Bewerbung bei Polizei: Sichtbare Tätowierung kein Grund für Ablehnung

News von anwalt.org, veröffentlicht am 9. Mai 2018

Düsseldorf. Ein Bewerber beim Polizeidienst in NRW wurde abgelehnt, weil er auf der Innenseite seines Unterarms eine 20 x 14 cm große Löwenkopf-Tätowierung aufwies. Diese würde die Autorität und Neutralität eines Polizeibeamten beeinträchtigen, argumentierte das zuständige Landesamt. Das Verwaltungsgericht (VG) Düsseldorf urteilte zugunsten des Anwärters: So dürfe die Bewerbung bei der Polizei aufgrund einer Tätowierung nicht abgelehnt werden (Az. 2 K 15637/17).

Zunahme von Tätowierungen zeugt von gesellschaftlichem Wandel

Bewerbung bei der Polizei und eine Tätowierung am Unterarm? Das stellt nun kein Hindernis mehr dar.

Bewerbung bei der Polizei und eine Tätowierung am Unterarm? Das stellt nun kein Hindernis mehr dar.

Dass ein Tattoo der gebotenen Neutralität und Autorität eines Polizeibeamten entgegenwirken würde, bezweifelte das VG. Gerade an Armen deute die Zunahme von Tätowierungen auf einen gesellschaftlichen Wandel, entschieden die zuständigen Richter.

Daher sei ein Ausschluss des Anwärters rechtswidrig. Dafür fehle es an der erforderlichen gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage, um die Bewerbung bei der Polizei aufgrund einer Tätowierung allein abzulehnen.

Der Betroffene hatte sich im Sommer 2017 auf eine Stelle im Polizeidienst beworben. Schon damals hatte das VG im Eilverfahren entschieden, dass das zuständige Landesamt, dem die entsprechende Behörde untersteht, den Bewerber für den weiteren Auswahlprozess zulassen muss. Das geschah dann auch und der 25-Jährige bekam anschließend eine Anstellung als Kommissaranwärter.

Doch das Land gab dabei ausdrücklich an, sich eine spätere Entlassung vorzubehalten, sollte es im Hauptverfahren Erfolg haben und die Ablehnung einer Bewerbung bei der Polizei aufgrund einer Tätowierung als zulässig anerkannt werden.

Sichtbare Tattoos bei Polizisten seit geraumer Zeit Gegenstand einer Debatte

Die Sommeruniform war lang Grund genug, die Bewerbung bei der Polizei wegen einer Tätowierung abzulehnen.

Die Sommeruniform war lang Grund genug, die Bewerbung bei der Polizei wegen einer Tätowierung abzulehnen.

Grundsätzlich ist es Polizisten nicht verboten, Tattoos zu tragen. Allerdings verlangte die Rechtsprechung bisher, dass diese nur an nicht sichtbaren Stellen sein dürfen, von der Uniform der Beamten also verdeckt werden müssen.

Bei der Sommeruniform sind die Unterarme jedoch nicht bedeckt, sodass Tätowierungen zu sehen sind, was regelmäßig dazu führt, das Gerichte über die Zulässigkeit der Ablehnung eines Bewerbers beim Polizeidienst entscheiden müssen.

So geschah das noch in einem Urteil im September 2014 (Az. 6 B 1064/14), als ebenfalls die Bewerbung bei der Polizei aufgrund einer Tätowierung in NRW abgelehnt wurde. Hier hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster der Behörde Recht gegeben. Bei dem Tattoo hatte es sich um die Vornamen der Töchter des Bewerbers gehandelt. Nur wenige Monate zuvor war eine Bewerberin bei der Bundespolizei abgelehnt worden, weil sie ein Zitat aus dem “Kleinen Prinzen” auf den Unterarm tätowiert hatte. Das Gericht für Verwaltungsrecht in Darmstadt hatte auch hier zugunsten der ablehnenden Behörde geurteilt (Az. 1 L 528/14.DA).

Nun scheint sich die Rechtsprechung zu ändern. Generell hat jeglicher Körperschmuck an verdeckten Körperstellen den Arbeitgeber nicht zu interessieren. Mit dem Urteil gilt dies nun auch für sichtbare Stellen. Dennoch sind auch hier noch immer bestimmte Tattoos nicht erlaubt: Sollten sie eine

  • entwürdigende,
  • extremistische,
  • gewaltverherrlichende oder
  • sexistische

Botschaft übermitteln wollen, so ist die Bewerbung bei der Polizei aufgrund dieser Tätowierung tatsächlich rechtsgültig abzulehnen.

Bildnachweise: fotolia.com/kzenon, fotolia.com/mr_prof

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Über Clarissa

Clarissa studierte Literatur, Kultur und Medien an der Universität Siegen und unterstützt das Ratgeberportal anwalt.org nun bereits seit mehreren Jahren mit Texten zu den unterschiedlichsten Rechtsgebieten. Ihr besonderes Interesse gilt dabei dem Arbeitsrecht sowie dem Medizinrecht.

2 Gedanken zu „Bewerbung bei Polizei: Sichtbare Tätowierung kein Grund für Ablehnung

  1. Andreas K.

    Guten Abend,

    meine Tochter bestand alle Einstellungstest`s nach ihrer Bewerbung bei der Berliner Polizei. Aufgrund ihrer Tattoos am Unterarm wurde sie dann aber doch abgelehnt.
    Die Tattoos haben keine entwürdigenden, extremistischen, gewaltverherrlichende,
    oder sexistische Motive.
    Ich suche nun einen Rechtsanwalt, der meine Tochter beim Widerspruch vertritt.
    Können Sie mir da weiterhelfen?

    Beste Grüße
    Andreas K.

    Antworten
    1. Anwalt.org

      Hallo Andreas K.,

      die Redaktion kann in der Regel keine Empfehlung abgeben. Üblicherweise finden Sie auf den Übersichtsseiten Anwälte, die im benötigten Fachbereich tätig sind (https://www.anwalt.org/arbeitsrecht-kanzleien/berlin/).
      Auch die örtliche Anwaltskammer ist in diesem Fall ein Ansprechpartner, der bei der Suche behilflich sein kann.

      Ihr Team von anwalt.org

      Antworten

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