Erbschein beantragen – Welche Erben ben├Âtigen den Nachweis?

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 12. Mai 2020

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Erbschein beantragen ÔÇô Welche Erben ben├Âtigen den Nachweis?
Erbschein: Wo Sie ihn beantragen und wann er notwendig ist, erfahren Sie hier.

Erbschein: Wo Sie ihn beantragen und wann er notwendig ist, erfahren Sie hier.

Der Erbschein dient als Nachweis ├╝ber die Erbberechtigung. Besonders gegen├╝ber Dritten wie Banken, Vermietern oder Versicherungen ist diese Bescheinigung oftmals vonn├Âten, um etwa Konten des Erblassers, dessen Mietvertrag oder Versicherungen aufzul├Âsen. In dem Erbschein ist die allgemeine Berechtigung des Erben und ggf. weiterer Miterben festgehalten sowie die H├Âhe der ihnen zustehenden Erbquote. Aber muss man immer einen Erbschein beantragen?

Grunds├Ątzlich ist dies laut Erbrecht nicht in jedem Fall notwendig. Doch wer kann und muss einen Erbschein beantragen? Und wo ist das ├╝berhaupt m├Âglich? Antworten zu diesen und weiteren Fragen erhalten Sie im folgenden Erbrechtsratgeber.

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Muss jeder Erbe einen Erbschein beantragen?

Vorab: Nicht jeder Erbe ben├Âtigt zum Nachweis seiner Erbberechtigung und seines Anspruchs auf eine Erbschaft einen Erbschein. Hat der Erblasser etwa die Erbfolge in einem Testament bestimmt oder wurde diese durch Erbvertr├Ąge vorweggenommen, gen├╝gen nicht selten bereits diese Schrifts├Ątze, um ├╝ber das Erbrecht des Betreffenden Auskunft zu erteilen.

Hat der Erblasser jedoch keine Verf├╝gung von Todes wegen erlassen, tritt zumeist die gesetzliche Erbfolge in Kraft, wie sie das B├╝rgerliche Gesetzbuch (BGB) bestimmt. In diesem Fall existiert mit Eintritt des Erbfalls kein Zeugnis ├╝ber die Erbberechtigung. Aus diesem Grund m├╝ssen Erben, die den Nachlass annehmen, in aller Regel einen Erbschein beantragen.
Wann muss ein Erbschein beantragt werden?

Wann muss ein Erbschein beantragt werden?

Der Erbschein wird allerdings zumeist nur im Rechtsverkehr mit Dritten ben├Âtigt. Muss ein Erbe also gegen├╝ber Banken, Versicherern, Grundbuch├Ąmtern und Co. keine Rechenschaft ablegen, so ist ein Erbschein auch nicht in jedem Fall notwendig. Hat der Verstorbene einem Erben zu Lebzeiten noch eine umfassende Kontrollvollmacht ├╝bertragen, ist ein Erbschein abweichend trotz fehlendem Testament h├Ąufig nicht n├Âtig.

Demgegen├╝ber k├Ânnen Dritte bisweilen trotz vorliegender letztwilliger Verf├╝gung die Vorlage eines zus├Ątzlichen Erbscheins verlangen, weil etwa die Angaben in den Dokumenten nicht eindeutig sind oder aber ungen├╝gend. Nicht immer ist es zul├Ąssig, dass Dritte solch einen zus├Ątzlichen Nachweis einfordern – denn den Erben entstehen dadurch zus├Ątzliche Kosten, die eigentlich nicht notwendig gewesen w├Ąren. Wenden Sie sich im Zweifel hilfesuchend an einen Anwalt f├╝r Erbrecht.

Wann Sie einen Erbschein beantragen m├╝ssen, kann damit von Fall zu Fall variieren. Wenden Sie sich bestenfalls stets an die Ansprechpartner bei Bank, Versicherung und Co., um in Erfahrung zu bringen, ob die bisherigen Dokumente gen├╝gen oder ein zus├Ątzlicher Erbschein verlangt wird.

Wer kann einen Erbschein beantragen?

Wer kann einen Erbschein beantragen?

Wer kann einen Erbschein beantragen?

Jeder, der Erbe oder Miterbe ist, kann einen Erbschein beantragen. Dar├╝ber hinaus k├Ânnen auch eingesetzte Testamentsvollstrecker sowie Nachlassverwalter entsprechende Antr├Ąge stellen.

Voraussetzungen f├╝r den Erbscheinsantrag sind:

  1. Der Erbe bzw. andere Berechtigte m├╝ssen einen entsprechenden Antrag stellen.
  2. Der Erbe muss die Erbschaft angenommen haben.
  3. Der Antragsteller gibt entsprechende eidesstattliche Versicherungen ab (┬ž┬ž 2354, 2355 BGB).
  4. Der Antragsteller reicht die notwendigen Belege ein (┬ž 2356 BGB).

Wo Sie den Erbschein beantragen

Nun stellt sich dem ein oder anderen Erben schnell die Frage: “Wo beantrage ich eigentlich einen Erbschein?” Verantwortlicher Ansprechpartner f├╝r die Ausstellung des Zeugnisses ist in aller Regel das zust├Ąndige Nachlassgericht. Zust├Ąndig ist dasjenige Amtsgericht, in dessen Einzugsgebiet der Erblasser vor seinem Versterben zuletzt amtlich gemeldet war.

Das Nachlassgericht, das in dem betreffenden Erbfall zust├Ąndig ist, hat dem Erben einen Erbschein auszustellen, soweit dieser einen Erbscheinsantrag stellt (┬ž 2353 BGB).

Die Verbraucher k├Ânnen allerdings auch ├╝ber einen Notar den Erbschein beantragen. Der Notar pr├╝ft dabei die gemachten Angaben, beglaubigt das Dokument und reicht es anschlie├čend bereits gepr├╝ft an das Nachlassgericht weiter. Der Zwischenschritt soll dem Verbraucher etwas Zeit sparen.

Achtung: Der Erbscheinsantrag bedarf der ├Âffentlichen Beglaubigung. F├╝r diese m├╝ssen Antragsteller in aller Regel einen Termin bei dem zust├Ąndigen Nachlassgericht vereinbaren. Wahlweise k├Ânnen Betroffene bereits vorab den Antrag durch einen Notar beglaubigen lassen.

“Wie beantrage ich einen Erbschein?”

Erbschein beantragen: Welche Unterlagen ben├Âtigen Sie?

Erbschein beantragen: Welche Unterlagen ben├Âtigen Sie?

F├╝r den Antrag auf einen Erbschein m├╝ssen Sie in aller Regel keinen Anwalt beauftragen. Vor Amtsgerichten gilt zumeist kein Anwaltszwang.

Sie k├Ânnen in der Rechtsantragsstelle selbst die Beantragung eines Erbscheins realisieren und erhalten dabei Hilfe von den gerichtsinternen Rechtspflegern.

Allerdings ben├Âtigen Sie, wenn Sie den Erbschein beantragen, zus├Ątzliche Unterlagen. Nur bei vollst├Ąndiger Vorlage kann das Gericht abschlie├čend ├╝ber die Erteilung einen Beschluss f├Ąllen.

Folgende Unterlagen ben├Âtigen Sie f├╝r den Antrag auf Erteilung eines Erbscheins:

 

  1. Ihren g├╝ltigen Personalausweis oder Reisepass
  2. die Sterbeurkunde des Verstorbenen
  3. eidesstattliche Versicherung dar├╝ber, dass in der Erbsache keine Prozesse anh├Ąngig sind
  4. eidesstattliche Erkl├Ąrung dar├╝ber, dass alle gemachten Angaben im Antrag korrekt sind
  5. Formular zum Nachlasswert (f├╝r die Ermittlung der Kosten f├╝r den Erbschein)
  6. bei Erbengemeinschaft zus├Ątzlich:
    • Namen und Anschriften aller Miterben
  7. bei gesetzlicher Erbfolge zus├Ątzlich:
    • Familienstammbuch bzw. Geburtsurkunden, Heirats- und Scheidungsurkunden, Sterbeurkunden von Vorverstorbenen usf.
    • eidesstattliche Versicherung dahingehend, dass dem Antragsteller keine letztwilligen Verf├╝gungen von Todes wegen bekannt sind
  8. bei gewillk├╝rter Erbfolge zus├Ątzlich:
    • alle letztwilligen Verf├╝gungen wie Testamente, Erbvertr├Ąge, Erbverzichtserkl├Ąrungen usf. (inklusive aller bekannter Entw├╝rfe, verworfenen oder f├╝r ung├╝ltig erkl├Ąrten Dokumente)
    • eidesstattliche Versicherung dar├╝ber, dass dem Antragsteller keine weiteren letztwilligen Verf├╝gungen bekannt sind

Sie ben├Âtigen also mitunter zahlreiche Dokumente, bevor Sie den Erbschein tats├Ąchlich beantragen k├Ânnen. Sie sollten den Antrag damit auch erst stellen, wenn Sie alle Nachweise zusammengesammelt haben. Muss das Nachlassgericht immer wieder neue, noch fehlende Dokumente anfordern, kann sich die Ausstellung des Erbscheins nur zus├Ątzlich verz├Âgern.

Haben Sie hingegen bereits alles beisammen, f├Ąllt die Entscheidung des Nachlassgerichts oftmals recht schnell.

Erbengemeinschaft: Gemeinschaftlichen Erbschein beantragen

Jeder Miterbe in einer Erbengemeinschaft kann einen Erbschein beantragen.

Jeder Miterbe in einer Erbengemeinschaft kann einen Erbschein beantragen.

Ist gar ein gemeinschaftlicher Erbschein zu beantragen oder ein Teilerbschein, wie es im Falle einer Erbengemeinschaft n├Âtig sein kann, sind umso mehr Angaben notwendig. Grunds├Ątzlich kann jedes Mitglied einer Erbengemeinschaft einen eigenen Erbschein beantragen (Teilerbschein), ohne dass die anderen Miterben hierbei zustimmen m├╝ssten. In diesem wird sodann Auskunft erteilt ├╝ber die Erbquote sowie den Erbberechtigten.

Im gemeinschaftlichen Erbschein hingegen werden s├Ąmtliche Miterben einer Erbengemeinschaft aufgef├╝hrt, zusammen mit den ihnen jeweils zustehenden Erbanteilen.

Achtung: Sind Verfahren zur Erbsache anh├Ąngig, die Erbensuche noch nicht abgeschlossen oder ein Testament noch nicht eindeutig verifiziert, k├Ânnen Sie in aller Regel noch keinen Erbschein bestellen. Auch wenn sich nach der Erteilung am Erbrecht etwas ├Ąndert – durch neue Erben oder neu entdeckte Verf├╝gungen des Erblassers – kann auch ein erteilter Erbschein wieder f├╝r nichtig erkl├Ąrt werden.
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