Verbraucherschutz bei einem Kredit – Diese Rechte haben Sie

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 25. Mai 2020

Der Verbraucherschutz in puncto Kredit soll die Rechte von Verbrauchern stärken.

Der Verbraucherschutz in puncto Kredit soll die Rechte von Verbrauchern stärken.

Laut Angaben der Wirtschaftsauskunftei SCHUFA liefen im Jahr 2017 insgesamt 17,9 Millionen Ratenkredite. Im Vergleich zum Vorjahr stellt das ein Plus von 3,5 Prozent dar. Rund 97,8 Prozent aller Kreditnehmer zahlen ihr Darlehen pünktlich zurück – die Zahlungsmoral der Deutschen ist also äußerst hoch.

Neu aufgenommen wurden im Jahr 2017 sogar mehr als 8 Millionen Ratenkredite – so viel wie noch nie zuvor. Die Kreditsumme lag durchschnittlich bei 10.272 Euro. Besonders oft werden Kredite dieser Art für den Kauf von Möbeln, Autos sowie Elektrogeräten verwendet.

Wer auf der Suche nach einem Kredit ist, fühlt sich nicht selten angesichts der Vielzahl von Angeboten erschlagen. Viele Laien haben zudem Probleme damit, die vielen Fachbegriffe der Finanzbranche zu verstehen. Des Weiteren birgt ein Kredit von der Bank immer auch das Risiko, dass sich ein Verbraucher überschuldet. Aus diesem Grund ist der Verbraucherschutz bei einem Kredit von besonderer Bedeutung.

Welche Bedeutung hat der Verbraucherschutz bei Darlehen?

Laut Verbraucherschutz müssen Kreditverträge gewisse Informationen enthalten.

Laut Verbraucherschutz müssen Kreditverträge gewisse Informationen enthalten.

Grundsätzlich sind das Verbraucherrecht und der Verbraucherschutz dafür zuständig, die Interessen und Rechte von Verbrauchern zu stärken und zu wahren. Von großer Bedeutung ist der Verbraucherschutz in puncto Finanzen. Laien verfügen in der Regel über weniger Know-how und andere Ressourcen als Banken und andere Unternehmen. Der Verbraucherschutz sorgt dafür, dass dieses Ungleichgewicht verringert wird.

Rund um das Thema Finanzen sind Kredite natürlich ein wichtiges Thema. Mit ihnen können Verbraucher Dinge finanzieren, für die sie momentan nicht das nötige Geld übrig haben. Mit Hilfe von monatlichen Raten wird das Darlehen dann abbezahlt.

Auch hier gilt: Laien müssen vor schlechter Beratung und vor Betrügern geschützt werden. Dafür sorgt der Verbraucherschutz bei einem Kredit.

Gesetzliche Regelungen zum Verbraucherschutz: Kreditgesetz & Co

Verschiedene Gesetze regeln den Verbraucherschutz bezüglich Kreditvergabe, Kreditgebühren & Co. Dazu gehören unter anderem das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sowie das Kreditwesengesetz (KWG). Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Bank Sie über die Bedingungen bezüglich der Vergabe des Kredites aufklärt. Sie müssen unter anderem über Ihr Widerrufsrecht informiert werden. Des Weiteren muss dem Vertrag unter anderem der genaue Darlehensbetrag sowie der effektive Jahreszins zu entnehmen sein.

Zusätzlich gilt laut § 18a Abs. 1 KWG Folgendes:

Die Kreditinstitute prüfen vor Abschluss eines Verbraucherdarlehensvertrags die Kreditwürdigkeit des Darlehensnehmers. Das Kreditinstitut darf den Verbraucherdarlehensvertrag nur abschließen, wenn aus der Kreditwürdigkeitsprüfung hervorgeht, dass bei einem Allgemein-Verbraucherdarlehensvertrag keine erheblichen Zweifel an der Kreditwürdigkeit bestehen und dass es bei einem Immobiliar-Verbraucherdarlehensvertrag wahrscheinlich ist, dass der Darlehensnehmer seinen Verpflichtungen, die im Zusammenhang mit dem Darlehensvertrag stehen, vertragsgemäß nachkommen wird.

Banken müssen also prüfen, ob ein Kreditnehmer dazu in der Lage ist, den Kredit zurückzuzahlen. So wird für den Verbraucherschutz bei einem Kredit gesorgt. Banken dürfen zusätzlich keine Wucherzinsen verlangen. Lockangebote sollen dadurch verhindert werden, dass eine Bank, die für einen Kredit wirbt, den sogenannten 2/3-Zins angeben muss. Dabei handelt es sich um den Zinssatz, den zwei Drittel aller Kunden mindestens erhalten.

Änderungen durch die Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Mehr Verbraucherschutz beim Kredit für Immobilien: Die Bonität muss gründlicher geprüft werden.

Mehr Verbraucherschutz beim Kredit für Immobilien: Die Bonität muss gründlicher geprüft werden.

Eine weitere gesetzliche Vorgabe, welche den Verbraucherschutz bei einem Kredit stärken soll, ist die Wohnimmobilienkreditrichtlinie der Europäischen Union, welche in Deutschland seit Ende März 2016 gültig ist. Neben dem Schutz der Verbraucher sieht sie auch die bessere Absicherung der Banken bezüglich der Vergabe von Krediten vor.

Doch welche Grundsätze gelten nun genau? Der wichtigste Punkt, der Kreditnehmer und -geber gleichermaßen betrifft, besteht darin, dass die Bonität von Personen, die einen Kredit für den Immobilienkauf bzw. -bau aufnehmen möchten, sehr viel gründlicher überprüft werden muss. Vor dieser gesetzlichen Änderung achteten Banken vor allem auf den finanziellen Ist-Zustand einer Person: Welche Einnahmen und Ausgaben hat der zukünftige Kreditnehmer im Moment, hat er bereits Schulden, wie viel Geld steht ihm zur Verfügung?

Durch die Wohnimmobilienkreditrichtlinie muss die Bank nun auch einen Blick in die Zukunft werfen. Sie muss bewerten, wie sich die Zahlungsfähigkeit des Kreditnehmers in den nächsten Jahren entwickeln wird. Der Verbraucherschutz bei einem Kredit soll dadurch dafür sorgen, dass sich Kreditnehmer mit dem Darlehen nicht finanziell übernehmen.

Bei langen Kreditlaufzeiten, die bei der Immobilienfinanzierung die Regel sind, ist das Einschätzen der zukünftigen finanziellen Lage zumeist jedoch gar nicht so einfach. Es muss unter anderem auf die folgenden Punkte geachtet werden:

  • Welchen Beruf hat der Kreditnehmer und in welcher Branche ist er tätig? Daraus kann geschlossen werden, wie sicher der Arbeitsplatz ist.
  • Wie alt ist der Kreditnehmer? Mit welcher Rente ist zu rechnen? Die Bank möchte wissen, ob er auch noch im höheren Alter genug Geld hat, um seine Raten zu zahlen.
  • Wie steht es um die Familienplanung? Möchte ein Paar Nachwuchs haben, ist damit zu rechnen, dass einer oder beide Partner Verdienstausfälle aufgrund von Elternzeit etc. haben werden.

Banken haften nun zudem, wenn ihnen eine fehlerhafte Kreditberatung nachgewiesen werden kann. So soll der Druck erhöht werden, dass der Verbraucherschutz bei einem Kredit eingehalten wird. Allerdings ließ sich in der ersten Zeit nach Einführung der Wohnimmobilienrichtlinie feststellen, dass Banken aufgrund des größeren Drucks weniger Kredite vergaben. Teils sei die Ablehnungsrate um bis zu 30 Prozent gestiegen.

Eine weitere Neuerung, die den Verbraucherschutz bei einem Kredit betrifft: Der Wert der Immobilie, für deren Kauf ein Kredit aufgenommen wird, gilt nun nicht mehr als Sicherheit und darf keinen Einfluss auf die Bewertung der Kreditwürdigkeit haben.

Plus für den Verbraucherschutz: Darlehensvertrag widerrufen

Regelung für den Verbraucherschutz: Gewisse Darlehensgebühren sind unzulässig.

Regelung für den Verbraucherschutz: Gewisse Darlehensgebühren sind unzulässig.

Die Entscheidung, einen Kredit bei der Bank abzuschließen, sollte nicht leichtfertig gefällt werden. Schließlich bindet sich der Kreditnehmer – je nach Laufzeit – lange an den Vertrag. Doch auch nach reiflicher Überlegung kann es dazu kommen, dass den Betroffenen nach Unterzeichnung des Vertrages Zweifel überkommen.

Die gute Nachricht lautet: Dank Regelungen für den Verbraucherschutz dürfen Kreditverträge innerhalb von 14 Tagen nach deren Abschluss widerrufen werden. Seit März 2016 gilt dies auch für sogenannte „Null-Prozent-Finanzierungen“. Die Kreditsumme muss jedoch bei über 200 Euro liegen.

Beachten Sie jedoch Folgendes: Zwar besagt die Regelung für mehr Verbraucherschutz bei einem Kredit, dass Sie widerrufen dürfen. Jedoch müssen Sie daran denken, dass Sie das Geld, insofern dieses bereits ausgezahlt wurde, in der Regel innerhalb von 30 Tagen komplett zurückzahlen müssen.
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