Sensationsjournalismus in Deutschland: Definition und Beispiele

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 22. MĂ€rz 2019

Sensationsjournalismus: Je spektakulÀrer das Ereignis, desto besser.

Sensationsjournalismus: Je spektakulÀrer das Ereignis, desto besser.

Die breite Masse ist darauf angewiesen, von den Medien Informationen ĂŒber Ereignisse im In- und Ausland zu erhalten. Dabei entscheiden die Medienmacher selbst, welche Nachrichten besonders wichtig sind und wo diese platziert werden – bei Printmedien bspw. kann die Seite darĂŒber entscheiden, ob eine Nachricht gelesen wird oder nicht.

Doch geht es wirklich immer nur darum, die Leute ĂŒber wichtige Ereignisse zu informieren oder muss nicht viel mehr die Auflage stimmen? Um den Verkauf des eigenen Mediums anzukurbeln, ist der sogenannte Sensationsjournalismus entstanden.

Doch was macht ihn eigentlich aus? Handelt es sich nur um ein PhÀnomen der Boulevardpresse oder können auch die sogenannten QualitÀtsmedien in einen Sensationsjournalismus verfallen? Auf diese Fragen geht der nachfolgende Ratgeber ein. Zudem erhalten Sie Beispiele, in denen eine sensationsjournalistische Berichterstattung stattgefunden hat.

Was ist Sensationsjournalismus?

Eine allgemeingĂŒltige Definition fĂŒr den Sensationsjournalismus zu finden, gestaltet sich Ă€ußerst schwierig, kann diese Form der journalistischen Berichterstattung doch viele Formen annehmen. Anfangs kam sie vorwiegend bei den Printmedien zum Einsatz.

Ziel war es, durch möglichst sensationelle Aufmachungen der ersten Seite viele Menschen davon zu ĂŒberzeugen, die entsprechende Zeitung zu kaufen. Es handelt sich also quasi um eine verkaufsfördernde Methode fĂŒr die Boulevardpresse.

Dabei ist der Sensationsjournalismus nicht immer mit den Vorgaben des Pressekodex zu vereinen. Hier gilt nÀmlich teils die Devise: Je blutiger und schockierender die Nachricht, desto besser. Die Menschen bekommen ungefragt mitunter verstörende Bilder prÀsentiert.

Und ein weiteres Problem ergibt sich im Sensationsjournalismus: Die eigentliche Nachricht ist meist gar nicht so sensationell, sie wird nur durch geschickte Formulierung und bewusste falsche Platzierungen von Bildmaterial zu einer Sensation gemacht.

Mittlerweile ist der Sensationsjournalismus auch im Fernsehen zu einem immer öfter gesehenen PhĂ€nomen geworden. Durch die TV-Bilder lassen sich die vermeintlichen Sensationen hĂ€ufig noch besser transportieren als „nur“ durch Text und Bild.

VerstĂ¶ĂŸt Sensationsjournalismus gegen den Pressekodex?

Was ist Sensationsjournalismus?

Was ist Sensationsjournalismus?

Die Arbeit von Journalisten wird durch das Presserecht und auf Landesebene durch die Landespressegesetzte in einem rechtlichen Rahmen festgelegt. Daneben gibt es allerdings noch die Selbstverpflichtung der Journalisten, den Pressekodex einzuhalten.

Er wird vom Deutschen Presserat herausgegeben und setzt bspw. der journalistischen Recherche Schranken. Allerdings handelt es sich hierbei eben nicht um Gesetze, sondern um einen Kodex. Daher haben VerstĂ¶ĂŸe gegen selbigen keine rechtliche Relevanz.

Sie können lediglich mit einer RĂŒge vom Presserat „bestraft“ werden. Der Sensationsjournalismus bietet gleich mehrere AngriffsflĂ€chen und verstĂ¶ĂŸt regelmĂ€ĂŸig gegen die Vorgaben im Pressekodex.

Hierbei hervorzuheben sind bspw. der Opferschutz und die Achtung der Persönlichkeitsrechte des Einzelnen. Werden z. B. nach einem Terroranschlag Bilder veröffentlicht, auf welchen die Opfer eindeutig zu identifizieren sind, so widerspricht dies dem Opferschutz.

Allerdings wird eine Anzeige in solchen FĂ€llen wenig Chance auf Erfolg haben, auch wenn hierbei Persönlichkeitsrechte eingeschrĂ€nkt werden. In solchen EinzelfĂ€llen wird nĂ€mlich immer abgewogen, ob das allgemeine Interesse an einer Berichterstattung schwerer wiegt als der Schutz der MenschenwĂŒrde. Und dieses ĂŒberwiegt in aller Regel.

Kritisch ist Sensationsjournalismus auf Grundlage des Pressekodex’ auch zu betrachten, wenn es um den Jugendschutz geht. Kinder und Jugendliche können durch die teils verstörende Bilder nachhaltig geschĂ€digt werden. Sie davor zu schĂŒtzen, ist fĂŒr Eltern nahezu unmöglich.

Boulevard- und Sensationspresse: Gibt es einen Unterschied?

Wie bereits erwĂ€hnt, kommt der Sensationsjournalismus hĂ€ufig im Print- und Fernsehbereich zum Einsatz. Aber auch die Online-Medien stehen dem in nichts nach. Sensationsjournalismus gibt es quasi ĂŒberall, wo Quote, Klicks oder Auflagen generiert werden sollen.

Er ist dem Genre des Boulevardjournalismus zuzuordnen und bildet quasi eine Unterform von selbigem. Prominentestes Beispiel ist die „BILD“. Allerdings kann diese journalistische Darstellungsform auch in den sogenannten QualitĂ€tsmedien genutzt werden.

Sensationsjournalismus: Beispiele zur Veranschaulichung

Sensationsjournalismus: Beispiele finden Sie hier.

Sensationsjournalismus: Beispiele finden Sie hier.

Im Folgenden wollen wir Ihnen nun zwei Beispiele fĂŒr den Sensationsjournalismus in Deutschland prĂ€sentieren:

  • Veröffentlichung der angeblichen „Hitler-TagebĂŒcher“: Das Nachrichtenmagazin „Stern“ veröffentlichte 1983 vermeintliche Hitler-TagebĂŒcher. Eine absolute Sensation, die auch als selbige beschrieben wurde. Dummerweise handelte es sich dabei um FĂ€lschungen, wie eine Untersuchung des BKA ergab. Obwohl diese schon vor der Veröffentlichung der vermeintlichen Originale eingeleitet wurde, publizierte der Stern die gefĂ€lschten TagebĂŒcher in einer Serie.
  • Geiselnahme von Gladbeck: Im August 1988 ĂŒberfielen zwei MĂ€nner eine Bankfiliale in Gladbeck und nahmen im Zuge ihrer Flucht mehrmals Geiseln. Eine Verfolgungsjagd mit der Polizei zog sich durch Deutschland und die Niederlande. Der Vorfall erzeugte großes öffentliches Interesse und die Medien waren stets vor Ort. Die Berichterstattung ging so weit, dass Journalisten im Fluchtfahrzeug mitfuhren und die TĂ€ter interviewten. Dabei wurde auch die Polizeiarbeit behindert. Den Reportern wurde im Anschluss vorgeworfen, die Grenzen des Journalismus fĂŒr diese sensationsgeleitete Berichterstattung ĂŒberschritten zu haben.
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Sensationsjournalismus in Deutschland: Definition und Beispiele
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