Umsatzsteuer als Verkehrs- und Endverbrauchersteuer

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 23. August 2020

Wie wird die Umsatzsteuer berechnet?

Wie wird die Umsatzsteuer berechnet?

Die Umsatzsteuer nach heutigem VerstĂ€ndnis wurde zu Zeiten des Ersten Weltkrieges um 1916 eingefĂŒhrt. Um dem hohen Finanzbedarf Herr zu werden, fĂŒhrte der Staat eine sogenannte Stempelsteuer ein, welche auf Warenlieferungen erhoben wurde.

Zwei Jahre spĂ€ter löste eine Allphasen-Bruttosteuer die Stempelsteuer ab. Erstere wurde in der Bundesrepublik bis Ende 1967 und in der DDR bis 1970 genutzt. Der Steuersatz belief sich ursprĂŒnglich auf 0,5 % und wurde in den folgenden Jahrzehnten immer wieder angehoben.

1968 erfolgte innerhalb der EuropĂ€ischen Gemeinschaft eine Vereinheitlichung der Umsatzbesteuerung. ZukĂŒnftig wurde eine Mehrwertsteuer mit Vorsteuerabzug erhoben. Der Staat besteuerte also nicht mehr den Bruttobetrag, sondern das Nettoeinkommen.

Umsatzsteuer: Definition und Bedeutung

Wie die geschichtliche Darstellung zeigen konnte, unterlag die Umsatzsteuer vielen Reformen und Anpassungen. UrsprĂŒnglich wurde die Allphasen-Brutto-Umsatzsteuer genutzt. Bemessungsgrundlage war in diesem Fall der Bruttoumsatz jeder Stufe in der Wertschöpfungskette.

Die Definition der Umsatzsteuer hat sich im Laufe der Jahre verÀndert.

Die Definition der Umsatzsteuer hat sich im Laufe der Jahre verÀndert.

Demnach ergab sich die Höhe der Steuerbelastung aus der Anzahl der Stufen (sog. Kumulierungs-/Kaskadeneffekt). Leidtragender war der Endverbraucher.

Nachteilig war außerdem, dass es zu einer Wettbewerbsverzerrung kam und wenig Transparenz vorherrschte.

Um diese Nachteile auszuschalten, wird heute auf die Allphasen-Netto-Umsatzsteuer mit Vorsteuerabzug zurĂŒckgegriffen. Bemessungsgrundlage ist also nicht die Bruttosumme, sondern der Nettobetrag.

Durch den Vorsteuerabzug bleibt das Produkt in der Wertschöpfungskette umsatzsteuerfrei. Doch wer zahlt die Umsatzsteuer dann? Letztendlich muss auch in diesem Fall der Konsument den Nettobetrag plus Umsatzsteuer entrichten.

Ein Beispiel soll das Prinzip der Umsatzsteuer erklÀren:

Beginnen wir mit der Betrachtung der Unternehmer:

  1. Ein Unternehmer verkauft Holz fĂŒr Möbel an einen Zulieferer fĂŒr 50 Euro. Der Zulieferer zahlt die Rechnung inkl. Umsatzsteuer von 19 %. Der Betrag belĂ€uft sich also auf 59,90 Euro.
  2. Der Zulieferer verkauft das Holz fĂŒr 70 Euro an eine Schreiner. Der Schreiner zahlt dem Zulieferer 83,30 Euro.
  3. Der Schreiner baut einen Tisch aus dem Holz und verkauft diesen an einen Kunden fĂŒr 150 Euro. Der Kunde schuldet dem Tischler dann 178,50 Euro.

Nun ist es aber so, dass alle Unternehmer die Umsatzsteuer beim Finanzamt anmelden mĂŒssen und die Differenz aus gezahlter und erhaltender Umsatzsteuer an eben dieses ĂŒberweisen. Dies sieht dann Schritt fĂŒr Schritt wie folgt aus:

  1. Der Unternehmer hat 9,90 Euro Umsatzsteuer vom Zulieferer erhalten und ĂŒberweist diesen Betrag an das Finanzamt.
  2. Der Zulieferer erhÀlt seine bereits gezahlt Steuer vom Schreiner wieder, denn dieser zahlt im 13,30 Umsatzsteuer. Da er bereits 9,90 zahlte (Vorsteuer), darf er diese Summe abziehen. Er muss dem Finanzamt dann also nur 3,40 Euro zahlen.
  3. Auch der Schreiner erhĂ€lt seine entrichtete Umsatzsteuer – nĂ€mlich vom Endverbraucher. Dieser zahlt dem Schreiner 28,50 Euro. Auch hier wird wieder die Differenz gebildet: 28,50 – 13,30 = 15,20 Euro.

Schlussendlich haben alle Unternehmer ihre Umsatzsteuer wieder zurĂŒckerhalten und wurden steuerlich nicht belastet. Deswegen gilt die Umsatzsteuer als Verkehrsteuer. Auch ist der Begriff der indirekten Steuer zutreffend, da der Steuerschuldner (Konsument) und der wirtschaftliche Belastete nicht identisch sind.

Die UmsatzsteuersÀtze liegen in Deutschland bei 19 bzw. 7 %.

Die UmsatzsteuersÀtze liegen in Deutschland bei 19 bzw. 7 %.

Fassen wir nun die einzelnen BetrÀge der Wertschöpfungskette zusammen, wird deutlich, dass die gesamte Steuerlast beim Verbraucher liegt:

9,90 + 3,40 + 15,20 = 28,50 Euro

Deshalb kann die Umsatzsteuer auch als Verbrauchsteuer bezeichnet werden. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ergeben sich die abzufĂŒhrenden BetrĂ€ge also wie folgt:

  • vom Unternehmer 9,90 Euro
  • vom Zulieferer 3,40 Euro (dem Schreiner in Rechnung gestellt 13,30 minus Vorsteuer 9,90 Euro)
  • vom Schreiner 15,20 Euro (dem Endverbraucher in Rechnung gestellt 28,50 minus Vorsteuer 13,30 Euro)

Der Staat bzw. die BundeslÀnder verdienen also an jedem Schritt in der Wertschöpfungskette mit. Die Umsatzsteuer geht dabei zu 53,9 % an den Bund, zu 44,1 % an die LÀnder und zu 2 % an die Gemeinden.

Was besagt das Umsatzsteuergesetz?

Alles rund um die Umsatzsteuerpflicht regelt das Umsatzsteuergesetz (UStG). Nach § 1 UStG werden alle Lieferungen, die Unternehmen im Inland gegen Entgelt mit dem Unternehmen erbringen, besteuert. Gleiches gilt fĂŒr die Einfuhr und einen innergemeinschaftlichen Erwerb.

Von einem innergemeinschaftlichen Erwerb wird gesprochen, wenn eine Ware zwischen zwei Mitgliedsstaaten (EU) gegen Entgelt ausgetauscht wird. Entgelt meint in diesem Zusammenhang alle Aufwendungen und Leistungen, welche aufgebracht werden, um die Ware zu erhalten, abzĂŒglich der Umsatzsteuer.

Nach § 2 UStG gilt als Unternehmer, wer gewerblichen oder beruflichen TĂ€tigkeiten selbststĂ€ndig nachgeht. Dabei kommt es nicht darauf an, ob das Unternehmen auch einen Gewinn erzielt. Im Gegensatz dazu wird eine TĂ€tigkeit nicht selbststĂ€ndig ausgeĂŒbt, wenn eine natĂŒrliche Person so in ein Unternehmen eingegliedert ist, dass sie Anweisungen befolgen muss.

Nach § 12 UStG betrĂ€gt der Regelsteuersatz 19 %. Nach § 10 UStG bildet das Entgelt die Bemessungsgrundlage fĂŒr die Umsatzsteuer.

Trotz Umsatzsteuerbefreiung ist eine Rechnung Pflicht.

Trotz Umsatzsteuerbefreiung ist eine Rechnung Pflicht.

Unter gewissen Voraussetzungen kann nach § 4 UStG eine Steuerbefreiung gestattet werden.

Diese ist beispielsweise auf innergemeinschaftliche Lieferungen zu erhalten. Auch UmsÀtze aus der Luft- und Seeschifffahrt sind nicht umsatzsteuerpflichtig.

Eine innergemeinschaftliche Lieferung liegt nach § 6a UStG vor, wenn die Ware in ein Gemeinschaftsgebiet befördert wurde. Der Abnehmer muss allerdings Unternehmer sein, welcher das Produkt fĂŒr sein Unternehmen gekauft hat.

UmsĂ€tze aus der Luft- und Seeschifffahrt sind steuerfrei. Gleiches gilt zum Beispiel auch fĂŒr die Lieferung von Gold an die Zentralbanken.

GemeinnĂŒtzige Vereine und Organisationen können eine SteuervergĂŒtung beantragen. Allerdings muss die Ware an ein Drittlandgebiet geliefert und vor Ort fĂŒr karitative, humanitĂ€re oder erzieherische Zwecke eingesetzt werden.

Weiter muss eine Steuer angefallen sein und diese auf der Rechnung gesondert ausgewiesen werden. Der Antrag ist nach einem amtlich vorgeschriebenen Vordruck einzureichen.

Nach § 12 Abs. 2 UStG fallen auf manche UmsÀtze nur sieben % Umsatzsteuer an. Hierzu zÀhlen vor allem Grundnahrungsmittel.

Pflichten des Unternehmers

Aus dem Umsatzsteuergesetz ergeben sich verschiedene Pflichten fĂŒr den Unternehmer. So muss er nach § 14 UStG fĂŒr jede Ware eine Rechnung und eine Kopie ausstellen und aufbewahren.

Die Echtheit der Herkunft der Rechnung, die Unversehrtheit ihres Inhalts und ihre Lesbarkeit mĂŒssen gewĂ€hrleistet werden. Echtheit der Herkunft bedeutet die Sicherheit der IdentitĂ€t des Rechnungsausstellers. Unversehrtheit des Inhalts bedeutet, dass die nach diesem Gesetz erforderlichen Angaben nicht geĂ€ndert wurden. Jeder Unternehmer legt fest, in welcher Weise die Echtheit der Herkunft, die Unversehrtheit des Inhalts und die Lesbarkeit der Rechnung gewĂ€hrleistet werden. (§ 14 UStG)

Der HĂ€ndler ist weiter dazu verpflichtet, interne Kontrollmechanismen einzufĂŒhren, um den Verlauf der Ware und die Rechnungsstellung nachvollziehen zu können. Die Rechnung kann in Papierform oder auf elektronischem Wege ĂŒbermittelt werden.

Die Umsatzsteuer ist in Europa lĂ€nderĂŒbergreifend weitgehend gleich.

Die Umsatzsteuer ist in Europa lĂ€nderĂŒbergreifend weitgehend gleich.

Die Rechnung muss folgende Angaben enthalten:

  • vollstĂ€ndiger Namen und Anschrift des Unternehmens und des EmpfĂ€ngers
  • die Steuernummer des Unternehmens oder die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer
  • Ausstellungsdatum
  • Rechnungsnummer (fortlaufende Nummer, die nur einmal vergeben wird)
  • Menge und Art der Lieferung
  • Zeitpunkt der Lieferung
  • nach SteuersĂ€tzen und Steuerbefreiungen aufgeschlĂŒsselte Entgelte
  • anzuwendender Steuersatz, auf das Entgelt entfallender Steuerbetrag
  • ggf. Hinweis auf die Aufbewahrungspflicht

Es gilt weiter eine Aufbewahrungspflicht aller Rechnungen von zehn Jahren. Die Frist beginnt mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem diese ausgestellt wurden. Im gesamten Zeitraum muss die Rechnung unversehrt sein und den weiteren AnsprĂŒchen aus § 14 UStG entsprechen.

Wer eine Rechnung nicht richtig bzw. rechtzeitig ausstellt, riskiert ein Bußgeld von 5.000 Euro. Wer die Rechnung oder andere beweiskrĂ€ftige Unterlagen nicht oder nicht mindestens zwei Jahre aufbewahrt, muss mit einem Bußgeld von 500 Euro rechnen.

Einfuhrumsatzsteuer: Wann muss die Umsatzsteuer gezahlt werden?

Die Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) fĂ€llt an, wenn Waren aus einem Drittland nach Deutschland eingefĂŒhrt werden. Als Drittland gilt nach § 2 Abs. 8 Außenwirtschaftsgesetz jedes Land, was außerhalb des Zollgebiets der EuropĂ€ischen Union liegt. Helgoland ist davon allerdings ausgenommen. Bemessungsgrundlage ist der entsprechende Zollwert.

Umsatzsteuer auf Ausfuhren?

Exportieren deutsche Unternehmen in ein Drittland, so können diese Produkte als Ausfuhrlieferung steuerfrei abgerechnet werden. Um die Steuerbefreiung zu erhalten, muss nachgewiesen werden, dass die Ware das Land verlassen hat. Dies muss durch einen Beleg- und Buchnachweis nachzuvollziehen sein.

BezĂŒglich der Umsatzsteuer innerhalb der EU können sich HĂ€ndler also Folgendes merken: Lieferungen an HĂ€ndler in ein anderes Mitgliedsland sich im Herkunftsland grundsĂ€tzlich umsatzsteuerfrei. Im Bestimmungsland beim EmpfĂ€nger unterliegt die Lieferung der Erwerbsbesteuerung.

Liefern Sie allerdings an eine Privatperson, unterliegt diese nicht er Erwerbsbesteuerung, weswegen die HĂ€ndler die Umsatzsteuer abfĂŒhren mĂŒssen.

Steuernummer und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

Wer Umsatzsteuer im Ausland generiert, braucht eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.

Wer Umsatzsteuer im Ausland generiert, braucht eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.

Nach § 22d UStG erhÀlt jeder Unternehmer vom zustÀndigen Finanzamt eine Steuernummer, welche auf den Rechnungen anzugeben ist.

DarĂŒber hinaus vergibt das Bundeszentralamt fĂŒr Steuern auf Antrag eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.). Diese benötigen Unternehmen, wenn sie Ware aus einem anderen Mitgliedstaat der EU steuerfrei einfĂŒhren möchten.

Allerdings kann das Bundeszentralamt die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer nur aushĂ€ndigen, wenn der HĂ€ndler auch in Deutschland als umsatzsteuerpflichtig gefĂŒhrt wird.

Damit innerhalb der EU die Umsatzsteuer richtig verrechnet wird, braucht also jeder HĂ€ndler diese Identifikationsnummer. DarĂŒber hinaus wird die Nummer benötigt, um

  • zu erkennen, ob Ware umsatzsteuerfrei geliefert werden kann
  • die steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung in der Zusammenfassenden Meldung richtig angeben zu können
  • die Rechnungen ordnungsgemĂ€ĂŸÂ erstellen zu können (beide USt-IdNr. mĂŒssen auftauchen)

Möchten HĂ€ndler auch ins europĂ€ische Ausland liefern oder Ware importieren, benötigen sie eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Diese kann beim Bundeszentralamt fĂŒr Steuern beantragt werden.

ÜberprĂŒft das Finanzamt die gezahlte Umsatzsteuer?

Da die Berechnung der Umsatzsteuer in den HĂ€nden der Unternehmen liegt, kann dieses eine Umsatzsteuer-Nachschau durchfĂŒhren (§ 27b UStG). Ein sogenannter AmtstrĂ€ger sucht dann das Unternehmen auf und sieht die GeschĂ€ftsunterlagen durch. Der Chef muss dem Mitarbeiter des Finanzamts zu allen Unterlagen Zugang verschaffen.

Umsatzsteuer berechnen und abfĂŒhren: So funktioniert das System

Wer ist umsatzsteuerpflichtig?

Wer ist umsatzsteuerpflichtig?

Die sogenannte Umsatzsteuerlast können Sie berechnen. Dies ist nicht nur fĂŒr die HĂ€ndler interessant, sondern auch fĂŒr die Konsumenten, da sie so die von ihnen gezahlten Steuern ausrechnen können.

DarĂŒber hinaus muss jeder Unternehmer regelmĂ€ĂŸig folgende Rechnungen anwenden, da er die zu erwartende Umsatzsteuer im Vorhinein an das Finanzamt ĂŒberweisen muss (Soll-Besteuerung).

Was ist die Umsatzsteuerlast? Das ist die Differenz aus der angefallenen Umsatzsteuer und der abzuziehenden Vorsteuer. Diese Summe muss an das Finanzamt ĂŒberwiesen werden.

Wie wird die Umsatzsteuer berechnet?

Um die Umsatzsteuer in der Rechnung richtig anzugeben, muss diese im Vorhinein errechnet werden. Sofern Sie den Brutto– und Nettobetrag wissen, gestaltet sich die Berechnung denkbar einfach:

Mehrwertsteuerbetrag = Bruttobetrag – Nettobetrag
Haben Sie den Nettobetrag nicht zur Hand, wissen aber den Bruttobetrag, hilft folgende Formel. Der Mehrwertsteuersatz belÀuft sich in aller Regel auf 19&nbsp%, bei Grundnahrungsmitteln ist gelegentlich mit 7 % zu rechnen.

Nettobetrag = Bruttobetrag Ă· (1 + Mehrwertsteuersatz)
Den Bruttobetrag sollten sowohl HÀndler wie auch Konsumenten immer parat haben, denn das ist der Betrag, der letztendlich immer zu zahlen ist.

Um dies nun zu verdeutlichen, berechnen wir die Umsatzsteuer an dem Beispiel, welches wir bereits nutzten: Der Schreiner verkaufte seinen Tisch an einen Konsumenten fĂŒr 178,50 Euro. Um nun den Nettobetrag zu erhalten, ist wie folgt vorzugehen:

Nettobetrag = 178,50 Euro Ă· (1 + 19 %)
Nettobetrag = 178,50 Euro Ă· (1 + 0,19)
Nettobetrag = 150 Euro
Mehrwertsteuerbetrag = 178,50 Euro – 150 Euro
Mehrwertsteuerbetrag = 28,50 Euro
Der Umrechnungsfaktor von 1,19 (1 + 0,19) ist einzusetzen, wenn die Mehrwertsteuer 19 % betrÀgt. Zahlt der HÀndler bzw. der Kunde allerdings eine Steuer von 7%, so belÀuft sich der Faktor entsprechend auf 1,07 (1+ 0,07). Möchten Sie allerdings wissen, wie der Betrag in brutto, also inklusive Umsatzsteuer, aussieht, so ist folgende Formel anzuwenden:

Bruttobetrag = Nettobetrag x (1 + Mehrwertsteuersatz)
Bruttobetrag = 150 Euro x (1 + 19%) [oder 7 %]
Bruttobetrag = 150 Euro x 1,19 [oder 1,07 %]
Bruttobetrag = 178,50 Euro

Umsatzsteuer-Voranmeldung

Wie bereits erwĂ€hnt, mĂŒssen die Unternehmer eine Umsatzsteuer-Voranmeldung vornehmen. Nach § 18 UStG mĂŒssen diese monatlich oder vierteljĂ€hrlich die angefallene Umsatzsteuer an das Finanzamt melden und dann abfĂŒhren.

Umsatzsteuer: Auch internationale Regelungen sind zu beachten.

Umsatzsteuer: Auch internationale Regelungen sind zu beachten.

Aus der Umsatzsteuerlast des Vorjahres ergibt sich der Abgabezeitraum fĂŒr die Voranmeldung des laufenden Jahres. Allerdings hĂ€lt das Gesetz gerade fĂŒr kleine Unternehmen mit einer geringen Umsatzsteuerzahllast eine Erleichterung bereit.

Unternehmen, die im Vorjahr maximal 1.000 Euro Umsatzlast aufwiesen, können von der Abgabe einer Umsatzsteuer-Voranmeldung befreit werden. Gleichzeitig bedeutet dies, dass auch keine Vorauszahlungen entrichtet werden mĂŒssen.

Wer eine Vorjahres-Zahllast zwischen 1.000 und 7.500 Euro aufweisen kann, muss die Umsatzsteuer-Voranmeldung vierteljĂ€hrlich einreichen und entrichten. Liegt die Zahllast darĂŒber, muss monatlich gezahlt werden.

Nach § 18 Abs. 2a UStG haben Unternehmer, die aus dem Vorjahr einen Überschuss von 7.500 Euro haben, ein Wahlrecht. Sie dĂŒrfen an Stelle des Kalendervierteljahres auch monatsweise abrechnen. Dann muss das Unternehmen bis zum 10. Februar die Voranmeldung erstmals einreichen. Die entsprechende Wahl gilt dann fĂŒr das ganze Kalenderjahr.

Die Voranmeldung ist bis zum zehnten Tag nach Ablauf eines Voranmeldezeitraums beim zustĂ€ndigen Finanzamt einzureichen (§ 18 Abs. 1 UStG). GrundsĂ€tzlich können Unternehmen eine DauerfristverlĂ€ngerung beantragen. Diese ist formlos und ohne BegrĂŒndung an das Finanzamt zu senden.

Der Antrag wird meist genehmigt und rĂ€umt den HĂ€ndlern einen Monat mehr Zeit ein. Allerdings mĂŒssen die Unternehmen eine Sondervorauszahlung in der Höhe von 1/11 der gesamten Vorauszahlung des Vorjahres leisten.

FĂŒr die vierteljĂ€hrliche Voranmeldung ist eine entsprechende VerlĂ€ngerung ebenfalls zu beantragen. In diesem Fall verzichtet das Finanzamt allerdings auf eine Vorauszahlung.

Der Unternehmer muss die Umsatzsteuer online voranmelden und dann abfĂŒhren. Im Vorfeld muss diese also durch eine Selbstveranlagung selbststĂ€ndig ermittelt werden – dies bedeutete viel Arbeit, weswegen viele Unternehmer die DauerfristverlĂ€ngerung nutzen.

Soll- und Ist-Besteuerung

RegelmĂ€ĂŸig unterliegt die Umsatzsteuer der Soll-Besteuerung („Besteuerung nach dem vereinbarten Entgelt“). Konkret bedeutet dies, sobald die Rechnung an den EmpfĂ€nger ging, muss die Umsatzsteuer angemeldet und abgefĂŒhrt werden.

Bei der Umsatzsteuer wird zwischen einer Ist- und einer Soll-Besteuerung unterschieden. Letztere fordert eine gewisse LiquiditÀt.

Bei der Umsatzsteuer wird zwischen einer Ist- und einer Soll-Besteuerung unter­schieden. Letztere erfordert LiquiditÀt.

Wann der EmpfÀnger die Rechnung bezahlt, ist unerheblich. In den meisten FÀllen erhielt der Unternehmer sein Geld also noch nicht und muss dennoch eine Zahlung an das Finanzamt leisten.

Bei der Ist-Besteuerung handelt es sich genau um das Gegenteil: Die Zahlung an das Finanzamt muss erst erfolgen, wenn der Kunde die Rechnung auch bezahlt hat. Die Umsatzsteuer ist entsprechend erst dann bei der Umsatzsteuer-Voranmeldung anzugeben. In diesem Fall wird also von einem vereinnahmten Entgelt gesprochen. Umgangssprachlich wird auch der Begriff „vereinnahmte Umsatzsteuer“ genutzt.

Die Ist-Besteuerung kann nur beantragt werden, wenn der Jahresumsatz unter 500.000 Euro liegt oder das Unternehmen von der BuchfĂŒhrungspflicht befreit ist.

VorsteuerĂŒberhang: Erstattung durch das Finanzamt

Der VorsteuerĂŒberhang ist das Gegenteil von der Zahllast. Aus diesem Grunde liegt auch die gleiche Formel zu Grunde:

Umsatzsteuer – Vorsteuer = Zahllast bzw. VorsteuerĂŒberhang, wenn Ergebnis negativ

Anders ausgedrĂŒckt: Ist die Vorsteuer beim Einkauf höher gewesen als die Umsatzsteuer aus dem Weiterverlauf, liegt ein VorsteuerĂŒberhang vor.

Dieses PhÀnomen kommt immer dann zum Tragen, wenn ein Unternehmen in der Wertschöpfungskette keinen Mehrwert geschaffen hat. Die in Rechnung gestellte Umsatzsteuer ist bereits beim Finanzamt gemeldet, der Betrag ist höher als die selbst in Rechnung gestellte Umsatzsteuer.

In der Praxis werden Vor- und Umsatzsteuer auf zwei unterschiedlichen Konten gefĂŒhrt. Dies bedeutet dann, dass auf dem Konto aus dem Verkauf Steuern zu finden sind, aber auf dem Konto der Umsatzsteuer geht weniger aus dem Verkauf ein.

Das Konto, welches den niedrigeren Saldo anzeigt, wird dann entsprechend ausgeglichen. Der schließlich entstehende VorsteuerĂŒberhang wird durch das Finanzamt ausgeglichen.

SteuererklĂ€rung fĂŒr die Umsatzsteuer: Welches Formular genutzt werden muss

UnabhĂ€ngig von der Umsatzsteuer-Voranmeldung mĂŒssen die Unternehmen jĂ€hrlich eine UmsatzsteuererklĂ€rung abgeben. Diese ist auf elektronischem Wege an das zustĂ€ndige Finanzamt zu ĂŒbersenden.

Eine SteuererklĂ€rung fĂŒr die Umsatzsteuer ist Pflicht.

Eine SteuererklĂ€rung fĂŒr die Umsatzsteuer ist Pflicht.

Die SteuererklĂ€rung ist bis zum 31. Juli des Folgejahres einzureichen. Wer die Hilfe eines Steuerberaters in Anspruch nimmt, hat bis Ende Februar des ĂŒbernĂ€chsten Jahres Zeit.

Verschiedenste Anlagen und Vordrucke sind einzureichen, dazu zÀhlen:

  • Vordruck USt 2A: Diesen Vordruck mĂŒssen alle Unternehmer, die ihren Sitz in Deutschland haben, ausfĂŒllen und abgeben.
  • Anlage UR: Wer Ware ausfĂŒhrte, die von der Umsatzsteuer befreit ist, muss diese Anlage nutzen.
  • Anlage UN: Unternehmer, die im Ausland ansĂ€ssig sind und Lieferungen an Endverbraucher ins Gemeinschaftsgebiet tĂ€tigten, mĂŒssen diese Anlage ausfĂŒllen.

Wer ein Formular fĂŒr die Umsatzsteuer und die entsprechende ErklĂ€rung sucht, findet diese als Download auf der Internetplattform des Bundesfinanzministeriums. Über den MenĂŒpunkt Steuerformulare gelangen Sie zu verschiedenen Ordnern. Die Unterlagen fĂŒr die Umsatzsteuer sind im entsprechenden Ordner zu finden.

ZusĂ€tzlich zu den oben genannten Formularen stellt das Bundesfinanzministerium zwei weitere hilfreiche Vordrucke zur VerfĂŒgung:

  • USt 2 E: Anleitung zur UmsatzsteuererklĂ€rung
  • USt 4 E: Anleitung zur Anlage UR

Um die UmsatzsteuererklĂ€rung auszufĂŒllen, benötigen Sie ihre Steuernummer. DarĂŒber hinaus mĂŒssen Sie wissen, welche UmsĂ€tze Sie zum allgemeinen Steuersatz und welche sie zum ermĂ€ĂŸigten Steuersatz erwirtschaftet haben.

In Zeile 61 bis 71 der Anlage USt 2 A sind die abziehbaren VorsteuerbetrĂ€ge einzutragen. In Zeile 91 bis 109 mĂŒssen Umsatzsteuern eingetragen werden, die noch zu entrichten ist.

ErmĂ€ĂŸigter Steuersatz: Auf verschiedene Waren werden nur 7 % Umsatzsteuer erhoben. Dies gilt beispielsweise fĂŒr Lebensmittel, BĂŒcher, Zeitungen und KunstgegenstĂ€nde. Auf alle anderen Produkte wird der Regelsteuersatz von 19 % erhoben.

Das gilt fĂŒr Kleinunternehmer und Freiberufler

Umsatzsteuer bei einem Kleinunternehmer: Hier gelten besondere Regelungen.

Umsatzsteuer bei einem Kleinunternehmer: Hier gelten besondere Regelungen.

Kleinunternehmer, ExistenzgrĂŒnder und Freiberufler genießen einige Vorteile. GemĂ€ĂŸ der §§ 18 und 19 UStG gelten bei der Handhabung der Umsatzsteuer bei einem Kleinunternehmer einige Ausnahmen.

So besteht laut § 18 UStG die Option, von der Abgabe der Voranmeldung und der Zahlung der Vorauszahlung befreit zu werden.

Voraussetzung ist, dass im zurĂŒckliegenden Kalenderjahr nicht mehr als 1.000 Euro an Steuern anfielen.

Laut § 19 UStG (Kleinunternehmerregelung) mĂŒssen Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer zahlen. BelĂ€uft sich der Umsatz inkl. der Steuern im vergangenen Jahr auf maximal 17.500 Euro und im laufenden Jahr maximal 50.00 Euro, muss keine Umsatzsteuer gezahlt werden.

Auch wenn von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, mĂŒssen Rechnungen geschrieben werden. Aus diesen mĂŒssen der Bruttowert (ohne der Angabe der Umsatzsteuer) ersichtlich sein. Weisen die Unternehmer allerdings die Umsatzsteuer als einzelne Angabe aus, muss diese auch abgefĂŒhrt werden.

Sind Kleinunternehmer von der Buchhaltungspflicht befreit, können sie eine Ist-Besteuerung beantragen. Auch Freiberufler können die Umsatzsteuer erst bei Erhalt angeben und abfĂŒhren.

Welche Optionen haben ExistenzgrĂŒnder?

ExistenzgrĂŒnder mĂŒssen fĂŒr die ersten zwei Kalenderjahre ihre Umsatzsteuer-Voranmeldung monatlich abgeben. Der Umsatz muss dabei geschĂ€tzt werden und dem Finanzamt glaubhaft vermittelt werden. Überschreitet der geschĂ€tzte Umsatz die 17.500 Euro findet die Kleinunternehmerregelung keine Anwendung.

Die Umsatzsteuer-Voranmeldung muss auch von ExistenzgrĂŒndern am 10. Tag nach Ablauf des Anmeldezeitraums vorliegen. Eine FristverlĂ€ngerung kann aber beantragt werden. Allerdings fĂ€llt, wie fĂŒr alle Unternehmen, die Sondervorauszahlung von 1/11 der geschĂ€tzten Jahresstreuer an.

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Umsatzsteuer als Verkehrs- und Endverbrauchersteuer
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Ein Gedanke zu „Umsatzsteuer als Verkehrs- und Endverbrauchersteuer

  1. Hans

    wenn ich als Kleinunternehmer Ware in Deutschland einkaufe und in ein Drittland exportiere, kann ich dann die gezahlte Umst. erstattet bekommen?

    Antworten

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