Arbeitszeit für Auszubildende

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 14. Juli 2020

Die Arbeitszeiten für Auszubildende wird vom Jugendarbeitsschutzgesetz geregelt
Die Arbeitszeiten für Auszubildende wird vom Jugendarbeitsschutzgesetz geregelt.
Die Arbeitszeit für Auszubildende ist genau geregelt, inklusive der Besonderheiten für Minderjährige.
Die Arbeitszeit für Auszubildende ist genau geregelt, inklusive der Besonderheiten für Minderjährige.

In den meisten Fällen gilt für Auszubildende das Jugendarbeitsschutzgesetz, das die Arbeitszeiten bei Minderjährigen regelt. Darüber hinaus gilt das allgemeine Arbeitszeitgesetz (ArbZG) für Auszubildende. Doch wie sehen diese Regelungen im Arbeitsvertrag genau aus? Wie ist das mit den Überstunden in der Ausbildung und was gilt bezüglich der Minusstunden beim Azubi? Wie sind die Pausen gesetzlich geregelt? Und wie ist das Verhältnis von Berufsschulzeit und Arbeitszeit gesetzlich verankert?

Rechtsanwaltsfachangestellte – Die Arbeitszeit für Auszubildende

Im Allgemeinen gilt, dass die Arbeitszeit genau die Zeit umschreibt, die ein Azubi jeden Tag in seinem Betrieb arbeitet. Dabei spielt es keine Rolle, ob er in einer Beschäftigung mit flexiblen Arbeitszeiten oder Schichten arbeitet.

Für Auszubildend, die das 18. Lebensjahr bereits vollendet haben, greift das Arbeitszeitgesetz. Im § 3 ist Folgendes festgelegt:

Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Genauso wie der Urlaub sind auch die Arbeitszeiten für Auszubildende im Ausbildungsvertrag geregelt. Die tägliche Arbeitszeit ist auf jeden Fall angegeben. Manchmal sind auch die Wochenstunden aufgeführt. Die Pausen sind nicht Teil der Arbeitszeit.

Unterrichtszeiten in der Berufsschule und Zeiten für andere Ausbildungsmaßnahmen, für die der Azubi freigestellt wird, werden vom Ausbildungsbetrieb komplett oder teilweise angerechnet. Des Weiteren ist vorgesehen, dass die Arbeitszeit pro Tag für Auszubildende auf jeden Fall festgehalten werden muss. Dies kann handschriftlich passieren oder mithilfe eines Stempelkartensystems. Zwar gilt eine achtstündige Arbeitszeit, aber branchenbedingt kann diese auch höher oder niedriger sein. Der Tarifvertrag regelt das. Wenn ein Auszubildender an keinen Tarifvertrag gebunden ist, beschränken das Jugendarbeitsschutzgesetz und das Arbeitsrecht die Arbeitszeiten.

Jugendarbeitsschutzgesetz – Arbeitszeiten für Minderjährige

Ähnlich wie bei den Regelungen bezüglich der Urlaubstage gelten auch bei den Arbeitszeiten für Minderjährige Besonderheiten.
In § 8 des JArbSchG heißt es dazu:

Jugendliche dürfen nicht mehr als achten Stunden täglich und nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich beschäftigt werden.

Das Jugendarbeitsschutzgesetz regelt die Arbeitszeiten für Auszubildende unter 18.
Das Jugendarbeitsschutzgesetz regelt die Arbeitszeiten für Auszubildende unter 18.

Des Weiteren gilt, dass minderjährige Azubis an maximal fünf Tagen in der Woche arbeiten dürfen. Die Beschäftigung an Samstagen, Sonn- oder Feiertagen ist ausgeschlossen. Dabei gibt es natürlich Ausnahmen. Somit können Auszubildende auch achteinhalb Stunden arbeiten oder an Wochenenden beziehungsweise Feiertagen. Doch dann muss es einen Ausgleich geben. Der Auszubildende darf beispielsweise früher gehen. Wenn die Ausbildung in einem Schichtdienstbetrieb absolviert wird, gelten der Branche angepasste Höchstgrenzen für die täglichen Arbeitsstunden.

Doch wie sieht es eigentlich mit den Unterrichtsstunden in der Berufsschule aus? Wie werden die Zeiten mit der Arbeitszeit vom Azubi verrechnet? Und wie sehen die Regelungen in der Ausbildung von Schule und Arbeitszeit aus?

In jedem Fall muss der Auszubildende für die Berufsschule vom Ausbildenden freigestellt werden. Diese Regelung findet sich im Berufsbildungsgesetz bezüglich der Arbeitszeit. Der Betrieb darf den Jugendlichen nicht vor einem Unterrichtsbeginn (vor neun Uhr) beschäftigen. Dies gilt im Übrigen auch für Azubis, die älter als 18 Jahre und noch berufsschulpflichtig sind. Außerdem muss der Jugendliche nicht in den Ausbildungsbetrieb an einem Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtseinheiten von mindestens 45 Minuten. Auch wenn ein Blockunterricht von mindestens 25 Stunden an fünf Tagen der Woche veranstaltet wird, müssen Sie nicht zusätzlich im Betrieb arbeiten. Dies kommt einer regulären Arbeitswoche gleich. Ein Schultag mit über fünf Unterrichtseinheiten, die jeweils 45 Minuten betragen, entspricht einem kompletten Arbeitstag.

Auch die Pausen sind im Jugendarbeitsschutzgesetz festgelegt. Dabei gilt im Regelfall, dass eine Ruhepause mindestens 15 Minuten umfassen sollte. Ein Bereitschaftsdienst in der Pause ist nicht zulässig. Die Gesamt-Pausenzeit richtet sich nach der Anzahl der Arbeitsstunden. Wenn Sie viereinhalb bis sechs Stunden arbeiten, steht Ihnen mindestens eine Pause von 30 Minuten zu. Dies erhöht sich um das Doppelte bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden.

Wichtig! Für minderjährige Auszubildende ist vorgeschrieben, dass zwischen den Arbeitsstunden mindestens 12 Stunden freie Zeit liegen muss. Zudem darf in aller Regel der Jugendliche nur von sechs Uhr morgens bis 20 Uhr beschäftigt werden.

Das Arbeitsrecht für Auszubildende

Überstunden in der Ausbildung müssen bezahlt oder mit Freizeit ausgeglichen werden.
Überstunden in der Ausbildung müssen bezahlt oder mit Freizeit ausgeglichen werden.

Wie sieht ganz konkret das Arbeitsrecht in der Ausbildung aus? Worauf müssen Sie achten? Was heißt das für den Azubi und seine Arbeitszeiten?

Volljährige Azubis dürfen pro Woche maximal 48 Stunden arbeiten, d. h. acht Stunden pro Tag und bis zu maximal sechs Tage die Woche. Der Samstag ist ein regulärer Werktag, es sei denn, ein Tarifvertrag findet Anwendung. Azubis, die älter als 18 Jahre sind, dürfen vor und nach dem Unterricht arbeiten. Dabei ist darauf zu achten, dass der Schulweg sowie die tatsächlichen Unterrichtsstunden als Arbeitszeit gerechnet werden.Eine ähnliche Regelung für die Berufsschule bei Minderjährigen gibt es nicht.

Die Ruhepausen sind im Arbeitszeitgesetz § 4 definiert:

Die Arbeit ist durch im voraus feststehende Ruhepausen von mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu neun Stunden und 45 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden insgesamt zu unterbrechen. Die Ruhepausen nach Satz 1 können in Zeitabschnitte von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Länger als sechs Stunden hintereinander dürfen Arbeitnehmer nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden.

Für volljährige Azubis gilt: Elf Stunden Freizeit zwischen aufeinanderfolgenden Arbeitstagen.

Der Azubi und die Überstunden

Überstunden in der Ausbildung werden immer wieder heiß diskutiert. Grundsätzlich sind für Auszubildende keine Überstunden vorgesehen. Im Allgemeinen sind Überstunden all jene Zeiten, die über die im Ausbildungsvertrag vereinbarten Arbeitszeiten hinausgehen.

Wichtig! Zu den Arbeitszeiten in der Ausbildung: Wenn Überstunden vom Azubi geleistet werden, müssen diese tatsächlich der Ausbildung dienlich sein. Eine ausbildungbeauftragte Person muss anwesend sein.

Für Überstunden während der Ausbildung muss ein angemessener Ausgleich stattfinden, entweder in Form einer Bezahlung oder in Form von Freizeit. Im Vertrag festgelegte, pauschal unbezahlte Überstunden für Auszubildende sind laut Berufsbildungsgesetz nicht zulässig. Zudem gilt ein Zuschlag, der entweder durch Tarifverträge geregelt ist oder sich an diesen orientiert.

Minusstunden für den Azubi

Minusstunden in der Ausbildung sind nicht zulässig. Der Azubi ist im Betrieb, um zu lernen und hat das Recht, die tägliche Arbeitszeit auch dort zu verbringen. Selbst wenn Sie nach Hause geschickt werden, ist es als bezahlte Freistellung aufzufassen.

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3 Gedanken zu „Arbeitszeit für Auszubildende

  1. Andreas

    Hallo,
    Ich hätte da mal eine frage in bezug auf die momentane Krise.
    Undzwar arbeitet mein Betrieb im Moment in Kurzarbeit und sind im Moment in zwei Gruppen aufgeteilt, die sich täglich mit dem arbeiten abwechseln (1 Tag arbeiten 1 Tag Frei).zu den Zeiten hat mein Betrieb zu mir geasagt ich müsse die gesamte Zeit die die ich nicht im Betrieb bin nachholen(Überstunden).

    Außerdem wie würde es mit minusstunden aussehen wenn ich öfters mal zuspät gekommen wäre. Müstte ich diese Zeit nachholen?

    Antworten
  2. Elisabeth B

    Hallo, ich wollte fragen, wieviele Tage am Stück (also hintereinander) ein Azubi im Alter von 19 mit Schultagen arbeiten darf.
    Werden Schultage auch als Arbeitstage gerechnet ?

    Antworten
    1. Anwalt.org

      Hallo Elisabeth B,

      die Zeit in der Berufsschule gilt in der Regel als Arbeitszeit bzw. kann für diese angerechnet werden. Besteht der Schultag aus fünf Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten, gilt dies üblicherweise als voller Arbeitstag. Volljährige Azubis dürfen, wie Artikel erklärt, maximal 48 Stunden bzw. sechs Tage die Woche arbeiten.

      Ihr Team von anwalt.org

      Antworten

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