Existenzminimum: Bedeutung, Höhe und Berechnung

Was bedeutet Existenzminimum?
Was bedeutet Existenzminimum?

FAQ: Existenzminimum

Wie hoch ist das gesetzliche Existenzminimum?

Es gibt kein Gesetz, welches das Existenzminimum in seiner Höhe festlegt. Maßgeblich ist der Existenzminimumbericht. In diesem wird das sächliche Existenzminimum für Kinder und Erwachsene als Angabe für das gesamte Jahr ermittelt. Mehr dazu hier.

Wie hoch ist das Existenzminimum für 1 Person?

Das Existenzminimum für 1 Person beträgt im Jahr 2025 nach dem Sozialrecht 995 Euro pro Monat gemäß der Existenzminimum-Tabelle.

Wie hoch ist das Existenzminimum für Rentner?

Das Existenzminimum für alleinstehende Rentner beträgt ebenfalls 995 Euro im Monat. Weitere Werte finden Sie hier.

Video: Was ist das Existenzminimum?

Existenzminimum: Was bleibt übrig?
Existenzminimum: Was bleibt übrig?

Existenzminimum: Definition

Das Existenzminimum dient zur Grundsicherung des Menschen.
Das Existenzminimum dient zur Grundsicherung des Menschen.

Der Begriff Existenzminimum bezeichnet einen Betrag, auf den Menschen angewiesen sind, um ihren grundlegenden Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) kam 2010 zu dem Entschluss (AZ 1 BvL 1/09), dass ein menschenwürdiges Existenzminimum im Grundgesetz (GG) verankert ist.

Genauer gesagt lässt es sich aus Art. 1 Abs. 1 GG (der Menschenwürde) in Kombination mit Art. 20 Abs. 1 GG (das Sozialstaatsprinzip) ableiten.

Doch was genau gehört eigentlich zum Existenzminimum? In der Regel wird zwischen zwei Komponenten differenziert:

  • Sächliches bzw. physisches Existenzminimum: Dieses umfasst die Mittel, die zur Befriedigung der materiellen Bedürfnisse erforderlich sind, um zu überleben. Dazu gehören Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Hygiene und Gesundheit.
  • Soziokulturelles Existenzminimum in Deutschland: Dieses garantiert über das physische Existenzminimum hinaus ein Recht auf Teilhabe am politischen, sozialen und kulturellen Leben.

Neben dem sächlichen und soziokulturellen Existenzminimum gibt es darüber hinaus ein ökologisches Existenzminimum. Vereine wie die Diakonie setzen sich dafür ein, dass bei dessen Berechnung die Folgen des Klimawandels berücksichtigt werden.

Ihrer Auffassung nach treffen die Auswirkungen von Naturkatastrophen und Extremwetterlagen sowie die damit verbundenen Preissteigerungen vor allem Menschen mit geringen finanziellen Mitteln – dies müsse bei der Berechnung des Existenzminimums berücksichtigt werden. Eine Rechtsprechung gibt es hierfür jedoch noch nicht.

Neben seiner grundrechtlichen Verankerung wird das Existenzminimum im Sozialgesetzbuch (SGB II) für Bürgergeld sowie im SGB XII für Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung konkretisiert.

Die Höhe des gesetzlichen Existenzminimums in Deutschland

Wie hoch ist das gesetzliche Existenzminimum?
Wie hoch ist das gesetzliche Existenzminimum?

Es gibt kein Gesetz, welches für das Existenzminimum eine bestimmte Höhe festlegt. Stattdessen erscheint alle zwei Jahre ein vom Statistischen Bundesamt angefertigter Existenzminimumbericht.

In diesem wird das sächliche Existenzminimum für Kinder und Erwachsene als Angabe für das gesamte Jahr ermittelt.

Dabei ist zu beachten, dass sich die einzelnen Werte am Mindestbedarf orientieren, allerdings nicht die vollständigen Wohnkosten beinhalten.

Das Existenzminimum wird zunächst ohne eine festgeschriebene Miete berechnet, da sich diese in ihrer Höhe in Deutschland erheblich unterscheiden kann.

Die angegebenen Summen stellen Richtwerte dar, die unter Umständen durch den Staat in Form des Wohngelds aufgestockt werden müssen.

Wie kann man das Existenzminimum monatlich berechnen?

Grundlage für die Existenzminimum-Berechnung in Deutschland ist der sozialrechtliche Regelbedarf gemäß den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts. Darunter fallen:

  • Der Regelbedarf im Hinblick auf Nahrung, Körperpflege und Hausrat
  • Bildungs- und Teilhabeleistungen für Kinder wie Schulbedarf oder Mitgliedschaften in Sport- oder Musikvereinen
  • Kosten für Wohnraum
  • Kosten für Heizung und Warmwasser

Demgegenüber werden folgende Posten nicht bei der Berechnung vom Existenzminimum berücksichtigt:

  • Alkohol
  • Zigaretten
  • Kraftstoffe wie Benzin
  • Kosten für Glücksspiele

Je nach Bedarfsgruppe fällt das Existenzminimum unterschiedlich hoch aus.

Existenzminimum: Tabelle für die Jahre 2025 und 2026

Die Tabelle zeigt, wie hoch das jährliche Existenzminimum für die jeweilige Bedarfsgruppe im Jahr 2025 und 2026 ist.

Alleinstehende 2025Alleinstehende 2026Ehepaar 2026Kinder 2025Kinder 2026
Regelsatz6.756 €6.756 €12.444 €4.764 €4.764 €
Bildung und Teilhabe---348 €348 €
Unterkunft4.092 €4.212 €6.324 € 1.236 €1.272 €
Heizkosten1.092 €1.128 €1.524 €300 €312 €
sachliches Existenzminimum11.940 €12.096 €19.992 €6.648 €6.696 €
steuerlicher Freibetrag12.096 €12.348 €24.696 €6.672 €6.828 €
Wie hoch ist das Existenzminimum für Ehepaare?
Wie hoch ist das Existenzminimum für Ehepaare?

Alleinstehenden steht im Jahr 2025 ein sächliches Existenzminimum in Höhe von 11.940 Euro zur Verfügung, während der steuerliche Freibetrag bei 12.096 Euro liegt. Monatlich beträgt das Existenzminimum für 1 Person demnach 995 Euro. 2026 erhöht es sich voraussichtlich auf 12.096 Euro jährlich bzw. 1008 Euro monatlich.

Das sächliche Existenzminimum für ein Ehepaar liegt im Jahr 2026 voraussichtlich bei 19.992 Euro, was 1.666 Euro im Monat entspricht. Demgegenüber fällt das Existenzminimum für 2 ledige Personen mit 1.990 Euro monatlich 2025 deutlich höher aus. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass die Ehe als Bedarfsgemeinschaft definiert wird, in der viele Kosten geringer sind als in separaten Haushalten. Daher fällt das Existenzminimum für eine Bedarfsgemeinschaft niedriger aus. Der steuerliche Freibetrag beträgt für ein Ehepaar im Jahr 2026 voraussichtlich 24.696 Euro.

Da das sächliche Existenzminimum für Kinder im Jahr 2025 bei 6.648 Euro liegt, was monatlich einem Betrag von 554 Euro entspricht, beträgt das Existenzminimum für eine 4-köpfige Familie auf das Jahr gerechnet insgesamt 33.288 Euro. 2026 erhöht sich das Existenzminimum für Kinder voraussichtlich auf 6.696 Euro.

Damit das Existenzminimum durch den Unterhalt, den unterhaltspflichtige Personen leisten müssen, nicht gefährdet wird, werden vom Gesetzgeber bestimmte Pauschalbeträge festgelegt. So soll gewährleistet werden, dass auch Unterhaltspflichtige weiterhin ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten können, ohne vom Staat abhängig zu sein.

Der BAföGRegelsatz für Studenten fällt mit 992 Euro geringer aus als das Existenzminimum. Ein Student muss daher mit weniger Geld auskommen, als eine nicht-studierende, alleinstehende Person.

Das steuerfreie Existenzminimum

Durch den steuerlichen Grundfreibetrag bleibt das Existenzminimum steuerfrei.
Durch den steuerlichen Grundfreibetrag bleibt das Existenzminimum steuerfrei.

Als steuerfreies Existenzminimum wird ein festgelegter Betrag bezeichnet, der für eine bestimmte Personengruppe – Alleinstehende, Ehepaare, Kinder – als steuerfrei angesehen wird.

Dieser sogenannte steuerliche Grundfreibetrag für Erwachsene bzw. Kinderfreibetrag für Kinder sorgt dafür, dass das Existenzminimum für alle steuerfrei bleibt.

Damit soll jeder Person eine menschenwürdige Lebensführung ohne staatliche Unterstützung ermöglicht werden. Dies wäre nicht der Fall, wenn der Betrag, der für die Lebensgrundlage benötigt wird, besteuert würde.

Der Grundfreibetrag beruht auf der staatlichen Verpflichtung, die im Grundgesetz verankerte Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 GG) zu achten und das Sozialstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 1 GG) zu wahren.

2024 liegt der Grundfreibetrag für Alleinstehende bei 12.096 Euro, während er bei Kindern 6.672 Euro beträgt.

Ein Existenzminimum kann keiner Pfändung unterliegen, da es sogenannte Pfändungsfreigrenzen gibt. Diese stellen sicher, dass der Schuldner auch bei einer Pfändung seines Arbeitseinkommens genug Geld zum Leben bleibt. § 850c Abs. 1 der Zivilprozessordnung (ZPO) legt dementsprechend einen unpfändbaren Grundfreibetrag fest. Seit dem 11. April 2025 gilt gemäß der Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung ein pfändungsfreies Existenzminimum von 1.559,99 Euro.

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Über den Autor

Mohamed El Zaatari (Rechtsanwalt)
Mohamed El-Zaatari

Mohamed El-Zataari absolvierte sein Jura-Studium an der Universität Bremen und legte 2020 das 2. Staatsexamen ab. Nachdem er zwei Jahre lang als Referatsleiter in einer Bremer Landesbehörde tätig war, erhielt er 2022 seine Zulassung zum Rechtsanwalt. Er befasst sich vor allem mit dem Ausländer- und Sozialrecht.

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