Urteil: Eltern unterlassen Arztbesuch = Misshandlung Schutzbefohlener

News von anwalt.org, veröffentlicht am 30. November 2017

Eltern bringen schwerverletzten Jungen nicht zum Arzt

Regensburg. Obwohl ihr f√ľnfj√§hriger Sohn schlimme Brandverletzungen erlitten hatte, brachten ihn die Eltern nicht zum Arzt. Nun mussten sie sich wegen schwerer Misshandlung Schutzbefohlener vor dem Landgericht Regensburg verantworten.

Trotz Verletzungen kein Arztbesuch: Ein Fall von Misshandlung Schutzbefohlener.

Trotz Verletzungen kein Arztbesuch: Ein Fall von Misshandlung Schutzbefohlener.

Ein am 30.11.2017 veröffentlichtes Urteil des Landgerichts Regensburg, verhängt eine mehrjährige Haftstrafe gegen das Paar, weil sie es unterlassen hatten ihren verletzten Sohn einem Arzt vorzustellen.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte die Mutter im gemeinsamen Garten aus ungekl√§rten Gr√ľnden mit einem brennenden Benzinkanister hantiert. Ihr Sohn, der zu diesem Zeitpunkt direkt neben ihr stand, soll sich dabei die schweren Brandverletzungen zugezogen haben. Aus Angst vor dem Jugendamt vermieden die Eltern den Arztbesuch, sondern k√ľmmerten sich 4 Tage lang selbst um die Wunden.

Nach Ansicht des Gerichts hat sich das Paar dadurch der schweren Misshandlung Schutzbefohlener durch Unterlassen schuldig gemacht. Der Mutter wurde dar√ľber hinaus auch fahrl√§ssige K√∂rperverletzung zur Last gelegt, da sie f√ľr die Verletzungen ihres Kindes verantwortlich ist.
Der Vater wurde zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren verurteilt. Da die Mutter an einer psychischen Erkrankung leidet und nur bedingt steuerungsfähig ist, fiel ihre Strafe milder aus. Sie muss eine Haftstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten antreten.

Die Misshandlung Schutzbefohlener nach §225 StGB

Unter ¬ß225 StGB sind besonders sch√ľtzenswerte Personengruppen eingeordnet, die sich auf Grund ihres Alters (unter 18 Jahre), ihrer Krankheiten oder Gebrechlichkeit nicht selbst gegen Misshandlungen zur Wehr setzen k√∂nnen.

    Der Schutzbefohlene

  • untersteht der F√ľrsorge des T√§ters
  • geh√∂rt seinem Haushalt an
  • wurde vom F√ľrsorgepflichtigen der Gewalt des T√§ters √ľberlassen
  • steht im Dienst- oder Arbeitsverh√§ltnis unter diesem

Bereits der Versuch der Misshandlung Schutzbefohlener ist strafbar.

Bereits der Versuch der Misshandlung Schutzbefohlener ist strafbar.

Unter Misshandlung ist hingegen jede Handlung zu verstehen, die das Wohlbefinden oder die Unversehrtheit einer Person beeintr√§chtigt. Dies kann sowohl auf seelische wie k√∂rperliche Art geschehen. Bei Schutzbefohlenen spielt insbesondere auch die b√∂swillige Vernachl√§ssigung eine Rolle, wenn der f√ľr sie Verantwortliche seiner F√ľrsorgepflicht nicht nachkommt.

Doch welche Strafen sieht das Gesetz f√ľr die Misshandlung der Schutzbefohlenen vor? Den T√§tern droht in diesem Fall keine Geld- sondern eine Freiheitsstrafe zwischen 6 Monaten bis zu 10 Jahren. In minderschweren F√§llen kann das Strafma√ü auf 3 Monate bis zu 5 Jahren gesenkt werden. Wurde der Schutzbefohlene in Todesgefahr gebracht oder hat erhebliche Gesundheitssch√§den davongetragen, hat der Gesetzgeber eine Mindeststrafe von einem Jahr f√ľr den T√§ter vorgesehen.

Bildnachweise: fotolia.com/©highwaystarz; fotolia.com/©Gina Sanders

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