Fake-Abmahnung erkennen: Vertrauen ist gut, Kontrolle günstiger!

News von anwalt.org, veröffentlicht am 11. Januar 2018

World Wide Web. Tagtäglich werden die E-Mail-Postfächer mehr oder minder unbescholtener Bürger von Spam und Fake-Abmahnungen überflutet. Gerade vermeintlich offene Forderungen, die als offizielle Abmahnung gegen den Betroffenen daherkommen, lassen den Puls der Betroffenen schnell höher schlagen. “Hab ich in letzter Zeit einen illegalen Download vorgenommen? War der Streaming-Dienst letzte Woche wirklich legal? Habe ich urheberrechtlich geschützte Werke getauscht?” Wie stets gilt: Ruhe bewahren! Wie können Sie Fake-Abmahnungen erkennen?

An diesen 7 Zeichen können Sie eine Fake-Abmahnung erkennen

Wie können Sie eine Fake-Abmahnung erkennen?

Wie können Sie eine Fake-Abmahnung erkennen?

1. Versand per E-Mail

Ein sicheres Anzeichen für eine Fake-Abmahnung ist der ausschließliche Versand per Mail. Zwar gibt es mittlerweile auch zahlreiche Dienstleister, die hauptsächlich über das Online-Postfach kommunizieren, doch Seriosität ist auch hier das A und O.

Ist dann auch noch die E-Mail-Adresse unseriös (lange Zahlenreihen, unsinnige Buchstabenfolgen, kein seriöser E-Mail-Hoster usf.), lässt sich meist schnell erkennen, dass die gestellte Forderung eher auf Betrüger zurückzuführen ist.

2. Fehlerhafte Grammatik & Orthographie

Finden sich zahlreiche Grammatik- und Rechtschreibfehler, wirkt das nicht nur im alltäglichen Briefverkehr eher unseriös. In solchen Fällen kann schnell vermutet werden, dass zum Beispiel der Google-Translator für die Erstellung der Mail rekrutiert wurde.

Darüber hinaus zeigen auch Fehler bei der Schreibung Ihrer Adress- und Personendaten schnell, dass hier in Wirklichkeit keine Anwälte am Werke waren, die von einem Urheber mit der Durchsetzung der Interessen beauftragt wurden. Diese würden bei der Aufsetzung einer Abmahnung nicht so achtlos vorgehen.

3. Fehlender Personenbezug

In manchen Fällen können Sie eine Fake-Abmahnung leicht daran erkennen, dass erst gar keine Personendaten hierin aufgeführt werden, sondern stattdessen nur ein unpersönliches “Sie” angeredet wird. Eine Abmahnung ohne direkten Bezug auf den Beschuldigten ist unseriös.

Sie können eine Fake-Abmahnung auch daran erkennen, das der Ihnen vermeintlich vorgeworfene Tatbestand nicht detailliert aufgeführt wird (ggf. inklusive Tattag, betroffenes Werk, Urheber usf.). Der allgemeine Bezug auf eine Urheberrechtsverletzung sollte Sie aufhorchen lassen.

Achtung! Waren Sie nie auf dem beschriebenen Portal oder haben Sie nie die Software heruntergeladen, deutet dies nicht automatisch auf Fake hin. Ggf. hat ein Dritter über Ihren Internetzugang diese Verletzung des Urheberrechts begangen. Auch in diesem Fall können Sie in Haftung genommen werden.
Im Zweifel kann ein Anwalt helfen, eine Fake-Abmahnung zu erkennen.

Im Zweifel kann ein Anwalt helfen, eine Fake-Abmahnung zu erkennen.

4. Personendaten veraltet

Häufig stammen die Personendaten, die in entsprechenden Mails angeführt sind, aus veralteten Verzeichnissen. Sind die zu Ihrer Person genannten Adressdaten aktuell oder liegt die Anschrift schon zwei, drei Umzüge zurück.

Darüber hinaus sollten Sie auch prüfen, ob es das genannte Forderungsanwälte überhaupt gibt? Verlassen Sie sich dabei nicht nur auf möglicherweise vorhandene Websites (diese könnten ebenfalls Fake sein). Befragen Sie selbst einmal Google, nicht selten können Sie eine Fake-Abmahnung so leicht erkennen, weil zum Beispiel der ein oder andere Forenbeitrag auf die Abzocke hinweist.

5. Unseriöse Anhänge

Hiermit wiederholen wir unsere Forderung mit dieser Abmahnung zur Vorgangsnummer XYZ. Die Details können Sie dem angehängten Dokument entnehmen.”

So oder ähnlich klingt die ein oder andere besonders uninspirierte Fake-Abmahnung – zu erkennen nicht nur an fehlenden Personendaten, sondern an besonders unsinniger Verknappung. Die Neugier soll dazu führen den Anhang zu öffnen. Davon abgesehen, dass der Verbraucher aus den Anhängen ebensowenig schlau wird, was Vorwurf und Inhalt der Abmahnung angeht: Hier kann sich auch Schadsoftware verbergen, die den PC korrumpiert. Also lieber gleich ab in Spam-Ordner oder Papierkorb damit.

6. Knappe Fristsetzung

Die Abzocke mit Fake-Abmahnungen funktioniert vor allem über Angsterzeugung und Druckaufbau. Fristen von nur wenigen Tagen zur Ausgleichung horrender Rechnungen sind unseriös und orientieren sich nicht am Urheber- oder Markenrecht.

Werden Ihnen dann auch noch eher zwielichtige Bezahlmethoden als einzige Überweisungsmöglichkeit angeboten (z. B. Ukash oder PaySafe), sollten Sie endgültig von der Zahlung Abstand nehmen.

7. Unterlassungserklärung fehlt

Eine anwaltliche Abmahnung, die wegen Urheberrechts- oder Markenverletzungen an den Betroffenen zugestellt wird, kommt regelmäßig mit einer Unterlassungserklärung einher. Diese zielt darauf ab, mit Ihrer Unterzeichnung die Garantie zu haben, dass zukünftig keine weiteren Verstöße begangen werden – andernfalls drohen Vertragsstrafen. Fehlt ein entsprechendes Schreiben im Anhang, lässt sich die Mail eher als Fake-Abmahnung erkennen.

Doch kein Fake: Wie reagieren Sie auf eine echte Abmahnung?

Hat Ihre Überprüfung Sie darin bestärkt, dass es sich doch nicht um eine Fake-Abmahnung handelt, sollten Sie nicht in Panik verfallen. Wenden Sie sich vertrauensvoll an einen Anwalt für Urheberrecht. Dieser kann die Forderung auf die Berechtigung hin prüfen und Sie ggf. dabei unterstützen, die Unterlassungserklärung so abzuändern, dass Ihnen daraus nicht noch weitere Nachteile entstehen.

Bildnachweise: istockphoto.com/AlexRaths, fotolia.com/Axel Bueckert

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Über Jana

Jana studierte Germanistik, Philosophie und Englische Literaturwissenschaften an der Universität Greifswald. Aufgrund jahrelanger Hilfstätigkeiten in mehreren Anwaltskanzleien vor und während des Studiums entwickelte sie ein gutes Gespür für komplexe juristische Fragestellungen. Ihr besonderes Interesse gilt dabei bis heute dem Familien- und Erbrecht.

12 Gedanken zu „Fake-Abmahnung erkennen: Vertrauen ist gut, Kontrolle günstiger!

  1. Mia

    Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Die Tipps zur Erkennung von falschen Abmahnungen haben mir sehr gut gefallen.

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  2. Nina

    Danke für die Infos zu “Fake”-Abmahnungen. Meine Schwester hat leider eine solche erhalten. Werde ihr diese Infoseite weiterleiten sowie empfehlen, sich gleich einen “richtigen” Anwalt zu nehmen, der den unhaltbaren Anschuldigungen widerspricht.

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  3. Mian

    Toll, aktuelle Tipps über Fake-Abmahnungen zu finden. Ich kann mir nur vorstellen, dass es abzocken in alle Rechtsbereiche gibt, sei es Liegenschaftsrecht, Urheberrecht oder gar Sportrecht.

    Hilfreiche Artikel wie diese könnten häufiger sein.

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  4. Neeltje

    Ich finde den Tipp auf eine zu knappe Fristsetzung zu achten gut. Denn wann immer ich so eine falsche Abmahnung erhalten hatte, war die Frist zur Erfüllung zu knapp gesetzt. Ich bin froh, dass ich damals einen Rechtsanwalt konsultiert haben, bevor ich am Ende noch eine falsche Rechnung gezahlt habe.

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  5. Toni K

    Mein Neffe hat ein Schreiben bekommen. Er meinte zu mir, dass er nicht auf dem Portal aktiv war, auf dem die Software heruntergeladen wurde. Danke für den Hinweis, dass ein Dritter den Internetzugang genutzt haben kann und man trotzdem in Haftung genommen werden kann. Ich denke, dass wir einen Rechtsanwalt konsultieren müssen.

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  6. Kyra V

    Ich habe letztens eine Abmahnung erhalten. Diese sah auf den ersten Blick ganz in Ordnung aus. Ich hatte schon die Befürchtung, ich müsste einen Rechtsanwalt um Hilfe bitten. Nach dem dritten mal lesen vielen mir Rechtschreibfehler auf. Das Ende vom Lied.. diese Abmahnung war ein Fake. Guter Tipp, achtet auf die Rechtschreibfehler.

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  7. James

    Diese Anzeichen, um ein Fake-Abmahnung zu erkennen, sind echt super. Ich denken es ist jedem schon passiert, eine Fake-Abmahnung via Email zu bekommen. Ich wusste nicht, dass besonders kurze Fristen ein Zeichen für unseriöse Anforderungen sind.

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  8. Noah D

    Genau dieses ist meiner Nachbarin letztes Jahr passiert! Ich habe ihr sofort geraten einen Rechtsanwalt zu kontaktieren. Super dass es auch hier hilfreiche Tipps gibt wie man mit so einer Situation umgehen sollte. Die knappe Fristsetzung ist ein gutes Beispiel wie man sowas leicht erkennen kann. Obwohl das einen ja auch zuerst einmal schockiert! Danke für die Informationen.

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  9. Manuel

    Schon traurig, dass es Fake-Abmahnungen überhaupt gibt. Bei mir sind einige gelandet, aber durch Ihren Tipp sich die E-Mail genau anzuschauen, habe ich den Betrug aufdecken können. Da mein Freund Rechtsanwalt ist, habe ich gleich gefragt, wie man dagegen vorgehen kann.

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  10. Tobias

    Vielen Dank für die Tipps zu Fake-Abmahnungen. Meine Tante musste sich vor kurzem an eine Rechtsanwaltskanzlei wenden, da sie so eine Mahnung im Briefkasten hatte. Gut zu wissen, dass die meisten Fake-Abmahnungen keine Personendaten aufführen und den Tatbestand nicht präzise angeben und man so u. a. eine gefälschte Mahnung erkennen kann.

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  11. Hector

    Das ist genau das, was ich zu zum Thema verkehrsrecht oberhausen gesucht habe. Ich werde es mit meinem Bruder besprechen, der auch viel über dieses Thema weiß. Mal sehen, ob er mir noch mehr Tipps geben kann!

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  12. Steele Honda

    Was für ein hilfreicher Artikel zum Thema Rechtsanwalt! Das ist alles echt gut zu wissen. Die Informationen werde ich mir zu Herzen nehmen für die Zukunft.

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