Anhalteweg, Bremsweg und Reaktionsweg: Nicht nur für die Fahrschule wichtig

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 30. Dezember 2020

Was ist der Anhalteweg und wie können Sie diesen berechnen?
Was ist der Anhalteweg und wie können Sie diesen berechnen?

FAQ zum Anhalteweg, Bremsweg und Reaktionsweg

Wie hängen Bremsweg, Reaktionsweg und Anhalteweg zusammen?

Der Anhalteweg setzt sich aus dem Reaktionsweg und dem Bremsweg zusammen. Dabei ist der Reaktionsweg die Strecke, die zurückgelegt wird, bis ein Fahrer nach dem Erkennen einer Gefahr auf die Bremse tritt. Der Bremsweg beschreibt die Strecke, die das Fahrzeug vom Tritt auf die Bremse bis zum Stehenbleiben weiterfährt. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Wie kann ich den Reaktionsweg berechnen?

Die Faustformel für den Reaktionsweg lautet: (Geschwindigkeit in km/h : 10) x 3. Eine Beispielrechnung finden Sie hier.

Wie lautet die Formel für die Berechnung des Bremswegs?

Für den Bremsweg lautet die Faustregel: (Geschwindigkeit in km/h : 10) x (Geschwindigkeit in km/h : 10). Ein Beispiel für die Berechnung finden Sie hier.

Welche ist die Formel für den Anhalteweg?

Sie können den Anhalteweg berechnen, indem Sie den Reaktionsweg und den Bremsweg addieren. Die Faustformel lautet demnach wie folgt: (Geschwindigkeit in km/h : 10) x 3 + (Geschwindigkeit in km/h : 10) x (Geschwindigkeit in km/h : 10). Eine Tabelle, die den Anhalteweg bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten zeigt, finden Sie hier.

Zusammenhang zwischen Reaktionsweg, Bremsweg und Anhalteweg einfach erklärt

Wie lang der Bremsweg ist, hängt auch von den Bremsen ab.
Wie lang der Bremsweg ist, hängt auch von den Bremsen ab.

In der Fahrschule stolpern viele angehende Pkw- oder Motorradfahrer das erste Mal über drei wichtige Begriffe: Bremsweg, Anhalteweg und Reaktionsweg. Um diese zu berechnen, müssen Formeln auswendig gelernt werden. Für viele ein Grund, abzuschalten und die Scheuklappen aufzusetzen.

So schwierig ist das Ganze aber nicht. Wir erklären im folgenden Ratgeber, was die drei Begriffe bedeuten, welche Formeln wichtig sind und rechnen zum besseren Verständnis Beispiele durch.

Das geschieht, wenn Sie plötzlich bremsen müssen

Bei der Fahrt mit Auto, Roller, Motorrad & Co kann es aus heiterem Himmel zu gefährlichen Situationen kommen, in denen Sie schnell bremsen müssen. Schritt für Schritt passiert dabei Folgendes:

  1. Sie bemerken die Gefahrensituation.
  2. Sie treten auf die Bremse.
  3. Das Fahrzeug kommt zum Stehen.

Auch wenn es sehr schnell passiert, so dauert es doch in der Regel gut eine Sekunde vom Bemerken der Gefahr bis zur Betätigung der Bremse. In dieser Zeit legt das Fahrzeug noch eine gewisse Strecke zurück. Das ist der Reaktionsweg.

Treten Sie die Bremse, so bleibt das Auto oder Motorrad nicht sofort stehen. Die Strecke, die das Fahrzeug in diesem Zeitraum weiterfährt, ist der Bremsweg.

Der Anhalteweg ist dann schließlich die Summe aus Reaktions- und Bremsweg. Er gibt also an, welche Strecke vom Bemerken der Gefahrensituation bis zum tatsächlichen Stillstand des Autos zurückgelegt wird.

Die folgende Infografik stellt den Zusammenhang zwischen den dreien noch einmal übersichtlich dar:

Unsere Infografik zum Anhaltweg zeigt, dass sich dieser aus Reaktions- und Bremsweg zusammensetzt.
Unsere Infografik zum Anhaltweg zeigt, dass sich dieser aus Reaktions- und Bremsweg zusammensetzt.

Formel für die Berechnung: Den Reaktionsweg ermitteln

Wie können wir nun den Reaktionsweg ausrechnen? Dafür benötigen wir die folgende Formel:

(Geschwindigkeit in km/h : 10) x 3

Als Beispiel berechnen wir nun den Reaktionsweg mit der Formel und nehmen an, dass die gefahrene Geschwindigkeit 50 km/h beträgt: (50 : 10) x 3 = 5 x 3 = 15 m. Demnach beträgt der Reaktionsweg 15 m.

Wie kann ich den Bremsweg berechnen?

Sie möchten den Bremsweg ermitteln? Die Formel hierfür lautet wie folgt:

(Geschwindigkeit in km/h : 10) x (Geschwindigkeit in km/h : 10)

Ein Beispiel soll den Rechenweg verdeutlichen. Gehen wir in diesem Fall davon aus, dass die gefahrene Geschwindigkeit bei 70 km/h liegt: (70 : 10) x (70 : 10) = 7 x 7 = 49. Der Bremsweg ist also 49 m lang.

Faustformel für den Anhalteweg

Der Anhalteweg ist, wie wir bereits erwähnt haben, die Summe aus Reaktionsweg und Bremsweg. Dementsprechend müssen Sie zur Berechnung die folgende Formel verwenden:

(Geschwindigkeit in km/h : 10) x 3 + (Geschwindigkeit in km/h : 10) x (Geschwindigkeit in km/h : 10)

Wie lang ist also der Anhalteweg, wenn Sie mit 100 km/h unterwegs sind? Die Rechnung sieht wie folgt aus: (100 : 10) x 3 + (100 : 10) x (100 : 10) = 30 + 100 = 130. Das Ergebnis lautet also 130 m.

Beachten Sie jedoch: Berechnen Sie Anhalteweg & Co. mithilfe der genannten Faustformeln, stellt das Ergebnis nur einen ungefähren Wert dar. Es gibt nämlich viele Faktoren, welche die tatsächlich zurückgelegte Strecke beeinflussen. Darauf gehen wir weiter unten näher ein.

Tabelle zum Überblick: Reaktionsweg, Bremsweg und Anhalteweg je nach Geschwindigkeit

Anhalteweg berechnen: Die Formel setzt sich aus zwei Teilen zusammen.
Anhalteweg berechnen: Die Formel setzt sich aus zwei Teilen zusammen.

Die folgende Tabelle zeigt Ihnen, wie lang der Reaktions-, Brems- und Anhalteweg je nach gefahrener Geschwindigkeit sind. Dabei fällt auf: Verdoppelt sich die Geschwindigkeit, so verdoppelt sich auch der Reaktionsweg. Bezüglich des Bremsweges lässt sich hier sogar eine Vervierfachung und damit ein exponentieller Anstieg feststellen.

Bei höherem Tempo wird der Anhalteweg also immer um ein weiteres länger. Das sollten Sie bei jeder Autofahrt bedenken. Den Abstand zum Vordermann sollten Sie also je nach gefahrener Geschwindigkeit entsprechend anpassen: Je schneller Sie unterwegs sind, desto größer sollte er sein.

Beachten Sie dabei die Regeln der Straßenverkehrsordnung (StVO). § 4 besagt nämlich, dass der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug so groß sein muss, dass Sie auch dann hinter diesem halten können, wenn es plötzlich bremst.

Gefahrene Ge­schwin­dig­keit (km/h)Reaktions­weg (m)Brems­weg (m)Anhalte­weg (m)
10314
206410
309918
40121628
50152540
60183654
70214970
80246488
902781108
10030100130
11033121154
12036144180
13039169208
14042196238
15045225270

Weitere Faktoren, die beim Anhalte-, Brems- und Reaktionsweg wichtig sind

Sind Sie müde, verlängert sich meist der Reaktionsweg.
Sind Sie müde, verlängert sich meist der Reaktionsweg.

Wie wir bereits erwähnt haben, geben die Faustformeln zu Anhalte-, Brems- und Reaktionsweg immer nur einen ungefähren Wert an.

Es gibt verschiedene Faktoren, welche die tatsächlich zurückgelegte Strecke bis zum Stillstand eines Autos erheblich beeinflussen können.

Wodurch kann sich der Reaktionsweg verlängern?

Der Reaktionsweg hängt unter anderem von den folgenden Faktoren ab:

  • Alter des Fahrers: Im höheren Alter reagieren Menschen meist langsamer.
  • Allgemeiner Zustand: Ist jemand müde oder krank, kann sich der Reaktionsweg verlängern.
  • Fahren unter Drogen-, Medikamenten oder Alkoholeinfluss: All diese Substanzen können sich negativ auf die Reaktionszeit auswirken.
  • Ablenkung: Ist der Fahrer nicht voll konzentriert, sondern sucht beispielsweise den richtigen Radiosender, so reagiert er dementsprechend langsamer.

Wovon ist der Bremsweg abhängig?

Wie lang der Reaktionsweg tatsächlich ist, hängt also vor allem vom Fahrer selbst und seinem allgemeinen Zustand ab. Doch was verlängert den Bremsweg? Hier kommt es vor allem auf äußere Faktoren und die Fahrzeugtechnik an:

  • Fahrbahnzustand: Nässe, Glätte, rutschiges Laub etc. führen dazu, dass sich der Bremsweg verlängert. Gleiches gilt für Gefällstrecken.
  • Anhänger: Ziehen Sie einen ungebremsten Anhänger, wird der Bremsweg länger.
  • Reifen: Je neuer sie sind und je mehr Profil sie haben, desto schneller wird ein Fahrzeug abgebremst.
  • Bremsen: Abgefahrene Bremsbeläge stellen ein Sicherheitsrisiko dar.
Da sich der Anhalteweg aus dem Reaktions- und dem Bremsweg zusammensetzt, haben also die gesamten oben genannten Faktoren auch einen Einfluss auf ihn.

Quellen und weiterführende Links

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Anhalteweg, Bremsweg und Reaktionsweg: Nicht nur für die Fahrschule wichtig
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