Überstunden auszahlen lassen: Was sollten Arbeitnehmer beachten?

Wie werden Überstunden eigentlich ausbezahlt? Hier erfahren Sie mehr dazu!

Wie werden Überstunden eigentlich ausbezahlt? Hier erfahren Sie mehr dazu!

Überstunden gehören bei vielen Arbeitnehmern zum Arbeitsalltag wie das tägliche Pendeln dazu. Grundsätzlich sind Arbeitnehmer allerdings nicht dazu verpflichtet, Überstunden zu leisten. Sind Überstunden allerdings eindeutig im Tarif- oder Arbeitsvertrag aufgeführt, müssen sie auch geleistet werden.

Auch bei personellen Engpässen kann der Arbeitgeber Überstunden anordnen. Besonders in kleineren Unternehmen oder Abteilungen kann es öfters vorkommen, dass Überstunden gemacht werden müssen. In diesem Zusammenhang machen sich viele Arbeitnehmer darüber Gedanken, ob es sich lohnt, die Überstunden auszahlen zu lassen.

Wie erfolgt die Überstundenbezahlung? Wann ist eine Vergütung von Überstunden überhaupt möglich? Müssen ausgezahlte Überstunden versteuert werden? Wann können Sie statt einer Bezahlung von Überstunden einen Freizeitausgleich verlangen? Mehr dazu erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Auszahlung von Überstunden: Wann geht das?

Laut § 3 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) darf die tägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten. Dabei sind Ruhepausen nicht mitzurechnen. Der Arbeitgeber kann unter besonderen Umständen – wie einem personellen Engpass oder im Arbeitsvertrag vereinbart – die Arbeitszeit auf bis zu zehn Stunden verlängern, sofern innerhalb der nächsten sechs Monate ein Freizeitausgleich geschaffen werden kann.

Sofern der Arbeitgeber keinen Freizeitausgleich schaffen kann, können Arbeitnehmer sich Überstunden auch auszahlen lassen. Gesetzlich ist die Entlohnung von Überstunden allerdings nicht geregelt. Daher muss sich aus dem Tarif- oder Arbeitsvertrag ergeben, dass die Überstunden entlohnt werden.

Enthält der Vertrag keine Regelungen, um sich die Überstunden ausbezahlen zu lassen, muss Ihr Arbeitgeber die Mehrarbeit aber dennoch entlohnen, sofern dies betriebs- oder branchenüblich ist. Dies ist gesetzlich in § 612 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) festgeschrieben.

Laut eines Urteils des Bundesarbeitsgerichts vom 22. Februar 2012 (Az. 5 AZR 765/10) sind leitende Angestellte von der Regelung jedoch ausgenommen. Sie können sich keine Überstunden auszahlen lassen, wenn Sie mehr als die Beitragsbemessungsgrenze von jährlich 78.000 Euro in West- und 69.600 Euro in Ostdeutschland im Jahr 2018 verdient haben.

“Die Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten.” – Ist das rechtens?

Überstunden auszahlen: Die Steuer wird auch bei Mehrarbeit fällig.

Überstunden auszahlen: Die Steuer wird auch bei Mehrarbeit fällig.

In vielen Arbeitsverträgen sind Klauseln enthalten, in welchen steht, dass die Überstunden pauschal mit dem monatlichen Gehalt abgegolten seien. Aber nicht alle dieser Klauseln sind arbeitsrechtlich wirksam. Laut eines Urteils vom Bundesarbeitsgericht vom 1. September 2010 (Az. 5 AZR 517/09) ist beispielsweise folgende Klausel unwirksam:

Erforderliche Überstunden werden nicht gesondert vergütet, sondern sind mit dem Gehalt abgegolten.

In diesem Fall kann der Arbeitnehmer nicht erkennen, wann die Mehrarbeit erforderlich ist. Anders verhält sich dies allerdings, wenn die Klausel einen zeitlichen Umfang von beispielsweise drei Stunden pro Woche enthält.

Hier entschied das Bundesarbeitsgericht in einem Urteil vom 16. Mai 2012 (Az. 5 ARZ 331/11), dass dies wirksam ist, da die Überstunden zeitlich in einem üblichen Maß eingegrenzt sind. Mehrarbeit, die darüber hinaus geleistet wird, muss der Arbeitgeber allerdings vergüten.

Überstunden auszahlen: Nach einer Kündigung möglich?

Damit für Ihre geleisteten Überstunden eine Bezahlung erfolgt, sollten Sie die Mehrarbeit genauestens dokumentieren, sofern im Unternehmen keine Zeiterfassung vorhanden ist. Nur so können Sie detailliert nachweisen, wann Sie aus welchen Gründen länger gearbeitet haben.

Grundsätzlich haben Sie auch die Möglichkeit, Ihre angesammelten Überstunden bei einer Kündigung des Arbeitsvertrags auszahlen zu lassen. Bei Überstunden ist eine Auszahlung bei einer Kündigung vor allem dann möglich, wenn kein Freizeitausgleich gewährleistet werden kann.

Denken Sie allerdings unbedingt daran: Lassen Sie sich die Überstunden auszahlen, sind Steuern fällig. Steuerrechtlich handelt es sich dabei nämlich um normalen Arbeitslohn. Ausnahmen bilden Zuschläge für die Sonn- und Feiertags- sowie die Nachtarbeit.

Alternative: Überstunden mit Freizeit ausgleichen

Wollen Sie sich die Überstunden auszahlen lassen, berechnen Sie die Anzahl bestenfalls im Voraus.

Wollen Sie sich die Überstunden auszahlen lassen, berechnen Sie die Anzahl bestenfalls im Voraus.

Grundsätzlich ist der Arbeitnehmer nicht dazu verpflichtet, sich die Überstunden auszahlen zu lassen. Es besteht zusätzlich oft die Möglichkeit, einen Freizeitausgleich zu verlangen. Sofern im Arbeits- oder Tarifvertrag nichts zur Bezahlung oder zum sogenannten Freizeitausgleich enthalten ist, können Sie Ihren Arbeitgeber direkt darauf ansprechen.

Dies hat vor allem den Vorteil, dass Sie mehrere Tage früher Feierabend oder gar eine Woche frei machen können. Im Rahmen der Work-Life-Balance haben Sie von dieser Vereinbarung in der Regel mehr, als wenn Sie sich die Überstunden auszahlen lassen und Steuern dafür entrichten müssen.

Generell kann Ihr Chef entscheiden, wann Sie die Überstunden abfeiern müssen. Er muss allerdings Ihre Belange dabei ausreichend berücksichtigen. Zu diesem Entschluss kam das Bundesarbeitsgericht in einem Urteil vom 19. Mai 2009 (Az. 9 AZR 433/08).
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Überstunden auszahlen lassen: Was sollten Arbeitnehmer beachten?
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Über den Autor:

Jana studierte Germanistik, Philosophie und Englische Literaturwissenschaften an der Universität Greifswald. Aufgrund jahrelanger Hilfstätigkeiten in mehreren Anwaltskanzleien vor und während des Studiums entwickelte sie ein gutes Gespür für komplexe juristische Fragestellungen. Ihr besonderes Interesse gilt dabei bis heute dem Familien- und Erbrecht.

6 Gedanken zu „Überstunden auszahlen lassen: Was sollten Arbeitnehmer beachten?

  1. Dirk F.

    Hallo ich habe mein Arbeitsverhältnis gekündigt laut meiner Stempelkarte habe ich noch 260 Überstunden da mein Arbeitgeber meine Spesen verrechnet hat Brutto auf Gehalt wollte ich nun als Ausgleich diese Stunden ohne Steuer erhalten kann ich das machen?

    Laut Vertrag gilt all inclusive mit 45 Wochenstunden ohne Bezahlung?

    Antworten
  2. Alex.

    Hallo
    Mein Arbeitgeber hat das 3 mal meine Überstunden ausgezahlt.
    Ohne das er mich gefragt hat,
    Darf er das? Laut meines Wissens muss er mich fragen ob er die Überstunden auszahlt oder das ich Sie abfeiern und im Arbeitsvertrag steht nicht davon.

    Würde mich auf eine Antwort freuen

    Antworten
    1. Bekir

      Hallo
      Mein Arbeitgeber hatte mich letztes Jahr darauf angesprochen das ich Überstunden hätte .
      Es ist bis heute nichts passiert weder Geld oder frei bekommen .

      Antworten
  3. Marcel.F

    Hallo mein Arbeitgeber hat mir eine Woche überstundenfrei gegeben aber mit die Woche komplett nicht bezahlt ist das rechtens?

    Lg

    Antworten
  4. Steffi G

    Ich habe 278 Überstunden welche durch den Arbeitgeber ohne mein Wissen bezahlt wurden. Ich möchte dies aber nicht. Wie kann ich mich wehren. LG Steffi

    Antworten
    1. Anwalt.org

      Hallo Steffi G,

      sprechen Sie zunächst mit Ihrem Arbeitgeber und klären Sie warum dies so gehandhabt wurde. Prüfen Sie auch was diesbezüglich in Ihrem Arbeitsvertrag geregelt ist. Wenden Sie sich am besten an eine Anwalt für Arbeitsrecht und lassen sich von diesem zum richtigen Vorgehen beraten.

      Ihr Team von anwalt.org

      Antworten

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