Prämiensparen: Probleme mit dem ehemals beliebten Finanzprodukt

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 15. Dezember 2021

Prämiensparer bekommen nicht nur Zinsen, sondern auch zusätzliche Prämien.
Prämiensparer bekommen nicht nur Zinsen, sondern auch zusätzliche Prämien.

FAQ: Prämiensparen

Wie geht Prämiensparen?

Beim Prämiensparen zahlen Sie monatlich einen festen Betrag auf ein Sparkonto ein. Das Guthaben wird zum einen verzinst. Zum anderen erhalten Sie jedes Jahr eine Prämie, die im Laufe der Zeit immer weiter steigt. Weitere grundsätzliche Informationen haben wir an dieser Stelle für Sie zusammengefasst.

Was ist „Prämiensparen flexibel“?

Hierbei handelt es sich um den Namen eines speziellen Prämiensparvertrags, der von den Sparkassen angeboten wird bzw. wurde. Dabei ist der Zinssatz nicht fix, sondern wie etwa beim Tagesgeld variabel. Er kann also während der Vertragslaufzeit von der Bank verändert werden.

Wie hoch ist der Zinssatz beim Prämiensparen?

In der Regel wird ein variabler Zinssatz vereinbart, wie wir in diesem Abschnitt erklären. Dieser ändert sich je nachdem, wie sich die aktuelle Situation am Finanzmarkt darstellt. Altverträge bieten in der Regel noch eine sehr gute Verzinsung. Bei neuen Verträgen hingegen erhalten Prämiensparer während der aktuellen Niedrigzinsphase nur noch sehr geringe Zinsen auf ihr Erspartes.

Ist die einseitige Änderung der Zinssätze durch die Bank beim Prämiensparen erlaubt?

Der BGH hat hierzu im Dezember 2021 ein wichtiges Urteil gefällt.Banken dürfen den Zinssatz nicht nach eigenem Ermessen festlegen. Vielmehr muss die Ermittlung für den Kunden nachvollziehbar sein. Das Urteil führt dazu, dass viele Prämiensparer eine hohe Nachzahlung von ihrer Bank fordern können. Dazu erfahren Sie in diesem Teil des Ratgebers mehr.

Kann die Sparkasse mein Prämiensparen kündigen?

Viele Banken kündigen mittlerweile für den Verbraucher lukrative Altverträge. Doch ist das überhaupt erlaubt? Es kommt hierbei auf die im Vertrag festgelegten Einzelheiten an. In der Regel ist eine Kündigung nicht rechtens, wenn die Laufzeit noch nicht abgelaufen ist. Mehr zum Thema können Sie hier nachlesen.

Mehr aus dem Ersparten machen

Prämiensparen mit unbefristeter Laufzeit: Eine Kündigung durch die Bank ist nur in gewissen Fällen möglich.
Prämiensparen mit unbefristeter Laufzeit: Eine Kündigung durch die Bank ist nur in gewissen Fällen möglich.

Die Corona-Krise hat dafür gesorgt, dass die Menschen in Deutschland mehr sparen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Sparquote im Jahr 2020 bei 16,3 Prozent. Von 100 Euro des verfügbaren Einkommens haben sie demnach über 16 Euro an die Seite gelegt. Im Vergleich zum Vorjahr stellt das einen Anstieg um 5,4 Prozent dar.

Ein Grund für die hohe Sparquote liegt sicherlich in den Beschränkungen, welche die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat. Doch auch das Sparen für größere Anschaffungen oder die Altersvorsorge sind wichtige Antreiber.

Doch wie können Personen am besten sparen und im besten Falle noch mehr aus ihrem Geld machen? Viele Deutsche setzen lieber auf risikoarme Optionen, wie etwa Tagesgeldkonten. Dazu gehört auch das sogenannte Prämiensparen.

Was ist das Prämiensparen und wie funktioniert es?

Interesse am Prämiensparen? Ein Vergleich unterschiedlicher Banken ist unerlässlich.
Interesse am Prämiensparen? Ein Vergleich unterschiedlicher Banken ist unerlässlich.

Das Prämiensparen ähnelt einem Banksparplan. Es funktioniert wie folgt: Sie zahlen jeden Monat einen vertraglich festgelegten Betrag in den Sparplan ein. Je nach Vereinbarung können Sie zusätzlich zu Beginn des Vertrages eines Einmaleinlage einzahlen.

Wie etwa bei einem Sparbuch erhalten Sie auf den angesparten Betrag Zinsen. Besonders attraktiv macht das Prämiensparen jedoch der folgende Punkt: Zusätzlich zu den Zinsen erhalten Sie eine sogenannte Sparprämie. Diese steigt im Laufe der Jahre immer weiter an und sorgt dafür, dass das Vermögen stetig anwächst.

Aufgrund der aktuell anhaltenden Niedrigzinsphase können Sie nur noch bei wenigen Banken einen neuen Vertrag zum Prämiensparen abschließen.

Prämiensparverträge: Was die Zinsanpassung bedeutet

Je länger der Prämiensparvertrag läuft, umso höher wird die Prämie.
Je länger der Prämiensparvertrag läuft, umso höher wird die Prämie.

Wie wir bereits erwähnt haben, erhalten Sie als Prämiensparer neben der stetig ansteigenden Prämie auch zusätzlich Zinsen. In der momentanen Niedrigzinsphase sind die Zinserträge jedoch eher gering – erst die Prämie macht den Vertrag interessant.

Verbraucher sollten sich außerdem über Folgendes im Klaren sein: Die bei einem Prämiensparvertrag anfallenden Zinsen sind in der Regel nicht für die gesamte Laufzeit festgelegt. Vielmehr handelt es sich um einen variablen Zinssatz, der sich am Finanzmarkt orientiert – dieses Modell wird häufig auch „Prämiensparen flexibel“ genannt.

Das bedeutet: Steigen die Zinsen auf dem Markt an, dann profitiert der Prämiensparer von höheren Zinsen für seinen Vertrag. Im Umkehrschluss können aber auch während der Vertragslaufzeit niedrigere Zinsen angesetzt werden.

Guthabenaufbau beim Prämiensparen: Beispielrechnung zur Verdeutlichung

Im Folgenden möchten wir zeigen, wie Sie mit einem Prämiensparvertrag Vermögen aufbauen. Nehmen wir für unser Beispiel an, dass der Verbraucher über einen Zeitraum von 12 Jahren monatlich 80 Euro sparen möchte. Die Prämie entwickelt sich laut Vertrag wie folgt:

Jahr123456789101112
Prämie00234681012151720

In den folgenden Jahren können Prämiensparer also mit den folgenden Prämien rechnen:

JahrEinzahlungPrämie in %Prämie in Euro
196000
296000
3960219,20
4960328,80
5960438,40
6960657,60
7960876,80
89601096
996012115,20
1096015144
1196017163,20
1296020192
Summe11.520931,20

Zusammengerechnet erhalten Prämiensparer in diesem Beispiel also über einen Zeitraum von 12 Jahren eine Prämie in Höhe von 931 Euro. Hinzu kommen dann noch die anfallenden Zinsen, die sich jedoch je nach Vertrag und Situation am Finanzmarkt verändern können.

Möchten wir die beim Prämiensparen anfallenden Zinsen berechnen, dann gehen wir beispielhaft von einem Zins in Höhe von durchschnittlich 0,2 Prozent aus. In unserem Fall wären das dann zusätzlich 140,31 Euro.

Wichtiges BGH-Urteil: Prämiensparverträge mit falschen Zinsen, Kunden haben Recht auf Nachzahlung

BGH-Urteil zum Prämiensparen: Viele Kunden können mit Nachzahlungen durch die Bank rechnen.
BGH-Urteil zum Prämiensparen: Viele Kunden können mit Nachzahlungen durch die Bank rechnen.

Wie wir bereits erklärt haben, werden beim Prämiensparen in der Regel variable Zinssätze angesetzt. Dabei ist es auch möglich, dass die Zinsen abgesenkt werden – der Kunde also einen geringeren Zinsertrag erhält.

Änderungen des Zinssatzes wurden den Kunden in der Regel nicht direkt mitgeteilt. Häufig wiesen nur Aushänge in den Filialen auf die Anpassung hin.

Des Weiteren sanken die Zinsen teils stärker als der Referenzzins, die Banken legten diese also nach eigenem Ermessen fest. Kunden konnten die Ermittlung nicht klar nachvollziehen.

Im Oktober 2021 erging ein wichtiges BGH-Urteil zum „Prämiensparen flexibel“, welches die Verbraucher und ihre Rechte stärkt. Banken müssen die Zinssätze neu anpassen, was zu einer Nachzahlung für Betroffene führt.

In diesem Zusammenhang müssen nun beim Prämiensparen laut Urteil des BGH die Zinszahlungen an die Zinssätze der Bundesbank angepasst werden. Dabei ist eine nachträgliche monatliche Anpassung nötig.

Beim Prämiensparen falsche Zinsen angesetzt: Wie können sich Verbraucher wehren?

Sind Ihnen beim Prämiensparen Zinsen entgangen? Ein Anwalt kann weiterhelfen.
Sind Ihnen beim Prämiensparen Zinsen entgangen? Ein Anwalt kann weiterhelfen.

Betroffen sind vor allem Kunden der Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken, die in den 1990er sowie 2000er Jahren einen Vertrag zum Prämiensparen mit flexiblem Zinssatz, der durch die Bank abgeändert werden kann, abgeschlossen haben.

Möchten Sie eine Nachzahlung der Ihnen entgangenen Zinserträge fordern, sollten Sie sich mit einem Schreiben direkt an Ihre Bank wenden.

Rechtliche Unterstützung erhalten Sie dabei von einem Anwalt. Dieser kann im Vorhinein außerdem prüfen, ob Ihr Prämiensparvertrag tatsächlich über eine unwirksame Zins-Klausel verfügt.

Beachten Sie jedoch: Möchten Sie als Prämiensparer eine Nachzahlung erreichen, dürfen Sie nicht die Verjährung verpassen. Diese läuft ab dem Zeitpunkt der Kündigung und dauert drei Jahre. Ist die Verjährungsfrist abgelaufen, können Sie keine rechtlichen Schritte mehr ergreifen. Ein Anwalt, der im Bankrecht versiert ist, kann Ihnen aber dabei helfen, die Verjährung zu stoppen – etwa durch die Einleitung eines Klageverfahrens.

Wann ist die Kündigung von Prämiensparverträgen durch Banken erlaubt?

Eine Kündigung beim Prämiensparen durch die Bank kann in gewissen Fällen unwirksam sein.
Eine Kündigung beim Prämiensparen durch die Bank kann in gewissen Fällen unwirksam sein.

Nicht nur die falsche Ermittlung der Zinsen war bereits Thema vor Gericht. Rechtliche Probleme gibt es außerdem beim Prämiensparen hinsichtlich der Kündigung von Verträgen durch die Banken.

Der Hintergrund: Alte Prämiensparverträge bieten häufig noch eine sehr gute Verzinsung. Das kostet die Banken natürlich Geld.

Aus diesem Grund versuchen viele Geldinstitute, entweder durch eine Kündigung einen solchen Prämiensparvertrag aufzulösen oder aber den Sparer selbst dazu zu bewegen, zu kündigen.

Doch dürfen Banken überhaupt bei einem Prämiensparvertrag eine Kündigung aussprechen? Dies ist umstritten und häufig kommt es hierbei auch auf die im Vertrag festgelegten Einzelheiten an. Grundsätzlich gilt Folgendes:

  • Eine Kündigung ist vor Ablauf der Laufzeit in der Regel nicht erlaubt. (OLG Dresden, Az.: 8 U 1770/18)
  • Rechtens ist sie hingegen meist, wenn die höchste Stufe der Prämienstaffelung erreicht und keine feste Laufzeit vereinbart wurde. (BGH, Az.: XI ZR 345/18)

Experten raten in diesem Zusammenhang grundsätzlich dazu, dass Prämiensparer weder selbst kündigen noch einem von der Bank vorgeschlagenen Wechsel zu einem anderen Sparprodukt zustimmen sollen. Dies könnte nämlich dazu führen, dass Zinsansprüche – und damit bares Geld – verloren gehen.

Viele Verbraucher setzen sich mittlerweile gegen die Kündigung beim Prämiensparen durch die Bank zur Wehr. Schließlich besitzen sie einen attraktiven Vertrag, der ihnen gute Zinserträge plus Prämien bietet. Sind Sie selbst betroffen und droht die Bank beispielsweise beim Produkt „Prämiensparen flexibel“ mit einer Kündigung? In diesem Fall sollten Sie sich an einen Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht wenden. Dieser kann Ihren Vertrag prüfen und Sie zum weiteren Vorgehen beraten.

Quellen und weiterführende Links

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Prämiensparen: Probleme mit dem ehemals beliebten Finanzprodukt
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