Alkohol am Steuer: Rechtliche Situation in Deutschland

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 24. Juli 2020

Alkohol am Steuer: Welche Strafen drohen?
Alkohol am Steuer: Welche Strafen drohen?

Wer im Besitz der Fahrerlaubnis ist, der weiß, dass dies ein großes StĂŒck Freiheit und FlexibilitĂ€t bedeutet. Gerade junge Menschen sehnen sich danach und fiebern dem FĂŒhrerschein schon frĂŒhzeitig entgegen. Dabei ist sowohl fĂŒr FahranfĂ€nger als auch fĂŒr die „alten Hasen“ das Thema „Alkohol im Straßenverkehr“ ein besonders wichtiges.

Vielen stellt sich in diesem Kontext die Frage, welche Promillegrenze in Deutschland denn nun im Auto relevant ist. Ab wann begeht ein Autofahrer eine Ordnungswidrigkeit? Wann hingegen fĂŒhrt Trunkenheit am Steuer zu einer Freiheits- oder Geldstrafe im Sinne des Strafgesetzbuches? Wird ein Fahrverbot bei Alkohol am Steuer verhĂ€ngt oder gar die Fahrerlaubnis entzogen? Welche Regelungen gelten laut Verkehrsrecht fĂŒr FahranfĂ€nger? Die Antworten auf diese und weitere Fragen rund um das Thema liefert der folgende Ratgeber.

FAQ: Alkohol am Steuer

Wo liegt die Promillegrenze in Deutschland?

Allgemein ist in Deutschland eine Alkoholgrenze von 0,5 Promille maßgeblich. FahranfĂ€nger mĂŒssen sich jedoch an eine Null-Promille-Grenze halten.

Wie wird Alkohol am Steuer sanktioniert?

Welche Konsequenzen bei einer Alkoholfahrt fÀllig werden können, verrÀt Ihnen diese Tabelle.

Was kommt auf FahranfÀnger zu, die mit Alkohol am Steuer erwischt werden?

FahranfĂ€nger, die in der Probezeit mit Alkohol am Steuer erwischt werden, mĂŒssen neben den Sanktionen aus der obigen Tabelle noch mit weiteren Folgen rechnen. Alkohol am Steuer wird als A-Verstoß angesehen. Dieser zieht eine ProbezeitverlĂ€ngerung von zwei auf insgesamt vier Jahre sowie die Anordnung von einem Aufbauseminar nach sich.

Alkoholgrenze im Auto: Überblick

BezĂŒglich der einzelnen Grenzwerte zum Thema „Alkohol am Steuer“ wollen wir Ihnen vorab anhand folgender Tabelle einen Überblick zu den jeweiligen Sanktionen verschaffen. Hier sehen Sie mitunter, wann eine Fahrt unter dem Einfluss von Alkohol zu einem Fahrverbot fĂŒhrt und wann es zu einer Freiheitsstrafe kommt. In den anschließenden Abschnitten erlĂ€utern wir Ihnen die einzelnen TatbestĂ€nde nĂ€her.

Bußgeldtabelle fĂŒr eine Trunkenheitsfahrt:

VerstoßBuß­geld Fahr­verbotPunkte
Fahrt mit einer
Blut­alkohol­konzen­tration von 0,5 – 1,09 Promille
500 €1 Monat2
... trotz Eintrag eines vorherigen Alkohol­verstoßes1.000 €3 Monate2
... trotz Eintrag zweier vorheriger Alkohol­verstĂ¶ĂŸe1.500 €3 Monate2
Fahrt mit einer Blut­alkohol­konzen­tration von 1,1 Promille und mehr oder unterhalb dieser Grenze nebst Ausfall­erschei­nungen (Straftat)Freiheits- oder Geldstrafevariiert3
0-Promille-Regel als Fahr­anfĂ€nger nicht eingehalten250 €-1

Bußgeldrechner fĂŒr Alkohol am Steuer:


Promillegrenze: Alkohol im Auto als Ordnungswidrigkeit

Was sieht der Bußgeldkatalog fĂŒr Alkohol am Steuer vor?
Was sieht der Bußgeldkatalog fĂŒr Alkohol am Steuer vor?

Frei nach dem Motto „Eins ist keins“ gönnt sich so mancher Autofahrer nach der Arbeit sein wohlverdientes Feierabendbier, oder auch zwei. Hierbei sollte jedoch beachtet werden, dass das Fahren unter Einfluss von Alkohol dann als Ordnungswidrigkeit geahndet wird, wenn ein Wert von mindestens 0,5 und höchstens 1,09 Promille erreicht ist.

Die hierbei drohenden Sanktionen variieren, je nachdem, ob der Fahrer bereits zuvor mit Alkohol am Steuer erwischt wurde oder nicht. Hat er noch keine derartige Eintragung zu verbuchen, muss er ein Bußgeld in Höhe von 500 Euro zahlen und bekommt zudem zwei Punkte im Flensburger Fahreignungsregister sowie einen Monat Fahrverbot.

Wer bereits eine Eintragung hat, muss 1.000 Euro Bußgeld zahlen, bekommt ebenfalls zwei Punkte und ein Fahrverbot von drei Monaten. Bei bereits zwei vorherigen Eintragungen liegt die Geldbuße sogar bei einem Betrag von 1.500 Euro. Betrunken Auto zu fahren, kann also durchaus eine teure Angelegenheit werden.

Trunkenheit im Verkehr als Straftat

Unter den zuvor geschilderten Voraussetzungen handelt ein Autofahrer ordnungswidrig. Wird er dabei erwischt, schließt sich ein Bußgeldverfahren an. Nicht bloß ordnungswidrig handelt eine Person hingegen, die den Tatbestand des § 316 Strafgesetzbuch (kurz: StGB) erfĂŒllt. Darin heißt es zum Thema “Alkohol am Steuer”:

(1) Wer im Verkehr (§§ 315 bis 315d) ein Fahrzeug fĂŒhrt, obwohl er infolge des Genusses alkoholischer GetrĂ€nke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu fĂŒhren, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in § 315a oder § 315c mit Strafe bedroht ist.
(2) Nach Absatz 1 wird auch bestraft, wer die Tat fahrlÀssig begeht.

Hierbei gilt hinsichtlich der Alkoholwerte das Folgende: Wird die Grenze von 1,1 Promille erreicht, gilt eine Person als absolut fahruntĂŒchtig. In derartigen FĂ€llen wird unwiderleglich vermutet, dass ein Fahrer nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu fĂŒhren (im Sinne der vorstehenden Norm). Doch auch Alkoholwerte unterhalb dieser Grenze können Relevanz fĂŒr den Bereich des Strafrechts haben.

Alkohol am Steuer: Autofahren ist ab einem Promillewert von 0,5 ordnungswidrig.
Alkohol am Steuer: Autofahren ist ab einem Promillewert von 0,5 ordnungswidrig.

Von relativer FahruntĂŒchtigkeit ist in diesem Kontext die Rede, wenn ein Fahrer einen niedrigeren Wert aufweist, jedoch beim Fahren sogenannte Ausfallerscheinungen zu erkennen gibt. Als solche gelten beispielsweise das Fahren in Schlangenlinien, die Missachtung von Ampelanlagen oder Verkehrsschildern, das BeschĂ€digen anderer Fahrzeuge beim Ein- bzw. Ausparken oder Ähnliches.

Im Rahmen eines Strafverfahrens mĂŒsste dem Alkoholfahrer mithin entsprechend nachgewiesen werden, dass er nicht in der Lage war, das Fahrzeug sicher zu fĂŒhren. Alkohol am Steuer kann also Strafen im Sinne des Straf­gesetzbuchs nach sich ziehen. Es drohen Geld- oder sogar Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr.

Gut zu wissen: FĂŒr Fahrradfahrer liegt die Grenze zur absoluten FahruntĂŒchtigkeit ĂŒbrigens bei 1,6 Promille.


Bei dem Delikt des § 316 StGB handelt es sich strafrechtlich betrachtet um ein Vergehen. Ein solches ist stets abzugrenzen von einem Verbrechen. Bei letzterem liegt der Strafrahmen mindestens bei einer Freiheitsstrafe von einem Jahr. Bei einem Vergehen hingegen kann das Strafmaß auch unterhalb dessen liegen.

Eine Strafe fĂŒr Alkohol am Steuer kommt ĂŒbrigens nicht nur wegen vorsĂ€tzlichen Handelns in Betracht. GemĂ€ĂŸ der Vorschrift des § 316 Absatz 2 StGB wird ausdrĂŒcklich auch FahrlĂ€ssigkeit mit Strafe bedroht. Nach der geltenden Rechtsprechung reicht hierbei ein hoher Blutalkoholwert zur Tatzeit nicht aus, um RĂŒckschlĂŒsse auf ein vorsĂ€tzliches Handeln zu ziehen.

In der Regel wird einem Autofahrer, der nach § 316 StGB verurteilt wird, die Fahrerlaubnis entzogen und oftmals auch eine medizinisch-psychologische Untersuchung (kurz: MPU), in der Umgangssprache der sogenannte „Idiotentest“, angeordnet.

Alkohol am Steuer in der Probezeit: Welche Folgen drohen FahranfÀngern?

Alkohol am Steuer: Personen unter 21 Jahren und FahranfĂ€nger mĂŒssen die 0-Promillegrenze wahren.
Alkohol am Steuer: Personen unter 21 Jahren und FahranfĂ€nger mĂŒssen die 0-Promillegrenze wahren.

In diesem Abschnitt wollen wir Ihnen erlĂ€utern, welche Strafe bei Alkohol am Steuer droht, wenn sich eine Person noch in der Probezeit befindet. Droht hier sofort der Verlust vom FĂŒhrerschein? Ist Alkohol in der Probezeit gĂ€nzlich verboten?

Das Fahren unter Alkoholeinfluss bringt eine Besonderheit fĂŒr Personen mit sich, die noch in der Probezeit oder aber unter 21 Jahren sind. Hier liegt die Promillegrenze nĂ€mlich bei null.

Ein Autofahrer muss, sofern er eines der beiden Kriterien erfĂŒllt, gĂ€nzlich auf Alkohol verzichten. VerstĂ¶ĂŸt er gegen dieses Gebot und wird bei einer Trunkenheitsfahrt erwischt, ist laut Bußgeldkatalog ein Betrag von 250 Euro fĂ€llig. Zudem bekommt der Fahrer einen Punkt im Fahreignungsregister. Schließlich stellt der Verstoß gegen die 0-Promillegrenze in der Probezeit einen sogenannten A-Verstoß dar. Ein solcher fĂŒhrt zur VerlĂ€ngerung der Probezeit um zwei Jahre. Ferner muss der Fahrer an einem Aufbauseminar teilnehmen.

Wird ein Fahrer innerhalb der ProbezeitverlĂ€ngerung bei einer Alkoholfahrt erwischt, kommt es zu einer Verwarnung und zur Teilnahmeempfehlung an einer verkehrspsychologischen Beratung. Ein erneuter A-Verstoß fĂŒhrt wĂ€hrend der ProbezeitverlĂ€ngerung sodann zur Entziehung der Fahrerlaubnis.

Alkohol am Steuer: Wie wird der Promillewert ermittelt?

Wer in eine Alkoholkontrolle gerÀt und einen Atemtest verweigert, dem kann eine Blutentnahme drohen. Diese darf nur durch einen fachkundigen Arzt vorgenommen werden. Doch was ist nun, wenn die Blutentnahme einige Stunden nach der Fahrt erfolgt?

Wird der sodann festgestellte Wert einfach auch fĂŒr die Fahrt angenommen? Immerhin baut der menschliche Körper bereits innerhalb von Stunden Alkohol im Blut ab. Hierbei findet eine entsprechende RĂŒckrechnung statt. Pro zurĂŒckgelegter Stunde wird zu dem festgestellten Alkoholwert 0,1 Promille addiert.

Fahren unter Einfluss von Alkohol: Fahrverbot, Bußgelder und Punkte können drohen.
Fahren unter Einfluss von Alkohol: Fahrverbot, Bußgelder und Punkte können drohen.

Beispiel: Autofahrer A gerĂ€t um 14:00 Uhr in eine Polizeikontrolle. Um 17 Uhr wird ihm durch den Arzt B Blut abgenommen. Festgestellt wird hierbei ein Promillewert von 1,0. FĂŒr jede vergangene Stunde werden nunmehr 0,1 Promille hinzugerechnet. Bei drei Stunden macht dies 0,3 Promille. Zum Tatzeitpunkt hatte A mithin einen Blutalkoholwert von 1,3 Promille. Er kann rĂŒckwirkend somit als absolut fahruntĂŒchtig angesehen werden.

Gut zu wissen: Wer mit Alkohol am Steuer erwischt wurde und einen Atemalkoholtest verweigerte, dem konnte bisher lediglich aufgrund einer Anordnung durch einen Richter eine Blutentnahmen drohen, es sei denn, der Betroffene willigte in die Blutentnahme ein.

Aufgrund des Gesetzes zur effektiveren und praxistauglicheren Ausgestaltung des Strafverfahrens wurde die entsprechende Norm des § 81a Strafprozessordnung (kurz: StPO) einer Änderung unterzogen. EingefĂŒhrt wurde die Regelung des Absatzes 2 Satz 2. Hierin heißt es:

Die Entnahme einer Blutprobe bedarf abweichend von Satz 1 keiner richterlichen Anordnung, wenn bestimmte Tatsachen den Verdacht begrĂŒnden, dass eine Straftat nach § 315a Absatz 1 Nummer 1, Absatz 2 und 3, § 315c Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe a, Absatz 2 und 3 oder § 316 des Strafgesetzbuchs begangen worden ist.

Fazit zum Thema „Alkohol am Steuer“

Wie Sie sehen, ist das Thema “Alkohol am Steuer” ein facettenreiches und zudem komplexes. Es kommt auf verschiedene UmstĂ€nde und auf unterschiedliche Blutalkoholwerte an, um zu bestimmen, mit welchen Sanktionen ein Autofahrer jeweils zu rechnen hat. Zum Teil kann ein Verstoß als Ordnungswidrigkeit und zum Teil sogar als Straftat qualifiziert werden.

Dem einen droht ein Fahrverbot, wÀhrend der andere im Ernstfall sogar mit einer Freiheitsstrafe rechnen muss. Von Relevanz ist, wie so oft, der jeweilige Einzelfall.
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