Kein Schmerzensgeld vom Schwimmbad: Bademeister kann nicht alles sehen

News von anwalt.org, veröffentlicht am 20. Juni 2018

Nürnberg. Ein Badegast forderte Schmerzensgeld vom städtischen Schwimmbad, weil ein anderer Besucher bei einem Sprung vom Zehn-Meter-Turm auf ihm gelandet war – eine schwere Verletzung am linken Arm war das Resultat. Der Verletzte forderte Schadensersatz, da seiner Ansicht nach ein Bademeister oben auf dem Turm hätte stehen müssen, um die Sprünge zu kontrollieren. Das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg urteilte aber dagegen (Az. 4 U 1455/17).

Der Bademeister kann nicht alles beaufsichtigen

Lückenlose Aufsicht nicht üblich: Somit entsteht hier kein Anspruch auf Schmerzensgeld vom Schwimmbad.

Lückenlose Aufsicht nicht üblich: Somit entsteht hier kein Anspruch auf Schmerzensgeld vom Schwimmbad.

Das OLG Nürnberg vertritt die Ansicht, dass ein Schmerzensgeld vom Schwimmbad in diesem Fall nicht gerechtfertigt sei.

Grund: Es könne nicht vom Betreiber verlangt werden, dass er jeden Springer beaufsichtige und jeden Sprung im Einzelnen freigebe, wie der Badegast verlangt hatte.

Eine lückenlose Aufsicht in solch einer Einrichtung sei nicht üblich und nach derzeitigen Gesetzen auch nicht Pflicht für den Betreiber.

Darüber hinaus gab es im betreffenden Hallenbad eine Aufsichtsperson, die jeweils nur eine Person auf den Sprungturm ließ und dafür Sorge trug, dass genügend Zeit zwischen den einzelnen Sprüngen verlief. Zusätzliche Tafeln am Sprungturm wiesen Badegäste daraufhin, dass sie vor dem Sprung sichergehen sollten, dass sie bei ihrer Aktion niemanden verletzen. Daher sei ein Schmerzensgeld vom Schwimmbad nicht gerechtfertigt, führten die Richter aus.

Was gehört zu den Aufsichtspflichten des Bademeisters – und wer haftet wann?

Wann entsteht ein Anspruch auf Schmerzensgeld vom Schwimmbad? Wir klären auf.

Wann entsteht ein Anspruch auf Schmerzensgeld vom Schwimmbad? Wir klären auf.

Kommt der Bademeister nicht seiner Aufsichtspflicht nach, kann bei einem Unfall für den Geschädigten ein Anspruch auf Schmerzensgeld vom Schwimmbad entstehen.

Sollte der Bademeister selbst schuld sein, kann auch nur er dafür verantwortlich gemacht werden. Lag es nicht im Bereich seiner Möglichkeiten, bspw. wenn nicht genug Aufsichtspersonal vorgesehen war, dann haftet in der Regel der Betreiber – hier entsteht der Anspruch auf Schmerzensgeld vom Schwimmbad.

Erst im November 2017 konkretisierte der Bundesgerichtshof (BGH) die Aufsichtspflichten eines Bademeisters in einem Urteil (Az: III ZR 60/16). Demnach muss ein Bademeister:

  • einen geeigneten Aufsichtsplatz wählen, von dem aus er das gesamte Schwimmbad / das Becken überwachen kann (je nach Organisation des Betreibers) – ggf. erfordert dies den gelegentlichen Standortwechsel
  • das Geschehen im Wasser fortlaufend beobachten
  • regelmäßig überprüfen (mit Kontrollblicken), ob Gefahrensituationen für die Badegäste entstehen
  • in Notsituationen für eine rasche Hilfeleistung sorgen

Bildnachweise: fotolia.com/ajlatan, fotolia.com/BillionPhotos.com

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Über Clarissa

Clarissa studierte Literatur, Kultur und Medien an der Universität Siegen und unterstützt das Ratgeberportal anwalt.org nun bereits seit mehreren Jahren mit Texten zu den unterschiedlichsten Rechtsgebieten. Ihr besonderes Interesse gilt dabei dem Arbeitsrecht sowie dem Medizinrecht.

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