Private Kranken­versicherung kündigen

Von anwalt.org, letzte Aktualisierung am: 30. April 2020

Kostenfreier Online-Check: Rückkehr von der PKV in die GKV
Ein Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung ist möglich.
Hier Chancen prüfen →
Wann kann ich meine private Krankenversicherung kündigen?
Wann kann ich meine private Krankenversicherung kündigen?

Einmal privat versichert – immer privat versichert? Die Entscheidung für eine private Krankenversicherung (PKV) hat weitreichende Folgen, denn eine Rückkehr in die gesetzliche Versicherung (GKV) ist nur unter sehr engen Voraussetzungen möglich.

So möchte der Gesetzgeber vermeiden, dass sich junge Menschen zunächst günstig privat versichern, im Alter in die dann günstigere GKV zurückkehren und sich damit quasi nur die Rosinen der beiden Versicherungssysteme herauspicken.

Es gibt jedoch auch andere Gründe, warum Versicherte ihre private Krankenversicherung kündigen wollen. Dieser Ratgeber beleuchtet die einzelnen Fallgestaltungen nähern und erläutert die jeweiligen Möglichkeiten einer Kündigung.

Kostenfreier Online-Check: Rückkehr von der PKV in die GKV
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Ordentliche Kündigung: Anbieter für private Kranken­­­­versicherung wechseln

Beim Verlassen der PKV gelten bestimmte Kündigungsfristen.
Beim Verlassen der PKV gelten bestimmte Kündigungsfristen.

Zunächst einmal können Versicherte ihre private Krankenversicherung ordentlich kündigen, weil sie zu einem anderen privaten Anbieter wechseln wollen.

Die Kündigungsfrist für die PKV beträgt drei Monate zum Ende des Versicherungsjahres. Meistens entspricht das Versicherungsjahr dem Kalenderjahr, sodass die Kündigung der privaten Krankenversicherung spätestens zum 30. September zugehen muss.

Bei einigen Versicherungen gelten jedoch andere Zyklen, welche Sie den jeweiligen Versicherungsbedingungen entnehmen können.

Beachten Sie, dass viele Versicherungsgesellschaften eine Mindestversicherungszeit verlangen. Diese beträgt gewöhnlich zwischen einem und drei Jahren. In dieser Zeit darf der Versicherte seine private Krankenversicherung nicht kündigen.

Auch die folgenden Punkte sollten Versicherte beachten, bevor bzw. wenn sie ihre PKV kündigen wollen:

  • Wer die private Versicherungsgesellschaft wechselt, verliert einen Teil seiner Altersrückstände, die er über die Jahre bei der PKV angespart hat. Diese brauchen Privatversicherte aber später, um Preissteigerungen im Alter aufzufangen.
  • Sie müssen die private Krankenkasse ausdrücklich kündigen. Laut einem Urteil des Landgerichts Dortmund genügt es hierfür nicht, lediglich auf einen Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung hinzuweisen (Urteil vom 24.11.2011, Az. 2 O 209/11)
  • Sie benötigen eine Formulierungshilfe, um Ihre private Krankenversicherung zu kündigen? Unser Muster bietet Ihnen eine erste Orientierung.
  • Die Kündigung der PKV muss nicht begründet werden.
  • Achten Sie darauf, dass das Kündigungsschreiben innerhalb der Kündigungsfrist bei Ihrem Privatversicherer eingeht. Sie können es beispielsweise als Einschreiben mit Rückschein versenden oder per Fax mit einem Sendebericht.
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Private Kranken­versicherung außerordentlich kündigen – Sonder­kündigungs­recht zur PKV

Wann besteht ein Sonderkündigungsrecht für die private Krankenversicherung?
Wann besteht ein Sonderkündigungsrecht für die private Krankenversicherung?

In zwei Fällen dürfen Versicherte ihre private Krankenversicherung außerordentlich kündigen, und zwar dann, wenn …

  • die Versicherungsgesellschaft die Beiträge zur Krankenkasse erhöht oder deren Leistungen ändert oder
  • wenn der Versicherte wieder unter die gesetzliche Versicherungspflicht fällt.

Private Krankenkasse kündigen wegen geplanter Beitragserhöhung

Plant die PKV eine Anhebung der Beiträge oder eine Änderung ihrer Leistungen, so kann der Versicherte von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen.

Auch hier gilt eine Kündigungsfrist: Die private Krankenversicherung kann in diesem Fall innerhalb von zwei Monaten nach Bekanntwerden der Änderungen gekündigt werden – unter Berücksichtigung der folgenden Bedingungen:

  • Maßgeblich für den Fristbeginn ist der Zeitpunkt, zu welchem dem Versicherten die Mitteilung über die Leistungs- oder Beitragsänderung zugestellt wurde. Kündigung und Anpassung werden dann zur gleichen Zeit wirksam.
  • Der Versicherte muss einen neuen Vertrag mit einer anderen Versicherung abschließen. Er kann seine vorherige private Krankenversicherung nur wirksam kündigen, wenn er spätestens innerhalb von zwei Monaten nach seiner Kündigung eine neue Versicherung nachweisen kann.

Die benannte Nachweispflicht rührt daher, dass in Deutschland eine Versicherungspflicht besteht. Deswegen muss jeder Versicherte eine lückenlose Krankenversicherung belegen.

Außerordentliche Kündigung: Private Krankenversicherung verlassen bei gesetzlicher Versicherungspflicht

Bedenken Sie, dass Sie Ihre Altersrückstellungen zur PKV bei einer Kündigung verlieren können.
Bedenken Sie, dass Sie Ihre Altersrückstellungen zur PKV bei einer Kündigung verlieren können.

Fällt ein privat Versicherter wieder unter die Versicherungspflicht oder kann er eine gesetzliche Familienversicherung beanspruchen, so darf er seine private Krankenversicherung außerordentlich kündigen.

Dies ist zum Beginn der Versicherungspflicht und sogar noch bis zu drei Monate rückwirkend möglich. Wenn der Versicherte diese Kündigungsfrist versäumt, darf er zum Ende des Monats kündigen, in welchem er seine Versicherungspflicht nachweist.

Wenn Sie Ihre Privatversicherung kündigen, müssen Sie beweisen, dass eine Versicherungspflicht besteht. Hierfür haben Sie zwei Monate Zeit, beginnend ab Ihrer Kündigung.

Die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse besteht für jeden Arbeitnehmer, dessen Bruttoarbeitseinkommen unterhalb der aktuellen Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) liegt. Diese liegt im Jahr 2019 bei 60.750 Euro und steigt 2020 auf 62.550 Euro.

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Exkurs: Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung nicht so ohne weiteres möglich

Privat Versicherte können ihre private Krankenversicherung nicht einfach kündigen, um sich anschließend wieder bei einer gesetzlichen Krankenkasse zu versichern. Der Gesetzgeber sieht diese Möglichkeit nur in folgenden Situationen vor:

  • Selbstständige dürfen nur dann in die gesetzliche Krankenkasse zurückkehren, wenn Sie eine nichtselbstständige Haupttätigkeit aufnehmen und ihr Arbeitseinkommen unterhalb der oben benannten JAEG liegt.
  • Privat versicherte Arbeitnehmer können ihre private Krankenversicherung nur dann kündigen und in die GKV wechseln, wenn Sie dauerhaft weniger als die JAEG verdienen.
  • Auch Bezieher von Arbeitslosengeld 1 dürfen nach der Kündigung ihre private Krankenversicherung verlassen. Ein Wechsel in die gesetzliche Versicherung ist dann problemlos möglich.

Muster-Kündigungs­schreiben für die private Kranken­versicherung

Wie formuliere ich die Kündigung an meine private Krankenversicherung? Unsere Vorlage bietet Orientierung.
Wie formuliere ich die Kündigung an meine private Krankenversicherung? Unsere Vorlage bietet Orientierung.

Sie wollen eine Kündigung für ihre private Krankenversicherung aufsetzen? Unser Muster bietet Ihnen eine erste Orientierung.

Bitte bedenken Sie, dass es sich dabei nur um eine unverbindliche Formulierungshilfe handelt, die keine Rechtsberatung darstellt oder ersetzt.

Passen Sie Ihr Schreiben Ihrer persönlichen Situation an, wenn Sie Ihre private Krankenversicherung kündigen wollen. Wählen Sie aus dem Muster den auf Sie zutreffenden Kündigungsgrund aus.

Name und Anschrift
der Versicherungsgesellschaft

Name und Anschrift
des Versicherten

Kündigung der privaten Krankenversicherung
Versicherungsnummer: _______________________

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich meine private Krankenversicherung zum ____ bzw. hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt

  • ordentlich zum Ende des Versicherungsjahres
  • außerordentlich, weil die gesetzliche Versicherungspflicht eingetreten ist
  • außerordentlich wegen der von Ihnen geplanten Beitragserhöhung

Ich bitte um eine schriftliche Bestätigung meiner Kündigung. Bitte bescheinigen Sie mir auch die bereits zurückgelegte Versicherungszeit.

Mit freundlichen Grüßen

Ort, Datum, Unterschrift

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Private Kranken­­versicherung: Kündigung durch den Versicherer

Die Kündigungsfrist bei der GKV beträgt zwei Monate.
Die Kündigungsfrist bei der GKV beträgt zwei Monate.

Normalerweise dürfen Versicherer die (private) Krankenversicherung nicht kündigen. Dieses Verbot gilt selbst dann, wenn der Versicherte die Beiträge nicht bezahlt.

Ein paar Ausnahmen gibt es dennoch:

  • Der Versicherte hat den Versicherer arglistig getäuscht, indem er vorsätzlich falsche Angaben zu Gesundheitsfragen machte. In diesem Fall darf die PKV den Versicherungsvertrag mit einer einmonatigen Frist kündigen bzw. vom Vertrag zurücktreten.
  • Im Falle einer schweren Vertragsverletzung durch den Versicherten darf die private Krankenversicherung außerordentlich kündigen. Das wäre etwa der Fall, wenn der Versicherte für die Abrechnung mit der PKV Belege fälscht, um sich damit höhere Rückzahlungen zu erschleichen.

Kündigung: Gesetzliche Kranken­versicherung verlassen bei Wechsel in private Versicherung

So wie die Kündigung der PKV an bestimmte Bedingungen geknüpft ist, darf der gesetzlich Versicherte seine GKV nur unter besonderen Voraussetzungen kündigen.

Wer in die private Versicherung wechseln möchte, darf dies nur, wenn er …

  • … als Arbeitnehmer ein jährliches Arbeitseinkommen erzielt, das über der JAEG liegt.
  • … freiberuflich oder selbstständig (und nicht als Künstler oder Publizist) tätig ist, weil in diesem Fall keine Versicherungspflicht in der GKV besteht.
  • … als Beamter arbeitet.
  • Ein Studium aufnimmt und sich erstmals immatrikulieren lässt.

Sie ziehen einen Wechsel in die private Krankenversicherung in Erwägung? Kündigen Sie Ihre gesetzliche Krankenversicherung nicht unüberlegt. Eine Rückkehr in die GKV ist nur unter erschwerten Bedingungen möglich.

FAQ: Private Kranken­versicherung kündigen

Darf ich meine private Krankenversicherung einfach so kündigen?

Eine ordentliche Kündigung ist unter Einhaltung der Kündigungsfrist durchaus möglich. Was Sie dabei beachten müssen, erfahren Sie in diesem Abschnitt. Des Weiteren steht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zur PKV bei einem Statuswechsel zu – sprich, wenn Sie unter die gesetzliche Versicherungspflicht fallen. Auch ein Beitragsanhebung oder Leistungsänderung seitens der PKV begründet ein Recht zur außerordentlichen Kündigung.

Ich möchte die private Krankenversicherung kündigen. Welche Kündigungsfrist muss ich einhalten?

Bei einer ordentlichen Kündigung beträgt die Frist drei Monate zum Ende des Versicherungsjahres. Innerhalb welchen Zeitraums Sie außerordentlich kündigen dürfen, erfahren Sie hier.

Kann ich die private Krankenversicherung kündigen, obwohl ich über 55 Jahre alt bin?

In den meisten Fällen ist das nicht mehr möglich. Sie müssten hierfür nachweisen, dass in den letzten fünf Jahren eine Versicherungspflicht bestanden hat. Eine Ausnahme hierzu bildet die Aufnahme in die Familienversicherung des Partners. In diesem Fall müssen Sie jedoch weniger als 425 Euro pro Monat verdienen – bzw. bei einem Minijob weniger als 450 Euro.

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