftfahrtbehörde darf man dort seine Drohne in die Luft steigen lassen.

In solchen Kontrollzonen ist außerdem die Freigabe des örtlichen Flughafentowers erforderlich. Wo die jeweilige Kontrollzone eines Flughafens genau verläuft, können Sie auf der Website der Deutschen Flugsicherung (DFS) recherchieren. Oder Sie nutzen deren kostenlose App (DFS-DrohnenApp).

Ausweichpflicht: Unbemannte Luftfahrtsysteme und Flugmodelle müssen bemannten Luftfahrzeugen und unbemannten Freiballons ausweichen.

Drohnen-Unfall – Wer haftet für Schäden?

Die Frage zur Haftung und Versicherung wird von der neuen Drohnen-Verordnung nicht berührt. Haftungsfragen sind in den §§ 33 ff. LuftVO geregelt. Ähnlich wie bei Unfällen mit Kraftfahrzeugen im Straßenverkehr gilt hier eine Halterhaftung. Wie Autofahrer sind auch Drohnen-Halter gesetzlich verpflichtet, eine entsprechende Haftpflicht für ihre Drohnen abzuschließen.

Hierfür ist nicht unbedingt eine spezielle Drohnenversicherung erforderlich. Entweder Sie schließen eine Privathaftpflichtversicherung ab, die auch einen Drohnenschutz beinhaltet. Oder Sie entscheiden sich für eine Drohnenhaftpflichtversicherung. Letztere macht vor allem dann Sinn, wenn Sie die Drohne gewerblich nutzen und z. B. die von dem Fluggerät angefertigten Bildaufnahmen verkaufen.

Verursacht die Drohne einen Unfall mit Schaden, so haftet der Halter hierfür mit seinem ganzen Vermögen. Er muss auch dann dafür einstehen, wenn er den Unfall nicht persönlich zu verschulden hat (sog. Gefährdungshaftung). Besagte Haftpflichtversicherung fängt genau dieses Risiko auf. Bei Rechtsstreitigkeiten bezüglich der Haftung empfiehlt es sich, einen Anwalt einzuschalten.
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Drohnen-Verordnung: Überblick für Drohnen-Piloten
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Ein Gedanke zu „Drohnen-Verordnung: Überblick für Drohnen-Piloten

  1. Horst

    Welcher Anwalt kennt sich mit dem Luftrecht Drohnenverordnung NFL 1-1163-1997 aus ?
    Hier geht es um Strafrechtliche Verstöße gemäß §142 PatG im genehmigungspflichtigen Flugverkehr.

    Bitte empfehlen Sie uns einen Anwalt

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