Aus der Erbengemeinschaft austreten – so geht’s!

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 25. Mai 2020

Wie können Sie aus einer Erbengemeinschaft austreten?

Wie können Sie aus einer Erbengemeinschaft austreten?

Tritt der Erbfall ein und es sind entweder testamentarisch oder aufgrund der gesetzlichen Erbfolge mehrere Erben bestimmt, so treten diese in eine Erbengemeinschaft ein. Der Nachlass wird damit zunÀchst Gesamteigentum des Erbenverbundes.

Erst im Rahmen der Erbauseinandersetzung findet die Erbschaft Aufteilung unter den einzelnen Erben – entsprechend der ihnen zustehenden ErbanteilsansprĂŒche. Nach Abschluss ist die Erbengemeinschaft automatisch aufgelöst.

Nicht immer aber soll die Erbauseinandersetzung erfolgen. Gerade bei Unternehmen, die im Anschluss weitergefĂŒhrt werden sollen, kann sich die Erbengemeinschaft entschließen, im Verbund als GeschĂ€ftsfĂŒhrung aufzutreten. Aber nicht jeder Miterbe will das vielleicht und möchte lieber aus der Erbengemeinschaft austreten. Wie aber kann das realisiert werden? Und was gilt es bei der Abschichtung zu beachten? Dies und mehr erfahren Sie im Folgenden.

Austritt aus der Erbengemeinschaft durch Abschichtung

Der Austritt aus einer Erbengemeinschaft kann auch formlos erfolgen.

Der Austritt aus einer Erbengemeinschaft kann auch formlos erfolgen.

Will ein Miterbe in der Erbengemeinschaft auf seine Mitgliedschaftsrechte und seinen Erbanspruch verzichten, kann dieser in einer Abschichtungsvereinbarung eine solche ErklĂ€rung gegenĂŒber den anderen Erben abgeben. Es handelt sich bei der Abschichtung von der Erbengemeinschaft also um eine Form des Erbverzichts zwischen den Miterben.

Durch die VerzichtserklĂ€rung fließen auch die AnteilsansprĂŒche am Nachlass des austretenden Mitgliedes insgesamt an die anderen Miterben – inklusive der Nachlassverbindlichkeiten.

Wenn ein Mitglied aus der Erbengemeinschaft austreten will, verzichtet es zum einen auf seinen Erbteil – zum anderen aber vor allem auch auf sein Mitspracherecht bei der Erbauseinandersetzung oder etwa der Umwandlung der Erbengemeinschaft in eine Gesellschaft bĂŒrgerlichen Rechts (GbR). Der Erbteilsanspruch geht in seiner Gesamtheit auf die Erbengemeinschaft ĂŒber.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Miterbe durch den Austritt aus der Erbengemeinschaft immer komplett leer ausgehen muss. In der Regel wird mit dem Abschichtungsvertrag eine Abfindung geleistet – entweder in Form von Geldleistungen oder der Übertragung einzelner NachlassgegenstĂ€nde.

“Wie komme ich aus einer Erbengemeinschaft raus?” – Die Abschichtungsvereinbarung

Sie können aus der Erbengemeinschaft austreten, indem Sie eine Abschichtungsvereinbarung aufsetzen.

Sie können aus der Erbengemeinschaft austreten, indem Sie eine Abschichtungsvereinbarung aufsetzen.

Wollen Sie aus einer bestehenden Erbengemeinschaft austreten, hat sich der Weg ĂŒber eine Abschichtungsvereinbarung bewĂ€hrt. Diese wird gegenĂŒber den anderen Miterben der Gemeinschaft abgegeben und kann – je nach Sachlage – entweder formlos erfolgen oder aber mit Beglaubigung durch einen Notar.

FĂŒr den formlosen Austritt aus der Erbengemeinschaft genĂŒgt es in aller Regel, einen kurzen Schriftsatz aufzusetzen, in dem der Austrittswillige seinen Verzicht erklĂ€rt und seine AnsprĂŒche am Nachlass abtritt. Da es sich hierbei nur um eine Aufgabe des eigenen Erbanspruchs handelt, dieser jedoch nicht an die Miterben ĂŒbertragen werden muss – da er automatisch an diese ĂŒbergeht – bedarf es laut Erbrecht grundsĂ€tzlich zunĂ€chst keiner notariellen Beglaubigung.

Aber: Wenn eine Abfindung fĂŒr den Erben vereinbart ist, der aus der Erbengemeinschaft austreten will – bedarf es der Beglaubigung durch einen Notar. Die EigentumsĂŒbertragung ist erst dann rechtsgĂŒltig. Außerdem kann der Austretende so sicherstellen, dass die Abschichtung erst mit Leistung der Abfindung eintritt.

Vorsicht bei Nachlassverbindlichkeiten

Sind auch Verbindlichkeiten Teil des Nachlasses, ist besondere Vorsicht beim Austritt aus der Erbengemeinschaft geboten. Da die Abschichtung zunĂ€chst nur im InnenverhĂ€ltnis zwischen den Miterben vereinbart wird, hat dies nicht automatisch auch die Auflösung der Verpflichtung gegenĂŒber den NachlassglĂ€ubigern zur Folge.

Im AußenverhĂ€ltnis kann der ausgetretene Erbe also dennoch in Haftung genommen werden fĂŒr offene Nachlassverbindlichkeiten. Da der Betroffene nicht mehr Miterbe ist, kann er auch bei ĂŒberschuldetem Nachlass nicht mehr die Nachlassinsolvenz beantragen und muss auf eine entsprechende Entscheidung der Erbengemeinschaft hoffen.
Wenn Sie aus einer Erbengemeinschaft austreten, achten Sie auf Vereinbarungen mit NachlassglÀubigern.

Wenn Sie aus einer Erbengemeinschaft austreten, achten Sie auf Vereinbarungen mit NachlassglÀubigern.

Sind Teil der Erbmasse damit auch Schulden, muss der Austrittswillige dringend mit den entsprechenden GlĂ€ubigern rechtsverbindliche Vereinbarungen treffen, die ihn aus der Schuldenhaftung entlassen. Allerdings sind GlĂ€ubiger wie Banken und Versicherungen nicht verpflichtet, dieser Haftungsentlassung zuzustimmen – besonders dann nicht, wenn dadurch die Tilgung der offenen Schulden gefĂ€hrdet wĂ€re.

Wollen Sie also aus einer Erbengemeinschaft austreten, sollten Sie stets den Rat eines Anwalts fĂŒr Erbrecht oder Notars einholen, um alle möglichen Stolperfallen zu umschiffen.

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Aus der Erbengemeinschaft austreten – so geht’s!
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2 Gedanken zu „Aus der Erbengemeinschaft austreten – so geht’s!

  1. I.Gottschalk

    Hallo, ich bin sehr dankbar, dass ich das lesen konnte. Mein Bruder ist Freitag lt. seinem Anwalt verstorben. Er blockierte die Erbaueinandersetzung (Immobilie der Grosseltern, obwohl alle anderen Erben -11 -.
    verkaufen wollten. Jetzt soll seine Frau alleinige Erbin sehr . Es ist dies eine so unglaubliche Erbgeschichte.
    Durch den Anwalt und seine “Methoden” habe ich schon mein Elternhaus verloren und nicht einmal, den Pflichtteil erhalten. Nun denn, ich hoffe,es geht aber nun in die Erledigung dieses Erbes. Allerdings stellt wieder dieser Anwalt, eine Nichtauszahlung an meine chwester und mich wegen Steeuerzahlung.
    Jedenfalls werde ich das alles noch einmal lesen und bin nun erst einmal ĂŒber ie Notarkosten informiert., Anwaltskosten sind ja ohnehin fĂ€llig.
    Es ist gut erklÀrt und man findet einfach durch.

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